04.02.2026, 21:06
(04.02.2026, 18:48)Sonnenschein schrieb:Das mag für manche die Motivation sein. Dass das aber nicht mit (super) Jobs belohnt wird, ist nicht neu. Lebst du einen anderen Studiengang so, bist du danach eben eher arbeitslos statt wie bei Jura "schlecht" beschäftigt.(04.02.2026, 10:01)JuraHassLiebe schrieb:Es ist für viele Leute aber grade der Grund Jura zu studieren, weil man sich mehrere Optionen offen lassen will. Kann ja nicht sein, dass nur weil man eben im 3. Semester Strafrecht toll fand und den Schwerpunkt wählt, später aber nicht zur Justiz geht oder Strafverteidiger werden will, dann keine tollen Noten macht, plötzlich gefangen ist und alle werfen einem dann vor: Wieso hast du vor 6 Jahren nicht den SP Arbeitsrecht gemacht? Ja, war eben jung und dumm :D Aber ja, Möglichkeiten gibt es. Wobei ein Dr. oder LLM. für die Leute die es nötig haben, dann wegen der Note kaum möglich ist, oder eben der LLM sehr teuer im Ausland..(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
Das ist wie Dating: Niemand möchte in jemanden, der sich bisher wild rumprobiert hat und keinen Anlass zu der Annahme gibt das möge sich nun ändern, investieren.
04.02.2026, 22:34
(04.02.2026, 18:45)Sonnenschein schrieb:Damals gab es in NRW noch nicht den Schwerpunkt, sondern nur sog. Wahlfachgruppen. Die waren das 4. Fach in der mündlichen Prüfung und zählten 10% der Gesamtnote. Es gab zB die Wahlfachgruppe Sozialrecht, da saßen damals aus mehreren Semestern ganze 4 Leute in der Vorlesung…(04.02.2026, 10:52)Spencer schrieb: @JuraHassliebe:
Volle Zustimmung.
Den mE wichtigsten Ratschlag meines Studiums gab uns mal ein Prof. während einer Vorlesung.
Sinngemäß: “Viele von Ihnen verschlechtern ohne Not Ihre Berufschancen, indem Sie nur die Pflichtveranstaltungen besuchen. Statt für Farbtupfer in Ihrem Lebenslauf durch Spezialisierung zu sorgen, studieren Sie mausgrau nebeneinander her alle dasselbe. Sie machen nur die erforderlichen Scheine. Im Extremfall gehen Sie auch noch in X in den Kindergarten, besuchen in X die Schule, studieren in X und machen in X ihr Referendariat. Wenn Sie heute schon wüssten, dass Sie ihre Examina mit 2x 9 P. machen, würden Sie trotzdem einen guten Job finden. Aber die Statistik kennen Sie alle, das gelingt nur 15% von Ihnen. Und der Rest von Ihnen verschlechtert mit Ihren mausgrauen Lebensläufen systematisch die eigenen Jobchancen und die der Kollegen. Wenn Sie für keine Farbtupfer in Ihren Lebensläufen sorgen, die sie von anderen unterscheiden, reduzieren Sie ihre Aussichten am Arbeitsmarkt auf das Zehntel hinter dem Komma der Examensnote. Ein Bekannter aus einem großen Pharmaunternehmen [vermutlich Bayer] versuchte zB seit über 1 Jahr, eine hochdotierte Stelle mit einem auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisierten Juristen zu besetzen. Ich konnte ihm keinen einzigen Absolventen mit dieser Kombination nennen. So weit ich weiß, ist die Stelle noch heute unbesetzt.“
Das ist jetzt über 20 Jahre her und trotzdem habe ich fast noch den genauen Wortlaut im Ohr. Für mich war das damals im 4. Semester ein Weckruf. Ich habe deshalb meinen Schwerpunkt (damals noch Wahlfachprüfung) gezielt ausgesucht und danach meine Praktika und Stationen in der Verwaltung, beim RA, der Wahlstation und als WissMit in einer GK ausgerichtet. Dieser rote Faden hat mir bis heute schon mehrere berufliche Türen geöffnet.
Arbeits- und Sozialrecht haben doch recht viele Leute als Schwerpunkt in der Uni gemacht und Arbeitsrecht ist jetzt auch relativ groß und beliebt als Rechtsgebiet. Vermutlich waren die Anforderungen von Bayer aber mehr als nur ein Schwerpunkt, sondern mal wieder Note vb und bitte 3 Jahre einschlägige GK Erfahrung :D
Und die Anforderung von (wohl) Bayer war damals laut Prof. ausdrücklich nur, dass der Lebenslauf überhaupt die Wörter Sozial- und Arbeitsrecht enthalten musste.
05.02.2026, 19:49
(04.02.2026, 21:06)KissingSpines schrieb:Ironisch ist dabei, dass wenn die Noten stimmen, das eben doch möglich ist und in der Regel kein Mensch interessiert. Ist dies dann nicht mehr der Fall, dann spielt das plötzlich eine große Rolle...(04.02.2026, 18:48)Sonnenschein schrieb:Das mag für manche die Motivation sein. Dass das aber nicht mit (super) Jobs belohnt wird, ist nicht neu. Lebst du einen anderen Studiengang so, bist du danach eben eher arbeitslos statt wie bei Jura "schlecht" beschäftigt.(04.02.2026, 10:01)JuraHassLiebe schrieb:Es ist für viele Leute aber grade der Grund Jura zu studieren, weil man sich mehrere Optionen offen lassen will. Kann ja nicht sein, dass nur weil man eben im 3. Semester Strafrecht toll fand und den Schwerpunkt wählt, später aber nicht zur Justiz geht oder Strafverteidiger werden will, dann keine tollen Noten macht, plötzlich gefangen ist und alle werfen einem dann vor: Wieso hast du vor 6 Jahren nicht den SP Arbeitsrecht gemacht? Ja, war eben jung und dumm :D Aber ja, Möglichkeiten gibt es. Wobei ein Dr. oder LLM. für die Leute die es nötig haben, dann wegen der Note kaum möglich ist, oder eben der LLM sehr teuer im Ausland..(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
Das ist wie Dating: Niemand möchte in jemanden, der sich bisher wild rumprobiert hat und keinen Anlass zu der Annahme gibt das möge sich nun ändern, investieren.
05.02.2026, 22:32
(05.02.2026, 19:49)Sonnenschein schrieb:(04.02.2026, 21:06)KissingSpines schrieb:Ironisch ist dabei, dass wenn die Noten stimmen, das eben doch möglich ist und in der Regel kein Mensch interessiert. Ist dies dann nicht mehr der Fall, dann spielt das plötzlich eine große Rolle...(04.02.2026, 18:48)Sonnenschein schrieb:Das mag für manche die Motivation sein. Dass das aber nicht mit (super) Jobs belohnt wird, ist nicht neu. Lebst du einen anderen Studiengang so, bist du danach eben eher arbeitslos statt wie bei Jura "schlecht" beschäftigt.(04.02.2026, 10:01)JuraHassLiebe schrieb:Es ist für viele Leute aber grade der Grund Jura zu studieren, weil man sich mehrere Optionen offen lassen will. Kann ja nicht sein, dass nur weil man eben im 3. Semester Strafrecht toll fand und den Schwerpunkt wählt, später aber nicht zur Justiz geht oder Strafverteidiger werden will, dann keine tollen Noten macht, plötzlich gefangen ist und alle werfen einem dann vor: Wieso hast du vor 6 Jahren nicht den SP Arbeitsrecht gemacht? Ja, war eben jung und dumm :D Aber ja, Möglichkeiten gibt es. Wobei ein Dr. oder LLM. für die Leute die es nötig haben, dann wegen der Note kaum möglich ist, oder eben der LLM sehr teuer im Ausland..(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
Das ist wie Dating: Niemand möchte in jemanden, der sich bisher wild rumprobiert hat und keinen Anlass zu der Annahme gibt das möge sich nun ändern, investieren.
Finde ich nicht so ironisch. Wer weit überdurchschnittliche Noten hat, war in allen Bereichen sehr gut. Dem traut man dann auch zu, sich in andere Bereiche gut reinarbeiten zu können.
Wenn man dagegen eine Stelle und zehn mittelmäßige Bewerber hat, dann wählt man natürlich den aus, der am ehesten erwarten lässt, Interesse und Kenntnisse für die Stelle mitzubringen.
Dass man aber den mit sechs Punkten aber rotem Faden dem Generalisten mit zwölf Punkten vorziehen würde, so weit geht es halt nicht. Dafür ist (abseits dieses Forums) das Vertrauen in die Aussagekraft der Examensnoten dann doch zu groß.
06.02.2026, 10:50
Halb OT, aber eine Anmerkung zur Stelle bei Bayer:
Wenn die es nicht schaffen, eine Stelle für ArbR und SozialR zu besetzen, liegt es an denen selbst. Denn zum einen heißt oft bereits der Schwerpunkt so, da beide Rechtgebiete miteinander verwoben sind. Und zweitens haben die dann wohl offenbar falsche Vorstellungen davon, was ein Fachanwalt für Sozialrecht macht im Gegensatz zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Ich habe viele Jahre im ArbR gearbeitet und habe den Fachanwalt für ArbR. Ich habe auch Kenntnisse im Sozialrecht, aber das sind andere Kenntnisse als die, die ein Fachanwalt für Sozialrecht hat. Klar in der Tiefe, aber das meine ich nicht. Ich war auf Arbeitgeberseite tätig. Heißt, ich habe mich u.a. mit Betriebsprüfungen, der Sozialversicherung von Geschäftsführern, Statusfeststellungverfahren und ähnlichem auseinander gesetzt, also dem Sozialrecht aus Arbeitgebersicht. Den Fachanwalt macht man dafür in der Regel nicht, weil es dafür dann doch zu wenig Sozialrecht ist und nur an der Oberfläche kratzt.
Wer Fachanwalt für SozialR ist, oder es zumindest in seiner kompletten Breite ausübt, hat hingegen Bürgergeldempfänger als Mandanten sowie Leute, die von Erwerbsunfähigkeit betroffen sind, Schwerbehinderte und noch viele mehr, die prekär am unteren Ende der Gesellschaft leben.
Das war genau das Thema, als mir Hays einmal eine Stelle angeboten hat, wo ich Bürgergeldbescheide überprüfen sollte. Da war mir auch klar, dass der null verstanden hat, was meine sozialrechtliche Tätigkeit auf Arbeitgeberseite inhaltlich ausmacht. Beides sind komplett unterschiedliche Bereiche des Sozialrechts. Den Sozialrechtler, der Bürgergeldbescheide prüft, kann Bayer nicht gebrauchen, den der auf Arbeitgeberseite tätig war, hingegen schon.
@Sonnenschein, ich glaube von dir kam diese Erzählung. Da hat dir der Typ von Bayer einen Bären aufgebunden oder aber er hat selbst keine Ahnung. Leute, die Arbeits- und Sozialrecht auf Arbeitgeberseite machen, gibt es nämlich genug. Es muss andere Gründe haben, warum die Stelle noch nicht besetzt ist (Noten, Gehaltsvorstellung, menschlich).
Wenn die es nicht schaffen, eine Stelle für ArbR und SozialR zu besetzen, liegt es an denen selbst. Denn zum einen heißt oft bereits der Schwerpunkt so, da beide Rechtgebiete miteinander verwoben sind. Und zweitens haben die dann wohl offenbar falsche Vorstellungen davon, was ein Fachanwalt für Sozialrecht macht im Gegensatz zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Ich habe viele Jahre im ArbR gearbeitet und habe den Fachanwalt für ArbR. Ich habe auch Kenntnisse im Sozialrecht, aber das sind andere Kenntnisse als die, die ein Fachanwalt für Sozialrecht hat. Klar in der Tiefe, aber das meine ich nicht. Ich war auf Arbeitgeberseite tätig. Heißt, ich habe mich u.a. mit Betriebsprüfungen, der Sozialversicherung von Geschäftsführern, Statusfeststellungverfahren und ähnlichem auseinander gesetzt, also dem Sozialrecht aus Arbeitgebersicht. Den Fachanwalt macht man dafür in der Regel nicht, weil es dafür dann doch zu wenig Sozialrecht ist und nur an der Oberfläche kratzt.
Wer Fachanwalt für SozialR ist, oder es zumindest in seiner kompletten Breite ausübt, hat hingegen Bürgergeldempfänger als Mandanten sowie Leute, die von Erwerbsunfähigkeit betroffen sind, Schwerbehinderte und noch viele mehr, die prekär am unteren Ende der Gesellschaft leben.
Das war genau das Thema, als mir Hays einmal eine Stelle angeboten hat, wo ich Bürgergeldbescheide überprüfen sollte. Da war mir auch klar, dass der null verstanden hat, was meine sozialrechtliche Tätigkeit auf Arbeitgeberseite inhaltlich ausmacht. Beides sind komplett unterschiedliche Bereiche des Sozialrechts. Den Sozialrechtler, der Bürgergeldbescheide prüft, kann Bayer nicht gebrauchen, den der auf Arbeitgeberseite tätig war, hingegen schon.
@Sonnenschein, ich glaube von dir kam diese Erzählung. Da hat dir der Typ von Bayer einen Bären aufgebunden oder aber er hat selbst keine Ahnung. Leute, die Arbeits- und Sozialrecht auf Arbeitgeberseite machen, gibt es nämlich genug. Es muss andere Gründe haben, warum die Stelle noch nicht besetzt ist (Noten, Gehaltsvorstellung, menschlich).
06.02.2026, 11:54
Ich hatte mich auf die Stelle bei Bayer beworben und hab nach ca. 5 Monaten eine Absage ohne Gespräch erhalten. Profil ist > 20 Punkte aus Examina, 3 Jahre GK BE, FAArbR fast durch. Mittlerweile aber inhouse anderweitig glücklich untergekommen
06.02.2026, 12:01
Wie gesagt, die Bayer-Anekdote meines Profs ist über 20 Jahre alt. Sie sagt natürlich nichts über die heutige Marktlage aus. Sie sollte auch nur verdeutlichen, dass man in seiner Ausbildung nicht alles alleine auf die Karte Examensnote setzen darf. Denn wenn die nicht sticht, ist die eigene Bewerbung am Ende nur eine von zig anderen Bewerbungsmappen im Stapel des Personalers.
07.02.2026, 00:42
(06.02.2026, 11:54)JuraistlebenNICHT schrieb: Ich hatte mich auf die Stelle bei Bayer beworben und hab nach ca. 5 Monaten eine Absage ohne Gespräch erhalten. Profil ist > 20 Punkte aus Examina, 3 Jahre GK BE, FAArbR fast durch. Mittlerweile aber inhouse anderweitig glücklich untergekommen
Vor 20 Jahren?


