11.01.2023, 10:13
(11.01.2023, 09:19)ZW333 schrieb:(09.01.2023, 08:37)ius2022 schrieb: Mich hat als Anwältin oft gestört, dass ich nur punktuell berate und dann aus dem Business Case wieder draußen bin. Heute bin ich direkt an einem coolen Produkt und arbeite eng mit den Entwicklern zusammen, werde in Entwicklungen mit einbezogen. Man muss technisches Verständnis mitbringen und kann dies, wenn man möchte, sehr ausbauen.
Das finde ich auch cool.
Und man hat keine nervigen Mandanten, die GANZ DRINGEND nachts um 11 Uhr was von einem wollen. Gegenüber den Kollegen (natürlich anhängig vom Level) hat man da schon eine andere Ausgangslage.
Bei den Datenschützern habe ich den Eindruck, viele rutschen da so rein, und haben sich nicht bewusst darauf spezialisiert. Täuscht das?
Bei der Bewerbungsphase ist mir aufgefallen, dass einige Ausschreibungen nicht deutlich machen, dass die Stelle schwerpunktmäßig DS beinhaltet. Ist für beide Parteien unangenehme Zeitverschwendung. Ich habe mich gefragt, ob das Taktik oder Unfähigkeit ist.
Man kann sich den Datenschutz schon auch (alleine) beibringen. Man kommt da im mit Unternehmen mit kleinerer Rechtsabteilung, meines Erachtens kaum drum herum.
Es ist jetzt auch kein Hexenwerk. Viele Unternehmen lassen sich zusätzlich, aus gutem Grund, extern beraten bzw. haben den DSE extern. Von denen kann man lernen. So mache ich das aktuell - kam mit guten theoretischen Vorkenntnissen und etwas Beratungspraxis dahin und mache es jetzt (vorübergehend) mit. Will ich es ausschließlich machen, auch wenn teilweise sehr gut bezahlt? NEIN
Ist es Absicht den Datenschutz im Bewerbungsgespräch anzusprechen? Vielleicht - aber wenn man transparent mit Wissenslücken aber Lernwillen umgeht, das Unternehmen noch extern beraten wird/andere im Unternehmen Datenschutz „können“ würde ich davor nicht zurückschrecken.
11.01.2023, 10:43
Ich habe letztes Jahr nach fast 4 Jahren GK (M&A/Corporate/Kapitalmarktrecht) in ein Chemie-/Industrieunternehmen als Legal Counsel gewechselt. Hier mache haben wir uns die Zuständigkeiten nach Gebieten aufgeteilt, z.B. jmd macht alles, was mit IT zusammenhängt, der/die andere dann alles im Vertrieb, Einkauf, etc. Ich betreue ua alle Tochtergesellschaften im Ausland (vor allem geht es um gesellschaftsrechtliche Maßnahmen), Vertragsrecht macht jeder von uns (halt im jeweiligen "Gebiet"), Arbeitsrecht ist bei uns in der Personalabteilung - das macht die Rechtsabteilung nicht. Compliance ist in der Rechtsabteilung angebunden, Real Estate wird hier auch gemacht, Marken, Patente etc. Eigentlich alles, was eben so ein Unternehmen beschäftigt.
Größte Unterschiede zur Kanzlei sind, wie meine Vorredner schon sagten, dass man sehr viel selbst macht und entscheidet, ziemlich selbstständig unterwegs ist und auch nicht alles immer perfekt sein muss. Man muss immer auch wirtschaftliche Zusammenhänge und kommerzielle Bedürfnisse berücksichtigen. Es gibt oft z.B. in Vertragsverhandlungen kein richtig/falsch, sondern man versucht einfach eine praktikable Lösung zu finden. Das heißt auch, dass man sich mit den jeweiligen Fachbereichen (z.B. wenn ein Wartungsvertrag geschlossen werden soll, muss ich mit den Leuten in der Technik sprechen, was sie wollen, brauchen etc.). Ich arbeite teilweise nicht unbedingt rein juristisch, sondern berate auch mal strategisch, halte Händchen, manchmal wird man zu Bedrohungszwecken eingesetzt und muss einfach nur im Termin böse gucken. Erledigungsdruck hat man manchmal schon und stressig ist es auch oft, wobei das letzte Jahr nun mal für die Branche, in der wir tätig sind, auch ziemlich kacke war.
Vertraglich sind 40h vereinba, Gehalt ist marktüblich (nicht börsennotiertes international tätige Mittelstandsunternehmen), wobei ich etwa 10% die Woche an Überstunden habe, mal mehr, mal weniger, keine Dienstwagen, aber Fuhrpark den man nutzen kann, Diensthandy und die Möglichkeit auf IPad etc. Dafür gibt es Gleittage, keine Arbeit im Urlaub oder am Wochenende, aber der BR kann etwas nervig sein. Beförderungen gibt es in der Abteilung nicht wirklich - man wird entweder head of und darüber kommt schon die Geschäftsleitung. Der Stress ist nicht weg, aber komprimierter und man kann die Arbeit ganz gut gedanklich nach Feierabend im Büro lassen (es gibt nicht den Anspruch immer erreichbar zu sein und die wenigsten von uns geben ihre Diensthandynr überhaupt raus - schon gar nicht an extern).
Größte Unterschiede zur Kanzlei sind, wie meine Vorredner schon sagten, dass man sehr viel selbst macht und entscheidet, ziemlich selbstständig unterwegs ist und auch nicht alles immer perfekt sein muss. Man muss immer auch wirtschaftliche Zusammenhänge und kommerzielle Bedürfnisse berücksichtigen. Es gibt oft z.B. in Vertragsverhandlungen kein richtig/falsch, sondern man versucht einfach eine praktikable Lösung zu finden. Das heißt auch, dass man sich mit den jeweiligen Fachbereichen (z.B. wenn ein Wartungsvertrag geschlossen werden soll, muss ich mit den Leuten in der Technik sprechen, was sie wollen, brauchen etc.). Ich arbeite teilweise nicht unbedingt rein juristisch, sondern berate auch mal strategisch, halte Händchen, manchmal wird man zu Bedrohungszwecken eingesetzt und muss einfach nur im Termin böse gucken. Erledigungsdruck hat man manchmal schon und stressig ist es auch oft, wobei das letzte Jahr nun mal für die Branche, in der wir tätig sind, auch ziemlich kacke war.
Vertraglich sind 40h vereinba, Gehalt ist marktüblich (nicht börsennotiertes international tätige Mittelstandsunternehmen), wobei ich etwa 10% die Woche an Überstunden habe, mal mehr, mal weniger, keine Dienstwagen, aber Fuhrpark den man nutzen kann, Diensthandy und die Möglichkeit auf IPad etc. Dafür gibt es Gleittage, keine Arbeit im Urlaub oder am Wochenende, aber der BR kann etwas nervig sein. Beförderungen gibt es in der Abteilung nicht wirklich - man wird entweder head of und darüber kommt schon die Geschäftsleitung. Der Stress ist nicht weg, aber komprimierter und man kann die Arbeit ganz gut gedanklich nach Feierabend im Büro lassen (es gibt nicht den Anspruch immer erreichbar zu sein und die wenigsten von uns geben ihre Diensthandynr überhaupt raus - schon gar nicht an extern).
11.01.2023, 10:56
(11.01.2023, 09:19)ZW333 schrieb:(09.01.2023, 08:37)ius2022 schrieb: Mich hat als Anwältin oft gestört, dass ich nur punktuell berate und dann aus dem Business Case wieder draußen bin. Heute bin ich direkt an einem coolen Produkt und arbeite eng mit den Entwicklern zusammen, werde in Entwicklungen mit einbezogen. Man muss technisches Verständnis mitbringen und kann dies, wenn man möchte, sehr ausbauen.
Das finde ich auch cool.
Und man hat keine nervigen Mandanten, die GANZ DRINGEND nachts um 11 Uhr was von einem wollen. Gegenüber den Kollegen (natürlich anhängig vom Level) hat man da schon eine andere Ausgangslage.
Bei den Datenschützern habe ich den Eindruck, viele rutschen da so rein, und haben sich nicht bewusst darauf spezialisiert. Täuscht das?
Bei der Bewerbungsphase ist mir aufgefallen, dass einige Ausschreibungen nicht deutlich machen, dass die Stelle schwerpunktmäßig DS beinhaltet. Ist für beide Parteien unangenehme Zeitverschwendung. Ich habe mich gefragt, ob das Taktik oder Unfähigkeit ist.
Ich würde meinen, das ist vielen vorher gar nicht so bewusst, wie viel Datenschutz die Stelle letztlich beinhalten wird. Die Beteiligten haben den DS vorher entweder stiefmütterlich behandelt oder einen externen DSB gehabt, der naturgemäß eher weniger intensiv eingebunden ist oder Vorschläge macht. Ist man dann erstmal auf der Stelle und im DS tätig, kommt die Arbeit von ganz allein, weil die Kollegen nun einen direkten Ansprechpartner haben. Und dann bleibt die Regulierung ja auch nicht auf der Strecke und die DS-Behörden sind auch gern mal aktiv. Und plötzlich stellt sich bei jedem zweiten Vertrag auch eine datenschutzrechtliche Frage.
Ich bin jedenfalls selbst auch eher reingerutscht, wobei bei mir von Anfang an klar war, dass DS ein Teil der Tätigkeit sein wird (das hat allerdings so überhand genommen, dass ich einen anderen Bereich abgegeben hab).
13.01.2023, 09:12
(11.01.2023, 10:56)BlnBrb schrieb:(11.01.2023, 09:19)ZW333 schrieb:(09.01.2023, 08:37)ius2022 schrieb: Mich hat als Anwältin oft gestört, dass ich nur punktuell berate und dann aus dem Business Case wieder draußen bin. Heute bin ich direkt an einem coolen Produkt und arbeite eng mit den Entwicklern zusammen, werde in Entwicklungen mit einbezogen. Man muss technisches Verständnis mitbringen und kann dies, wenn man möchte, sehr ausbauen.
Das finde ich auch cool.
Und man hat keine nervigen Mandanten, die GANZ DRINGEND nachts um 11 Uhr was von einem wollen. Gegenüber den Kollegen (natürlich anhängig vom Level) hat man da schon eine andere Ausgangslage.
Bei den Datenschützern habe ich den Eindruck, viele rutschen da so rein, und haben sich nicht bewusst darauf spezialisiert. Täuscht das?
Bei der Bewerbungsphase ist mir aufgefallen, dass einige Ausschreibungen nicht deutlich machen, dass die Stelle schwerpunktmäßig DS beinhaltet. Ist für beide Parteien unangenehme Zeitverschwendung. Ich habe mich gefragt, ob das Taktik oder Unfähigkeit ist.
Ich würde meinen, das ist vielen vorher gar nicht so bewusst, wie viel Datenschutz die Stelle letztlich beinhalten wird. Die Beteiligten haben den DS vorher entweder stiefmütterlich behandelt oder einen externen DSB gehabt, der naturgemäß eher weniger intensiv eingebunden ist oder Vorschläge macht. Ist man dann erstmal auf der Stelle und im DS tätig, kommt die Arbeit von ganz allein, weil die Kollegen nun einen direkten Ansprechpartner haben. Und dann bleibt die Regulierung ja auch nicht auf der Strecke und die DS-Behörden sind auch gern mal aktiv. Und plötzlich stellt sich bei jedem zweiten Vertrag auch eine datenschutzrechtliche Frage.
Ich bin jedenfalls selbst auch eher reingerutscht, wobei bei mir von Anfang an klar war, dass DS ein Teil der Tätigkeit sein wird (das hat allerdings so überhand genommen, dass ich einen anderen Bereich abgegeben hab).
Mhm, ich meinte Fälle, in denen den jeweiligen Parteien sehr klar war, dass es eine Stelle mit sehr starkem Fokus auf DS ist. Da ist die Frage, ob man das in der Ausschreibung bewusst hinten über fallen ließ oder ob man einfach nicht imstande war, eine korrekte Ausschreibung zu formulieren (daran hapert es bei einigen Unternehmen). Vielleicht hofft man, dass Leute sich doch für den DS entscheiden, wenn sie erstmal eine Zusage haben.
Ich habe jedenfalls zwei mal explizit mit der Begründung abgesagt, dass ich keinen DS machen will und dass das aus der Ausschreibung für mich nicht klar war.









