25.07.2025, 14:49
Hallo zusammen,
ich bin aktuell auf Jobsuche und scrolle täglich durch die Stellenanzeigen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass insgesamt ziemlich wenig Neues dazukommt – sowohl bei Großkanzleien als auch bei anderen juristischen Jobs.
Täuscht mein Eindruck oder ist der Bedarf gerade wirklich eher gering?
Kann das vielleicht an den bevorstehenden Sommerferien liegen und ist das zu dieser Jahreszeit eventuell ganz normal?
Würde mich über eure Einschätzungen freuen!
Viele Grüße
ich bin aktuell auf Jobsuche und scrolle täglich durch die Stellenanzeigen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass insgesamt ziemlich wenig Neues dazukommt – sowohl bei Großkanzleien als auch bei anderen juristischen Jobs.
Täuscht mein Eindruck oder ist der Bedarf gerade wirklich eher gering?
Kann das vielleicht an den bevorstehenden Sommerferien liegen und ist das zu dieser Jahreszeit eventuell ganz normal?
Würde mich über eure Einschätzungen freuen!
Viele Grüße
25.07.2025, 15:18
(25.07.2025, 14:49)gh97ych schrieb: Hallo zusammen,Arbeitsmarkt ist wohl eher schlecht aktuell, wobei es sicher auch eine Rolle spielt, in welcher Stadt/ Gegend man sucht. Bin auch schon seit paar Monaten auf Suche. Kannst dich ja trotzdem initiativ bewerben und dein Glück versuchen.
ich bin aktuell auf Jobsuche und scrolle täglich durch die Stellenanzeigen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass insgesamt ziemlich wenig Neues dazukommt – sowohl bei Großkanzleien als auch bei anderen juristischen Jobs.
Täuscht mein Eindruck oder ist der Bedarf gerade wirklich eher gering?
Kann das vielleicht an den bevorstehenden Sommerferien liegen und ist das zu dieser Jahreszeit eventuell ganz normal?
Würde mich über eure Einschätzungen freuen!
Viele Grüße
25.07.2025, 15:26
Das liegt wohl hauptsächlich an der allgemein schlechten Wirtschaftlichen Lage im Land.
26.07.2025, 12:35
Der Arbeitsmarkt ist eine Katastrophe. Nicht nur, dass es kaum neue gibt. Ich kenne Stellenanzeigen, die sind schon seit 6 Monaten ausgeschrieben, die werden einfach nicht besetzt. In einer Absage einer GK wurde mir gesagt, dass aktuell kein Bedarf besteht - trotz Ausschreibung. Die Stelle steht aber immer noch auf den bekannten Stellenportalen...
26.07.2025, 22:55
Also ich verstehe es nicht. In meiner Referendariatszeit hieß es immer: Fachkräftemangel, jetzt geht die Generation der "Babyboomer" in Rente-es wird daher ein riesiger Mangel bestehen, heutzutage könnt ihr euch den Job aussuchen, weil es nicht mehr so schwer ist einen Job zu finden (wegen Fachkräftemangel) und euch wird heutzutage der "rote Teppich" ausgerollt blabla
und nun muss ich hier erfahren, dass die Realität anders aussieht? Wie kommt das? Das passt mit den Aussagen der Ausbilder im Referendariat überhaupt nicht zusammen. Wurden wir hier alle belogen?
und nun muss ich hier erfahren, dass die Realität anders aussieht? Wie kommt das? Das passt mit den Aussagen der Ausbilder im Referendariat überhaupt nicht zusammen. Wurden wir hier alle belogen?
26.07.2025, 23:03
(26.07.2025, 22:55)XX92 schrieb: Also ich verstehe es nicht. In meiner Referendariatszeit hieß es immer: Fachkräftemangel, jetzt geht die Generation der "Babyboomer" in Rente-es wird daher ein riesiger Mangel bestehen, heutzutage könnt ihr euch den Job aussuchen, weil es nicht mehr so schwer ist einen Job zu finden (wegen Fachkräftemangel) und euch wird heutzutage der "rote Teppich" ausgerollt blablaAusbilder im Ref sind im ersten Jahr (Zivilgericht, StA und Verwaltung je nach dem vielleicht weniger) auf Stellen die für die "besten Absolventen" gedacht sind.. Geworben haben Sie bei uns auch jede Station... aber faktisch nur um mehr Auswahl zu haben. Zumal ein 60+ Jähriger Amtsrichter in der Regel keine Ahnung hat von den aktuellen Einstellungen. Die hören auf dem Flurfunk dann: "Die nehmen jetzt jeden ab 7,5P..." Ein großes Interesse an Leuten ohne VB ist dort kaum gewesen nachdem man dann fertig war. Und die freie Wirtschaft? Der gehts nunmal schlecht aktuell, wieso sollten die groß einstellen? Keiner meiner Kollegen die dann stolz waren die in Hessen gepredigten 7,5P knapp gepackt zu haben wurde eingestellt, auch wenn dies anders "gepredigt" wurde :D
und nun muss ich hier erfahren, dass die Realität anders aussieht? Wie kommt das? Das passt mit den Aussagen der Ausbilder im Referendariat überhaupt nicht zusammen. Wurden wir hier alle belogen?
27.07.2025, 12:23
(26.07.2025, 22:55)XX92 schrieb: Also ich verstehe es nicht. In meiner Referendariatszeit hieß es immer: Fachkräftemangel, jetzt geht die Generation der "Babyboomer" in Rente-es wird daher ein riesiger Mangel bestehen, heutzutage könnt ihr euch den Job aussuchen, weil es nicht mehr so schwer ist einen Job zu finden (wegen Fachkräftemangel) und euch wird heutzutage der "rote Teppich" ausgerollt blabla
und nun muss ich hier erfahren, dass die Realität anders aussieht? Wie kommt das? Das passt mit den Aussagen der Ausbilder im Referendariat überhaupt nicht zusammen. Wurden wir hier alle belogen?
Der Stand der Wirtschaft wirkt sich nun einmal unmittelbar auf die Kanzleien aus und um die deutsche Wirtschaft steht es aktuell (bekanntermaßen) nicht sonderlich gut. Ferner boomt AI, so wurde HarveyAI kürzlich auf einer 5 Milliarden Euro Bewertung finanziert, viele weitere Legal AI Firmen machen gerade Millionenumsätze. Werden diese Umsätze neu generiert? Nein, das sind Umsätze die zuvor von Kanzleien gemacht wurden und daraus ergibt sich einfach ein geringerer Bedarf an Nachwuchsjuristen als noch vor kurzer Zeit.
Haben dich die Ausbilder nun belogen? Nein kaum jemand kann den Verlauf der Wirtschaft vorhersehen, selbiges gilt für die rapide Entwicklung im Bereich AI, LLM.
Wie sollte man nun damit umgehen? Meines Erachtens nach sollte man dankbar sein, dass man bereits mit der Ausbildung fertig ist, die Kandidaten die noch im Referendariat oder sogar in den ersten Semestern des Studiums stecken, werden es wohl kaum leichter haben.
28.07.2025, 14:37
Das trifft aber prinzipiell viele Branchen. Heute habe ich im HB gelesen, wie mittelständische Strategiebuden/-plattformen von 30-40 MA innerhalb von einem Jahr auf 3, 4 MA runterskaliert haben und trotzdem über 100 Unternehmen aus dem Mittelstand als Kunden haben und via Abo-Modell betreuen . Dank KI und einem Netwerk aus über 30 Agenten, die jeweils spezielle Segmente abdecken und untereinander kommunizieren. Anpassung in Echtzeit. Marktbeobachtung, Priorisierung, sammeln und Auswertung von Daten, Szenarienbewertung usw. usf.. Und anhand dieser Informationen werden Strategien für die Kunden vorgeschlagen. Angeblich würden sogar 40 % der Kunden entsprechende Serviceangebote ohne persönliche Beratung nutzen.
Sagen wir es mal so: dies hört sich nicht nach schönen Zeiten für Absolventen und Associates an. Die Politik muss zwangsläufig Antworten auf die neuen Fragen geben müssen, mit denen die Gesellschaft kofrontiert (werden) wird. Denn die KI wird sich stetig weiterentwickeln und besser werden. Aktuell wird leider noch gegen Bürgergeldempfänger mobil gemacht, obwohl schon jetzt viel zu wenige offene Stellenangebote auf zu viele Arbeitslose und Bürgergeldempfänger treffen. Das Ungleichgewicht wird sich in Zukunft noch deutlich verstärken.
Vor kurzem las ich auch über Berufe, bei denen aktuell der "Fachkräftemangel" besonders stark ausgeprägt sei: Fleichereihandwerk, Hotellerie, Restauration, erneuerbare Energien, Tiefbau, medizinische Fachangestelle usw. usf. Jura? BWL? NEIN!
Sagen wir es mal so: dies hört sich nicht nach schönen Zeiten für Absolventen und Associates an. Die Politik muss zwangsläufig Antworten auf die neuen Fragen geben müssen, mit denen die Gesellschaft kofrontiert (werden) wird. Denn die KI wird sich stetig weiterentwickeln und besser werden. Aktuell wird leider noch gegen Bürgergeldempfänger mobil gemacht, obwohl schon jetzt viel zu wenige offene Stellenangebote auf zu viele Arbeitslose und Bürgergeldempfänger treffen. Das Ungleichgewicht wird sich in Zukunft noch deutlich verstärken.
Vor kurzem las ich auch über Berufe, bei denen aktuell der "Fachkräftemangel" besonders stark ausgeprägt sei: Fleichereihandwerk, Hotellerie, Restauration, erneuerbare Energien, Tiefbau, medizinische Fachangestelle usw. usf. Jura? BWL? NEIN!
28.07.2025, 14:51
(28.07.2025, 14:37)nachdenklich schrieb: Das trifft aber prinzipiell viele Branchen. Heute habe ich im HB gelesen, wie mittelständische Strategiebuden von 30-40 MA innerhalb von einem Jahr auf 3, 4 MA runterskaliert haben und trotzdem über 100 Unternehmen aus dem Mittelstand betreuen. Dank KI und einem Netwerk aus über 30 Agenten, die jeweils spezielle Segmente abdecken und untereinander kommunizieren. Anpassung in Echtzeit. Marktbeobachtung, Priorisierung, sammeln und Auswertung von Daten, Szenarienbewertung usw. usf.. Und anhand dieser Informationen werden Strategien für die Kunden vorgeschlagen. Angeblich würden sogar 40 % der Kunden entsprechende Serviceangebote ohne persönliche Beratung nutzen.
Sagen wir es mal so: dies hört sich nicht nach schönen Zeiten für Absolventen und Associates an. Die Politik wird zwangsläufig Antworten auf die neuen Fragen geben müssen, mit denen die Gesellschaft kofrontiert (werden) wird. Denn die KI wird sich stetig weiterentwickeln und besser werden. Aktuell wird leider noch gegen Bürgergeldempfänger mobil gemacht, obwohl schon jetzt viel zu wenige offene Stellenangebote auf zu viele Arbeitslose und Bürgergeldempfänger treffen. Das Ungleichgewicht wird sich in Zukunft noch deutlich verstärken.
Vor kurzem las ich auch über Berufe, bei denen aktuell der "Fachkräftemangel" besonders stark ausgeprägt sei: Fleichereihandwerk, Hotellerie, Restauration, erneuerbare Energien, Tiefbau, medizinische Fachangestelle usw. usf. Jura? BWL? NEIN!
Zumal vieles hinsichtlich des Phänomens des "Fachkräftemangels" auch schlicht in "Arbeitskräftemangel" übersetzt werden könnte.
Meiner Meinung nach ein absoluter Misnomer, der die Realität am Arbeitsmarkt unzureichend wiederspiegelt.
Ein wesentlicher Teil des Fachkräftemangels lässt sich in "wir brauchen Leute, die knüppelharte, schlecht bezahlte Arbeit machen wollen" umdeuten. Das spiegelt sich auch in den von dir genannten Branchen wieder: Fleischerei, Hotellerie, Tiefbau. Das sind sicher alles Berufe, die einer Ausbildung bedürfen, aber eben keine zwei Staatsexamina mit doppelter Kriegsbemalung.
Wer hier nicht Meister oder Geschäftsführer ist, wird als Geselle/Angestellter selten signifikant mehr als Mindestlohn verdienen. Hierfür dürfen vierzig Stunden geknüppelt werden, in einem Arbeitsumfeld, dass selten von Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung oder sonstiger Sinnstiftung geprägt ist. Ich kenne viele Abiturienten, die sich bewusst für eine Ausbildung entschieden haben, aber von der Realität am Arbeitsmarkt so negativ überrascht waren, dass sie dann doch studiert haben. Dieser Trend, in Kombination mit einem leichter zugänglichen Abitur, trägt ebenfalls dazu bei, dass die tollen "Akademikerjobs" heute nicht mehr auf dem Silberblech serviert werden.
28.07.2025, 14:57
Ich denke nicht, dass AI bereits Effekte auf Einstellungszahlen hat. Vielmehr nutzt man AI als Tool, um schneller die Billables zu produzieren. Keine Kanzlei - auch bei uns - will, dass nun AI den Job macht, weil man sich dadurch das eigene Geschäft kaputt macht. Denn der Mandant wird keine 5 Associates zahlen, wenn eine AI den Job macht. Fehlen die Billables von Associates, dann kann der Umsatz auch nicht erreicht werden, sind sie doch der Leverage für den Partner. Wir haben die Diskussion auch, aber (1) ersetzt kein Tool - Stand jetzt - die tatsächliche Arbeit, sondern unterstützt eher und (2) läuft der AI-Einsatz mittelfristig auf ein erfolgs- statt stundenbasiertes Abrechnungssystem hinaus.