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Strategien zur Vermeidung von dauerhaftem Stress im Unternehmen?
on1
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#1
24.07.2026, 00:59
Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. Das hat mich auf die Idee gebracht mal nachzufragen, ob jemand hier Tipps für Unternehmensjuristen hat. ;)

Ich habe das Gefühl, dass es im Unternehmen deutlich schwieriger sein kann vorauszuplanen. Während man sich in der Kanzlei z. B. an den Fristenkalender halten kann, kann es einem im Unternehmen immer wieder passieren, dass einem sehr kurzfristig Aufgaben übertragen werden und die Erwartungshaltung besteht, dass man alle anderen Arbeiten sofort einstellt und sich dieser "dringenden" Aufgabe widmet. Hinzu kommt, dass die Erwartungshaltung häufig unvernünftig ist, weil es sich bei den Chefs in der Regel um Nicht-Juristen handelt, die keinerlei Verständnis für die Arbeit eines Juristen haben oder auch nur ansatzweise einschätzen können, wie viel Zeit die Erledigung eine bestimmte Aufgabe in Anspruch nimmt.

Ich weiß nicht, ob man da überhaupt was machen kann außer sich einen neuen Job zu suchen, aber evtl. hat ja jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht und einen Tipp für mich.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.07.2026, 01:18 von on1.)
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kumpelanton
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Registriert seit: Feb 2024
#2
24.07.2026, 10:23
(24.07.2026, 00:59)on1 schrieb:  Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. 

die prämisse ist falsch
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Egal_
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#3
24.07.2026, 11:15
(24.07.2026, 10:23)kumpelanton schrieb:  
(24.07.2026, 00:59)on1 schrieb:  Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. 

die prämisse ist falsch

+1

Es liegt nicht an einem selbst, wenn der Vorgesetzte um 19.30 Uhr noch mit einer Aufgabe um die Ecke kommt.
Am ehesten kann man das Wort "falsch" daher darauf beziehen, dass man sich den falschen Job ausgesucht hat. Auch dies unterschreibe ich aber nicht pauschal, denn hier im Forum kann man nachlesen, dass manche trotz solcher Arbeitszeiten in Großkanzleien gehen. Das Gehalt gleicht es für diese Leute aus.

Ansonsten, wie du selbst schreibst: Unternehmen oder Abteilung wechseln. In mittelständischen Unternehmen mögen solche Arbeitzeiten möglich sein, wobei ich auch dies von meinen früheren Mandanten nicht kenne. Da fiel überall der Stift gegen ca. 17 Uhr. In den großen Konzernen mit Betriebrat und Gewerkschaft ist das jedenfall nicht Standard, auch nicht bei AT. Bei uns gibt es die Regel, keine Meetings nach 16 Uhr anzusetzen, da viele Mitarbeiter Kinder haben. Das wird in 99,9 Prozent der Fälle eingehalten. Ausnahmen, je nach eigener Organisation für Führungskräfte, oder die Referenten des Vorstands, die hin und wieder an abendlichen Vorstandsmeetings teilnehmen müssen.
Bei uns fangen die meisten Mitarbeiter gegen 8.00 Uhr an. Manche schon 6 Uhr, manche erst 9.30 Uhr. Gegen 16.00 Uhr oder kurz danach mache ich in der Regel Feierabend. Bei meiner letzten Chefin habe ich oft noch Abends am PC gesessen, derzeit nur ab und zu, um etwas fertig zu machen und so gleichzeitig Überstunden aufzubauen, die ich für Arztbesuche, kindkrank etc. flexibel nutzen kann. Ich sitze also schon hin und wieder nach 20 Uhr (erneut) am PC, aber nicht weil ich etwas falsch mache, sondern weil ich die Flexibilität schätze und so Familie und Beruf trotz Vollzeit sehr gut miteinander vereinbaren kann.
.
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Ex-GK
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#4
24.07.2026, 14:03
(24.07.2026, 10:23)kumpelanton schrieb:  
(24.07.2026, 00:59)on1 schrieb:  Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. 

die prämisse ist falsch

Sehe ich auch so. Ergänzend zu dem bereits Gesagten, kommt es auch darauf an, was genau man als Anwalt macht: Grundsätzlich ist man aber als Anwalt idR von Dritten (Mandanten / Chefs / KollegInnen) abhängig. Im Unternehmen sind Positionen nahe am Vorstand oder den Gesellschaftern / Aktionären auch ein Stück weit volatil oder auch, wenn man im Projektgeschäft tätig ist. Da arbeitet man auch mal außerhalb üblicher Geschäftszeiten. Man kann auch zB berufliche Dinner / Veranstaltungen als Arbeitszeit werten und ist dann relativ regelmäßig nach 20 Uhr am arbeiten. 

Allgemein zur "Dringlichkeit" in Unternehmen: In meiner Zeit in der klassischen Rechtsabteilung waren einige Dinge aus den Fachbereichen "dringend", aber fraglich ist, was die Person unter "dringend" versteht (kann auch mal 2 Wochen heißen) und ob die Sache tatsächlich dringend ist. Am Ende muss man als Anwalt generell sehr viele Bälle gleichzeitig in der Luft jonglieren, aber man lernt mit der Zeit zu Priorisieren und muss ab und zu auch mal Erwartungshaltungen der anfragenden Personen managen und auch mal klar machen, dass bestimmte Timelines nicht realistisch sind. Klar wissen die Fachabteilungen nicht immer, was genau die Juristen so machen, aber umgekehrt wissen die Juristen auch nicht immer, wie die Fachabteilung konkret arbeitet. Da hilft interne Beziehungen mit seinen üblichen Verdächtigen und ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. 

Klassiker als Beispiel: aus dem zugesandten E-Mail Verlauf sieht man, dass der Vorgang seit 3 Wochen bei der Fachabteilung rumlag und 2 Tage vor Vertragsunterschrift beim Kunden soll dann Legal "freigeben" - joa, wenn man Anmerkungen hat, müssen die ja auch auf die Gegenseite und der Vertrag verhandelt werden. Das hat die Fachabteilung nicht immer auf dem Schirm. Die Fachabteilung beschwert sich dann, dass Legal wieder blockiert und man ja mit der Gegenseite den Vertrag unterzeichnen will. Deine Aufgabe ist es, rechtliche Risiken vom Unternehmen wegzuhalten / lösen und die Fachabteilung sollte für den Vertrag Legal einbinden - Legal hat hier nicht gepennt ;)  Da braucht man auch mal ein dickes Fell und darf sich von den KollegInnen nicht verunsichern oder unter Druck setzen lassen.
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Ariston
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#5
24.07.2026, 18:49
Ich glaube auch, dass es im Unternehmen ein Stückweit Erwartungsmanagent ist. Meiner Erfahrung ist das Geschäft aber auch trotzdem schnelllebigen als in einer (zumindest forensisch ausgerichteten) Kanzlei, insbesondere bei Bezug zum Projektgeschäft. Da ist es eine Kernkompetenz, Wichtiges zu priorisieren und Grenzen zu setzen. Mich fuckt die Erwartungshaltung aber auch eher ab und ich werde wohl ziemlich bald hinschmeißen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.07.2026, 18:51 von Ariston.)
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ForumBenutzer
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#6
25.07.2026, 09:35
(24.07.2026, 14:03)Ex-GK schrieb:  
(24.07.2026, 10:23)kumpelanton schrieb:  
(24.07.2026, 00:59)on1 schrieb:  Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. 

die prämisse ist falsch

Sehe ich auch so. Ergänzend zu dem bereits Gesagten, kommt es auch darauf an, was genau man als Anwalt macht: Grundsätzlich ist man aber als Anwalt idR von Dritten (Mandanten / Chefs / KollegInnen) abhängig. Im Unternehmen sind Positionen nahe am Vorstand oder den Gesellschaftern / Aktionären auch ein Stück weit volatil oder auch, wenn man im Projektgeschäft tätig ist. Da arbeitet man auch mal außerhalb üblicher Geschäftszeiten. Man kann auch zB berufliche Dinner / Veranstaltungen als Arbeitszeit werten und ist dann relativ regelmäßig nach 20 Uhr am arbeiten. 

Allgemein zur "Dringlichkeit" in Unternehmen: In meiner Zeit in der klassischen Rechtsabteilung waren einige Dinge aus den Fachbereichen "dringend", aber fraglich ist, was die Person unter "dringend" versteht (kann auch mal 2 Wochen heißen) und ob die Sache tatsächlich dringend ist. Am Ende muss man als Anwalt generell sehr viele Bälle gleichzeitig in der Luft jonglieren, aber man lernt mit der Zeit zu Priorisieren und muss ab und zu auch mal Erwartungshaltungen der anfragenden Personen managen und auch mal klar machen, dass bestimmte Timelines nicht realistisch sind. Klar wissen die Fachabteilungen nicht immer, was genau die Juristen so machen, aber umgekehrt wissen die Juristen auch nicht immer, wie die Fachabteilung konkret arbeitet. Da hilft interne Beziehungen mit seinen üblichen Verdächtigen und ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. 

Klassiker als Beispiel: aus dem zugesandten E-Mail Verlauf sieht man, dass der Vorgang seit 3 Wochen bei der Fachabteilung rumlag und 2 Tage vor Vertragsunterschrift beim Kunden soll dann Legal "freigeben" - joa, wenn man Anmerkungen hat, müssen die ja auch auf die Gegenseite und der Vertrag verhandelt werden. Das hat die Fachabteilung nicht immer auf dem Schirm. Die Fachabteilung beschwert sich dann, dass Legal wieder blockiert und man ja mit der Gegenseite den Vertrag unterzeichnen will. Deine Aufgabe ist es, rechtliche Risiken vom Unternehmen wegzuhalten / lösen und die Fachabteilung sollte für den Vertrag Legal einbinden - Legal hat hier nicht gepennt ;)  Da braucht man auch mal ein dickes Fell und darf sich von den KollegInnen nicht verunsichern oder unter Druck setzen lassen.

Der letzte Absatz spiegelt genau meine Erfahrung als Syndikus in einem Unternehmen mit 1.000 MA wieder... also klassischer Mittelständler. Es war mir zu fremdbestimmt. Entweder die GF wollte schnell etwas oder eben die Fachabteilungen... und nach oben wurde immer gesagt ja Legal blockiert wieder mal... absolut toxisch und daneben. Liegt aber sicherlich auch am jeweiligen Unternehmen. Arbeite mittlerweile als Anwalt in einer MK und es ist tausend mal besser. Klar habe ich jetzt Fristen für Klagen etc. aber die sind ja im Regelfall über Wochen planbar und es obliegt mir wann ich etwas bearbeite. Nur weil irgendwelche Leute 4 Wochen keine E-Mail bearbeiten und dann alles schnell schnell gehen muss.. das hat mich zu sehr gestresst bei einem Job der eigentlich auf 40h ausgelegt war (auch die Bezahlung). Bin auch regelmäßig nach 8h nach Hause gegangen, die meisten Verträge kann man auch am nächsten Tag noch prüfen, auch wenn die GF um 18 Uhr meint es wäre jetzt so dringend... Ich will hiermit nicht sagen dass Syndikus sein immer schlecht, es liegt letztlich am AG und wie Dinge gelebt werden.
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Ex-GK
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#7
27.07.2026, 09:37
(25.07.2026, 09:35)ForumBenutzer schrieb:  
(24.07.2026, 14:03)Ex-GK schrieb:  
(24.07.2026, 10:23)kumpelanton schrieb:  
(24.07.2026, 00:59)on1 schrieb:  Vor Kurzem habe ich auf Linkedin gelesen, dass man etwas falsch macht, wenn man als Anwalt regelmäßig noch nach 20 Uhr arbeiten muss. 

die prämisse ist falsch

Sehe ich auch so. Ergänzend zu dem bereits Gesagten, kommt es auch darauf an, was genau man als Anwalt macht: Grundsätzlich ist man aber als Anwalt idR von Dritten (Mandanten / Chefs / KollegInnen) abhängig. Im Unternehmen sind Positionen nahe am Vorstand oder den Gesellschaftern / Aktionären auch ein Stück weit volatil oder auch, wenn man im Projektgeschäft tätig ist. Da arbeitet man auch mal außerhalb üblicher Geschäftszeiten. Man kann auch zB berufliche Dinner / Veranstaltungen als Arbeitszeit werten und ist dann relativ regelmäßig nach 20 Uhr am arbeiten. 

Allgemein zur "Dringlichkeit" in Unternehmen: In meiner Zeit in der klassischen Rechtsabteilung waren einige Dinge aus den Fachbereichen "dringend", aber fraglich ist, was die Person unter "dringend" versteht (kann auch mal 2 Wochen heißen) und ob die Sache tatsächlich dringend ist. Am Ende muss man als Anwalt generell sehr viele Bälle gleichzeitig in der Luft jonglieren, aber man lernt mit der Zeit zu Priorisieren und muss ab und zu auch mal Erwartungshaltungen der anfragenden Personen managen und auch mal klar machen, dass bestimmte Timelines nicht realistisch sind. Klar wissen die Fachabteilungen nicht immer, was genau die Juristen so machen, aber umgekehrt wissen die Juristen auch nicht immer, wie die Fachabteilung konkret arbeitet. Da hilft interne Beziehungen mit seinen üblichen Verdächtigen und ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. 

Klassiker als Beispiel: aus dem zugesandten E-Mail Verlauf sieht man, dass der Vorgang seit 3 Wochen bei der Fachabteilung rumlag und 2 Tage vor Vertragsunterschrift beim Kunden soll dann Legal "freigeben" - joa, wenn man Anmerkungen hat, müssen die ja auch auf die Gegenseite und der Vertrag verhandelt werden. Das hat die Fachabteilung nicht immer auf dem Schirm. Die Fachabteilung beschwert sich dann, dass Legal wieder blockiert und man ja mit der Gegenseite den Vertrag unterzeichnen will. Deine Aufgabe ist es, rechtliche Risiken vom Unternehmen wegzuhalten / lösen und die Fachabteilung sollte für den Vertrag Legal einbinden - Legal hat hier nicht gepennt ;)  Da braucht man auch mal ein dickes Fell und darf sich von den KollegInnen nicht verunsichern oder unter Druck setzen lassen.

Der letzte Absatz spiegelt genau meine Erfahrung als Syndikus in einem Unternehmen mit 1.000 MA wieder... also klassischer Mittelständler. Es war mir zu fremdbestimmt. Entweder die GF wollte schnell etwas oder eben die Fachabteilungen... und nach oben wurde immer gesagt ja Legal blockiert wieder mal... absolut toxisch und daneben. Liegt aber sicherlich auch am jeweiligen Unternehmen. Arbeite mittlerweile als Anwalt in einer MK und es ist tausend mal besser. Klar habe ich jetzt Fristen für Klagen etc. aber die sind ja im Regelfall über Wochen planbar und es obliegt mir wann ich etwas bearbeite. Nur weil irgendwelche Leute 4 Wochen keine E-Mail bearbeiten und dann alles schnell schnell gehen muss.. das hat mich zu sehr gestresst bei einem Job der eigentlich auf 40h ausgelegt war (auch die Bezahlung). Bin auch regelmäßig nach 8h nach Hause gegangen, die meisten Verträge kann man auch am nächsten Tag noch prüfen, auch wenn die GF um 18 Uhr meint es wäre jetzt so dringend... Ich will hiermit nicht sagen dass Syndikus sein immer schlecht, es liegt letztlich am AG und wie Dinge gelebt werden.

In meiner vorherigen Stelle fand ich auch die generelle Unternehmenskultur eher schwierig und das hat sich einfach auf jeden Bereich ausgestrahlt. Die Rechtsabteilung hatte mE aber auch selbst über Jahre dafür gesorgt, dass sie nicht die "beliebteste" Abteilung im Unternehmen sind. Viele Fachbereiche haben sich aber auch gerne hinter Legal versteckt, dabei aber oft nur wenig an der Sachverhaltsaufklärung mitgewirkt (dafür hätte man ja Fragen beantworten und ggf. zugeben müssen, dass man selbst durchaus auch einen Beitrag zur Situation geleistet hat), was die eigene Arbeit sehr viel nerviger und teilweise unmöglich macht. Es kam auch einfach sehr regelmäßig vor, dass man kurzfristig was vom Fachbereich bekommen hat, was "dringend" war, aber ewig dort rumlag. Das macht einfach keinen Spaß, ist unnötig und ich habe keine Lust, ständig die schlechte Orga anderer auszubaden und auch noch dafür angemacht zu werden. Ich bin aus verschiedenen Gründen gegangen, bin nun aber in einem anderen Unternehmen zufrieden. Ich arbeite aufgrund meiner Tätigkeit (Projektgeschäft, kein klassisches Commercial Law mehr) etwas mehr als in der vorherigen Stelle, aber es ist für mich trotzdem "entspannter", weil diese toxische Umgebung nicht mehr vorhanden ist und man nicht permanent als Feind gesehen wird. Hier wird Legal nicht als notwendiges Übel gesehen, sondern als Abteilung, durchaus einen positiven Beitrag leistet.
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Egal_
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#8
27.07.2026, 15:13
Das kommt sicherlich auf die jeweilige Unternehmenskultur drauf an. Ich kann von "meinem" Unternehmen dahingehend nichts negatives berichten, habe mir aber auch über die Jahre angewöhnt, mitzuteilen, wenn mir etwas nicht gefällt. Was mir zu spät rüber gereicht wird, kann eben nur noch kursorisch geprüft werden. Das teile ich denen mit und beim nächsten Mal habe ich die Sachen in der Regel rechtzeitig auf dem Tisch. Gleiches gilt für Sachverhalte, die ich prüfen soll, bei denen mir eine Masse an Unterlagen und Mails aber einfach so hingerotzt werden. Wenn ich den Sachverhalt nicht nachvollziehen kann, muss mir der Fachbereich diesen nochmal schildern, denn ich suche mir den nicht mühsam aus diversen Unterlagen zusammen.
Solange man trotzdem höflich bleibt, passiert in der Regel auch nichts. Ich habe jedenfalls in all den Jahren noch nie Ärger deswegen bekommen, weil ich auf etwas hingewiesen habe und mir nur bis zu einem gewissen Grad ein Bein ausreiße, wenn andere es verbockt haben.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, wir sind alle nett zueinander. Aber das, was hier über Großkanzleien berichtet wird, abends bekommen und bis zum nächsten Morgen beantwortet, mache ich nicht. Wer das will, muss eine GK beauftragen und die entsprechenden Kosten dafür tragen. Ich dagegen habe die gleichen Feierabendsregelungen wie die Fachbereiche und handele danach.
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Freidenkender
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#9
28.07.2026, 08:47
(27.07.2026, 15:13)Egal_ schrieb:  Das kommt sicherlich auf die jeweilige Unternehmenskultur drauf an. Ich kann von "meinem" Unternehmen dahingehend nichts negatives berichten, habe mir aber auch über die Jahre angewöhnt, mitzuteilen, wenn mir etwas nicht gefällt. Was mir zu spät rüber gereicht wird, kann eben nur noch kursorisch geprüft werden. Das teile ich denen mit und beim nächsten Mal habe ich die Sachen in der Regel rechtzeitig auf dem Tisch. Gleiches gilt für Sachverhalte, die ich prüfen soll, bei denen mir eine Masse an Unterlagen und Mails aber einfach so hingerotzt werden. Wenn ich den Sachverhalt nicht nachvollziehen kann, muss mir der Fachbereich diesen nochmal schildern, denn ich suche mir den nicht mühsam aus diversen Unterlagen zusammen.
Solange man trotzdem höflich bleibt, passiert in der Regel auch nichts. Ich habe jedenfalls in all den Jahren noch nie Ärger deswegen bekommen, weil ich auf etwas hingewiesen habe und mir nur bis zu einem gewissen Grad ein Bein ausreiße, wenn andere es verbockt haben.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, wir sind alle nett zueinander. Aber das, was hier über Großkanzleien berichtet wird, abends bekommen und bis zum nächsten Morgen beantwortet, mache ich nicht. Wer das will, muss eine GK beauftragen und die entsprechenden Kosten dafür tragen. Ich dagegen habe die gleichen Feierabendsregelungen wie die Fachbereiche und handele danach.

ich bin da ganz bei dir. Es hat 2 maßgebliche Faktoren: Unternehmenskultur und eigenes Handeln und Tun

den ersten Punkt kann man schlecht als einzelner verändern. Und wenn die Unternehmenskultur 24 Stunden Verfügbarkeit verlangt, dann ist das zunächst so. Aber man kann selbst Grenzen setzen und sehen, wie das "System" darauf reagiert. Evtl. passt es nicht und dann muss man einen anderen Job suchen. Aber das hast du z.B. in einer GK auch.

Was in einem Unternehmen aus meiner Sicht zwingend ist, dass man sich seine Kollegen erzieht. Der Syndikus ist nicht der Beantwortungsautomat. In den Briefkasten Anfrage rein und sofortige Antwort raus. Hier klar kommunizieren. Bis wann brauchst du was? Wie hoch ist die Prio tatsächlich? Bis wann kann realistisch geliefert werden? Reichen ggf Zwischenergebnisse? Wenn jemand zu knapp kommt, dann kann man ggf. auch mal nein sagen. Das ist auch nicht schlimm, denn dein Gegenüber wird es im Regelfall bei Anfragen auch so machen. Es gibt auch viele Vorgesetzte, die das durchaus positiv sehen, denn so zeigst du, dass du deine Aufgaben managen kannst.

und das Thema mit Sachverhaltsermittlung, dass hier auch schon kam. Auch das ist eine Erziehungssache. Die Kollegin, die mich damals eingearbeitet hat meinte mal: "in der Uni lernt der Jurist leider eine der wichtigsten Kompetenzen nicht, das inquisitorische Befragen!" Nicht die 3 Brocken, die man dir auf den Schreibtisch zur Prüfung wirft, akzeptieren. Nachfragen und jede Schmutzecke dabei ausleuchten. Aber dabei nicht selbst durch das unternehmen marschieren und die Infos einsammeln, sondern das soll derjenige machen, der dir den Auftrag gibt. Zur Prüfung braucht es den vollständigen Sachverhalt, das weiß jeder. Aber dafür ist der Fachbereich zuständig. Auch das ist ein Erziehungsthema. Aber es ist wichtig, da du sonst absäufst in Arbeit. 

Das heißt nicht, dass es jeden Tag ein 9 to 5 Job ist. Aber meine Erfahrung ist, dass Kanzlei deutlich stressiger ist als Unternehmen. Das ist auch das, was mir von verschiedensten Kolleg:innen us anderen Häusern gespiegelt wird.
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Egal_
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#10
28.07.2026, 12:23
(28.07.2026, 08:47)Freidenkender schrieb:  
(27.07.2026, 15:13)Egal_ schrieb:  Das kommt sicherlich auf die jeweilige Unternehmenskultur drauf an. Ich kann von "meinem" Unternehmen dahingehend nichts negatives berichten, habe mir aber auch über die Jahre angewöhnt, mitzuteilen, wenn mir etwas nicht gefällt. Was mir zu spät rüber gereicht wird, kann eben nur noch kursorisch geprüft werden. Das teile ich denen mit und beim nächsten Mal habe ich die Sachen in der Regel rechtzeitig auf dem Tisch. Gleiches gilt für Sachverhalte, die ich prüfen soll, bei denen mir eine Masse an Unterlagen und Mails aber einfach so hingerotzt werden. Wenn ich den Sachverhalt nicht nachvollziehen kann, muss mir der Fachbereich diesen nochmal schildern, denn ich suche mir den nicht mühsam aus diversen Unterlagen zusammen.
Solange man trotzdem höflich bleibt, passiert in der Regel auch nichts. Ich habe jedenfalls in all den Jahren noch nie Ärger deswegen bekommen, weil ich auf etwas hingewiesen habe und mir nur bis zu einem gewissen Grad ein Bein ausreiße, wenn andere es verbockt haben.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, wir sind alle nett zueinander. Aber das, was hier über Großkanzleien berichtet wird, abends bekommen und bis zum nächsten Morgen beantwortet, mache ich nicht. Wer das will, muss eine GK beauftragen und die entsprechenden Kosten dafür tragen. Ich dagegen habe die gleichen Feierabendsregelungen wie die Fachbereiche und handele danach.

ich bin da ganz bei dir. Es hat 2 maßgebliche Faktoren: Unternehmenskultur und eigenes Handeln und Tun

den ersten Punkt kann man schlecht als einzelner verändern. Und wenn die Unternehmenskultur 24 Stunden Verfügbarkeit verlangt, dann ist das zunächst so. Aber man kann selbst Grenzen setzen und sehen, wie das "System" darauf reagiert. Evtl. passt es nicht und dann muss man einen anderen Job suchen. Aber das hast du z.B. in einer GK auch.

Was in einem Unternehmen aus meiner Sicht zwingend ist, dass man sich seine Kollegen erzieht. Der Syndikus ist nicht der Beantwortungsautomat. In den Briefkasten Anfrage rein und sofortige Antwort raus. Hier klar kommunizieren. Bis wann brauchst du was? Wie hoch ist die Prio tatsächlich? Bis wann kann realistisch geliefert werden? Reichen ggf Zwischenergebnisse? Wenn jemand zu knapp kommt, dann kann man ggf. auch mal nein sagen. Das ist auch nicht schlimm, denn dein Gegenüber wird es im Regelfall bei Anfragen auch so machen. Es gibt auch viele Vorgesetzte, die das durchaus positiv sehen, denn so zeigst du, dass du deine Aufgaben managen kannst.

und das Thema mit Sachverhaltsermittlung, dass hier auch schon kam. Auch das ist eine Erziehungssache. Die Kollegin, die mich damals eingearbeitet hat meinte mal: "in der Uni lernt der Jurist leider eine der wichtigsten Kompetenzen nicht, das inquisitorische Befragen!" Nicht die 3 Brocken, die man dir auf den Schreibtisch zur Prüfung wirft, akzeptieren. Nachfragen und jede Schmutzecke dabei ausleuchten. Aber dabei nicht selbst durch das unternehmen marschieren und die Infos einsammeln, sondern das soll derjenige machen, der dir den Auftrag gibt. Zur Prüfung braucht es den vollständigen Sachverhalt, das weiß jeder. Aber dafür ist der Fachbereich zuständig. Auch das ist ein Erziehungsthema. Aber es ist wichtig, da du sonst absäufst in Arbeit. 

Das heißt nicht, dass es jeden Tag ein 9 to 5 Job ist. Aber meine Erfahrung ist, dass Kanzlei deutlich stressiger ist als Unternehmen. Das ist auch das, was mir von verschiedensten Kolleg:innen us anderen Häusern gespiegelt wird.

Unterschreibe ich zu 100% und möchte auch die anderen Kollegen hier im Forum ermuntern, sich mehr zu trauen. Bei mir kommt es vermutlich daher, dass ich meinen Berufsstart in einer kleinen Kanzlei hatte und die meisten privaten Mandanten noch immer Respekt haben, wenn sie vor einem Anwalt sitzen. Da war natürlich von Anfang an klar, dass ich bestimmte Unterlagen und die Zuarbeit von denen brauche und einfordere und wenn die nicht kommt, dümpelt deren Fall halt vor sich hin oder noch schlimmer, sie verlieren den Prozess. Also waren die Rollen klar: klare Ansage von mir und entsprechende Zuarbeit von denen.
Ich kann verstehen, dass jemand, der aus einer GK kommt, dies anders kennt und zurückhaltender auftritt, weil er es gewohnt ist, einem Partner zuzuarbeiten, der in der Regel wenig Zeit hat und einen aufmüpfigen Associate sofort in die Schranken weisen würde.

Im Unternehmen seit ihr nicht mehr der Associate, der einem ihm übergeordneten Partner zuarbeitet. Die Fachabteilungen wollen etwas von euch und ihr habt die gleichen Arbeitzeitregelungen wie sie. Wenn die um 17 Uhr Feierabend machen und nicht mehr erreichbar sein müssen, müsst ihr das daher auch nicht. Es sei denn, die Unternehmenskultur ist so, aber das ist sie im Normalfall nicht. Auch ihr habt also ein Recht auf Feierabend und auch ihr habt das Recht, Bälle zurückzugeben, wenn die Vorarbeit noch nicht fertig ist. Denn wie Freidenkender richtig schreibt, machen die das andersherum genauso. 
Es sind nicht eure Vorgesetzten und sie sind euch nicht weisungsbefugt. Weisungsbefugt ist euch gegenüber euer Vorgesetzter. Mein Chef ist genauso genervt wie wir, wenn Fachabteilungen uns ihre Arbeit aufdrücken wollen, die sie vorher nicht richtig gemacht haben. Er steht also 100% hinter mir, wenn ich höflich stopp sage. Solange ich die Höflichkeitsregeln einhalte, brauche ich daher keine Sorge haben, dass ich eine Woche später eine Abmahnung auf dem Tisch habe oder ähnliches. So lange ich meine Arbeitsweise gut begründen kann, und das kann ich wenn andere wichtige Sachen deswegen liegen bleiben müssten, habe ich eine gute Begründung, um so zu agieren. 
Wie gesagt, zum Glück verstehen wir uns alle gut und so etwas kommt selten vor, aber wenn es passiert, dann reagiere ich entsprechend.
Aktuell haben wir das Problem, dass unsere Dienstleister, mit denen wir zusammenarbeiten, reihenweise Mist bauen und wir hinterher bei den Kunden die Scherben aufkehren müssen. Das macht extrem viel Arbeit und schadet dem guten Ruf unseres Unternehmens. Deswegen sind wir gerade dabei, den Prozess insgesamt aufzuarbeiten und zu verbessern, aber den Schuh, der Verhinderer zu sein, oder diejenige, die nur meckert, ziehe ich mir nicht an. Wenn andere ihre Arbeit nicht richtig machen, bin ich nicht das Problem.
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