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Einstieg in fremdes Rechtsgebiet (Steuerrecht)
Träumchen
Junior Member
**
Beiträge: 20
Themen: 4
Registriert seit: Apr 2024
#1
07.02.2026, 11:04
Liebes Forum, 

das zweite Examen ist geschafft, aber leider mit nicht so tollem Ergebnis (niedriges B). Obwohl ich gerne (infolge der Tätigkeit selbst, nicht wegen der rechtlichen Materie) in die Justiz wollte, muss ich mich (neben dem Verbesserungsversuch) wohl mit alternativen Karrieremöglichkeiten abfinden. 

Ich habe hinsichtlich der Privatwirtschaft einen "roten Faden" im Bereich des Kartell- und Beihilferechts. Das Rechtsgebiet macht mir Spaß und ich würde auch sagen, dass es mir liegt. Das Problem dabei: Dieses Rechtsgebiet gibt es quasi (mit Ausnahme des BKartA/LandesKA) nur in Großkanzleien und einigen Boutiquen, für welche meine Noten realistischerweise nicht reichen. Auch schreckt mich etwas ab, dass die Arbeitsbelastung dauerhaft sehr hoch ist und sich der Arbeitsmarkt realistisch auf nur drei Städte fern der Heimat aufteilt (Berlin, FFM und vor allem Düsseldorf). 

Aufgrund des Interesses an Ökonomie und "komplex ineinandergreifenden" Systemen interessiere ich mich nunmehr wieder für das Steuerrecht (immer meine 2. Wahl). Die Frage ist nur: Wie/wo fängt man da an? Infolge der Komplexität und der "Spezialität" des Rechtsgebietes fordern nahezu alle Arbeitgeber vorangegangene Erfahrungen im SPB oder vorherigen Tätigkeiten, die ich natürlich nicht habe. Ich habe sogar überlegt noch einmal einen Master im Steuerrecht zu machen (zB an der RUB), aber dies wäre natürlich noch einmal ein hohes Invest. 

Kennt ihr noch andere Einstiegsmöglichkeiten? Oder ist ein so krasser Wechsel einfach allgemein nicht gerne gesehen? Machen "Initiativbewerbungen" in Steuerrechtskanzleien unter den o.g. Gegebenheiten überhaupt Sinn?
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Spencer
Senior Member
****
Beiträge: 426
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#2
07.02.2026, 11:15
Kommt das Bundeskartellamt für dich nicht in Frage?
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Äfes
Senior Member
****
Beiträge: 377
Themen: 3
Registriert seit: Jul 2022
#3
07.02.2026, 11:20
Evtl. den Fachanwaltskurs für Steuerrecht machen? Auch ein Invest, aber mit 2-3k einigermaßen überschaubar und wenn Du derzeit arbeitslos bist, kam schon ein paar Mal auf, dass das Amt fördert
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Homer S.
Senior Member
****
Beiträge: 542
Themen: 6
Registriert seit: Apr 2023
#4
07.02.2026, 12:24
Schau dir mal Berichte über das Einweisungsjahr in der Finanzverwaltung und den LLM Steuerrecht an der Uni Potsdam an. Kannste kombinieren, verdienst voll und wenn dir die Finanzverwaltung nicht zusagt, biste nach einem guten Jahr mit LLM und steuerrechtlichem Fokus wieder raus. 
"Spoiler" Der steuerrechtliche Teil im Einweisungsjahr wird inhaltlich oft durchwachsen wahrgenommen, stimme ich auch zu, aber: du wirst im Einweisungsjahr Zeit haben. Wenn dazu ein bisschen Disziplin kommt, kannst du auch unabhängig von der fachlichen Qualität der Lehrgänge viel erreichen - zudem lernst du einen potenziellen Arbeitgeber kennen und verdienst gut.

Edit: Der von vielen immer wieder als "Notnagel" beschriebene Schwenk in Steuerrecht ist meiner Ansicht nach nicht so leicht möglich wie verkauft wird. Ich arbeite bereits seit vielen Jahre im Steuerrecht, habe dazu promoviert und ebenfalls n steuerrechtlichen LLM, trotzdem habe ich jeden Tag mit Leuten zu tun, die mehr Ahnung haben, mit Fällen die ich (auf Anhieb) nichtmal verstehe und würde nicht behaupten ich "kann Steuerrecht" Hinter dem Begriff verstecken sich mindestens so viele Einzelgebiete wie hinter "Jura". In einer Kanzlei ohne entsprechende Vorkenntnisse anfangen halte ich für sinnlos und frustrierend
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.02.2026, 12:29 von Homer S..)
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REF.NRW
Member
***
Beiträge: 57
Themen: 0
Registriert seit: Jul 2024
#5
07.02.2026, 12:40
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften haben nach wie vor hohen Personalbedarf im Bereich Steuern. Da es weniger Bewerber als Stellen gibt, dürftest du auch ohne konkrete Vorerfahrungen im Steuerrecht durchaus Chancen haben genommen zu werden. 

Du müsstest es aber natürlich gut begründen, warum du in diesen Bereich möchtest. Neben dem Selbststudium würde auch ein Fachanwaltslehrgang sehr helfen. Wenn du arbeitslos gemeldet bist, könnte dir das Amt diesen uU bezahlen. 

Das Gehalt für Einsteiger ist aber ziemlich niedrig 46.000 - 52.000 fix. Es gibt aber idR Boni und Überstunden werden vergütet. 

Und du würdest dort auch viel mit Leuten zu tun haben, die deutlich jünger sind als du und erst mal mehr Kenntnisse im Steuerrecht haben werden. 
Langfristig sollte das StB-Examen angestrebt werden. Dieses wird übrigens in den nächsten Jahren wahrscheinlich reformiert, sodass man es modularisiert ablegen kann.
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Träumchen
Junior Member
**
Beiträge: 20
Themen: 4
Registriert seit: Apr 2024
#6
07.02.2026, 13:46
(07.02.2026, 11:15)Spencer schrieb:  Kommt das Bundeskartellamt für dich nicht in Frage?

Prinzipiell schon, aber a) erfülle ich die Voraussetzungen (noch) nicht (min. b/vb oder 16 Punkte und besondere Kenntnisse, aber gerne vb/vb oder mehr) und b) müsste ich natürlich nach Bonn ziehen, was nur mittel attraktiv ist. Sollte ich die Voraussetzungen nach dem VV erfüllen, ziehe ich es aber in Betracht.
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BlnBrb
Member
***
Beiträge: 72
Themen: 2
Registriert seit: Dec 2022
#7
10.02.2026, 09:12
Soweit mir bekannt, genießt der Master an der Uni Potsdam einen sehr guten Ruf. Und da dort Vieles von Praktikern gelehrt wird, hat man dort erste gute Kontakte in die Steuerrechts-Bubble und lernt mögliche neue Kollegen dort kennen. 
Im Steuerrecht würdest du perspektivisch im besten Fall auch eine weitere Spezialisierung vornehmen. Ich finde, man lernt in den WP-Gesellschaften auch sehr gut, wenn du nicht in die Finanzverwaltung gehen willst. Man steigt vom Gehalt her zwar eher niedrig ein, aber die Notenanforderungen sind dort nicht unbedingt so hoch. Langfristig wirst du aber, wenn du dort bleiben und Karriere machen willst, das StB-Examen machen dürfen.
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Gast1904
Junior Member
**
Beiträge: 41
Themen: 4
Registriert seit: Jan 2022
#8
10.02.2026, 18:01
Ich habe nach dem Examen auch im Steuerecht angefangen und inzwischen auch den Steuerberater gemacht. 

Aus meiner Perspektive kann ich Steuerrecht als Rechtsgebiet weiterempfehlen - ich finde es vielschichtig, interessant und es ist immer aktuell. Ich finde es aber schwierig, wenn du Steuerrecht als 2. Wahl ansiehst. Es ist halt doch ein sehr spezielles Rechtsgebiet und funktioniert meines Erachtens nur dann gut, wenn man wirklich Bock drauf hat, sich da einzudenken. Aber ehrlich gesagt gilt das wahrscheinlich für alle Rechtsgebiete.

Eine Spezialisierung ist zwingend notwendig, aber gleichzeitig muss man sich ein allgemeines, die Steuerarten übergreifendes, Systemverständnis aneignen. Ich denke auch, dass ein Einstieg in den Big4 oÄ daher sinnvoll ist, da du zwar ein Rechtsgebiet spezialisiert betrachtest, die anderen Rechtsgebiete aber trotzdem mitbekommst. Eventuell wäre auch ein Einstieg in einer mittelständischen Kanzlei etwas für dich. In den Stellenausschreibungen ist zwar oft Berufserfahrung gefordert, aber die Leute sind rar. Wir hatten auch schon Stellen mit Berufserfahrung ausgeschrieben, für die wir auch die passenden Berufseinsteiger eingestellt hätten.

Je nach Bereich ist aber der Steuerberater eine enorm wichtige Qualifikation. Gerade andere Steuerberater legen teilweise viel Wert darauf, dass der Gegenüber diesen Titel auch hat. Ob man sich ein weiteres Berufsexamen nochmal antun will, muss man sich gut überlegen.

Abschließend: Ich will das Steuerrecht nicht schlecht reden - man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Aber wie bei Allem teile ich hier auch nur meine subjektive Wahrnehmung.

Viel Erfolg dir in jedem Fall bei deinem Berufseinstieg, egal in welchem Bereich.
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kanzlei1
Junior Member
**
Beiträge: 8
Themen: 3
Registriert seit: Feb 2026
#9
13.02.2026, 18:45
(10.02.2026, 18:01)Gast1904 schrieb:  Ich habe nach dem Examen auch im Steuerecht angefangen und inzwischen auch den Steuerberater gemacht. 

Aus meiner Perspektive kann ich Steuerrecht als Rechtsgebiet weiterempfehlen - ich finde es vielschichtig, interessant und es ist immer aktuell. Ich finde es aber schwierig, wenn du Steuerrecht als 2. Wahl ansiehst. Es ist halt doch ein sehr spezielles Rechtsgebiet und funktioniert meines Erachtens nur dann gut, wenn man wirklich Bock drauf hat, sich da einzudenken. Aber ehrlich gesagt gilt das wahrscheinlich für alle Rechtsgebiete.

Eine Spezialisierung ist zwingend notwendig, aber gleichzeitig muss man sich ein allgemeines, die Steuerarten übergreifendes, Systemverständnis aneignen. Ich denke auch, dass ein Einstieg in den Big4 oÄ daher sinnvoll ist, da du zwar ein Rechtsgebiet spezialisiert betrachtest, die anderen Rechtsgebiete aber trotzdem mitbekommst. Eventuell wäre auch ein Einstieg in einer mittelständischen Kanzlei etwas für dich. In den Stellenausschreibungen ist zwar oft Berufserfahrung gefordert, aber die Leute sind rar. Wir hatten auch schon Stellen mit Berufserfahrung ausgeschrieben, für die wir auch die passenden Berufseinsteiger eingestellt hätten.

Je nach Bereich ist aber der Steuerberater eine enorm wichtige Qualifikation. Gerade andere Steuerberater legen teilweise viel Wert darauf, dass der Gegenüber diesen Titel auch hat. Ob man sich ein weiteres Berufsexamen nochmal antun will, muss man sich gut überlegen.

Abschließend: Ich will das Steuerrecht nicht schlecht reden - man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Aber wie bei Allem teile ich hier auch nur meine subjektive Wahrnehmung.

Viel Erfolg dir in jedem Fall bei deinem Berufseinstieg, egal in welchem Bereich.


Das hört sich sehr spannend an. Ich denke auch derzeit an das Steuerberaterexamen und hätte einige Fragen. Denkst du wir könnten mal schreiben/telefonieren? Das wäre eine sehr große Hilfe. Ich danke dir.
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