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Niedrigere Notenanforderungen - merkbarer Qualitätsabfall?
Gast__
Unregistered
 
#1
17.08.2022, 08:23
Es ist ja nun kein Geheimnis, das viele Großkanzleien in den letzten Jahren ihre Notenanforderungen mehr oder weniger stark senken mussten. Nun frage ich mich, wie groß wirklich der Qualitätsunterschied zwischen der Arbeit eines Doppel-VB und eines 15-Punkte Kandidaten ist. Natürlich kommt das immer auf den Einzelfall an, aber habt ihr schon mitbekommen, dass z.B. die älteren Partner oder Anwälte in der GK sich über einen allgemeinen Qualitätsabfall auch hinsichtlich der Arbeitsleistungen in den letzten Jahren beschwert haben? Oder merkt man in der allgemeinen Wahrnehmung dort keinen Unterschied zu der Leistungsfähigkeit der Associates/WissMits in den Zeiten der Juristenschwemme, als die meisten Kandidaten noch VB hatten?
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Gast
Unregistered
 
#2
17.08.2022, 09:33
(17.08.2022, 08:23)Gast__ schrieb:  Es ist ja nun kein Geheimnis, das viele Großkanzleien in den letzten Jahren ihre Notenanforderungen mehr oder weniger stark senken mussten. Nun frage ich mich, wie groß wirklich der Qualitätsunterschied zwischen der Arbeit eines Doppel-VB und eines 15-Punkte Kandidaten ist. Natürlich kommt das immer auf den Einzelfall an, aber habt ihr schon mitbekommen, dass z.B. die älteren Partner oder Anwälte in der GK sich über einen allgemeinen Qualitätsabfall auch hinsichtlich der Arbeitsleistungen in den letzten Jahren beschwert haben? Oder merkt man in der allgemeinen Wahrnehmung dort keinen Unterschied zu der Leistungsfähigkeit der Associates/WissMits in den Zeiten der Juristenschwemme, als die meisten Kandidaten noch VB hatten?


Ich merke keinen nennenswerten Unterschied, wenn man jetzt beispielsweise von einem 7,9 Punkte und einem 9,0 Punkte Kandidaten spricht. Da muss man auch realistisch sein, das ist das Glück oder Pech von zwei Klausuren oder einer mündlichen Prüfung. Nach oben hin merkt man schon mal Unterschiede. Wer 11 Punkte oder mehr hat, da kommt in aller Regel schon richtige Qualität direkt am Anfang. 

Was viel stärker auffällt ist die geänderte Arbeitseinstellung der Generation Z (oder ist das noch Y?). Die Mehrheit hängt sich nicht mehr so rein, akzeptiert nicht, dass sie am Anfang erstmal die Deppen-Aufgaben machen müssen, weil sie halt die Deppen sind. Die kommen, wollen nur bis 18 Uhr arbeiten und glauben, dass sie alles schon können und daher nur die top Aufgaben wollen... und liefern dann trotzdem Grütze ab. Das nervt.
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Gast
Unregistered
 
#3
17.08.2022, 10:09
(17.08.2022, 09:33)Gast schrieb:  
(17.08.2022, 08:23)Gast__ schrieb:  Es ist ja nun kein Geheimnis, das viele Großkanzleien in den letzten Jahren ihre Notenanforderungen mehr oder weniger stark senken mussten. Nun frage ich mich, wie groß wirklich der Qualitätsunterschied zwischen der Arbeit eines Doppel-VB und eines 15-Punkte Kandidaten ist. Natürlich kommt das immer auf den Einzelfall an, aber habt ihr schon mitbekommen, dass z.B. die älteren Partner oder Anwälte in der GK sich über einen allgemeinen Qualitätsabfall auch hinsichtlich der Arbeitsleistungen in den letzten Jahren beschwert haben? Oder merkt man in der allgemeinen Wahrnehmung dort keinen Unterschied zu der Leistungsfähigkeit der Associates/WissMits in den Zeiten der Juristenschwemme, als die meisten Kandidaten noch VB hatten?


Ich merke keinen nennenswerten Unterschied, wenn man jetzt beispielsweise von einem 7,9 Punkte und einem 9,0 Punkte Kandidaten spricht. Da muss man auch realistisch sein, das ist das Glück oder Pech von zwei Klausuren oder einer mündlichen Prüfung. Nach oben hin merkt man schon mal Unterschiede. Wer 11 Punkte oder mehr hat, da kommt in aller Regel schon richtige Qualität direkt am Anfang. 

Was viel stärker auffällt ist die geänderte Arbeitseinstellung der Generation Z (oder ist das noch Y?). Die Mehrheit hängt sich nicht mehr so rein, akzeptiert nicht, dass sie am Anfang erstmal die Deppen-Aufgaben machen müssen, weil sie halt die Deppen sind. Die kommen, wollen nur bis 18 Uhr arbeiten und glauben, dass sie alles schon können und daher nur die top Aufgaben wollen... und liefern dann trotzdem Grütze ab. Das nervt.

Der Glücksfaktor trifft im Einzelfall sicherlich zu, aber in der Gesamtheit ist er vernachlässigbar, weil es sich ja ausgleicht. Es gibt nicht nur den 7,9 Kandidaten mit Pech und den 9,0 mit Glück, sondern auch andersrum. Dann hat man plötzlich einen 7 und einen 10 Punkte Kandidaten anstatt 2 x 8,5 Punkte Kandidaten.

Ansonsten kann ich mir das mit der Generation Y sehr gut vorstellen und fühle mich da selbst auch etwas ertappt  Cheese das liegt einerseits an veränderten Bedürfnissen (Work-Life Balance > Gehalt) und andererseits vielleicht auch daran, dass es unserer Generation immer gut ging, wir nie kämpfen mussten (die Boomer hatten einen ganz anderen Konkurrenzkampf) und uns seit Jahren erzählt wird, dass sich alle Arbeitgeber nach uns die Finger lecken, wir so begehrt sind, usw
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Gast
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#4
17.08.2022, 10:26
Hier nochmal der erste Gast: Natürlich in der Masse gleichen sich statistische Auffälligkeiten aus aber so viele Associates habe ich nun auch nicht im direkten Umfeld. Vorerfahrung und Co sind da echt relevanter bzw. ich merke eben, dass nun ein Punkt mehr oder weniger in der Regel keinen großen Unterschied ausmacht. Dann war der eine besser oder schlechter im Strafrecht, so what, wir machen kein Strafrecht. Man merkt aber schnell wer sich in die Sachen reinkniet, Anspruch an seine Arbeit hat und eben abliefern will. 

Ich habe auch kein Problem damit, wenn einem Work-Life-Balance wichtig ist, dann sollte er aber vielleicht nicht gleichzeitig der big babo in einem Tier 1 Laden werden wollen. Da beißen sich Anspruch und Wirklichkeit irgendwie immer öfter... meine Vermutung ist, dass die junge Generation einfach viel zu sehr verhätschelt wurde. Und natürlich brauchen wir neue Leute aber wenn die nur Grütze abliefern, dafür aber viel Geld wollen und wenig arbeiten, kann man es sich auch sparen.  Cheese
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Juramaus
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Themen: 5
Registriert seit: Jul 2022
#5
17.08.2022, 10:33
Was die Theorien zur Generation X/Y betrifft: 

ich glaube eigentlich nicht, dass die Leute dieser Generation nicht mehr so Leistungsbereit sind. Ich finde es aber zB wahnsinnig schwer, sich in der heutigen Zeit noch was aufzubauen. Auch kommt man mit den meisten Gehältern nicht mehr weit. Das nagt natürlich an der Motivation.
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Gast
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#6
17.08.2022, 10:40
(17.08.2022, 10:33)Juramaus schrieb:  Was die Theorien zur Generation X/Y betrifft: 

ich glaube eigentlich nicht, dass die Leute dieser Generation nicht mehr so Leistungsbereit sind. Ich finde es aber zB wahnsinnig schwer, sich in der heutigen Zeit noch was aufzubauen. Auch kommt man mit den meisten Gehältern nicht mehr weit. Das nagt natürlich an der Motivation.

Das finde ich stimmt nicht. Du kannst auf jeden Fall nebenbei monatlich 400-500€ anlegen. Damit kommst am Ende auch auf einen ordentlichen Betrag. 

Was halt nicht mehr geht ist fix reich werden. Davon muss man sich verabschieden. Aber einen sehr anständigen Lebensstandard kann man schnell erreichen. Einfach mal die Erwartungen runterschrauben und anschauen, was man tatsächlich hat. Es geht locker ne Immobilie aufm Land und auch ein schönes Auto etc. Nur halt nicht ne 5-Zimmer Wohnung mitten in München/Berlin. 

Unabhängig von den Noten hat man als Jurist super Aussichten auf ne solide Zukunft. 

Was aufbauen heißt ja nicht, dass du ein Jahr nachm Berufsstart ne Wohnung finanzieren kannst. Dann musst halt erstmal 10 Jahre sparen. So be it.
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Chill3r
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Beiträge: 135
Themen: 3
Registriert seit: Jul 2022
#7
17.08.2022, 10:47
(17.08.2022, 10:40)Gast schrieb:  
(17.08.2022, 10:33)Juramaus schrieb:  Was die Theorien zur Generation X/Y betrifft: 

ich glaube eigentlich nicht, dass die Leute dieser Generation nicht mehr so Leistungsbereit sind. Ich finde es aber zB wahnsinnig schwer, sich in der heutigen Zeit noch was aufzubauen. Auch kommt man mit den meisten Gehältern nicht mehr weit. Das nagt natürlich an der Motivation.

Das finde ich stimmt nicht. Du kannst auf jeden Fall nebenbei monatlich 400-500€ anlegen. Damit kommst am Ende auch auf einen ordentlichen Betrag. 

Was halt nicht mehr geht ist fix reich werden. Davon muss man sich verabschieden. Aber einen sehr anständigen Lebensstandard kann man schnell erreichen. Einfach mal die Erwartungen runterschrauben und anschauen, was man tatsächlich hat. Es geht locker ne Immobilie aufm Land und auch ein schönes Auto etc. Nur halt nicht ne 5-Zimmer Wohnung mitten in München/Berlin. 

Unabhängig von den Noten hat man als Jurist super Aussichten auf ne solide Zukunft. 

Was aufbauen heißt ja nicht, dass du ein Jahr nachm Berufsstart ne Wohnung finanzieren kannst. Dann musst halt erstmal 10 Jahre sparen. So be it.


Was aber stimmt ist, dass wir ganz schön arbeiten/sparen müssen um den Lebensstandard unserer Eltern zu erreichen. Wenn du aus ner Großstadt kommst, ist ohne Erbe/GK nicht mehr viel mit Haus kaufen etc.
Und ich habe den eindruck dass in der Jurawelt zwischen unten und oben nicht viel mitte ist. Also GK 140k und einzelanwalt der ums Überleben kämpft oder e11 bei ner Kommune akzeptiert.
 
Dazu kommt, dass man nach dem Jura Studium +-30 Jahre alt ist und die Erwartungen an sich selbst andere sind als mit 25. 
Mit 30 erstmal 10 Jahre sparen, bis man auf dem Lebensstandard ist, den man zuvor passiv genießen konnte ist schon nicht wenig. 

Aber ein bisschen verwöhnt sind wir wahrscheinlich alle, würde ich zumindest Für mich unterschreiben.
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Gast
Unregistered
 
#8
17.08.2022, 11:16
(17.08.2022, 10:33)Juramaus schrieb:  Was die Theorien zur Generation X/Y betrifft: 

ich glaube eigentlich nicht, dass die Leute dieser Generation nicht mehr so Leistungsbereit sind. Ich finde es aber zB wahnsinnig schwer, sich in der heutigen Zeit noch was aufzubauen. Auch kommt man mit den meisten Gehältern nicht mehr weit. Das nagt natürlich an der Motivation.


Als ich damals angefangen habe, vor 6-7 Jahren, gab's 95k zum Einstieg, heute 140k. Die Boni haben sie auch erhöht, so dass man in den ersten Jahren locker 50% mehr verdient als ich damals. Und vor 7 Jahren hat ein Eis auch keine 20 Pfennig mehr gekostet. Auch das Einstiegsalter ist gesunken, ich bin noch Generation G9 und Wehrpflicht. 

Wie gesagt, wir haben damals angefangen und gefühlt waren fast alle hungrig und wollten richtig was reißen. Die aktuellen Einsteiger fragen direkt, ob sie auch mit 80% anfangen können, weil sie nicht so viel arbeiten wollen und 80% von 140k seien immer noch genug. Die einzigen, die bei uns damals Teilzeit gemacht haben, waren Anwältinnen mit kleinen Kindern.

Wie gesagt, Work-Life soll jeder für sich machen wie er will. Aber einerseits dann nur Teilzeit arbeiten wollen und sich gleichzeitig darüber beschweren, dass es heute so schwer sei, sich etwas aufzubauen... naja. Häuser waren vor 7 Jahren auch kein Schnapper und die Generation vor uns hat einfach mal 7% Zinsen gezahlt, was die niedrigeren Preise fast ausgeglichen hat. Aber irgendwie soll heute alles sein, man will super schnell viel Geld verdienen aber nicht zu viel arbeiten, direkt zum Einstieg schöne Wohnung, teure Urlaube usw. aber dann soll trotzdem das Vermögen schnell anwachsen und ein Haus in gefühlt 10 Jahren abbezahlt sein. Hey, auch früher haben sich die Leute für 25-30 Jahre fürs Haus verschuldet und haben den Großteil ihres Geldes ins Haus gesteckt.
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Gast
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#9
17.08.2022, 11:20
(17.08.2022, 10:47)Chill3r schrieb:  Und ich habe den eindruck dass in der Jurawelt zwischen unten und oben nicht viel mitte ist. Also GK 140k und einzelanwalt der ums Überleben kämpft oder e11 bei ner Kommune akzeptiert.

Naja, es gibt noch nen Haufen vernünftig bezahlender MKs und Boutiquen. Aber da kommt ja dann beispielsweise auch hier direkt das Geschrei im Forum "Was?! Nur 80k zum Einstieg? Mit den Noten kannst du doch Tier1/2/3 anfangen und bekommst direkt 140/120/100k. Ne, das würde ich nicht machen."

Es gibt einen super breiten Bereich der Mittelstandsberater, die später als Counsel oder Partner wunderbar verdienen. Aber so viele Einsteiger lassen sich durch irgendwelche Einstiegsgehälter blenden.
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Juramaus
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Beiträge: 137
Themen: 5
Registriert seit: Jul 2022
#10
17.08.2022, 11:43
Ich war Staatsanwältin auf dem Land und mit meinem Gehalt wäre ein Haus dort nicht finanzierbar gewesen. Ein Oberstaatsanwalt meinte auch, dass der Nachwuchsmangel bei der Justiz mit den hohen Immobilienpreisen zusammenhängt. Da hatte es die Generation vor uns schon noch leichter. Als Frau hat man es nochmal schwerer, weil man mit Kindern in Teilzeit auch nur die Hälfte verdient….
Ich finde das schon sehr schwierig. Ja, vielleicht sind manche verwöhnt und haben zu hohe Erwartungen. Aber mit Familie in eine kleine Wohnung gesperrt zu sein und obendrein noch 80   Stunden zu arbeiten ist auch kein schönes Leben…
Manche haben ja noch die Aussicht auf ein besseres Gehalt, andere dümpeln aber ihr Leben lang am unteren Niveau dahin…. 
Eine Scheidung darf da nicht kommen, sonst wird es noch schlimmer…
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