08.02.2022, 22:57
Hallo zusammen,
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
08.02.2022, 23:08
(08.02.2022, 22:57)Gast schrieb: Hallo zusammen,
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
Genau so. Spätestens nach 3 Semestern hörst du dich zum Leidwesen deiner Freunde und Familie ähnlich an.
08.02.2022, 23:13
(08.02.2022, 22:57)Gast schrieb: Hallo zusammen,
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
Nein. Sowas wird im Studium und im Referendariat nicht vermittelt. Nur ein ganz kleiner Teil der Juristen beherrscht die Kunst, einen solchen Satz zu formulieren. Voraussetzung ist neben guter sprachlicher Fähigkeiten, eine vertiefte Kenntnis von politischen Zusammenhängen. Das Studium wird dir das nicht beibringen können. Dort herrscht nur ein Grundsatz: Klausuren, Klausuren und nochmals: Klausuren. Wer dort bestehen möchte, der muss seine sprachliche Fähigkeiten auf knappe Hauptsätze mit vielleicht einem Nebensatz beschränken.
Sorry, aber die Wirklichkeit wird dich erschrecken.
08.02.2022, 23:14
(08.02.2022, 23:08)Anon schrieb:(08.02.2022, 22:57)Gast schrieb: Hallo zusammen,
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
Genau so. Spätestens nach 3 Semestern hörst du dich zum Leidwesen deiner Freunde und Familie ähnlich an.
Naj was ich so an Schriftsätzen während der Zivilstation gelesen habe....
08.02.2022, 23:15
Meine sprachliche Ausdrucksfähigkeit hat durch das Jurastudium eher gelitten.
08.02.2022, 23:19
(08.02.2022, 22:57)Gast schrieb: Hallo zusammen,
in Jura kommt es ja bekanntermaßen auf Worte an; das Handwerkszeug von Juristen. Oftmals bezeichnet man Juristen ja auch als "Die Herren der Worte". Allerdings stelle ich mir die Frage, wie man seine schriftliche Ausdrucksweise bzw. generell seinen Schreibstill ausbauen und verbessern kann? Häufig heißt es ja, dass man besonders viel lesen soll. Ist das tatsächlich so, reicht lesen allein wirklich aus?
Hier mal als Beispiel eine Formulierung vom Bundesverfassungsgericht aus dem NPD-Urteil vom Jahr 2017, welches mir persönlich gut gefällt:
"Das Grundgesetz geht davon aus, dass nur die ständige geistige Auseinandersetzung zwischen den einander begegnenden sozialen Kräften und Interessen, den politischen Ideen und damit auch den sie vertretenden Parteien der richtige Weg zur Bildung des Staatswillens ist. Es vertraut auf die Kraft dieser Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien."
Ich persönlich würde so eine Formulierung mit eigenen Worten niemals hinbekommen, da es einfach nicht meinem Sprachgebraucht entspricht. Da ich erst im Sommersemester mit dem Jurastudium beginne, frage ich mich, ob einem dieses "Juristendeutsch" im Studium gelehrt und vermittelt wird. Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.
Das findest du sprachlich gelungen? Ich finde, es klingt grauslig. Inhaltlich natürlich top, aber bin kein Fan von der Formulierung.
08.02.2022, 23:29
Konzentriere dich lieber darauf, kurze und präzise Sätze zu formulieren, die auch wirklich Inhalt haben statt irgendeinen gekünstelten Müll zu schreiben, um sich selbst „schlauer und gebildeter“ vorzukommen. Es ist nicht schlimm, dass du dir gerade Gedanken machst. Das habe ich auch. Aber früher oder später wirst du merken, dass es wichtiger - und vor allem anspruchsvoller - ist, für jeden leicht verständliche und schnell erfassbare Sätze zu schreiben. Die meisten Juristen versuchen letztlich auch nur ihr eigenes Unverständnis hinter schwammigen, ach-so-high-class-klingenden Sätzen zu verstecken.
08.02.2022, 23:37
Einerseits wandelt sich dein Sprachgebrauch von alleine.
Mir ist es auch schon vorgekommen, dass die Nicht-Juristen unter meinen Freunden mich verwundert fragten, wieso ich teils so "akademisch" (also auch für meine Freunde als Akademiker auffallend gehoben oder geschwollen) spreche.
Ich habe mich in diesen Momenten aber nur gefragt "Hä, ist doch nur die präziseste Formulierung"?
Geht auch so weit, dass man versucht sich gegenüber anderen (auch Juristen) möglichst normal und geradlinig auszudrücken.
Andererseits muss man als Jurist auch aufpassen, nicht ständig Schachtelsätze zu bauen.
Es hatte sich auch bei mir eingeschlichen, dass sich oft Kommas einschlichen, wo gut und gerne auch ein Punkt und damit Satzende hätte stehen können.
Und wenn du da ein Komma drin hast und den Satz fortführen musst, hast du diese Schachtelsätze.
Aber mach dir mal über Sprache keine Gedanken.
Ich bin auch kein Goethe, die meisten Juristen ebenfalls nicht.
Das muss man für das VB oder gar besser auch nicht wirklich sein.
Mir ist es auch schon vorgekommen, dass die Nicht-Juristen unter meinen Freunden mich verwundert fragten, wieso ich teils so "akademisch" (also auch für meine Freunde als Akademiker auffallend gehoben oder geschwollen) spreche.
Ich habe mich in diesen Momenten aber nur gefragt "Hä, ist doch nur die präziseste Formulierung"?
Geht auch so weit, dass man versucht sich gegenüber anderen (auch Juristen) möglichst normal und geradlinig auszudrücken.
Andererseits muss man als Jurist auch aufpassen, nicht ständig Schachtelsätze zu bauen.
Es hatte sich auch bei mir eingeschlichen, dass sich oft Kommas einschlichen, wo gut und gerne auch ein Punkt und damit Satzende hätte stehen können.
Und wenn du da ein Komma drin hast und den Satz fortführen musst, hast du diese Schachtelsätze.
Aber mach dir mal über Sprache keine Gedanken.
Ich bin auch kein Goethe, die meisten Juristen ebenfalls nicht.
Das muss man für das VB oder gar besser auch nicht wirklich sein.
08.02.2022, 23:38
Man darf auch nicht unterschätzen, dass die älteren Profs und Richter früher nicht nur Rechtswissenschaften, sondern zB noch Philosophie und Staatswissenschaften damit kombinierten.
08.02.2022, 23:41
Hat jemand eig. schonmal ein gegendertes Urteil gesehen oder ist der Kelch dieser geistigen Verarmung bisher an den Gerichten vorübergegangen?










