18.09.2021, 18:02
Man hört immer wieder, dass die Finanzverwaltung (Landesbehörde) händeringend nach Juristen sucht und auch gerne Berufseinsteiger nimmt. Ich habe zwei Befriedigend, aber bislang - bis auf kleinere Berührungspunkte in der Verwaltungsstation - kein Steuerrecht gemacht, weiß also so gut wie nichts in der Richtung.
Macht dann eine Bewerbung überhaupt Sinn? Bekommt man, wenn man eine solche Stelle antritt, Zeit, sich erst noch ins Steuerrecht einzuarbeiten? Oder kommt man ohne nachweisbare Kenntnisse/nachgewiesenes Interesse am Steuerrecht (Schwerpunktbereich/Stationswahl) von vornherein nicht als Bewerber in Betracht? Angeblich kann man sich als Jurist ja überall drin einarbeiten, die Frage ist bloß, wie viel Zeit einem im Job noch dazu bleibt.
Ich bin gespannt auf eure Antworten!
Macht dann eine Bewerbung überhaupt Sinn? Bekommt man, wenn man eine solche Stelle antritt, Zeit, sich erst noch ins Steuerrecht einzuarbeiten? Oder kommt man ohne nachweisbare Kenntnisse/nachgewiesenes Interesse am Steuerrecht (Schwerpunktbereich/Stationswahl) von vornherein nicht als Bewerber in Betracht? Angeblich kann man sich als Jurist ja überall drin einarbeiten, die Frage ist bloß, wie viel Zeit einem im Job noch dazu bleibt.
Ich bin gespannt auf eure Antworten!
18.09.2021, 18:51
99% haben keine Ahnung von Steuerrecht und Vorkenntnisse werden idR auch gar nicht erwartet. Als Jurist in der Finanzverwaltung (höherer Dienst) übernimmst du eine Führungs-/Personalverantwortung. Die Sachbearbeiter sind dir steuerrechtlich fachlich überlegen und werden es wohl immer sein - das ist deren tägliches Brot und deren tägliche Aufgabe. Du selbst wirst eher für "knifflige" Fälle dazu geholt ... und das kann man sich genauso aneignen und sich reinfuchsen, wie in jedes andere Gebiet auch. Sich wirklich steuerrechtlich mit Fällen zu befassen nimmt nur einen verhältnismäßig geringen Teil deiner täglichen Arbeit ein und nicht deinen gesamten Arbeitsalltag.
18.09.2021, 23:15
Steuerrechtskenntnisse sind keine Einstellungsvoraussetzung. In den Stellenausschreibungen steht explizit nur "Interesse" am Steuerrecht. Es werden keine Steuerrechtler gesucht, sondern Führungskräfte.
Meiner Ansicht nach ist es potentiell gefährlich, wenn die Führungskräfte zu sehr darauf vertrauen müssen, dass ihre Mitarbeiter schon alles richtig machen im Steuerrecht weil die sich "eh viel besser auskennen". In den letzten Jahren wurden viele junge Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter eingestellt, weil lange Jahre lang zu wenig Leute eingestellt wurden. Das ist einerseits super, viele sind top motiviert und es ist schön ein junges Kollegium zu haben. Es fehlt aber teilweise an Erfahrung (und es wurden auch Leute eingestellt die vielleicht früher aufgrund der Abschlussnote nicht eingestellt worden wären und daher vielleicht nicht ganz so fachlich top sind wie die wenigen glücklichen die in grauer Vorzeit jährlich neu eingestellt wurden - hinzu kommt die Ausbildung unter Corona-Bedingungen). Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass beim 4-Augen-Prinzip jeder sich darauf verlässt, dass der jeweils andere Ahnung im Steuerrecht hat und so Fehler nicht auffallen und widerholt werden.
Aber mich hat niemand gefragt.
Meiner Ansicht nach ist es potentiell gefährlich, wenn die Führungskräfte zu sehr darauf vertrauen müssen, dass ihre Mitarbeiter schon alles richtig machen im Steuerrecht weil die sich "eh viel besser auskennen". In den letzten Jahren wurden viele junge Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter eingestellt, weil lange Jahre lang zu wenig Leute eingestellt wurden. Das ist einerseits super, viele sind top motiviert und es ist schön ein junges Kollegium zu haben. Es fehlt aber teilweise an Erfahrung (und es wurden auch Leute eingestellt die vielleicht früher aufgrund der Abschlussnote nicht eingestellt worden wären und daher vielleicht nicht ganz so fachlich top sind wie die wenigen glücklichen die in grauer Vorzeit jährlich neu eingestellt wurden - hinzu kommt die Ausbildung unter Corona-Bedingungen). Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass beim 4-Augen-Prinzip jeder sich darauf verlässt, dass der jeweils andere Ahnung im Steuerrecht hat und so Fehler nicht auffallen und widerholt werden.
Aber mich hat niemand gefragt.
18.09.2021, 23:47
Schau Dir doch mal ein Basisskript zum Steuerrecht an. Selbst wenn es nicht vorausgesetzt wird, ist es m.E. hilfreich. Musste fürs Ref Grundlagen Steuerrecht lernen und fand das erstaunlich spannend und gut zu lernen. Kann die Skripte der Regierung von Oberbayern empfehlen, Basics gut aufbereitet.
19.09.2021, 09:28
(18.09.2021, 18:51)Gast schrieb: 99% haben keine Ahnung von Steuerrecht und Vorkenntnisse werden idR auch gar nicht erwartet. Als Jurist in der Finanzverwaltung (höherer Dienst) übernimmst du eine Führungs-/Personalverantwortung. Die Sachbearbeiter sind dir steuerrechtlich fachlich überlegen und werden es wohl immer sein - das ist deren tägliches Brot und deren tägliche Aufgabe. Du selbst wirst eher für "knifflige" Fälle dazu geholt ... und das kann man sich genauso aneignen und sich reinfuchsen, wie in jedes andere Gebiet auch. Sich wirklich steuerrechtlich mit Fällen zu befassen nimmt nur einen verhältnismäßig geringen Teil deiner täglichen Arbeit ein und nicht deinen gesamten Arbeitsalltag.
Was genau sind denn die Aufgaben?








