29.06.2022, 16:54
(29.06.2022, 15:13)Gast schrieb: Was ich viel schlimmer finde: ich habe mich aus einer kompletten Hartz-4-Familie hochgearbeitet und habe es in eine Großkanzlei geschafft.
Aber wenn ich mehr als 100.000€ verdiene bin ich meinen Eltern zum Unterhalt verpflichtet. Dazu kommen natürlich die 10.000€ Bafög Schulden.
Also unabhängig von den Nachteilen, die man sein Leben lang hatte bringt es einem auch nichts, dass man immer top Noten hatte und Karriere machen will.
Und wenn du dann weiß und männlich bist darfste dir dann auch noch von den Diversity-Zeloten aus deiner Kanzlei auch noch anhören, dass Du ja soooo privilegiert wärst. Wenn man Geld flüssig hat, kann man auch noch gegen einen fetten Rabatt 7.900 € Bafög-Schulden auf einmal zurückzahlen, der Rest wird erlassen. Es ist echt teuer, arm zu sein *honk honk*
29.06.2022, 17:00
(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
29.06.2022, 17:03
(29.06.2022, 16:54)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 16:51)Gast schrieb: Ich kann deinen Unmut sehr gut nachvollziehen. Wie einer meiner Vorredner schon schrieb, spielt die soziale Herkunft eine weitaus größere Rolle als Migrationshintergrund, Geschlecht, sexuelle Orientierung, etc. Das ist wissenschaftlich belegt. Da verstehe ich dann leider nicht, wie manche sagen können, dass man das den Leuten ja nicht ansehe oder dass ja "nur die Leistung" zähle. Ja super, und wie kommt man denn zu diesen Leistungen? Manche fangen bei 0 an, andere haben einen Vorsprung und fangen schon bei 5 an. Wieder andere bei -5. Habitus ist auch ein wichtiges Stichwort. Ich habe das "Glück" (dass ich das mal sagen würde, lol), dass ich als Frau mit Migrationshintergrund zwar immer mit Chancenungleichheit zu kämpfen hatte/habe, aber eben dank der ganzen Diversity-Aktionen auch immer jemanden finden würde, der mich bestärkt & unterstützt. Und sei es auch nur für das Selbstmarketing. Dass aber eigentlich mein sozialer Hintergrund für diese Chancenungleichheiten maßgeblich war, das spricht keiner aus.
Ich bin stolz auf dich, "Genosse123". Ich weiß, mit welchen Schwierigkeiten der soziale Aufstieg verbunden ist.
Ich bin doch explizit darauf eingegangen, dass die Herkunft bei guten Noten kaum oder gar nicht von Relevanz sein wird.
Dass die Herkunft für den Weg bis zu den Noten eine gewichtige Rolle spielt bestreite ich nicht und erkenne ich an.
Wieso sollte jemand mit sagen wir 2x10 Punkten in der GK anfangen und wegen des Bildungshintergrunds seiner Eltern Nachteile erleiden?
Und so jemand scheint der Threadersteller notentechnisch in etwa zu sein.
Grundsätzlich hast du natürlich Recht, dass man sich mit exzellenten Noten und einem Job in der GK sehr viele Türen öffnet. Unmittelbare Nachteile wegen des sozialen Hintergrunds wird es dort wahrscheinlich nicht geben. Aber wie der weitere Weg aussieht, ist erstmal ungewiss. Man bleibt ja nicht ewig 1st-Year-Associate. Und nur weil die Türen offen stehen, heißt es nicht, dass man am Ende auch durch jede Tür kommen wird.
29.06.2022, 17:18
Es ist bekannt, dass der soziale Aufstieg in Deutschland schwer ist. Das wird am deutschen Schulsystem von der OECD kritisiert.
Du hast es aber scheinbar schon geschafft. Was du jetzt noch ändern kannst? Keine Ahnung, Kontakte knüpfen, Allgemeinwissen verbessern z.B.
Meine relevanten Kontakte habe ich erst während des Studiums (ehemalige Kommilitonen) und im Ref geknüpft, im Ref größtenteils außerhalb meiner Referendarwelt.
Und du kannst es deinen Kindern leichter machen. Ich bin zwar das Kind von Akademikern und mein Mann ebenso. Unsere Großeltern (Kriegsgeneration) sind aber jeweils die eine Seite Bauern gewesen und die andere Seite einfache Arbeiter. Es wurde viel Wert auf Bildung gelegt, aber erst in nachfolgenden Generationen (meine Eltern, Tante, Onkel) haben alle studiert.
Unsere Kinder werden vermutlich ebenfalls studieren, so ist es derzeit zumindest angedacht. Finanziell werden sie es einfacher haben als wir, da wir seit der Geburt Sparpläne laufen haben und wir sie trotzdem später nach unseren Möglichkeiten unterstützen.
Wie in einem anderen Thread schon diskutiert: eine Generation muss anfangen und die nachfolgenden haben es anschließend einfacher.
Du hast es aber scheinbar schon geschafft. Was du jetzt noch ändern kannst? Keine Ahnung, Kontakte knüpfen, Allgemeinwissen verbessern z.B.
Meine relevanten Kontakte habe ich erst während des Studiums (ehemalige Kommilitonen) und im Ref geknüpft, im Ref größtenteils außerhalb meiner Referendarwelt.
Und du kannst es deinen Kindern leichter machen. Ich bin zwar das Kind von Akademikern und mein Mann ebenso. Unsere Großeltern (Kriegsgeneration) sind aber jeweils die eine Seite Bauern gewesen und die andere Seite einfache Arbeiter. Es wurde viel Wert auf Bildung gelegt, aber erst in nachfolgenden Generationen (meine Eltern, Tante, Onkel) haben alle studiert.
Unsere Kinder werden vermutlich ebenfalls studieren, so ist es derzeit zumindest angedacht. Finanziell werden sie es einfacher haben als wir, da wir seit der Geburt Sparpläne laufen haben und wir sie trotzdem später nach unseren Möglichkeiten unterstützen.
Wie in einem anderen Thread schon diskutiert: eine Generation muss anfangen und die nachfolgenden haben es anschließend einfacher.
29.06.2022, 17:37
(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
29.06.2022, 17:43
(29.06.2022, 17:37)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:Wie erklären sich dann die gegenläufigen Studien, die ein User oben erwähnte?(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
29.06.2022, 17:45
(29.06.2022, 17:37)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
Weniger beim Bildungshintergrund, vielmehr beim sozialen Habitus. Das sind auch keine Nachteile, die man hier erleidet, es fehlen einem vielmehr die Vorteile. Du brauchst aber Vorteile, wenn du Karriere machen willst. Sei es beim Partner mit einem gemeinsamen Hobby ("Ach, auch ein Segler/Ruderer/Tennisspieler!"), den Urlaubsorten ("Wo gehst du gerne auf Sylt essen?") oder anderen Dingen. Die Lebenswirklichkeiten können sich sehr unterscheiden, es ist allerdings wissenschaftlich erforscht, dass Sympathie stark auf Ähnlichkeit aufbaut.
29.06.2022, 20:51
Ist das tatsächlich ein GK-Spezifikum?
Oder werde ich als Arbeiterkind ohne Probleme OLG- oder BGH-Richter?
Oder werde ich als Arbeiterkind ohne Probleme OLG- oder BGH-Richter?
29.06.2022, 21:01
(29.06.2022, 17:45)Gast schrieb:(29.06.2022, 17:37)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
Weniger beim Bildungshintergrund, vielmehr beim sozialen Habitus. Das sind auch keine Nachteile, die man hier erleidet, es fehlen einem vielmehr die Vorteile. Du brauchst aber Vorteile, wenn du Karriere machen willst. Sei es beim Partner mit einem gemeinsamen Hobby ("Ach, auch ein Segler/Ruderer/Tennisspieler!"), den Urlaubsorten ("Wo gehst du gerne auf Sylt essen?") oder anderen Dingen. Die Lebenswirklichkeiten können sich sehr unterscheiden, es ist allerdings wissenschaftlich erforscht, dass Sympathie stark auf Ähnlichkeit aufbaut.
Gut, da stimme ich zu.
Das mag zutreffen, hat aber glaube ich nicht per se mit Arbeiterkind zu tun.
Das bin ich auch. Hätte ich Tennis spielen wollen, hätte ich Tennis spielen können. Hätte ich auf Sylt Urlaub machen wollen, hätte ich auf Sylt Urlaub machen können. Das wird gewiss nicht auf jedes Arbeiterkind zutreffen, das ist mir bewusst.
Da fehlt dieser "Vorteil" in diesen Fällen natürlich.
Aber das kann man auch als Associate wettmachen und seinen Habitus in Richtung Bildungsbürgertum bewegen.
Tennisstunden und der Sylt-Urlaub lassen sich als GK-Anwalt einfach bezahlen.
Habe als Arbeiterkind auch nicht wirklich verspürt, dass sich mein Habitus und meine Art von der meiner Chefs unterscheidet.
Auch dies mag für einige Arbeiterkinder nicht zutreffen, aber auch hier ist Korrelation ungleich Kausalität.
Ich muss dennoch klein beigeben und konstatieren, dass es einen Unterschied machen kann.
Muss es aber in meinen Augen immer noch nicht, @Threadersteller.
29.06.2022, 21:54
(29.06.2022, 21:01)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:45)Gast schrieb:(29.06.2022, 17:37)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
Weniger beim Bildungshintergrund, vielmehr beim sozialen Habitus. Das sind auch keine Nachteile, die man hier erleidet, es fehlen einem vielmehr die Vorteile. Du brauchst aber Vorteile, wenn du Karriere machen willst. Sei es beim Partner mit einem gemeinsamen Hobby ("Ach, auch ein Segler/Ruderer/Tennisspieler!"), den Urlaubsorten ("Wo gehst du gerne auf Sylt essen?") oder anderen Dingen. Die Lebenswirklichkeiten können sich sehr unterscheiden, es ist allerdings wissenschaftlich erforscht, dass Sympathie stark auf Ähnlichkeit aufbaut.
Gut, da stimme ich zu.
Das mag zutreffen, hat aber glaube ich nicht per se mit Arbeiterkind zu tun.
Das bin ich auch. Hätte ich Tennis spielen wollen, hätte ich Tennis spielen können. Hätte ich auf Sylt Urlaub machen wollen, hätte ich auf Sylt Urlaub machen können. Das wird gewiss nicht auf jedes Arbeiterkind zutreffen, das ist mir bewusst.
Da fehlt dieser "Vorteil" in diesen Fällen natürlich.
Aber das kann man auch als Associate wettmachen und seinen Habitus in Richtung Bildungsbürgertum bewegen.
Tennisstunden und der Sylt-Urlaub lassen sich als GK-Anwalt einfach bezahlen.
Habe als Arbeiterkind auch nicht wirklich verspürt, dass sich mein Habitus und meine Art von der meiner Chefs unterscheidet.
Auch dies mag für einige Arbeiterkinder nicht zutreffen, aber auch hier ist Korrelation ungleich Kausalität.
Ich muss dennoch klein beigeben und konstatieren, dass es einen Unterschied machen kann.
Muss es aber in meinen Augen immer noch nicht, @Threadersteller.
Naja, es gibt natürlich "Arbeiter", die viel Geld verdienen. Das Kind einer Hausfrau und eines Paketzustellers wird aber vermutlich weder Sylt noch Tennis aus eigener Anschauung kennen. Ausnahmen mögen vorkommen. Schaut man sich aber das Medianeinkommen unter Arbeitern an, scheinst Du eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Und ja, als Associate kann man sich das natürlich dann leisten. Nur werden sog. Arbeiterkinder schlicht seltener Associate. Dafür gibt es demographische Studien zu Studienabschlüssen. Und diese studieren dann statistisch gesehen häufiger soziale Arbeit und seltener Jura. Auch aus finanziellen Gründen. Selbst wenn man dann Associate geworden ist, legt sich ein Habitus und ein Lebenswandel nicht mal eben so ab, das kann nur ein Prozess sein. Und wenn dieser länger dauert, gibt es mehr Möglichkeiten, anzuecken.
Also:
Ja, Arbeiterkind zu sein ist in bestimmten Bereichen ein Malus. Man stelle sich einen Schmied mit lauwarmer Esse vor. Der muss halt fester schlagen.
Wie in der GK-Partner-Welt auf sog. Arbeiterkinder geschaut wird, weiß ich nicht. In einem Vorstellungsgespräch bei einer Boutique wurde mir positiv angerechnet, dass ich vermutlich einen etwas steinigeren Weg hatte. Ob es sich dabei um strukturelle Diskriminierung handelt, weiß ich nicht. Bei PoC u.Ä. handelt es sich aufgrund indirekt diskriminierender Faktoren sicherlich um strukturelle Diskriminierung, der begegnet werden sollte. Bei Arbeiterkindern mag das ggfl. ähnlich sein. Hier sollte jedoch schon der Staat dafür sorgen, dass mehr Chancengerechtigkeit besteht.









