25.10.2023, 19:43
Hallo zusammen,
wie ist das bei euch in den Kanzleien? Wird man da blöd angeschaut oder ist es euch unangenehm, Urlaub einzufordern? Bei uns irgendwie schon und ich frage mich, ob das so ein Anwalts-Ding ist, oder einfach an der Kanzlei liegt
wie ist das bei euch in den Kanzleien? Wird man da blöd angeschaut oder ist es euch unangenehm, Urlaub einzufordern? Bei uns irgendwie schon und ich frage mich, ob das so ein Anwalts-Ding ist, oder einfach an der Kanzlei liegt

26.10.2023, 07:25
Liegt an der Kanzlei. Falls es nicht nur falsche Wahrnehmung von dir ist.
26.10.2023, 10:21
Bei mir (GK) versucht unser Partner jeden Urlaub, der länger als 1 bis 2 Wochen andauert, argumentativ abzulehnen, weil wir ja zu viel zu tun hätten.
Kam auch ab und an schon vor, dass bereits geplanter und bevorstehender Urlaub versucht wurde, zu revidieren (gegen Bezahlung der Unkosten)
Kam auch ab und an schon vor, dass bereits geplanter und bevorstehender Urlaub versucht wurde, zu revidieren (gegen Bezahlung der Unkosten)

26.10.2023, 10:38
Vacationshaming habe ich nie erlebt. Das ist mMn ein Zeichen schlechter Organisation, weil in aller Regel weiß das Team/der Partner ja langfristig im Voraus, wann die Urlaubszeiten sind, und kann sich darauf einstellen.
Wo aber der Umgang (teils auch innerhalb derselben Kanzlei) extrem unterschiedlich war, war beim Ausleben des Urlaubs. Bei einem Team war der Partner selbst 24 Stunden vor nem Signing nicht mehr zu erreichen (zum Counsel: "also, wenn noch offene Fragen sind, stell sie bis Dienstagabend, ab Mittwoch bin ich nicht mehr zu erreichen") und hat in vergleichbarer Weise den Urlaub seiner Associates respektiert. Bei dem anderen Team war der Associate ganz begeistert, dass er bei der Kreuzfahrt im Pazifik so oft überhaupt keine Verbindung hatte, dass er auf unter 15 billables/Urlaubswoche gekommen ist.
Wo aber der Umgang (teils auch innerhalb derselben Kanzlei) extrem unterschiedlich war, war beim Ausleben des Urlaubs. Bei einem Team war der Partner selbst 24 Stunden vor nem Signing nicht mehr zu erreichen (zum Counsel: "also, wenn noch offene Fragen sind, stell sie bis Dienstagabend, ab Mittwoch bin ich nicht mehr zu erreichen") und hat in vergleichbarer Weise den Urlaub seiner Associates respektiert. Bei dem anderen Team war der Associate ganz begeistert, dass er bei der Kreuzfahrt im Pazifik so oft überhaupt keine Verbindung hatte, dass er auf unter 15 billables/Urlaubswoche gekommen ist.
26.10.2023, 10:52
Kam in meiner Zeit in der GK so nie vor. Jetzt im Unternehmen werde ich regelmäßig ermahnt Urlaub zu nehmen, allerdings ausdrücklich ohne Androhung des Verfalls.
26.10.2023, 11:17
Sinngemäßer Kommentar eines Partners, der nicht für meine Urlaubsanträge zuständig ist aber für den ich hin und wieder arbeite, als er erfahren hat, dass ich 3 Wochen weg sein werde:
"Was? Wer hat denn sowas genehmigt? Als ich Associate war hat hier niemand mehr als 10 Tage pro Jahr Urlaub genommen insgesamt. Wie die Zeiten sich ändern. Aber gut für dich, Anon."
Nach meiner Rückkehr: "Oh, der verlorene Sohn ist zurück."
Am Ende eher kein echtes Shaming, aber Spitzen muss man sich schon anhören, vorallem wenn man mehr als ne Woche am Stück macht.
"Was? Wer hat denn sowas genehmigt? Als ich Associate war hat hier niemand mehr als 10 Tage pro Jahr Urlaub genommen insgesamt. Wie die Zeiten sich ändern. Aber gut für dich, Anon."
Nach meiner Rückkehr: "Oh, der verlorene Sohn ist zurück."
Am Ende eher kein echtes Shaming, aber Spitzen muss man sich schon anhören, vorallem wenn man mehr als ne Woche am Stück macht.
26.10.2023, 11:27
In meiner GK-Zeit hieß es immer:“Mehr als zwei Wochen gibt es nur für die Flitterwochen“ ? Ich musste im Urlaub auch immer arbeiten. Das war auch der Hauptgrund, warum ich inhouse gegangen bin.
26.10.2023, 21:18
Kenne einen, der bei ner bekannten GK war. Im Bewerbungsgespräch hat er nach Urlaub gefragt. Die meinten „30 Tage, aber es ist unüblich, den kompletten Urlaub zu nehmen“.
Nach der Legende soll er dann gefragt haben, ob es üblich ist, das komplette Gehalt zu nehmen. ?
Nach der Legende soll er dann gefragt haben, ob es üblich ist, das komplette Gehalt zu nehmen. ?
28.10.2023, 00:15
Keine Ahnung in was für komischen Läden Ihr arbeitet. Ich bin seit Jahren in einer britischen GK und nehme - ebenso wie alle anderen Associates, Counsel und Partner - ganz selbstverständlich meinen Jahresurlaub. Das ist überhaupt kein Thema.
Im Urlaub passiert es dann schon täglich, dass ich 20m lang Mails durchgehe und sie weiterleite. Das ist für mich fester Teil des Berufs und geht auch jedem Super-KK-Anwalt so.
Im Urlaub passiert es dann schon täglich, dass ich 20m lang Mails durchgehe und sie weiterleite. Das ist für mich fester Teil des Berufs und geht auch jedem Super-KK-Anwalt so.
30.10.2023, 20:59
Bei mir im Team in einer internationalen GK war es auch das übliche Gejammer, wenn Associates zwei Wochen oder mehr Urlaub nehmen wollen. Es schien ein wenig ritualisiert, denn es kam v.a. von den "jüngeren" älteren Kollegen (Senior Associate aufwärts). Der teamleitende Partner sagte dazu wenig und nahm sich jeden Sommer 5+ Wochen, in denen er auch immer ganz weit weg und durch Zeitverschiebung etc. faktisch kaum kurzfristig erreichbar war. Er arbeitete aber seine Mails ab, was täglich wohl immer 2-3 Stunden kostete.
Wenn man nur eine Woche weg war, vertrat einen in meinem Team niemand wirklich und es türmte sich in der Folgewoche alles. Wenn man länger weg war, gab es zwar eine formale Vertretungsregel. Die Dauerberatungen/größeren Projekteliefen aber trotzdem irgendwie über einen selbst weiter, sei es, weil die Vertretung selbst überarbeitet war oder sich nicht einarbeiten konnte/wollte und daher ständig irgendwas wissen wollte/weitergeleitet hat. Arbeit während des Urlaubs war also Teil des (längeren) Urlaubs und man musste schon aktiv abwehren oder selbst versuchen, auf andere Ansprechpartner umzuschichten, um nicht an die Urlaubs-Partnerzeiten (2-3 Stunden eher täglich) ranzukommen. In anderen Teams der Kanzlei lief das offenbar anders, Leute konnten ihren Urlaub unproblematisch(er) nehmen und Vertretungen haben besser funktioniert.
U.a. diese Erfahrungen haben mich dieses Jahr bewogen, inhouse zu gehen. Lange arbeiten ist ja eine Sache, aber mir war das zu blöd, dass nicht mal die Erholung im Urlaub strukturell richtig funktionieren sollte. Ob man Urlaub nehmen kann, ist letztlich ein Strukturthema und wenn einem das Team das nicht mal ansatzweise sinnvoll gewähren kann, hat der verantwortliche Partner den Schuss einfach nicht gehört. Wenn Partner so arbeiten wollen, fein, die kriegen dafür ja auch einen A*sch voll Geld, aber das muss ich nicht auch noch auf Associatelevel emulieren.
Wenn man nur eine Woche weg war, vertrat einen in meinem Team niemand wirklich und es türmte sich in der Folgewoche alles. Wenn man länger weg war, gab es zwar eine formale Vertretungsregel. Die Dauerberatungen/größeren Projekteliefen aber trotzdem irgendwie über einen selbst weiter, sei es, weil die Vertretung selbst überarbeitet war oder sich nicht einarbeiten konnte/wollte und daher ständig irgendwas wissen wollte/weitergeleitet hat. Arbeit während des Urlaubs war also Teil des (längeren) Urlaubs und man musste schon aktiv abwehren oder selbst versuchen, auf andere Ansprechpartner umzuschichten, um nicht an die Urlaubs-Partnerzeiten (2-3 Stunden eher täglich) ranzukommen. In anderen Teams der Kanzlei lief das offenbar anders, Leute konnten ihren Urlaub unproblematisch(er) nehmen und Vertretungen haben besser funktioniert.
U.a. diese Erfahrungen haben mich dieses Jahr bewogen, inhouse zu gehen. Lange arbeiten ist ja eine Sache, aber mir war das zu blöd, dass nicht mal die Erholung im Urlaub strukturell richtig funktionieren sollte. Ob man Urlaub nehmen kann, ist letztlich ein Strukturthema und wenn einem das Team das nicht mal ansatzweise sinnvoll gewähren kann, hat der verantwortliche Partner den Schuss einfach nicht gehört. Wenn Partner so arbeiten wollen, fein, die kriegen dafür ja auch einen A*sch voll Geld, aber das muss ich nicht auch noch auf Associatelevel emulieren.