09.10.2020, 12:02
Hallo liebe Neuanwälte,
da bei mir in kürze die Jobwahl bevorsteht und ich stark zur Anwaltschaft neige würde ich gerne erfragen, ob sich hier Junganwälte aufhalten und Lust hätten, ihre bisherigen Erfahrungen mitzuteilen.
Als Beispiele für interessante Themen fallen mir spontan ein:
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
- Wie war der erste Arbeitstag?
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
- Was würdet ihr neuen Berufsanfängern raten?
- Usw.
Ich verstehe natürlich, dass ihr derzeit anderes zu tun habt, als in so einem Forum zu schreiben. :D
Wenn jemand dazu Zeit und Motivation finden kann, wäre ich (und wohl so manch anderer hier auch) sehr erfreut. :)
Danke schonmal an dieser Stelle für entsprechende Berichte. :)
da bei mir in kürze die Jobwahl bevorsteht und ich stark zur Anwaltschaft neige würde ich gerne erfragen, ob sich hier Junganwälte aufhalten und Lust hätten, ihre bisherigen Erfahrungen mitzuteilen.
Als Beispiele für interessante Themen fallen mir spontan ein:
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
- Wie war der erste Arbeitstag?
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
- Was würdet ihr neuen Berufsanfängern raten?
- Usw.
Ich verstehe natürlich, dass ihr derzeit anderes zu tun habt, als in so einem Forum zu schreiben. :D
Wenn jemand dazu Zeit und Motivation finden kann, wäre ich (und wohl so manch anderer hier auch) sehr erfreut. :)
Danke schonmal an dieser Stelle für entsprechende Berichte. :)
09.10.2020, 13:09
Hier erst einmal ein vielleicht nicht allzu motivierender Bericht :D
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
Ich arbeite seit ca. 2 Jahren in einer kleinen Kanzlei (6 Berufsträger) in einem eher unbeliebten Rechtsgebiet. Die Entscheidung für den Beruf fiel nicht aufgrund der Noten (zweites Examen zweistellig), sondern weil ich in der Kanzlei rein aus Interesse am Rechtsgebiet schon einige Jahre als WissMit gearbeitet habe, auch durchgängig während des Refs. Man kannte mich also und bot mir daher lange vor der mündlichen Prüfung an, dort tätig zu werden.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Das Gehalt ist jämmerlich; das war mir von Beginn an aber auch klar und für mich zuerst nicht ausschlaggebend. Die Arbeitszeiten belaufen sich in der Realität auf 50-60h die Woche je nach (teilweise sehr weit außerhalb liegenden) Terminen plus teilweise Notdienst plus Wochenenderreichbarkeit. Auch das war mir von vorneherein klar, ich kannte ja nun die Kanzlei schon länger, und es wurde auch offen kommunziert.
Ich habe aber ganz ehrlich gesagt unterschätzt, welchen Effekt die mickrige Bezahlung und die Arbeitszeiten auf Dauer haben. Ich ging davon aus, dass der Spaß und die Leidenschaft für den Job - die ich durchaus habe - vieles aufwiegt, aber im Endeffekt macht es schlichtweg krank. Das meine ich nicht nur redensartlich; meine körperliche Gesundheit hat heftig gelitten in den letzten zwei Jahren. Wenn man dann auch noch ein Drittel von dem verdient, was Freunde mit ähnlichen Noten verdienen, schwinden Spaß und Leidenschaft an der Tätigkeit auf Dauer.
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
Den AV habe ich noch während des Refs abgeschlossen und dann unmittelbar nach der Mündlichen angefangen zu arbeiten.
- Wie war der erste Arbeitstag?
Da ich meine Zulassung nicht am 1. Arbeitstag hatte, war der Arbeitstag wie jeder andere in den vorangegangenen Jahren.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Ich hatte schon als WissMit ab und an Mandantenkontakt, also war ich nicht völlig unvorbereitet. Trotzdem ist es eine ungewohnte Situation, dass da auf einmal jemand vor einem sitzt, der denkt, man hat den Durchblick, und einen um Rat fragt, während man sich selbst fühlt, als hätte man von nichts einen Plan :D Da ich aber recht kommunikativ bin, war alles halb so wild.
Insgesamt hatte ich mit dem Mandantenkontakt nie ernsthafte Probleme; ich habe mehr die Problematik, dass die Leute zu vertrauensselig werden und mir ihre Lebensgeschichte ausbreiten. So ist das als Anwalt in meinem Rechtsgebiet aber eben - man ist nicht nur Rechtsberater, sondern immer auch ein Stück Sozialarbeiter, und das ist auch ok.
(Innerliche, nicht nach außen getragene) Schwierigkeiten habe ich mit Mandanten dann, wenn sie erwarten, dass man sich mit ihnen gemeinsam gegen "das böse Justizsystem" oder "die ungerechte Gesellschaft" oder "das fiese System" stellen wird. Kommt leider oft vor und ist endlos nervig, insbesondere wenn der Mandant völlig abwegige Vorstellungen davon hat, wie das Justizsystem arbeiten sollte.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
In meinem Fall: Durch die Ref-Ausbildung null Komma null. Ich war durch meine WissMit-Tätigkeit auf manche Aspekte des Berufs vorbereitet.
Worauf ich insgesamt überhaupt nicht vorbereitet war, war die Mandantenakquise, die leider eine irrsinnig große Rolle spielt. Als Anwalt in einer kleinen Kanzlei musst du ein Selbstdarsteller sein und große Lust haben, dein (vorhandenes oder auch nicht vorhandenes) Können zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen. Außerdem verbringt man einen nicht zu vernachlässigenden Teil des Monats damit, auf Zahlen zu starren und sich zu überlegen, wie der Umsatz optimiert und nach oben getrieben werden kann. Das macht manchen Leuten sicher Spaß; mir liegt das nicht.
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Ich hätte schon früher die Reißleine ziehen und gehen sollen.
Ich war und bin bereit, viel und unter Erledigungsdruck zu arbeiten, aber ich habe gelernt, dass es eine Grenze gibt - gerade dann, wenn man weder finanzielle noch sonstige Anerkennung für das erhält, was man tut. Meinem Sozialleben, meinem Konto, meiner Lebensgestaltung und meiner physischen und psychischen Gesundheit zuliebe werde ich alsbald wechseln.
Vor dem Einstieg in eine kleine Kanzlei möchte ich daher eher warnen. Nichtsdestotrotz ist es natürlich einzelfall- und charakterabhängig. Ich kenne andere, die genau in der 24/7-Arbeit, vor der ich nun fliehe, ihre Erfüllung sehen und sehr glücklich sind. Dir, TE, wünsche ich jedenfalls alles Gute.
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
Ich arbeite seit ca. 2 Jahren in einer kleinen Kanzlei (6 Berufsträger) in einem eher unbeliebten Rechtsgebiet. Die Entscheidung für den Beruf fiel nicht aufgrund der Noten (zweites Examen zweistellig), sondern weil ich in der Kanzlei rein aus Interesse am Rechtsgebiet schon einige Jahre als WissMit gearbeitet habe, auch durchgängig während des Refs. Man kannte mich also und bot mir daher lange vor der mündlichen Prüfung an, dort tätig zu werden.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Das Gehalt ist jämmerlich; das war mir von Beginn an aber auch klar und für mich zuerst nicht ausschlaggebend. Die Arbeitszeiten belaufen sich in der Realität auf 50-60h die Woche je nach (teilweise sehr weit außerhalb liegenden) Terminen plus teilweise Notdienst plus Wochenenderreichbarkeit. Auch das war mir von vorneherein klar, ich kannte ja nun die Kanzlei schon länger, und es wurde auch offen kommunziert.
Ich habe aber ganz ehrlich gesagt unterschätzt, welchen Effekt die mickrige Bezahlung und die Arbeitszeiten auf Dauer haben. Ich ging davon aus, dass der Spaß und die Leidenschaft für den Job - die ich durchaus habe - vieles aufwiegt, aber im Endeffekt macht es schlichtweg krank. Das meine ich nicht nur redensartlich; meine körperliche Gesundheit hat heftig gelitten in den letzten zwei Jahren. Wenn man dann auch noch ein Drittel von dem verdient, was Freunde mit ähnlichen Noten verdienen, schwinden Spaß und Leidenschaft an der Tätigkeit auf Dauer.
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
Den AV habe ich noch während des Refs abgeschlossen und dann unmittelbar nach der Mündlichen angefangen zu arbeiten.
- Wie war der erste Arbeitstag?
Da ich meine Zulassung nicht am 1. Arbeitstag hatte, war der Arbeitstag wie jeder andere in den vorangegangenen Jahren.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Ich hatte schon als WissMit ab und an Mandantenkontakt, also war ich nicht völlig unvorbereitet. Trotzdem ist es eine ungewohnte Situation, dass da auf einmal jemand vor einem sitzt, der denkt, man hat den Durchblick, und einen um Rat fragt, während man sich selbst fühlt, als hätte man von nichts einen Plan :D Da ich aber recht kommunikativ bin, war alles halb so wild.
Insgesamt hatte ich mit dem Mandantenkontakt nie ernsthafte Probleme; ich habe mehr die Problematik, dass die Leute zu vertrauensselig werden und mir ihre Lebensgeschichte ausbreiten. So ist das als Anwalt in meinem Rechtsgebiet aber eben - man ist nicht nur Rechtsberater, sondern immer auch ein Stück Sozialarbeiter, und das ist auch ok.
(Innerliche, nicht nach außen getragene) Schwierigkeiten habe ich mit Mandanten dann, wenn sie erwarten, dass man sich mit ihnen gemeinsam gegen "das böse Justizsystem" oder "die ungerechte Gesellschaft" oder "das fiese System" stellen wird. Kommt leider oft vor und ist endlos nervig, insbesondere wenn der Mandant völlig abwegige Vorstellungen davon hat, wie das Justizsystem arbeiten sollte.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
In meinem Fall: Durch die Ref-Ausbildung null Komma null. Ich war durch meine WissMit-Tätigkeit auf manche Aspekte des Berufs vorbereitet.
Worauf ich insgesamt überhaupt nicht vorbereitet war, war die Mandantenakquise, die leider eine irrsinnig große Rolle spielt. Als Anwalt in einer kleinen Kanzlei musst du ein Selbstdarsteller sein und große Lust haben, dein (vorhandenes oder auch nicht vorhandenes) Können zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen. Außerdem verbringt man einen nicht zu vernachlässigenden Teil des Monats damit, auf Zahlen zu starren und sich zu überlegen, wie der Umsatz optimiert und nach oben getrieben werden kann. Das macht manchen Leuten sicher Spaß; mir liegt das nicht.
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Ich hätte schon früher die Reißleine ziehen und gehen sollen.
Ich war und bin bereit, viel und unter Erledigungsdruck zu arbeiten, aber ich habe gelernt, dass es eine Grenze gibt - gerade dann, wenn man weder finanzielle noch sonstige Anerkennung für das erhält, was man tut. Meinem Sozialleben, meinem Konto, meiner Lebensgestaltung und meiner physischen und psychischen Gesundheit zuliebe werde ich alsbald wechseln.
Vor dem Einstieg in eine kleine Kanzlei möchte ich daher eher warnen. Nichtsdestotrotz ist es natürlich einzelfall- und charakterabhängig. Ich kenne andere, die genau in der 24/7-Arbeit, vor der ich nun fliehe, ihre Erfüllung sehen und sehr glücklich sind. Dir, TE, wünsche ich jedenfalls alles Gute.
09.10.2020, 13:14
Netter Beitrag, danke!
09.10.2020, 14:13
Vielen Dank, #2 für einen ersten umfassenden und offenen Beitrag. :)
Bitte gerne noch weitere Antworten, um den Lesern einen möglichst vielschichtigen Einblick zu ermöglichen. :)
Bitte gerne noch weitere Antworten, um den Lesern einen möglichst vielschichtigen Einblick zu ermöglichen. :)
09.10.2020, 15:23
Was heisst denn jämmerlich?
09.10.2020, 15:27
09.10.2020, 15:42
Hier ebenfalls ein Bericht:
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
Ich habe im Ref in der Kanzlei in der ich angefangen habe (8 Anwälte) gemacht und mich während des Refs beworben. Mindestanforderungen gab es nicht. Meine Examina liegen bei etwa 7 Punkten.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Gehalt ist ok, ich konnte es auch innerhalb der ersten 6 Monate steigern und bekomme zusätzlich eine Umsatzbeteiligung. Ich musste in einem Rechtsgebiet anfangen, das sonst keiner bearbeitet und mit dem ich vorher nie etwas zu tun hatte. Daher war/ist der Einstieg und Arbeitsalltag ziemlich hart, weil viel von mir erwartet wird, was ich so aber gar nicht leisten kann. Da wir aber eine offene Gesprächskultur prägen, kann ich das gut kommunizieren. Meine Umsätze schwanken stark und teilweise habe ich keinen Plan was genau ich da mache. Das ist meinen Chefs aber bewusst. Wir probieren dementsprechend viel aus. Manchmal fühlt es sich eher nach Projektmanagement an, was ich hier tue.
Ansonsten bin ich hier sehr frei. Ich habe keine harten Stundenvorgaben, aber wenn man was verdienen will, kann man sich ja ausrechen, wie viele abrechenbare Stunden man für welchen Umsatz machen muss.
Manchmal wird mir aber nahegelegt ein Mandat früher oder anders abzurechnen.
Meine Arbeitszeit sind 40-45, selten über 45 Stunden
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen? Wie war der erste Arbeitstag?
Angefangen habe ich einen Monat nach dem finalen Verhandlungen über die Bedingungen. Der 1. Tag war sehr ruhig, ich kannte die Kanzlei ja auch schon.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Der erste eigene Kontakt war holprig. Da ich neben meinen Aufgaben am Anfang immer wieder kleine Mandate angenommen habe (um zu üben), habe ich natürlich auch den ein oder anderen gestörten an Land gezogen. Mittlerweile sortiere ich aber kleine Mandate aus, da ich weder die Zeit noch die Energie habe, diese adäquat zu bearbeiten. Und die Undankbarkeit dieser Menschen geht mir auf den Sack.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
Durch die Ausbildung wird man überhaupt nicht vorbereitet. Das hier ist alles learning by doing. Das Ref war komplett für den Arsch. Akquise muss ich zur Zeit noch nicht betreiben. Ich bearbeite Annexmandate der Kollegen (ich versuche dennoch Akquise zu betreiben - bisher nicht allzu erfolgreich)
Wie auch schon erwähnt wurde, muss man darauf achten ökonomisch zu arbeiten. Das heißt knallhart abrechnen und die Zeit pro Mandat im Blick halten - und bei RVG immer so hoch wie möglich ansetzen (und immer wissen, wie man das argumentieren kann - Stichwort Gebührenüberhebung)
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Der Einstieg in ein komplett fremdes Rechtsgebiet war hart und rückblickend auch irgendwie krank. Wenn ich das hier aber ans laufen bringe, dann wird sich das lohnen. Ich würde keine kleinen Scheißmandate mehr annehmen. Die rauben Zeit und Kraft. Spezialisierung von Anfang ist wichtig. Mach dein Ding und konzentrier dich auf deine Rechtsgebiete. Vielleicht hat man am Anfang weniger Fälle aber es wird sich lohnen.
Im Großen und Ganzen würde ich es wieder so machen. Ich erfahre hier, dass man auch in einer kleinen Kanzlei enorm viel verdienen kann.
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
Ich habe im Ref in der Kanzlei in der ich angefangen habe (8 Anwälte) gemacht und mich während des Refs beworben. Mindestanforderungen gab es nicht. Meine Examina liegen bei etwa 7 Punkten.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Gehalt ist ok, ich konnte es auch innerhalb der ersten 6 Monate steigern und bekomme zusätzlich eine Umsatzbeteiligung. Ich musste in einem Rechtsgebiet anfangen, das sonst keiner bearbeitet und mit dem ich vorher nie etwas zu tun hatte. Daher war/ist der Einstieg und Arbeitsalltag ziemlich hart, weil viel von mir erwartet wird, was ich so aber gar nicht leisten kann. Da wir aber eine offene Gesprächskultur prägen, kann ich das gut kommunizieren. Meine Umsätze schwanken stark und teilweise habe ich keinen Plan was genau ich da mache. Das ist meinen Chefs aber bewusst. Wir probieren dementsprechend viel aus. Manchmal fühlt es sich eher nach Projektmanagement an, was ich hier tue.
Ansonsten bin ich hier sehr frei. Ich habe keine harten Stundenvorgaben, aber wenn man was verdienen will, kann man sich ja ausrechen, wie viele abrechenbare Stunden man für welchen Umsatz machen muss.
Manchmal wird mir aber nahegelegt ein Mandat früher oder anders abzurechnen.
Meine Arbeitszeit sind 40-45, selten über 45 Stunden
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen? Wie war der erste Arbeitstag?
Angefangen habe ich einen Monat nach dem finalen Verhandlungen über die Bedingungen. Der 1. Tag war sehr ruhig, ich kannte die Kanzlei ja auch schon.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Der erste eigene Kontakt war holprig. Da ich neben meinen Aufgaben am Anfang immer wieder kleine Mandate angenommen habe (um zu üben), habe ich natürlich auch den ein oder anderen gestörten an Land gezogen. Mittlerweile sortiere ich aber kleine Mandate aus, da ich weder die Zeit noch die Energie habe, diese adäquat zu bearbeiten. Und die Undankbarkeit dieser Menschen geht mir auf den Sack.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
Durch die Ausbildung wird man überhaupt nicht vorbereitet. Das hier ist alles learning by doing. Das Ref war komplett für den Arsch. Akquise muss ich zur Zeit noch nicht betreiben. Ich bearbeite Annexmandate der Kollegen (ich versuche dennoch Akquise zu betreiben - bisher nicht allzu erfolgreich)
Wie auch schon erwähnt wurde, muss man darauf achten ökonomisch zu arbeiten. Das heißt knallhart abrechnen und die Zeit pro Mandat im Blick halten - und bei RVG immer so hoch wie möglich ansetzen (und immer wissen, wie man das argumentieren kann - Stichwort Gebührenüberhebung)
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Der Einstieg in ein komplett fremdes Rechtsgebiet war hart und rückblickend auch irgendwie krank. Wenn ich das hier aber ans laufen bringe, dann wird sich das lohnen. Ich würde keine kleinen Scheißmandate mehr annehmen. Die rauben Zeit und Kraft. Spezialisierung von Anfang ist wichtig. Mach dein Ding und konzentrier dich auf deine Rechtsgebiete. Vielleicht hat man am Anfang weniger Fälle aber es wird sich lohnen.
Im Großen und Ganzen würde ich es wieder so machen. Ich erfahre hier, dass man auch in einer kleinen Kanzlei enorm viel verdienen kann.
09.10.2020, 17:09
- Wie kamt ihr an euren Job? Habt ihr euch initiativ beworben? Habt ihr evtl. Mindestanforderungen entsprochen oder anderweitig überzeugt?
Ich war hier zur Wahlstation und bin nach knapp einem Monat gefragt worden, was ich denn eigentlich nach dem Examen geplant hätte. Den AV hab ich dann nochmal knapp 4 Wochen später unterschrieben.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Soweit schon. Ich "musste" in den Verhandlungen keinen Gehaltsvorschlag machen. Bin ich im Endeffekt auch sehr froh drüber, denn mehr als die 54k die ich jetzt bekomme hätte ich mich wahrscheinlich eh nicht getraut zu verlangen (Noten sind: 7,3 & 6,5). Arbeitszeit ist lauf Vertrag 9-18h incl. 1 Stunde Pause. In der Realität war ich bisher maximal bis 19.15 Uhr hier, eigentlich aber nie länger als 18:15-18:30.
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
Am ersten Montag nach meiner Mündlichen. Die hatte sich wegen Corona aber ohnehin noch zwei Monate nach hinten verschoben, sodass ich im Endeffekt knapp 8 Wochen später angefangen habe als geplant.
- Wie war der erste Arbeitstag?
Eigentlich wie der letzte Tag in der Wahlstation, nur mit nem schickeren Büro und besserer IT.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Persönlich gab es wegen Corona noch keinen, am Telefon o.ä. war es bisher eig. sehr unproblematisch.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
Durch das Studium: 10 %, durch die AG's vom Ref: 10 %, durch die Stationen vom Ref 30%, durch meine vorherigen Tätigkeiten als studentische/wissenschaftliche Hilfskraft: 50 %. Trotzdem bin ich jetzt 3 Monate hier und eigentlich läuft das ganze zu einem großen Teil noch unter "Ausbildung". Ich habe zwar immer mal wieder ein paar kleine Sachen die ich quasi alleine mache, dazu bin ich mehr oder weniger zufällig an eine recht umfangreiche Sache gekommen die ich alleine mache, trotzdem muss ich ständig Sachen fragen bei denen es entweder um Abläufe in der Kanzlei/der Kommunikation nach Außen geht oder wo ich einfach keine Erfahrungswerte habe.
Alles in allem hat man in der Ausbildung schon immer mal wieder nützliche Sachen mitgenommen, wenn man aber irgendwo wirklich mal etwas länger gearbeitet hat hilft das deutlich mehr weiter (und ich war nur in Unternehmen und nicht tatsächlich in einer Kanzlei tätig, das hätte zumindest was das anwaltliche Arbeiten angeht sicherlich noch mehr geholfen). Allerdings ist das wohl auch davon abhängig, was man inhaltlich macht. Auf meinem Rechtsgebiet hier habe ich vorher Jahre lang gejobbt, im Studium oder Ref war das aber nie ein Thema. Die Sachen zur Zwangsvollstreckung aus dem Ref konnte ich hingegen bisher ganz gut gebrauchen.
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Bisher nicht, aber sie ist ja nun auch noch extrem kurz. :D
- Was würdet ihr neuen Berufsanfängern raten?
Fragen! Es hilft keinem, wenn man als Anfänger ratlos rumsitzt weil man irgendwelche Abläufe nicht kennt. Nur durch fragen wird man schlauer und kann sich immer besser in den normalen Arbeitsablauf integrieren. Dafür braucht man natürlich einen Partner/Kollegen und auch ein Sekretariat(!), die sich die Fragen anhören und einem weiterhelfen. Wenn man die hat lernt es sich deutlich leichter.
Ich war hier zur Wahlstation und bin nach knapp einem Monat gefragt worden, was ich denn eigentlich nach dem Examen geplant hätte. Den AV hab ich dann nochmal knapp 4 Wochen später unterschrieben.
- Seid ihr mit dem Inhalt des Arbeitsvertrages (Gehalt, Arbeitszeiten usw.) zufrieden?
Soweit schon. Ich "musste" in den Verhandlungen keinen Gehaltsvorschlag machen. Bin ich im Endeffekt auch sehr froh drüber, denn mehr als die 54k die ich jetzt bekomme hätte ich mich wahrscheinlich eh nicht getraut zu verlangen (Noten sind: 7,3 & 6,5). Arbeitszeit ist lauf Vertrag 9-18h incl. 1 Stunde Pause. In der Realität war ich bisher maximal bis 19.15 Uhr hier, eigentlich aber nie länger als 18:15-18:30.
- Wie schnell nach Abschluss des AV habt ihr mit dem Arbeiten begonnen?
Am ersten Montag nach meiner Mündlichen. Die hatte sich wegen Corona aber ohnehin noch zwei Monate nach hinten verschoben, sodass ich im Endeffekt knapp 8 Wochen später angefangen habe als geplant.
- Wie war der erste Arbeitstag?
Eigentlich wie der letzte Tag in der Wahlstation, nur mit nem schickeren Büro und besserer IT.
- Wie war der erste eigene Mandantenkontakt?
Persönlich gab es wegen Corona noch keinen, am Telefon o.ä. war es bisher eig. sehr unproblematisch.
- Wie gut ist man durch die Ausbildung vorbereitet?
Durch das Studium: 10 %, durch die AG's vom Ref: 10 %, durch die Stationen vom Ref 30%, durch meine vorherigen Tätigkeiten als studentische/wissenschaftliche Hilfskraft: 50 %. Trotzdem bin ich jetzt 3 Monate hier und eigentlich läuft das ganze zu einem großen Teil noch unter "Ausbildung". Ich habe zwar immer mal wieder ein paar kleine Sachen die ich quasi alleine mache, dazu bin ich mehr oder weniger zufällig an eine recht umfangreiche Sache gekommen die ich alleine mache, trotzdem muss ich ständig Sachen fragen bei denen es entweder um Abläufe in der Kanzlei/der Kommunikation nach Außen geht oder wo ich einfach keine Erfahrungswerte habe.
Alles in allem hat man in der Ausbildung schon immer mal wieder nützliche Sachen mitgenommen, wenn man aber irgendwo wirklich mal etwas länger gearbeitet hat hilft das deutlich mehr weiter (und ich war nur in Unternehmen und nicht tatsächlich in einer Kanzlei tätig, das hätte zumindest was das anwaltliche Arbeiten angeht sicherlich noch mehr geholfen). Allerdings ist das wohl auch davon abhängig, was man inhaltlich macht. Auf meinem Rechtsgebiet hier habe ich vorher Jahre lang gejobbt, im Studium oder Ref war das aber nie ein Thema. Die Sachen zur Zwangsvollstreckung aus dem Ref konnte ich hingegen bisher ganz gut gebrauchen.
- Gibt es Dinge, die ihr in eurer bisherigen (kurzen) Berufslaufbahn anders gemacht hättet? Warum?
Bisher nicht, aber sie ist ja nun auch noch extrem kurz. :D
- Was würdet ihr neuen Berufsanfängern raten?
Fragen! Es hilft keinem, wenn man als Anfänger ratlos rumsitzt weil man irgendwelche Abläufe nicht kennt. Nur durch fragen wird man schlauer und kann sich immer besser in den normalen Arbeitsablauf integrieren. Dafür braucht man natürlich einen Partner/Kollegen und auch ein Sekretariat(!), die sich die Fragen anhören und einem weiterhelfen. Wenn man die hat lernt es sich deutlich leichter.
09.10.2020, 17:33
09.10.2020, 17:37
Vielen Dank für die Beiträge, wirklich interessant zu lesen. :)









