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Volljuristen in Behörden
Idiocracy
Junior Member
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Beiträge: 7
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2026
#1
27.08.2026, 09:17
Kann mir jemand erklären, warum Behörden massenweise Volljuristen einstellen, um sie auf Führungspositionen zu setzen, ohne dass Rechtskenntnisse erforderlich oder erwünscht wären? 

Das betrifft in jedem Fall die Bundestagsverwaltung und die Polizei Berlin, vielleicht auch die Finanzverwaltung und alle anderen Behörden, die gezeilt nach "Volljuristen als Führungskräfte" suchen und dabei nicht angeben, um welche juristischen Tätigkeiten es eigentlich geht.

Bei der Polizei Berlin wird einem in Aussicht gestellt, dass Ende 20-jährige Volljuristen oder Mitte 20-jährige Masterabsolventen, die absolut keine Erfahrung mit Polizeiarbeit haben, als Polizeivollzugsbeamte (Kriminalrat, Polizeirat) eingestellt werden, um Führungsverantwortung für bis zu 290 Personen zu tragen und Einsatzgroßlagen zu planen.

Dass diese kompetenzlosen Führungskräfte bei den Untergebenen wenig Ansehen genießen, liegt auf der Hand. Ich kann mir das letztlich nur als Strohmann Prinzip vorstellen. Man trägt Zwischenverantwortung. Und das für Abläufe, von denen man absolut keine Ahnung hat. Ein 8-monatiges Schnupperpraktikum inklusive Aufenthalt an der Polizeihochschule ohne Prüfungen absolvieren zu müssen, nützt mir da auch nichts. Hierarchie durch Kompetenz kann man da vergessen, aber deswegen werden wohl "Führungspersönlichkeiten" angeworben, die auch ohne Kompetenz die Führungsrolle einnehmen können.

Gleichzeitig heißt es immer, dass unterschiedliche Verwendungen in unterschiedlichen Dienststellen durchlaufen werden sollen und es auf die Wandelbarkeit ankommt. So würde man wichtige Kontakte knüpfen. Wie man an Sachkompetenz für den Aufgabenbereich dazu gewinnen soll, wenn man alle paar Jahre die Dienststelle wechselt, spielt wohl keine Rolle. Eigentlich könnte man sagen: Nur der Charakter zählt. Sich gezielt nach juristischen Tätigkeiten zu erkundigen, sorgt für Aufsehen. 

Was für Leute wollen die bitte anwerben? Jemand der nach 10 Jahren juristischer Ausbildung denkt: Gott sei Dank nie wieder Jura und die kurze Station im Justiziariat kriege ich wohl auch irgendwie rum? Da ist es doch kein Wunder, dass die juristische Kompetenz in Behörden zu Wünschen überlässt.

Warum setzen öffentliche Arbeitgeber eine teilweise 10 Jahre dauernde Ausbildung gezielt in den Sand und lassen juristische Fachkompentz verdunsten?
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Praktiker
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Beiträge: 2.288
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#2
27.08.2026, 09:40
Polizei ist ein bisschen ein Sonderfall, andere Länder handhaben das daher teils auch anders (wobei auch dort der Höhere Dienst nicht Streife läuft, weshalb das dort von der anderen Seite her auch wieder kritisiert wird - ich habe es als Staatsanwalt mehr als einmal erlebt, dass der Vollzugsdienst zu mir mehr fachliches Vertrauen hatte als in die eigenen schnell in den hD aufgestiegen Vollzugskollegen).

Du unterschätzt aber generell, wie juristisch die Verwaltung ist. Ab einer gewissen Stellung geht es sehr viel um Rechtsfragen - zwar nicht unbedingt fachspezifisch, aber sehr in die Breite und querschnittsartig. Dass gerade bei der Polizei Strafprozessrecht, Strafrecht und auch im Übrigen Gesetz und Recht, Verhältnismäßigkeit usw. eine große Rolle spielen, sollte nicht überraschen.

Abgesehen davon traut man Juristen nicht ganz zu Unrecht eine strukturierte Denkweise und Sicherheit im Umgang mit Verfahren aller Art zu, eine saubere Trennung von Sachverhalt und Bewertung und was sonst noch so anfällt.

Dass Untergebene einen nicht respektieren, weil man fachlich weniger drin ist als sie, kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Dafür ist man ihnen an anderer Stelle überlegen. Es ist halt eine Form der Arbeitsteilung.
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Idiocracy
Junior Member
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Beiträge: 7
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2026
#3
27.08.2026, 09:52
Ich weiß natürlich, dass Rechtskompetenz für die Polizei von großer Bedeutung ist und die Polizei gute Juristen sinnvolerweise einstellen sollte. 

Dennoch wird bei der Stellenausschreibung kein Wert auf polizeirechtliche oder beamtenrechtliche Kompetenzen gelegt. Und selbst wenn ich die hätte, könnte ich mich nicht gezielt auf eine Stelle bewerben, in der juristische Fachkompetenzen mit Sicherheit zur Anwendung kommen.
Zudem sind die Anforderungen an die Examensnoten sehr gering und M.A. Absolventen werden genauso als Kriminalrat oder Polizeirat ausgebildet. Es scheint nur um Führungsverantwortung zu gehen und das saubere Trennen von Sachverhalt und Rechtlicher Würdigung ist da mit Sicherheit allenfalls zweitrangig.
Ein wesentlicher Aspekt meiner ganzen Kritik besteht auch darin, dass allein die mutmaßlich erworbenen Softskills von Juristen der scheinbar einzige Anlass sind, sie auf die hoch bezahlte A13 Stellen zu setzen und das unabhängig von der vorhanden (juristischen) und der notwendigen (polizeilichen) Kompetenz.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.08.2026, 09:53 von Idiocracy.)
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Praktiker
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Beiträge: 2.288
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#4
27.08.2026, 10:39
Die Anforderungen an die Note sind Mindestanforderungen. Wenn sie sie bekommen, werden sie sicherlich auch bessere nehmen. Abgesehen davon ist Polizeirecht Pflichtstoff und was man an Beamtenrecht braucht, kann man sich mit Leichtigkeit draufschaffen - als Jurist. Auch das ist ein entscheidender Punkt, dass Juristen relativ flexibel einsetzbar sind.

Ob A13 hochbezahlt ist, kann man streiten. Drunter bekommt man Akademiker normalerweise nicht.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.08.2026, 10:40 von Praktiker.)
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Pontifex Maximus
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Beiträge: 222
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Registriert seit: Oct 2023
#5
27.08.2026, 11:02
Hat häufig auch etwas mit der Eingruppierung der Stellen und den Anforderungen, die an Inhaber entsprechender Statusämter gestellt werden, zu tun. Wenn zB eine A13 bewertete Stelle ausgeschrieben ist und für den Dienstposten ein abgeschlossenes Hochschulstudium verlangt wird, kommen natürlich insbesondere Juristen in Betracht. 

Die Unflexibilität, die da herrscht, ist mMn tatsächlich ein riesiges Problem für den öffentlichen Dienst, insb. wenn es um die Gewinnung von Quereinsteigern geht. Dazu nur mal als Beispiel: meine Frau hat langjährige Führungserfahrung in der Wirtschaft und als Teamleiterin zuletzt knapp 120.000 € verdient. Sie wollte sich verändern und hätte sich einen Wechsel in den öD gut vorstellen können. Da sie allerdings berufsbegleitend an einem privaten Studieninstitut und nicht an einer FH oder Uni studiert hat, ist sie bei allen Bewerbungen auf für sie relevante E13/E14-Stellen (was iÜ eine Halbierung des Gehalts gewesen wäre) bereits aus formellen Gründen aussortiert worden. Das starre Bewertungskorsett führt also dazu, dass - um es mal etwas überspitzt zu formulieren - man lieber einen frisch von der Uni kommenden 25-jährigen Absolventen der Theaterwissenschaften und Gender Studies einstellt (bzw. einstellen muss), um ein Team von 100 Leuten zu führen, als erfahrende Führungskräfte aus der Wirtschaft.
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Idiocracy
Junior Member
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Registriert seit: Aug 2026
#6
27.08.2026, 11:15
@Praktiker

Ich stelle ja gar nicht in Frage, dass man als Volljurist im Justiziariat bei der Polizei mit zwei Staatsexamina gut aufgehoben ist und ausreichend Fachkompetenz hat, polizeirechtliche und beamtenrechtliche Fragestellungen zu bearbeiten. Genau davon gehe ich aus. 

Dennoch werden von Behörden wie der Bundestagsverwaltung abstrakt Volljuristen angeworben, um sie auf jegliche Stellen im höheren Dienst zu setzen, obwohl die Tätigkeiten teilweise jeder Abiturient verrichten könnte. Zwei anspruchsvolles juristisches Staatsexamen ist die Einstellungsvoraussetzung für anspruchslose Verwaltungstätigkeit.

Wozu also die Akademikereigenschaft teuer bezahlen, wenn die Stellen gar nicht an die Kompetenzen aus dem Studium anknüpfen? Warum nicht normale Sachbearbeiter (die auch wissen, worauf sie sich einlassen) entsprechend weiterbildenund spezifische jurstische Fragestellungen durch ein gut aufgebildetes Rechtsteam mit jahrzentelanger Erfahrung unterstützen? So ein gut aufgestelltes Team aus 10-20 Juristen im Justiziariat könnte dann auch bundesweit an fachlichem Austausch teilnehmen und Praxiseindrücke in die Wissenschaft einfließen lassen. Stattdessen versacken alle Juristen bei polizeilicher Führungstätigkeit ohne Polizeiausbildung.
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Praktiker
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Beiträge: 2.288
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#7
27.08.2026, 11:28
Aufsteiger aus dem gD gibt es ja unabhängig davon. Dass jeder Abiturient die Stellen ausfüllen könnte ohne weiteres Vorwissen, würde ich für die Ministerialverwaltung, die ich überblicke, mal ausschließen und würde das auch für die Polizei nicht unterstellen wollen, aber gut. Jedenfalls gehört es zu den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums, dass der Ausbildung eine hohe Bedeutung für die Bewertung des Amtes zukommt. Wenn man dem Chef von einem Haufen Polizisten mit bis zu A12 jemanden überordnen will, der A13 hat (was dem Leistungsprinzip entspricht und ja auch zweifelsfrei Sinn ergibt), muss man daher entweder ein Studium fördern oder einen gleichwertigen Aufstieg aus dem gD.
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Idiocracy
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Registriert seit: Aug 2026
#8
27.08.2026, 11:41
Dass jeder Abiturient die Tätigkeit von Volljuristen in Ministerien übernehmen könnte, habe ich nicht gesagt. Ich kann mich nur auf die Polizei und die Bundestagsverwaltung beziehen. In Ministerien ist die Arbeit an Gesetzgebungsverfahren und die Erstellung juristischer Stellungnahmen mit Sicherheit hoch juristisch. Ministerien schreiben aber in vielen Fällen auch konkrete Positionen aus, auf die man sich gezielt mit der entsprechenden Kompetenz bewerben kann. Dort würde ich eher vermute, dass es an Juristen mangelt.
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Egal_
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Beiträge: 1.547
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Registriert seit: Feb 2022
#9
27.08.2026, 12:17
Bist du Jurist?

Heute angemeldet, erster Thread und dann gleich "mitten in die Fresse rein" um die Ärzte zu zitieren. Sieht ganz stark nach Troll aus.
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wroxbalker
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Registriert seit: Nov 2025
#10
27.08.2026, 13:11
(27.08.2026, 09:17)Idiocracy schrieb:  Dass diese kompetenzlosen Führungskräfte bei den Untergebenen wenig Ansehen genießen, liegt auf der Hand. 

Diese Passage zeigt den Trollcharakter des Posts doch gut auf: Leute mit 2. StEx mit in Summe zwischen 14-18 Pkt. pauschal als kompetenzlos abzuwerten ist quatsch. Man könnte noch deutlich mehr an dem Post kritisieren wie meine Vorredner, den Aspekt wollte ich einmal hervorheben.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.08.2026, 13:12 von wroxbalker.)
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