• Suche
  • Deine Referendarswelt
    • Juristenkoffer.de - Kommentare mieten
    • RefNews - Das Blog zum Referendariat
    • Infoseiten zum Referendariat
    • Referendarbuchladen - Bücher für Rechtsreferendare
    • Stationsradar.de - Stationsangebote u. Nebenjobs
    • Protokolle-Assessorexamen.de - Protokolle für das 2. Examen
    • Referendarswelt - Die Stadt für Rechtsreferendare
    • Infoseiten: Richter / Staatsanwalt werden
Einloggen oder Registrieren » Hallo, Gast! Auch als Gast kannst Du Beiträge posten. Besser nutzbar ist das Forum aber, wenn Du Dich registrierst und einloggst.
Login
Benutzername/E-Mail:
Passwort: Passwort vergessen?
 
  1. Startseite
  2. Zur letzten Instanz - Das Forum für Rechtsreferendare
  3. Instanzen für Rechtsreferendare
  4. Berufseinstieg nach dem Referendariat
  5. Persönliche Eindrücke Großkanzlei
1 2 3 4 5 »
Antworten

 
Persönliche Eindrücke Großkanzlei
janbanan
Junior Member
**
Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jul 2025
#1
27.07.2025, 12:04
Ich möchte einfach mal etwas loswerden. Vielleicht geht es ja nicht nur mir so und wir können hier Erfahrungen teilen.

Ich habe mehrere Jahre in einer Großkanzlei gearbeitet und bin auch heute noch mit vielen Kanzleikolleginnen und Kollegen im Austausch. Was sich dabei immer wieder zeigt: Großkanzleien ziehen erstaunlich viele Menschen an die entweder schon mit einer gewissen Unzufriedenheit in den Beruf starten oder sie im Laufe der Zeit entwickeln, nicht selten ausgelöst durch die Arbeitsbelastung und den permanenten Druck.
Natürlich gibt es überall unterschiedliche Persönlichkeiten. Aber in Umfeldern in denen sechzig oder mehr Wochenstunden zur Norm werden häufen sich bestimmte Verhaltensmuster. Viele die zu Beginn noch relativ ausgeglichen wirken verändern sich mit der Zeit. Sie ziehen sich zurück und wirken zynisch oder einfach leer, bis man sich irgendwann fragt, ob das wirklich noch dieselbe Person ist.

Besonders auffällig finde ich wie oft man in solchen Strukturen auf extrem wettbewerbsgetriebene oder narzisstische Persönlichkeiten trifft. Der Umgangston ist häufig rau, es wird rumgemotzt, angeschrien und emotionale Intelligenz scheint sogar als Schwäche zu gelten. 
Wenn man bei den Partnern etwas genauer hinsieht sieht man auch da vieles bröckeln: Partner die offensichtlich mit ihren Familien in Krisen stecken oder die kaum mehr einen Zugang zu ihren Kindern haben. Man bekommt manchmal den Eindruck dass ein hoher Titel nicht darüber hinwegtäuschen kann wie viel Menschliches auf der Strecke geblieben ist.

Ich frage mich zurzeit ob ich den Absprung wagen sollte aber gleichzeitig habe ich mich an den Lebensstandard gewöhnt. 
Es klingt banal aber das alles loszulassen ist schwerer als ich gedacht hätte - trotz der ganzen Nachteile, die man in Kauf nehmen muss.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 12:05 von janbanan.)
Suchen
Zitieren
Egal_
Member
***
Beiträge: 241
Themen: 1
Registriert seit: Nov 2024
#2
27.07.2025, 12:22
Naja, was erwartet man, wenn das Leben nur aus arbeiten und schlafen besteht? Hast du dir so dein Leben vorgestellt und ist das für dich der Grund, warum du auf der Welt bist?

Für mich nicht. Ich will leben und mit dem vorhandenen Geld mein Leben so angenehm wie möglich machen. Das setzt aber voraus, dass ich überhaupt ein nennenswertes Leben im Sinne von Freizeit habe. Die Arbeit dient nur dazu, mir diese Freizeit zu finanzieren. Andersherum macht es für mich keinen Sinn. Es ist ein platter Spruch aber an ihm ist sehr viel wahres dran: "Ich arbeite um zu leben und lebe nicht um zu arbeiten."

Wenn du unzufrieden bist, solltest du etwas ändern. Was nützt dir dein gehobener Lebensstil, wenn er doch nur Schmerzensgeld ist und noch nicht einmal die verlorene Lebenszeit ausgleicht? Wir haben nur dieses eine. Leben. Ich kenne Leute, die die Rente nicht erreicht haben oder kurz nach Rentenbeginn gestorben sind. Es lohnt sich nicht, nur auf das Rentnerdasein hinzuarbeiten. Genieße das Leben, so lange du gesund bist und noch kannst.

Logisch für mich auch, dass in diesen Jobs besonders viel Narzissten zu finden sind. Narzissten definieren sich über ihren Erfolg. Hinter der Fassade sieht es oft ganz anders aus. 

Bei uns im Konzern gibt es ab einer bestimmten Höhe die Vorgabe, dass man alle 5 Jahre eine neue Stelle antreten muss. Die Scheidungsquote ab dieser Höhe ist extrem hoch. Auch das wundert mich nicht, denn bei diesen Menschen (meist Männern) sitzt die Ehefrau frustriert zu Hause und kümmert sich alleine um Kinder und Haushalt, während der Mann teils mehrere hundert Kilometer entfernt arbeitet. Wenn es dumm läuft, stillt ihr Bedürfnis nach Zuneigung bei jemand anderem. Wir aus dem "Fußvolk" können es verstehen. Für viele von uns ist es ein Grund, Karriere nur bis zu einer gewissen Höhe anzustreben.

Wie gesagt, wenn du unzufrieden bist, dann geh. Du wirst sehen, dass du dich hinterher besser fühlst.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 12:27 von Egal_.)
Suchen
Zitieren
JuraHassLiebe
Prospect
****
Beiträge: 323
Themen: 1
Registriert seit: Jan 2023
#3
27.07.2025, 12:33
(27.07.2025, 12:04)janbanan schrieb:  Ich möchte einfach mal etwas loswerden. Vielleicht geht es ja nicht nur mir so und wir können hier Erfahrungen teilen.

Ich habe mehrere Jahre in einer Großkanzlei gearbeitet und bin auch heute noch mit vielen Kanzleikolleginnen und Kollegen im Austausch. Was sich dabei immer wieder zeigt: Großkanzleien ziehen erstaunlich viele Menschen an die entweder schon mit einer gewissen Unzufriedenheit in den Beruf starten oder sie im Laufe der Zeit entwickeln, nicht selten ausgelöst durch die Arbeitsbelastung und den permanenten Druck.
Natürlich gibt es überall unterschiedliche Persönlichkeiten. Aber in Umfeldern in denen sechzig oder mehr Wochenstunden zur Norm werden häufen sich bestimmte Verhaltensmuster. Viele die zu Beginn noch relativ ausgeglichen wirken verändern sich mit der Zeit. Sie ziehen sich zurück und wirken zynisch oder einfach leer, bis man sich irgendwann fragt, ob das wirklich noch dieselbe Person ist.

Besonders auffällig finde ich wie oft man in solchen Strukturen auf extrem wettbewerbsgetriebene oder narzisstische Persönlichkeiten trifft. Der Umgangston ist häufig rau, es wird rumgemotzt, angeschrien und emotionale Intelligenz scheint sogar als Schwäche zu gelten. 
Wenn man bei den Partnern etwas genauer hinsieht sieht man auch da vieles bröckeln: Partner die offensichtlich mit ihren Familien in Krisen stecken oder die kaum mehr einen Zugang zu ihren Kindern haben. Man bekommt manchmal den Eindruck dass ein hoher Titel nicht darüber hinwegtäuschen kann wie viel Menschliches auf der Strecke geblieben ist.

Ich frage mich zurzeit ob ich den Absprung wagen sollte aber gleichzeitig habe ich mich an den Lebensstandard gewöhnt. 
Es klingt banal aber das alles loszulassen ist schwerer als ich gedacht hätte - trotz der ganzen Nachteile, die man in Kauf nehmen muss.

MEn steht und fällt alles mit dem jeweiligen Team und der Begeisterung für den Job. 
Siehst du in deinem Job einen Mehrwert, der dich erfüllt und hast ein Team mit dem du gerne zusammenarbeitest? Dann wirst du es auch über Jahre schaffen, die erwartete Leistung und insbesondere den Zeitaufwand (gesund) zu bewältigen.

Hast du das Gefühl lediglich stumpf Themen abzuarbeiten, viel billen zu müssen und das bei einem narzisstischen Chef und Ellebogenkultur innerhalb des Kollegiums? Dann wird man es mEn nicht länger als 1-2 Jahre aushalten, bis es zu einer richtigen Belastung wird und die eigene Lebensqualität, mentale und letztlich auch körperliche Gesundheit darunter leiden. 

Es ist im Staatsdienst stets die Rede vom goldenen Käfig. Bei der Großkanzlei fangen aber auch viele an mit der Intention lediglich 2-3 Jahre zu bleiben, die steile Lernkurve und eine gute Sparrate mitzunehmen, gleichen Ihre Ausgaben aber sehr schnell an das Einkommen an und finden sich gleichermaßen in einem goldenen Käfig wieder. 

Ich jedenfalls würde die Entscheidung nicht überstürzen und vielleicht vorher an deinem Lebensstil arbeiten. Ferner gibt es nicht nur schwarz und weiß, auch in einer kleineren Kanzlei, einer Boutique etc. (/Unternehmen) kann man sehr gut leben, hat dabei teilweise eine deutlich bessere Worklifebalance.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 12:34 von JuraHassLiebe.)
Suchen
Zitieren
Hallo123.
Junior Member
**
Beiträge: 5
Themen: 2
Registriert seit: Feb 2025
#4
27.07.2025, 14:29
Ich habe meine Stationen in einer Großkanzlei absolviert und muss sagen, dass es auch meinem persönlichen Eindruck entspricht, dass diese Arbeitsweise nicht gesund ist und auch nicht glücklich macht. Am Anfang war ich super euphorisch und fand alles großartig. Ich mochte den Lifestyle, das Geld und das Ansehen.
Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich an meinen Arbeitstagen nichts mehr unternehme und auch generell nicht in der Lage bin, irgendetwas mit anderen Menschen zu machen. Gegen 17 Uhr stand ich bereits am Fenster und habe mir sehnsüchtig die Menschen angeschaut, die auf dem Weg nach Hause oder in die Stadt waren.
Ich habe mich auch mit vielen Anwält:innen und Assistent:innen unterhalten – und auch wenn die Anwälte das nicht direkt zugegeben haben, habe ich über die Assistent:innen einiges erfahren. Aber man braucht sich nichts vorzumachen: Sobald man sich umsieht, merkt man selbst, dass vieles nicht gut läuft.
Das beste Beispiel ist das Thema Kinder: Die Anwält:innen haben meistens nur ein Kind – und selbst das überfordert sie oft. Abgesehen davon ist es wirklich auffällig, dass die meisten erst mit Mitte 30 ein Kind bekommen. Versteht mich nicht falsch: Jeder hat seinen eigenen Lebenslauf und entscheidet selbst, wann und ob man bestimmte Schritte gehen möchte. Aber als Frau tickt die biologische Uhr – und dann erklärt sich oft von selbst, warum es bei einem Kind bleibt.
Ich muss dazu sagen, dass ich selbst in einem sehr guten Team war – und selbst dort habe ich gemerkt, wie viele unzufrieden waren. Der Partner war manchmal so mit Arbeit überlastet, dass ich glaube, er war zeitweise gar nicht mehr bei vollem Bewusstsein.
Generell fiel mir auf, dass viele kaum eine Vorstellung vom „normalen“ Leben haben, weil sie sich laut darüber unterhalten haben, was man eigentlich macht, wenn man um 17 Uhr Feierabend hat.

Persönlich finde ich, dass man sein Leben – und insbesondere seine Lebenszeit – nicht unterschätzen sollte. Der Schritt in die Großkanzlei muss deshalb wirklich gut überlegt sein. Wenn man dafür leben möchte, dann GO FOR IT.
Suchen
Zitieren
Negatives Tatbestandsmerkmal
Junior Member
**
Beiträge: 40
Themen: 0
Registriert seit: Aug 2024
#5
27.07.2025, 14:53
Generation Z trifft Großkanzlei.

Scheiße viel Geld verdienen gerade zum Berufseinstieg bedeutet eben auch scheiße viel arbeiten. War früher schon so und ist heute nicht anders. Niemand wird dazu gezwungen, jeder trifft diese Entscheidung freiwillig. Und wenn man das Geld und den Lifestyle haben möchte, dann findet euch eben damit ab.

Wenn euch die Wehleidigkeit überkommt unterhaltet euch mit eurem Steuerberater oder anderen Juristen, die für ähnlich viel Arbeit nur davon Träumen können mit so viel Kohle nachhause zu gehen - oder trefft für euch die Entscheidung, dass es eben doch nicht eure Lebensvorstellung ist.

Nur hängt bitte den Leuten nicht in den Ohren, wie doof das doch alles ist, mit dem lange arbeiten. Es gibt viele, insbesondere die Selbständigen unter uns, die gerade am Anfang genauso viel arbeiten mussten, um ihren Laden irgendwie ans Laufen zu bekommen - nur statt mit so viel Kohle nachhause zu gehen stets mit der Ungewissheit, irgendwann überhaupt in vielen Jahren mal im Ansatz so viel zu verdienen oder nicht zwischenzeitlich doch zu scheitern. 

Also genießt eure Privilegien, überlegt euch was ihr machen wollt, aber tut der Gesellschaft bitte einen Gefallen und heult leiser.
Suchen
Zitieren
Gast4321x
Member
***
Beiträge: 95
Themen: 8
Registriert seit: Dec 2021
#6
27.07.2025, 15:23
(27.07.2025, 14:53)Negatives Tatbestandsmerkmal schrieb:  Generation Z trifft Großkanzlei.

Scheiße viel Geld verdienen gerade zum Berufseinstieg bedeutet eben auch scheiße viel arbeiten. War früher schon so und ist heute nicht anders. Niemand wird dazu gezwungen, jeder trifft diese Entscheidung freiwillig. Und wenn man das Geld und den Lifestyle haben möchte, dann findet euch eben damit ab.

Wenn euch die Wehleidigkeit überkommt unterhaltet euch mit eurem Steuerberater oder anderen Juristen, die für ähnlich viel Arbeit nur davon Träumen können mit so viel Kohle nachhause zu gehen - oder trefft für euch die Entscheidung, dass es eben doch nicht eure Lebensvorstellung ist.

Nur hängt bitte den Leuten nicht in den Ohren, wie doof das doch alles ist, mit dem lange arbeiten. Es gibt viele, insbesondere die Selbständigen unter uns, die gerade am Anfang genauso viel arbeiten mussten, um ihren Laden irgendwie ans Laufen zu bekommen - nur statt mit so viel Kohle nachhause zu gehen stets mit der Ungewissheit, irgendwann überhaupt in vielen Jahren mal im Ansatz so viel zu verdienen oder nicht zwischenzeitlich doch zu scheitern. 

Also genießt eure Privilegien, überlegt euch was ihr machen wollt, aber tut der Gesellschaft bitte einen Gefallen und heult leiser.


Lol. Leute dafür kritisieren, dass sie in einem Forum über die juristische Arbeitswelt Posts zur juristischen Arbeitswelt machen - genau mein Humor. 

Aber mal im Ernst: 

1. Es gibt viel mehr als nur das prekäre Dasein eines Einzelkämpfers, der für GK-Arbeitszeiten einen Bruchteil von deren Gehältern kassiert und selber lieber GK-Anwalt wäre. Das von dir gemalte Bild trifft mE nur auf einen Teil der Realität zu. 

2. Ja, man ist als GK-Anwalt privilegiert. Aber das heißt doch nicht, dass man die GK-Welt nicht kritisieren darf. Ich kann den Posts zur oftmals (gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt) unterdurchschnittlichen Sozialkompetenz in GKs nur beipflichten. Deswegen arbeite ich dort nicht mehr. Sowas darf man hier frei sagen, ohne sich von dir als Heulsuse beschimpfen lassen zu müssen.
Suchen
Zitieren
janbanan
Junior Member
**
Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jul 2025
#7
27.07.2025, 16:26
(27.07.2025, 15:23)Gast4321x schrieb:  
(27.07.2025, 14:53)Negatives Tatbestandsmerkmal schrieb:  Generation Z trifft Großkanzlei.

Scheiße viel Geld verdienen gerade zum Berufseinstieg bedeutet eben auch scheiße viel arbeiten. War früher schon so und ist heute nicht anders. Niemand wird dazu gezwungen, jeder trifft diese Entscheidung freiwillig. Und wenn man das Geld und den Lifestyle haben möchte, dann findet euch eben damit ab.

Wenn euch die Wehleidigkeit überkommt unterhaltet euch mit eurem Steuerberater oder anderen Juristen, die für ähnlich viel Arbeit nur davon Träumen können mit so viel Kohle nachhause zu gehen - oder trefft für euch die Entscheidung, dass es eben doch nicht eure Lebensvorstellung ist.

Nur hängt bitte den Leuten nicht in den Ohren, wie doof das doch alles ist, mit dem lange arbeiten. Es gibt viele, insbesondere die Selbständigen unter uns, die gerade am Anfang genauso viel arbeiten mussten, um ihren Laden irgendwie ans Laufen zu bekommen - nur statt mit so viel Kohle nachhause zu gehen stets mit der Ungewissheit, irgendwann überhaupt in vielen Jahren mal im Ansatz so viel zu verdienen oder nicht zwischenzeitlich doch zu scheitern. 

Also genießt eure Privilegien, überlegt euch was ihr machen wollt, aber tut der Gesellschaft bitte einen Gefallen und heult leiser.


Lol. Leute dafür kritisieren, dass sie in einem Forum über die juristische Arbeitswelt Posts zur juristischen Arbeitswelt machen - genau mein Humor. 

Aber mal im Ernst: 

1. Es gibt viel mehr als nur das prekäre Dasein eines Einzelkämpfers, der für GK-Arbeitszeiten einen Bruchteil von deren Gehältern kassiert und selber lieber GK-Anwalt wäre. Das von dir gemalte Bild trifft mE nur auf einen Teil der Realität zu. 

2. Ja, man ist als GK-Anwalt privilegiert. Aber das heißt doch nicht, dass man die GK-Welt nicht kritisieren darf. Ich kann den Posts zur oftmals (gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt) unterdurchschnittlichen Sozialkompetenz in GKs nur beipflichten. Deswegen arbeite ich dort nicht mehr. Sowas darf man hier frei sagen, ohne sich von dir als Heulsuse beschimpfen lassen zu müssen.

Danke! Eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag auch nicht sagen, dass primär das hohe Arbeitspensum belastend ist. Als Anwalt mit langjähriger Großkanzlei Erfahrung gehöre ich auch nicht der Generation Z an. Schade dass man sich nicht online über gemeinsame Erfahrungen austauschen kann, ohne zur Projektionsfläche zu werden und Aussagen in den Mund gelegt zu bekommen, die man so gar nicht gemacht hat. Daran sieht man wohl, dass fragwürdige Verhaltensweisen nicht nur in Großkanzleien aufzufinden sind  Wink
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 16:37 von janbanan.)
Suchen
Zitieren
Spencer
Senior Member
****
Beiträge: 312
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#8
27.07.2025, 17:00
Meine 3 Filmtipps zu dem Thema: 

American Psycho, American Beauty und About Schmidt. 

Alle 3 beleuchten das nicht / falsch gelebte Leben aus einer anderen Perspektive. Insbesondere die beiden letztgenannten haben mich stark beeindruckt. Immer wenn ich auf Fotos sehe, wie meine Tochter ihre kleine Hand auf mir abstützt, muss ich an die Schlussszene in About Schmidt denken und ich weiss, dass ich mich beruflich richtig entschieden habe.

Lesetipp: Das Leben ist kurz (Seneca)

https://www.br.de/radio/bayern2/sendunge...t-100.html
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 19:32 von Spencer.)
Suchen
Zitieren
MartiNRW
Junior Member
**
Beiträge: 12
Themen: 2
Registriert seit: Mar 2025
#9
27.07.2025, 19:53
Spannendes Thema, über das ich als baldiger Berufseinsteiger nach einer Zeit als WiMi und dann Anwaltsstation in einer GK gerade ebenfalls nachdenke. 

Ich bin wohl weniger aus Interesse, als aus Ehrgeiz in die GK gekommen. Zuerst haben mich die namhaften Mandanten, das schicke Office, das nette Gehalt als WiMi und glücklicherweise auch mein Team persönlich die negativen Seiten nicht so sehen lassen. Aber dann bekommt man mit:

  • dass ein Großteil der Kollegen und Kolleginnen Single sind, nicht unbedingt gewollt (und wenn in einer Beziehung, ist der Partner häufig auch in einer GK)
  • wie (mehrmals) das Kind der Partnerin abends anruft und von ihr auf TK-Pizza verwiesen wird
  • scheinbar vieles in Konsum kompensiert wird, seien es Autos oder Luxusartikel
  • kaum/keine Interessen/Hobbies/Leidenschaften bestehen, die nicht auch irgendwie beruflich fruchtbar gemacht werden können (für mich fast das Schlimmste)

All das erklärt sich natürlich damit, dass neben der Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Ich habe immer noch das Gefühl, in die GK zu "müssen", weil es eben insbesondere im Studium als das Maximum gehandelt wird. Die genannten Erfahrungen lassen mich aber hinterfragen, ob das meiner Vorstellung von Leben entspricht. Dazu kommt, dass die Arbeit in der GK - auch wenn ich sie interessant fand - mir nicht so derart bereichernd erscheint, dass mich das motivieren würde. Der einzige Faktor der für die GK spricht ist mMn daher (wenig überraschend) das Geld, oder aber eine (vielleicht langfristig nicht gesunde) persönliche Veranlagung, möglicherweise noch gefördert durch unser Ausbildungssystem. 

Meine Theorie ist auch, dass man aber einer gewissen Zeit in der GK durch die Vernachlässigung von allem anderen auch nichts mehr hat, neben der Arbeit. Man zieht seinen Selbstwert aus der Arbeit und würde in eine Krise geraten, wenn das entfallen würde. Vielleicht etwas zu harsch, aber der Gedanke kam mir aus persönlicher Beobachtung schon häufiger. In diesem Sinne die Frage an den TE: Wenn man sich "an den Lebensstandard gewöhnt" hat, meint das primär die fianzielle Situation? Oder steckt evtl. auch das Geschilderte dahinter?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 20:06 von MartiNRW.)
Suchen
Zitieren
janbanan
Junior Member
**
Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jul 2025
#10
27.07.2025, 20:52
(27.07.2025, 19:53)MartiNRW schrieb:  Spannendes Thema, über das ich als baldiger Berufseinsteiger nach einer Zeit als WiMi und dann Anwaltsstation in einer GK gerade ebenfalls nachdenke. 

Ich bin wohl weniger aus Interesse, als aus Ehrgeiz in die GK gekommen. Zuerst haben mich die namhaften Mandanten, das schicke Office, das nette Gehalt als WiMi und glücklicherweise auch mein Team persönlich die negativen Seiten nicht so sehen lassen. Aber dann bekommt man mit:

  • dass ein Großteil der Kollegen und Kolleginnen Single sind, nicht unbedingt gewollt (und wenn in einer Beziehung, ist der Partner häufig auch in einer GK)
  • wie (mehrmals) das Kind der Partnerin abends anruft und von ihr auf TK-Pizza verwiesen wird
  • scheinbar vieles in Konsum kompensiert wird, seien es Autos oder Luxusartikel
  • kaum/keine Interessen/Hobbies/Leidenschaften bestehen, die nicht auch irgendwie beruflich fruchtbar gemacht werden können (für mich fast das Schlimmste)

All das erklärt sich natürlich damit, dass neben der Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Ich habe immer noch das Gefühl, in die GK zu "müssen", weil es eben insbesondere im Studium als das Maximum gehandelt wird. Die genannten Erfahrungen lassen mich aber hinterfragen, ob das meiner Vorstellung von Leben entspricht. Dazu kommt, dass die Arbeit in der GK - auch wenn ich sie interessant fand - mir nicht so derart bereichernd erscheint, dass mich das motivieren würde. Der einzige Faktor der für die GK spricht ist mMn daher (wenig überraschend) das Geld, oder aber eine (vielleicht langfristig nicht gesunde) persönliche Veranlagung, möglicherweise noch gefördert durch unser Ausbildungssystem. 

Meine Theorie ist auch, dass man aber einer gewissen Zeit in der GK durch die Vernachlässigung von allem anderen auch nichts mehr hat, neben der Arbeit. Man zieht seinen Selbstwert aus der Arbeit und würde in eine Krise geraten, wenn das entfallen würde. Vielleicht etwas zu harsch, aber der Gedanke kam mir aus persönlicher Beobachtung schon häufiger. In diesem Sinne die Frage an den TE: Wenn man sich "an den Lebensstandard gewöhnt" hat, meint das primär die fianzielle Situation? Oder steckt evtl. auch das Geschilderte dahinter?

Sehr interessanter Betrag. Natürlich spielt das Finanzielle eine Rolle, aber irgendwann ist das nicht mehr der ausschlaggebende Punkt. Wenn man bei einem Gehalt von 150k liegt, macht eine Differenz von 50k meiner Meinung nach nicht mehr so viel aus, wie es auf den ersten Blick wirkt. Außer man kostet jeden Euro aus – aber ganz ehrlich, dafür bleibt in dem Job keine Zeit. 
Ich glaube eigentlich, dass ein Einstieg in einer Großkanzlei mit der eigenen Identität viel mehr ausmacht, als man sich selbst eingestehen will.
Am Anfang ist man irgendwie stolz, dass man es in eine große Kanzlei geschafft hat und will beweisen, dass man da auch wirklich hingehört.
In diesem Prozess wird die Kanzlei, das krasse Pensum und das Prestige ein Teil von dem, wie man sich selbst sieht
Sich davon zu lösen fühlt sich nicht einfach nur wie ein Jobwechsel an, sondern wie ein kleiner Identitätsbruch weil man irgendwann anfängt, über diesen Job das eigene Leben zu legitimieren. Das klingt hart, aber ich glaube, genau das passiert oft. 
Inzwischen glaube ich, wenn man schon in eine Großkanzlei geht, dann sollte man das nur machen, wenn man wirklich von Anfang an für dieses Prestige brennt. Berufserfahrung sammeln und langfristig Karriere machen kann man auch, wenn man bei einem anderen Arbeitgeber anfängt.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.07.2025, 21:04 von janbanan.)
Suchen
Zitieren
« Ein Thema zurück | Ein Thema vor »
1 2 3 4 5 »
Antworten



 

Zur letzten Instanz

Das Forum "Zur letzten Instanz" ist das einzige Forum speziell für Rechtsreferendare. Diskutiere mit bei Fragen Rund um den juristischen Vorbereitungsdienst und zum Zweiten Staatsexamen!

Quick Links



Kontaktiere uns

E-Mail an uns  Datenschutzhinweise

Impressum 

Linearer Modus
Baumstrukturmodus