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  5. Unter 60 k Einstiegsgehalt als Legal Counsel – angemessen bei dieser Verantwortung?
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Unter 60 k Einstiegsgehalt als Legal Counsel – angemessen bei dieser Verantwortung?
hauptsachejurist
Junior Member
**
Beiträge: 40
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2024
#1
03.09.2026, 11:49
Hallo zusammen,

ich würde gerne eure Einschätzung zu einem Jobangebot bzw. zur Gehaltshöhe bekommen.

Ich bin Volljuristin und habe aktuell ein Angebot von einem internationalen Unternehmen als Legal Counsel. Das Unternehmen möchte in Deutschland einen eigenen Standort bzw. ein Büro aufbauen, und ich wäre in Deutschland zunächst die einzige Juristin und für den rechtlichen Aufbau maßgeblich zuständig.

Das Aufgabengebiet wäre entsprechend ziemlich umfangreich. Unter anderem würde ich:
  • beim Aufbau des deutschen Standorts unterstützen bzw. diesen rechtlich begleiten,
  • die Produkte bzw. die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen für den deutschen Markt erstellen bzw. anpassen,
  • Gespräche und Abstimmungen mit deutschen Behörden führen,
  • rechtliche Themen für das Deutschlandgeschäft eigenständig bearbeiten,
  • regelmäßig mit den Kollegen am Hauptsitz zusammenarbeiten,
  • und voraussichtlich noch zahlreiche weitere Aufgaben übernehmen, die sich beim Aufbau des Standorts ergeben.
Dabei hätte ich Unterstützung durch die Kollegen am Hauptsitz, wäre vor Ort in Deutschland aber die einzige Juristin und müsste viele Themen eigenständig aufbauen und koordinieren.
Zusätzlich müsste ich zweimal im Monat zum Hauptsitz reisen. Die Kosten würden zwar übernommen, allerdings müsste ich dafür entweder meinen eigenen Pkw nutzen oder mit dem Zug fahren. Einen Firmenwagen gibt es derzeit noch nicht; darüber könnte man eventuell zu einem späteren Zeitpunkt sprechen.
Positiv finde ich wiederum, dass ich überwiegend im Homeoffice arbeiten könnte. Außerdem würde ich einen Laptop und ein Handy erhalten, das ich auch privat nutzen darf.
Beim Gehalt habe ich im Gespräch 60.000–70.000 € als Gehaltsvorstellung genannt. Das Unternehmen bietet mir nun 56.000 € brutto als Einstiegsgehalt an. Auf meine Examensnoten wurde im Gespräch offenbar wenig Wert gelegt bzw. sie waren für das Unternehmen nicht entscheidend.

Genau hier bin ich unsicher: Einerseits handelt es sich um eine Einstiegsposition, andererseits empfinde ich die Verantwortung für den Aufbau des deutschen Geschäfts und die Tatsache, dass ich die einzige Juristin in Deutschland wäre, als ziemlich hoch. Ich frage mich daher, ob 56.000 € dafür angemessen sind oder ob ich hier deutlich höher verhandeln sollte.
Ich habe außerdem noch weitere Bewerbungen laufen. Dort wurde mir in den Gesprächen bzw. Ausschreibungen ein Gehalt ab ca. 70.000 € in Aussicht gestellt. Diese Unternehmen haben allerdings bereits einen etablierten Sitz in Deutschland, sodass die Ausgangssituation natürlich eine andere wäre. Bisher handelt es sich dort aber nur um Bewerbungsgespräche und noch um keine konkreten Angebote. Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Sind 56.000 € für diese Position angemessen? Würdet ihr versuchen, noch auf 60–70.000 € zu verhandeln? Würdet ihr das Angebot trotz der anderen laufenden Bewerbungen annehmen oder zunächst weiter suchen? 

Und noch eine weitere Frage: Da ich Volljuristin bin und offenbar als einzige Juristin in Deutschland tätig wäre, sollte ich meiner Meinung nach auch ansprechen, ob die Tätigkeit als Syndikusrechtsanwalt ausgestaltet werden kann bzw. ob das Unternehmen mich bei der entsprechenden Zulassung unterstützt. Würdet ihr das bereits vor Vertragsabschluss konkret ansprechen und ggf. zur Voraussetzung für die Annahme machen?

Ich möchte die auch nicht abschrecken, da der Arbeitsmarkt zurzeit auch nicht ganz optimal ist und viele Legal Counsel Stellen Vorerfahrung voraussetzen.

Danke euch!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.09.2026, 11:51 von hauptsachejurist.)
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MeisterProperLawyer
Junior Member
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Beiträge: 16
Themen: 1
Registriert seit: Oct 2025
#2
03.09.2026, 11:53
Nein.
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kumpelanton
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Beiträge: 120
Themen: 0
Registriert seit: Feb 2024
#3
03.09.2026, 12:09
branche? den von dir beschriebenen job sehe ich bei min 80k + 20k bonus. ich verstehe nicht, warum das eine einstiegsposition sein soll. die verantwortung ist erheblich und das sollten mehr als 40h die woche sein. einziger vorteil: wenn der aufbau erfolgreich ist und sich das unternehmen etabliert, ist das top für den lebenslauf.

syndikus auf jeden fall vorher ansprechen, weil dein arbeitgeber den zettel für die rak absegnen muss.
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Patenter Gast
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Beiträge: 775
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#4
03.09.2026, 12:11
Bist du Berufseinsteigerin oder hast du schon Erfahrung?
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zriwi
Junior Member
**
Beiträge: 13
Themen: 1
Registriert seit: May 2026
#5
03.09.2026, 12:29
(03.09.2026, 11:49)hauptsachejurist schrieb:  Das Unternehmen bietet mir nun 56.000 € brutto als Einstiegsgehalt an. Auf meine Examensnoten wurde im Gespräch offenbar wenig Wert gelegt bzw. sie waren für das Unternehmen nicht entscheidend.

Darf ich fragen, welche Noten du ungefähr mitbringst? Entweder nutzen sie den aktuellen Arbeitsmarkt oder deine Noten aus. 56k kommt mir arg wenig vor für diese Verantwortung. Wenn das Geschäft gut läuft, ist das natürlich super für Lebenslauf und spätere Gehaltsverhandlungen. Aber wer kann das schon garantieren? 

Muss immer wieder an eine Kollegin denken, die 2021 mit 2x 5 Punkten viele Angebote mit 70k +  hatte. Echt kein guter Zeitpunkt, um in den Beruf einzusteigen ..
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hauptsachejurist
Junior Member
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Beiträge: 40
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2024
#6
03.09.2026, 12:34
Ich bin Berufseinsteiger 
2x oberes ausreichend
Ich wurde nicht auf meine Note angesprochen, weiß nicht ob diese nun berücksichtigt wurde.
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kumpelanton
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Beiträge: 120
Themen: 0
Registriert seit: Feb 2024
#7
03.09.2026, 13:11
(03.09.2026, 12:34)hauptsachejurist schrieb:  Ich bin Berufseinsteiger 
2x oberes ausreichend
Ich wurde nicht auf meine Note angesprochen, weiß nicht ob diese nun berücksichtigt wurde.

note ist bei unternehmen, die nicht in der allerersten liga spielen, nicht so wichtig. war denen wahrscheinlich egal. ich bin mit b a für 60+bonus eingestiegen, also ist das gehalt für deine noten noch im rahmen aber nicht für die aufgabe.
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Patenter Gast
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Beiträge: 775
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#8
03.09.2026, 13:33
(03.09.2026, 13:11)kumpelanton schrieb:  
(03.09.2026, 12:34)hauptsachejurist schrieb:  Ich bin Berufseinsteiger 
2x oberes ausreichend
Ich wurde nicht auf meine Note angesprochen, weiß nicht ob diese nun berücksichtigt wurde.

note ist bei unternehmen, die nicht in der allerersten liga spielen, nicht so wichtig. war denen wahrscheinlich egal. ich bin mit b a für 60+bonus eingestiegen, also ist das gehalt für deine noten noch im rahmen aber nicht für die aufgabe.

Annehmen. Deine Ausgangssituation ist nicht gut, also würde ich nicht darauf spekulieren, dass du selbstverständlich woanders etwas besseres angeboten bekommst. Wechseln kannst du immer noch.

Abgesehen davon, ja, du sollst dort etwas mit aufbauen aber das würde ich nicht überbewerten. Wenn sie wirklich richtige Aufbauarbeit erwarten würden, dann müssten sie einen erfahrenen Senior Counsel einstellen.

PS: Meine Vermutung ist, sie suchen jetzt erstmal eine günstige Junior Counsel, die die ersten Fragen und Schritte für den neuen deutschen Standort begleiten kann. Nach dem Motto, wir haben so viele Fragen, dass es sich nicht mehr lohnt, ständig externe Anwälte zu bezahlen. Sobald der Standort aber wirklich größer/eigenständiger wird, werden sie einen Senior Counsel einstellen und dir vor die Nase setzen - was nichts schlechtes ist. Du willst nicht ohne Berufserfahrung den deutschen Standort eines Unternehmens rechtlich verantworten.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.09.2026, 13:35 von Patenter Gast.)
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Egal_
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Beiträge: 1.540
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Registriert seit: Feb 2022
#9
03.09.2026, 14:08
Hui, ich finde es insgesamt merkwürdig, dass sie dich einstellen wollen. Das ist keine Position für einen Berufseinsteiger, sondern für jemanden mit Minimum 3 Jahren, eher 5 Jahren, Berufserfahrung.

Wie sicher hast du die andere Stelle? Denn ich sehe es so: du hast jetzt die einmalige Chance mit sehr viel Schweiß, Herzblut (und vielen Überstunden) den deutschen Standort eines Unternehmens mit aufzubauen und nachhaltig zu prägen, es kann aber auch nach hinten losgehen und du wirst in der Probezeit wieder entlassen werden, weil man feststellt, dass diese Position noch nichts für dich ist.
Ich will dir keine Angst machen. Absolut nicht. Wenn du dir die Stelle zutraust, ist es eine gute Möglichkeit, deinen Lebenslauf zu pushen.

Das Gehalt finde ich für diese Stelle und die Verantwortung unterirdisch. 70k wäre eigentlich die absolute Untergrenze für die Verantwortung, eher deutlich mehr. Es sind ausschließlich deine Noten, weswegen ich das Angebot überhaupt bei dieser miesen Bezahlung in Betracht ziehen würde, denn momentan haben es auch Leute mit guten Noten schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Die Entscheidung ist daher aus meiner Sicht:

- jetzt ~ drei Jahre für den Lebenslauf buckeln, oder
- einen gut bezahlten Job mit besserer Work-Live-Balance annehmen, bei dem nur aber "nur" normaler Counsel bist und dich daher erst hocharbeiten musst.

Ob das Unternehmen dir in ein paar Monaten einen erfahrenen Juristen an die Seite stellt, weiß ich nicht, aber eigentlich ist es Unsinn und ein Risiko für die, dir alleine diese Verantwortung zu überlassen. Damit meine ich ausdrücklich nicht deine Noten, sondern deine fehlende Berufserfahrung.


Nachtrag: ich kann es mir nur so erklären, dass sie keinen anderen erfahrenen Kollegen bekommen haben, der die Aufgabe für dieses Gehalt machen will.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.09.2026, 14:13 von Egal_.)
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Egal_
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Beiträge: 1.540
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#10
03.09.2026, 14:22
Und noch ein Nachtrag:

Eigentlich bin ich der Meinung ablehnen, denn wir machen uns den Markt kaputt, wenn wir solche Stellen für Gehälter übernehmen, die deutlich unter den marktüblichen Gehältern für solche Stellen liegen. Vermutlich ist es ein Unternehmen aus einem Land, in dem die Gehälter unter denen in Deutschland liegen, und das keine Ahnung vom deutschen Markt hat. Dir muss klar sein, du übernimmst eine herausragende Position, die in jedem großen Konzern außertariflich bezahlt wäre, für das Gehalt einen Sachbearbeiters. Man muss den Unternehmen eigentlich klare Kante zeigen, dass das so nicht geht.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.09.2026, 14:24 von Egal_.)
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