19.10.2026, 15:02
Hallo,
ich bin seit etwa drei Jahren in einer Großkanzlei in München tätig und bin ehrlich gesagt enttäuscht und auch etwas schockiert darüber, wie in der Kanzlei mit Leistung umgegangen wird. Ich (und auch weitere Kollegen) haben in den letzten Jahren deutlich mehr Stunden gearbeitet als von der Kanzlei vorgegeben. Was uns nun frustriert ist, dass diese Arbeit von der Kanzlei eigentlich nicht honoriert wird. Boni gibt es faktisch nicht (auch wenn das bei Azur und Co. anders angegeben wird) und wir verdienen das gleiche wie Kollegen die maximal die vorgegebenen Stunden arbeiten oder sogar (deutlich) weniger Stunden machen. Wenn man dann nach einem Bonus fragt, bekommt man immer zurück, dass die Mehrarbeit bei den Beförderungsebtscheidungen berücksichtigt werden, aber was bringt mir das, wenn man sowieso unklar ist, ob man es in der Kanzlei mal zum Partner schafft, weil z.B. die Partnerebene in deinem Bereich mit relativ jungen Leuten besetzt ist.
Aus meiner Sicht ist das extrem demotivierend, da ich (und andere Kollegen) gefühlt nichts dafür bekommen, dass wir uns mehr reinhängen als so manch anderer.
Gibt es Kanzleien, bei denen das besser läuft? Bei denen sich also Leistung noch richtig (auch finanziell) lohnt? Was sind eure Erfahrungen?
ich bin seit etwa drei Jahren in einer Großkanzlei in München tätig und bin ehrlich gesagt enttäuscht und auch etwas schockiert darüber, wie in der Kanzlei mit Leistung umgegangen wird. Ich (und auch weitere Kollegen) haben in den letzten Jahren deutlich mehr Stunden gearbeitet als von der Kanzlei vorgegeben. Was uns nun frustriert ist, dass diese Arbeit von der Kanzlei eigentlich nicht honoriert wird. Boni gibt es faktisch nicht (auch wenn das bei Azur und Co. anders angegeben wird) und wir verdienen das gleiche wie Kollegen die maximal die vorgegebenen Stunden arbeiten oder sogar (deutlich) weniger Stunden machen. Wenn man dann nach einem Bonus fragt, bekommt man immer zurück, dass die Mehrarbeit bei den Beförderungsebtscheidungen berücksichtigt werden, aber was bringt mir das, wenn man sowieso unklar ist, ob man es in der Kanzlei mal zum Partner schafft, weil z.B. die Partnerebene in deinem Bereich mit relativ jungen Leuten besetzt ist.
Aus meiner Sicht ist das extrem demotivierend, da ich (und andere Kollegen) gefühlt nichts dafür bekommen, dass wir uns mehr reinhängen als so manch anderer.
Gibt es Kanzleien, bei denen das besser läuft? Bei denen sich also Leistung noch richtig (auch finanziell) lohnt? Was sind eure Erfahrungen?
19.10.2026, 16:20
(19.10.2026, 15:02)Ihrist schrieb: Hallo,
ich bin seit etwa drei Jahren in einer Großkanzlei in München tätig und bin ehrlich gesagt enttäuscht und auch etwas schockiert darüber, wie in der Kanzlei mit Leistung umgegangen wird. Ich (und auch weitere Kollegen) haben in den letzten Jahren deutlich mehr Stunden gearbeitet als von der Kanzlei vorgegeben. Was uns nun frustriert ist, dass diese Arbeit von der Kanzlei eigentlich nicht honoriert wird. Boni gibt es faktisch nicht (auch wenn das bei Azur und Co. anders angegeben wird) und wir verdienen das gleiche wie Kollegen die maximal die vorgegebenen Stunden arbeiten oder sogar (deutlich) weniger Stunden machen. Wenn man dann nach einem Bonus fragt, bekommt man immer zurück, dass die Mehrarbeit bei den Beförderungsebtscheidungen berücksichtigt werden, aber was bringt mir das, wenn man sowieso unklar ist, ob man es in der Kanzlei mal zum Partner schafft, weil z.B. die Partnerebene in deinem Bereich mit relativ jungen Leuten besetzt ist.
Aus meiner Sicht ist das extrem demotivierend, da ich (und andere Kollegen) gefühlt nichts dafür bekommen, dass wir uns mehr reinhängen als so manch anderer.
Gibt es Kanzleien, bei denen das besser läuft? Bei denen sich also Leistung noch richtig (auch finanziell) lohnt? Was sind eure Erfahrungen?
Ja, es gibt Kanzleien, die stundenabhängige Boni zahlen. Das ist dir doch aber sicher auch bekannt, wenn du drei Jahre in einer GK arbeitest? Oder ist es keine GK, sondern Noerr?
19.10.2026, 16:25
Geleistete Arbeitsstunden sind nicht gleich abrechenbare Stunden, die idR in Kanzleien ein Faktor für die Berechnung von Boni sind. Nur weil Stunden aufgeschrieben werden, werden sie, vor allem bei Berufseinsteigern, nicht automatisch vollständig abgerechnet (also auch vom Mandanten bezahlt). Aus Deinem Post ist für mich nicht ganz klar, ob die "geleisteten Arbeitsstunden" die reine Anwesenheitszeit/aufgeschriebene Zeit sind oder tatsächlich abgerechnete Stunden. Ist bei Euch nicht kommuniziert, nach welchen Faktoren der Bonus sich berechnet?
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
19.10.2026, 18:02
(19.10.2026, 16:25)Ex-GK schrieb: Geleistete Arbeitsstunden sind nicht gleich abrechenbare Stunden, die idR in Kanzleien ein Faktor für die Berechnung von Boni sind. Nur weil Stunden aufgeschrieben werden, werden sie, vor allem bei Berufseinsteigern, nicht automatisch vollständig abgerechnet (also auch vom Mandanten bezahlt). Aus Deinem Post ist für mich nicht ganz klar, ob die "geleisteten Arbeitsstunden" die reine Anwesenheitszeit/aufgeschriebene Zeit sind oder tatsächlich abgerechnete Stunden. Ist bei Euch nicht kommuniziert, nach welchen Faktoren der Bonus sich berechnet?
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung!
Ich bin an sich schon in einem Fachbereich mit in der Regel eher hohen Stundensätzen. Die abgerechneten Stunden liegen auch über dem vorgegebenen Wert, es ist jedoch super intransparent bei uns ab wann es überhaupt einen Bonus gibt und ob es einen Bonus gibt. Das scheint auch ein Bereichsübergreifendes Problem zu sein, von dem auch Anwälte aus anderen Bereichen betroffen sind.
Hast du Erfahrungen damit, wie hoch die Schwelle der abgerechneten Stunden bei anderen Kanzleien liegt, um einen Bonus zu erhalten?
19.10.2026, 18:09
(19.10.2026, 16:20)Greif schrieb:Also wenn du Noerr nicht als GK ansiehst, würdest du meinen Arbeitgeber auch nicht als GK einstufen (jedenfalls nicht in Deutschland) ;). Trotzdem würde mich interessieren, wo solche Bonusschwellen bei „richtigen“ GKs liegen.(19.10.2026, 15:02)Ihrist schrieb: Hallo,
ich bin seit etwa drei Jahren in einer Großkanzlei in München tätig und bin ehrlich gesagt enttäuscht und auch etwas schockiert darüber, wie in der Kanzlei mit Leistung umgegangen wird. Ich (und auch weitere Kollegen) haben in den letzten Jahren deutlich mehr Stunden gearbeitet als von der Kanzlei vorgegeben. Was uns nun frustriert ist, dass diese Arbeit von der Kanzlei eigentlich nicht honoriert wird. Boni gibt es faktisch nicht (auch wenn das bei Azur und Co. anders angegeben wird) und wir verdienen das gleiche wie Kollegen die maximal die vorgegebenen Stunden arbeiten oder sogar (deutlich) weniger Stunden machen. Wenn man dann nach einem Bonus fragt, bekommt man immer zurück, dass die Mehrarbeit bei den Beförderungsebtscheidungen berücksichtigt werden, aber was bringt mir das, wenn man sowieso unklar ist, ob man es in der Kanzlei mal zum Partner schafft, weil z.B. die Partnerebene in deinem Bereich mit relativ jungen Leuten besetzt ist.
Aus meiner Sicht ist das extrem demotivierend, da ich (und andere Kollegen) gefühlt nichts dafür bekommen, dass wir uns mehr reinhängen als so manch anderer.
Gibt es Kanzleien, bei denen das besser läuft? Bei denen sich also Leistung noch richtig (auch finanziell) lohnt? Was sind eure Erfahrungen?
Ja, es gibt Kanzleien, die stundenabhängige Boni zahlen. Das ist dir doch aber sicher auch bekannt, wenn du drei Jahre in einer GK arbeitest? Oder ist es keine GK, sondern Noerr?
19.10.2026, 18:22
(19.10.2026, 18:02)Ihrist schrieb:(19.10.2026, 16:25)Ex-GK schrieb: Geleistete Arbeitsstunden sind nicht gleich abrechenbare Stunden, die idR in Kanzleien ein Faktor für die Berechnung von Boni sind. Nur weil Stunden aufgeschrieben werden, werden sie, vor allem bei Berufseinsteigern, nicht automatisch vollständig abgerechnet (also auch vom Mandanten bezahlt). Aus Deinem Post ist für mich nicht ganz klar, ob die "geleisteten Arbeitsstunden" die reine Anwesenheitszeit/aufgeschriebene Zeit sind oder tatsächlich abgerechnete Stunden. Ist bei Euch nicht kommuniziert, nach welchen Faktoren der Bonus sich berechnet?
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung!
Ich bin an sich schon in einem Fachbereich mit in der Regel eher hohen Stundensätzen. Die abgerechneten Stunden liegen auch über dem vorgegebenen Wert, es ist jedoch super intransparent bei uns ab wann es überhaupt einen Bonus gibt und ob es einen Bonus gibt. Das scheint auch ein Bereichsübergreifendes Problem zu sein, von dem auch Anwälte aus anderen Bereichen betroffen sind.
Hast du Erfahrungen damit, wie hoch die Schwelle der abgerechneten Stunden bei anderen Kanzleien liegt, um einen Bonus zu erhalten?
Bei Azur kann man zB bei vielen Kanzleien einsehen, welche billable hours vorausgesetzt werden (https://www.azur-online.de/gehalt/billab...ssociates/) - in der GK, in der ich war, war das Erfüllen dieser Vorgabe ein Baustein, der bonusrelevant war, aber es gab eben auch weiteren. Manche Kanzleien geben dort auch an, wie die Boni berechnet werden (das ist nicht immer vollständig, da viele genau diese Faktoren nicht öffentlich machen). Bei uns konnte man die für den Bonus relevanten KPIs in der Buchhaltung abfragen und wusste dann zB, wie viele von den aufgeschriebenen Stunden auch abgerechnet wurden, wie hoch der aktuelle Umsatz ist etc. Ich habe das meistens vor dem Jahresgespräch als Vorbereitung gemacht, idR aber auch halbjährlich und bin auch mal auf den für mich zuständigen Partner zugegangen, wenn es zB größere Diskrepanzen zwischen den aufgeschriebenen und abgerechneten Stunden gab. Wenn es bei Euch aber gar keine eindeutigen Vorgaben für den Bonus gibt, dann ist klar, dass ihr kollektiv frustriert seid.
Edit: Azur ist zielführender als Juve - ist oben ausgetauscht.
19.10.2026, 18:26
warum soll noerr keine gk sein?
19.10.2026, 18:48
(19.10.2026, 18:22)Ex-GK schrieb:(19.10.2026, 18:02)Ihrist schrieb:(19.10.2026, 16:25)Ex-GK schrieb: Geleistete Arbeitsstunden sind nicht gleich abrechenbare Stunden, die idR in Kanzleien ein Faktor für die Berechnung von Boni sind. Nur weil Stunden aufgeschrieben werden, werden sie, vor allem bei Berufseinsteigern, nicht automatisch vollständig abgerechnet (also auch vom Mandanten bezahlt). Aus Deinem Post ist für mich nicht ganz klar, ob die "geleisteten Arbeitsstunden" die reine Anwesenheitszeit/aufgeschriebene Zeit sind oder tatsächlich abgerechnete Stunden. Ist bei Euch nicht kommuniziert, nach welchen Faktoren der Bonus sich berechnet?
Ich kenne das häufig so, dass die "harten" Messwerte, wie abrechenbare Stunden und tatsächlich erzielter Umsatz eine große Rolle spielen - Arbeitsstunden, die nicht abrechenbar sind, aber dafür der Kanzlei dienen (z.B. weil man sich innerhalb /außerhalb der Kanzlei eingesetzt hat), werden als eher "weiche" Faktoren in den Bonus einbezogen, wenn sie überdurchschnittlich sind. Es ist auch mE nicht immer hilfreich, sich mit anderen Praxisbereichen zu vergleichen, wenn die Kostenstruktur nicht einheitlich ist. Beispiel: KollegInnen im ÖffRecht können idR nicht so hohe Stundensätze verlangen als Fachbereiche mit Corporates als Mandanten - das kann dazu führen, dass die Umsätze im ÖffRecht grds. eher hinter denen aus bspw. Capital Markets stehen. Gleichzeitig diskutiert man mit Corporates erfahrungsgemäß sehr viel mehr über Rechnungen (und muss auch mal Stunden streichen) - als Konsequenz kann es dann sein, dass ÖffRecht mehr abrechenbare Stunden hat, obwohl der Umsatz im Capital Markets höher war. Zusätzlich sind nicht alle Teams gleichermaßen ausgelastet.
Ich kann den Frust sehr gut verstehen, was Du schilderst ist aber leider nicht untypisch. Es ist aber auch nicht einfach, eine für alle "gerechte" Bonusstruktur zu haben, wenn Teams unterschiedlich arbeiten / abrechnen. Teamspezifische Modelle würden mE aber auch eher zu noch mehr Unmut untereinander führen als eine einheitliche Struktur.
Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung!
Ich bin an sich schon in einem Fachbereich mit in der Regel eher hohen Stundensätzen. Die abgerechneten Stunden liegen auch über dem vorgegebenen Wert, es ist jedoch super intransparent bei uns ab wann es überhaupt einen Bonus gibt und ob es einen Bonus gibt. Das scheint auch ein Bereichsübergreifendes Problem zu sein, von dem auch Anwälte aus anderen Bereichen betroffen sind.
Hast du Erfahrungen damit, wie hoch die Schwelle der abgerechneten Stunden bei anderen Kanzleien liegt, um einen Bonus zu erhalten?
Bei Azur kann man zB bei vielen Kanzleien einsehen, welche billable hours vorausgesetzt werden (https://www.azur-online.de/gehalt/billab...ssociates/) - in der GK, in der ich war, war das Erfüllen dieser Vorgabe ein Baustein, der bonusrelevant war, aber es gab eben auch weiteren. Manche Kanzleien geben dort auch an, wie die Boni berechnet werden (das ist nicht immer vollständig, da viele genau diese Faktoren nicht öffentlich machen). Bei uns konnte man die für den Bonus relevanten KPIs in der Buchhaltung abfragen und wusste dann zB, wie viele von den aufgeschriebenen Stunden auch abgerechnet wurden, wie hoch der aktuelle Umsatz ist etc. Ich habe das meistens vor dem Jahresgespräch als Vorbereitung gemacht, idR aber auch halbjährlich und bin auch mal auf den für mich zuständigen Partner zugegangen, wenn es zB größere Diskrepanzen zwischen den aufgeschriebenen und abgerechneten Stunden gab. Wenn es bei Euch aber gar keine eindeutigen Vorgaben für den Bonus gibt, dann ist klar, dass ihr kollektiv frustriert seid.
Edit: Azur ist zielführender als Juve - ist oben ausgetauscht.
Ich wusste gar nicht, dass es dafür auch eine Azur-Liste gibt, vielen Dank - das ist super spannend!
Nach meiner Erfahrung gibt es einige Kanzleien, bei denen das Erreichen der vorgegebenen Stundenzahl schon ausreicht, damit man einen Bonus bekommt (z.B. Freshfields). Hengeler zahlt nach meiner Kenntnis nach Kanzleigewinn Boni aus, die je nach Senioritätsstufe unterschiedlich sein können. Bei anderen Kanzleien kommen auch noch weiche Faktoren dazu, z.B. die Akquise Tätigkeit, Veröffentlichungen im Blog, etc., dass kann auch bis hin zu einer kleinen Provision für angeworbene Mandanten gehen. Andere Kanzleien setzen hingegen darauf, dass alle in den ersten drei bis fünf Berufsjahren das gleiche Gehalt bekommen, unabhängige davon, ob du 1.500, 2.000 oder 2.500 abrechenbare Stunde hast (ich meine tatsächlich, dass Noerr darunter fällt - vielleicht deshalb der Kommentar des Kollegen).
Es gibt nach meiner Kenntnis keine Liste von Kanzleien, aus denen hervorgeht, welche Kanzlei Boni, in welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen zahlt. Ich meine jedoch, dass es bei Freshfields mal 1.800 Stunden gewesen sind, und Dentons 5000 Euro pro 50 Stunden, die über 1.600 Stunden hinausgehen zahlt.
19.10.2026, 19:10
19.10.2026, 21:17










