19.10.2026, 21:19
(19.10.2026, 18:48)ossi23 schrieb:(19.10.2026, 18:22)Ex-GK schrieb:(19.10.2026, 18:02)Ihrist schrieb:(19.10.2026, 16:25)Ex-GK schrieb: Geleistete Arbeitsstunden sind nicht gleich abrechenbare Stunden, die idR in Kanzleien ein Faktor für die Berechnung von Boni sind. Nur weil Stunden aufgeschrieben werden, werden sie, vor allem bei Berufseinsteigern, nicht automatisch vollständig abgerechnet (also auch vom Mandanten bezahlt). Aus Deinem Post ist für mich nicht ganz klar, ob die "geleisteten Arbeitsstunden" die reine Anwesenheitszeit/aufgeschriebene Zeit sind oder tatsächlich abgerechnete Stunden. Ist bei Euch nicht kommuniziert, nach welchen Faktoren der Bonus sich berechnet?
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung!
Ich bin an sich schon in einem Fachbereich mit in der Regel eher hohen Stundensätzen. Die abgerechneten Stunden liegen auch über dem vorgegebenen Wert, es ist jedoch super intransparent bei uns ab wann es überhaupt einen Bonus gibt und ob es einen Bonus gibt. Das scheint auch ein Bereichsübergreifendes Problem zu sein, von dem auch Anwälte aus anderen Bereichen betroffen sind.
Hast du Erfahrungen damit, wie hoch die Schwelle der abgerechneten Stunden bei anderen Kanzleien liegt, um einen Bonus zu erhalten?
Bei Azur kann man zB bei vielen Kanzleien einsehen, welche billable hours vorausgesetzt werden (https://www.azur-online.de/gehalt/billab...ssociates/) - in der GK, in der ich war, war das Erfüllen dieser Vorgabe ein Baustein, der bonusrelevant war, aber es gab eben auch weiteren. Manche Kanzleien geben dort auch an, wie die Boni berechnet werden (das ist nicht immer vollständig, da viele genau diese Faktoren nicht öffentlich machen). Bei uns konnte man die für den Bonus relevanten KPIs in der Buchhaltung abfragen und wusste dann zB, wie viele von den aufgeschriebenen Stunden auch abgerechnet wurden, wie hoch der aktuelle Umsatz ist etc. Ich habe das meistens vor dem Jahresgespräch als Vorbereitung gemacht, idR aber auch halbjährlich und bin auch mal auf den für mich zuständigen Partner zugegangen, wenn es zB größere Diskrepanzen zwischen den aufgeschriebenen und abgerechneten Stunden gab. Wenn es bei Euch aber gar keine eindeutigen Vorgaben für den Bonus gibt, dann ist klar, dass ihr kollektiv frustriert seid.
Edit: Azur ist zielführender als Juve - ist oben ausgetauscht.
Ich wusste gar nicht, dass es dafür auch eine Azur-Liste gibt, vielen Dank - das ist super spannend!
Nach meiner Erfahrung gibt es einige Kanzleien, bei denen das Erreichen der vorgegebenen Stundenzahl schon ausreicht, damit man einen Bonus bekommt (z.B. Freshfields). Hengeler zahlt nach meiner Kenntnis nach Kanzleigewinn Boni aus, die je nach Senioritätsstufe unterschiedlich sein können. Bei anderen Kanzleien kommen auch noch weiche Faktoren dazu, z.B. die Akquise Tätigkeit, Veröffentlichungen im Blog, etc., dass kann auch bis hin zu einer kleinen Provision für angeworbene Mandanten gehen. Andere Kanzleien setzen hingegen darauf, dass alle in den ersten drei bis fünf Berufsjahren das gleiche Gehalt bekommen, unabhängige davon, ob du 1.500, 2.000 oder 2.500 abrechenbare Stunde hast (ich meine tatsächlich, dass Noerr darunter fällt - vielleicht deshalb der Kommentar des Kollegen).
Es gibt nach meiner Kenntnis keine Liste von Kanzleien, aus denen hervorgeht, welche Kanzlei Boni, in welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen zahlt. Ich meine jedoch, dass es bei Freshfields mal 1.800 Stunden gewesen sind, und Dentons 5000 Euro pro 50 Stunden, die über 1.600 Stunden hinausgehen zahlt.
Danke dir für deine Insights! Das Dentons Modell hört sich spannend an. Sowas würde ich mir auch bei uns wünschen…
20.10.2026, 09:32
(19.10.2026, 15:02)Ihrist schrieb: Hallo,
ich bin seit etwa drei Jahren in einer Großkanzlei in München tätig und bin ehrlich gesagt enttäuscht und auch etwas schockiert darüber, wie in der Kanzlei mit Leistung umgegangen wird. Ich (und auch weitere Kollegen) haben in den letzten Jahren deutlich mehr Stunden gearbeitet als von der Kanzlei vorgegeben. Was uns nun frustriert ist, dass diese Arbeit von der Kanzlei eigentlich nicht honoriert wird. Boni gibt es faktisch nicht (auch wenn das bei Azur und Co. anders angegeben wird) und wir verdienen das gleiche wie Kollegen die maximal die vorgegebenen Stunden arbeiten oder sogar (deutlich) weniger Stunden machen. Wenn man dann nach einem Bonus fragt, bekommt man immer zurück, dass die Mehrarbeit bei den Beförderungsebtscheidungen berücksichtigt werden, aber was bringt mir das, wenn man sowieso unklar ist, ob man es in der Kanzlei mal zum Partner schafft, weil z.B. die Partnerebene in deinem Bereich mit relativ jungen Leuten besetzt ist.
Aus meiner Sicht ist das extrem demotivierend, da ich (und andere Kollegen) gefühlt nichts dafür bekommen, dass wir uns mehr reinhängen als so manch anderer.
Gibt es Kanzleien, bei denen das besser läuft? Bei denen sich also Leistung noch richtig (auch finanziell) lohnt? Was sind eure Erfahrungen?
Das ist eine ärgerliche Erfahrung und ich kann die Frustration nachvollziehen.
Zugleich muss man aber einwenden, dass die Boniregeln vor Vertragsschluss klar sein sollten und man sich folglich sehenden Auges auf den entsprechenden Deal eingelassen hat.
Um dennoch auf deine ursprüngliche Frage zurückzukommen, eine stark ausgeprägte eat-what-you-kill Mentalität findest du teilweise bei den Amerikanern noch, kürzlich noch bei Poellath, obwohl die mittlerweile eine ausgewogeneres Modell fahren, ferner bei Seitz.
Und dann gibt es noch viele Kanzleien, die immerhin transparente Regeln haben. Da fällt mir spontan Dentons, TW, DLA, LMPS ein.
20.10.2026, 14:21
Ich muss mal wieder eine Lanze für MK und Boutique brechen. Umsatzbeteiligung selbst verhandelt, dann lohnt sich auch Leistung noch 
So landet man oftmals ebenfalls bei GK-Gehältern, aber ohne deren Arbeitszeiten. Man hängt natürlich am zuständigen Partner und dessen Stundensätzen, kann aber sehr gut funktionieren.

So landet man oftmals ebenfalls bei GK-Gehältern, aber ohne deren Arbeitszeiten. Man hängt natürlich am zuständigen Partner und dessen Stundensätzen, kann aber sehr gut funktionieren.
20.10.2026, 17:28
(20.10.2026, 14:21)JurMUC schrieb: Ich muss mal wieder eine Lanze für MK und Boutique brechen. Umsatzbeteiligung selbst verhandelt, dann lohnt sich auch Leistung noch
So landet man oftmals ebenfalls bei GK-Gehältern, aber ohne deren Arbeitszeiten. Man hängt natürlich am zuständigen Partner und dessen Stundensätzen, kann aber sehr gut funktionieren.
+1
Ich hatte ein Angebot von einer Boutique - Basisgehalt 90K, Treuebonus am Ende des 1. Jahres 10K, ab dem ersten Jahr Umsatzbeteiligung an allen eigenen Mandaten mit dem Versprechen, dass man am Ende des 3. Jahres so oder so auf 150K kommt.
Angebot habe ich nicht angenommen aus diversen Gründen, aber der Deal war zumindest auf dem Papier sehr nett.
20.10.2026, 20:44
Wundert es dich tatsächlich, dass die Arbeit in einer GK frustrierend sein kann?
Du solltest dir vielleicht einfach erstmal die Frage stellen, wofür du das machst und was du z.b. in den nächsten 5 und 10 Jahren erreichen willst.
Nicht umsonst wechseln viele auf Counsel Level in andere (kleinere) Einheiten, weil sie dort bessere Aufstiegschancen sehen.
Wenn du bei dir auch noch das Gefühl hast, dass deine Arbeit nicht wertgeschätzt wird und es nach oben eh unrealistisch wird, würde ich das nicht weiter machen.
+1 für "echte" Anwaltstätigkeit in MK und Boutique.
Interessante Aufstellung des Kollegen oben zu den eat-what-you kill Einheiten. Vielleicht mag er es uns noch etwas detaillierter erklären, wie sich das dann berechnet?
Es ist jedenfalls immer besser für die eigene Tasche zu arbeiten, als für Quersubventionierung
Du solltest dir vielleicht einfach erstmal die Frage stellen, wofür du das machst und was du z.b. in den nächsten 5 und 10 Jahren erreichen willst.
Nicht umsonst wechseln viele auf Counsel Level in andere (kleinere) Einheiten, weil sie dort bessere Aufstiegschancen sehen.
Wenn du bei dir auch noch das Gefühl hast, dass deine Arbeit nicht wertgeschätzt wird und es nach oben eh unrealistisch wird, würde ich das nicht weiter machen.
+1 für "echte" Anwaltstätigkeit in MK und Boutique.
Interessante Aufstellung des Kollegen oben zu den eat-what-you kill Einheiten. Vielleicht mag er es uns noch etwas detaillierter erklären, wie sich das dann berechnet?
Es ist jedenfalls immer besser für die eigene Tasche zu arbeiten, als für Quersubventionierung
21.10.2026, 12:59
(20.10.2026, 20:44)BavarianLawyer schrieb: Interessante Aufstellung des Kollegen oben zu den eat-what-you kill Einheiten. Vielleicht mag er es uns noch etwas detaillierter erklären, wie sich das dann berechnet?
Es ist jedenfalls immer besser für die eigene Tasche zu arbeiten, als für Quersubventionierung
Die strikten eat-what-you-kill Modelle, von denen ich bisher gehört habe, waren alle ähnlich aufgebaut. Ab Erreichen einer Umsatzschwelle (idR zwischen 200 und 300% des eigenen Gehaltes) gibt es Tantieme auf jeden darüberhinausgehenden Euro. Im Rahmen dessen habe ich bereits von Modellen gehört, die eine Beteiligung iHv. 20% im ersten Jahr als Senior Associate bis hin zu zu 50% als Salary Partner vorsehen.
Wenn man nun bspw. ein Grundgehalt von EUR 100.000,00 und einen "schlechten" Deal hat, dann bekommt man ab einem Umsatz iHv. EUR 300.000,00 20%. Bei 600.000 Umsatz landet man folglich bei EUR 160.000,00.
Mit einem "besseren" Deal, der bspw. eine Schwelle von 250% und 40% Beteiligung vorsieht, landet man bei demselben Umsatz bei EUR 240.000,00.
Skurril finde ich hierbei insbesondere die Modelle in denen 300% erreicht werden müssen und man dann weniger als 33% des darüberhinausgehenden Betrages bekommt, da man dann einen immer schlechter werdenden Stundenlohn bekommt, umso mehr Umsatz man macht und faktisch ein Inzentiv geschaffen wird, möglichst wenig zu arbeiten. Einen vergleichbaren Deal gibt es bei Lutz & Abel.
Andere knüpfen an den eigenen Erfolg und den Kanzleierfolg an, weitere nur an den Kanzleierfolg und am schlimmsten ist wohl ein Bonus der im Ermessen eines Komitees steht oder an intransparente Anforderungen anknüpft.
Ob eine Quersubventionierung per se schlecht ist, ist wohl eine persönliche Fragen. Mag man gerne den entsprechenden Druck haben oder ist einem eine gewissen Sicherheit lieber? Gerade in Kanzleien mit starker eat-what-you-kill Ausprägung und einem eigenen Umsatzpool pro Partner / Team kommt es regelmäßig dazu, dass man Themen bearbeitet die einem eigentlich gar nicht liegen und das obwohl man eine Tür weiter einen Kollegen hat der sich damit auskennt, man aber angehalten ist möglichst wenig aus dem Pool seines eigenen Partners herauszugeben.
21.10.2026, 14:59
(21.10.2026, 12:59)JuraHassLiebe schrieb: Ob eine Quersubventionierung per se schlecht ist, ist wohl eine persönliche Fragen. Mag man gerne den entsprechenden Druck haben oder ist einem eine gewissen Sicherheit lieber? Gerade in Kanzleien mit starker eat-what-you-kill Ausprägung und einem eigenen Umsatzpool pro Partner / Team kommt es regelmäßig dazu, dass man Themen bearbeitet die einem eigentlich gar nicht liegen und das obwohl man eine Tür weiter einen Kollegen hat der sich damit auskennt, man aber angehalten ist möglichst wenig aus dem Pool seines eigenen Partners herauszugeben.
Wobei man auch zwischen Associates und Partnern unterscheiden muss. Als Associate kann ein höherer Bonus verlockend sein aber das kommt gerne mal von GKs, die einen ganz langen Partnertrack haben. Da gibt's dann 20-50k mehr im Jahr während man vom eigentlichen Honigtopf ferngehalten wird.
Als Partner kann eat-what-you-kill verlockend sein, wenn man sehr umsatzstark ist. Gleichzeitig sind solche Kanzleien nach meinem Wissen auch eher die mit einem hohen Umsatzdruck auf ihre Partner.
Ein anderer Punkt: Als junger Partner heißt eat-what-you-kill eben auch, dass die Senior Partner ihre Mandate lieber selbst behalten und nichts bis wenig intern weitergeben. Bei einem (teilweisen) lock-step kann ein Senior Partner auch mal geneigter sein, etwas an einen jungen Partner zu geben.









