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Noten-Kult
Praktiker
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Beiträge: 2.300
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#11
14.07.2026, 20:57
(14.07.2026, 14:17)JurisRef schrieb:  
(14.07.2026, 12:08)Silverywintersweet schrieb:  
(14.07.2026, 09:30)JurisRef schrieb:  
(14.07.2026, 08:49)Silverywintersweet schrieb:  Ich habe vor 6 Jahren mein zweites Examen gemacht und dieser Leistungsdruck prägt mich immer noch sehr. Ich glaube tatsächlich, dass ich aus den Examen irgendeinen Knacks mitbekommen habe. Im ersten Examen war ich schriftlich mit 9,8 vorbenotet und habe mich mündlich auf 9,1 runter geprüft. Obwohl es noch VB ist, habe ich mich unfassbar fertig gemacht und stelle mein VB immer wieder in Frage, weil ich es im persönlichen Eindruck nicht "beweisen" konnte. Im zweiten Examen hatte ich erst 7,2 Punkte und ich wollte unbedingt in die Justiz. Ich hab einen Verbesserungsversuch gemacht und bin dann bei 8,5 gelandet. Ich konnte mich darüber auch nicht freuen, weil ich wieder das VB nicht geschafft habe. Und ich hasse es, was diese Benotung und das Versteifen auf VB mit mir machen. Ich hab eine Doktorarbeit angefangen und ich habe Angst, sie fertig zu stellen, falls sie nicht gut genug ist. Ich hatte gestern ein Bewerbungsgespräch bei der Staatsanwaltschaft und es war absolut furchtbar. Ich habe wirklich gute Stationszeugnisse und ein gutes Arbeitszeugnis aus meiner jetzigen Tätigkeit als Anwältin. In 3 von 4 Zeugnissen aus den öffentlichen Stationen habe ich eine Empfehlung für den Staatsdienst bzw. das Richteramt. Für die Staatsanwaltschaft habe ich eine Absage bekommen, weil ich nicht die notwendige charakterliche Eignung hätte, weil mir das notwendige Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit zum analytischen Denken fehlen würde. Außerdem wäre ich durch meine anwaltliche Tätigkeit zu lange aus dem strafrechtlichen Arbeiten raus (obwohl ich im Strafrecht promoviere). Ich kann das absolut nicht nachvollziehen und habe das Gefühl, aktuell die größte Versagerin zu sein. 

Und mir geht es so, obwohl ich rational weiß, dass die Examensnoten eigentlich nichts darüber aussagen, ob man ein guter Jurist ist oder nicht. Ich hab Freunde, die sind wirklich mega gut in ihrem Job, sie haben aber Prüfungsangst gehabt und keine Top Noten. Die sind trotzdem wahnsinnig kompetent. Am Ende wird man wahrscheinlich seinen Weg finden. In der Anwaltschaft waren meine Noten in mittelständischen Kanzleien bisher auch total egal. Meine Noten haben mir auch nicht geholfen, meinen Traumjob in der Justiz zu bekommen. Ich habe mich so wahnsinnig reingekniet in meine Examen und meine Stationen im Ref und das zählt mit 5 Jahren Berufserfahrung inzwischen eigentlich nicht mehr. Nur das Gefühl, was mir geblieben ist, ist eigentlich eh nie gut genug zu sein. Auch wenn ich als Anwältin immer sehr positive Rückmeldungen bekommen habe.

In welchem BL reichen solche Noten nicht für die Justiz? 😳 Wenn du örtlich flexibel bist, und es dein Traumjob ist, wofür du auch einen Umzug in Kauf nehmen würdest, dann bewurb dich in anderwn Bundesländern. Für die allermeisten Bundesländer wirst du mit VB im 1. und 8,5 im 2. auf jeden Fall eine Stelle in der Justiz finden. Verstehe natürlich aber auch wenn du sagst umziehen käme nicht in Frage (das Problem hatte ich auch, weil ich nicht umziehen möchte?

Das Gespräch war in SH. Von den Noten hätte es gereicht, aber meine charakterliche Eignung war dann ja das Problem. Also gute Noten bringen dir nichts, wenn die Bewerbungskommission zu dem Ergebnis kommt, dass das Verantwortungsbewusstsein  und das analytische Denken nicht ausreichend ist. Ich frag mich nur, wie ich dann drei mal Examen bestanden habe und so gute Stationszeugnisse bekommen habe, die mir eigentlich widerspiegeln, dass ich viel Verantwortungsbewusstsein und analytisches Denken habe. Eigentlich waren das Kompetenzen, die mir stets wichtig waren. 

Das Problem bei einem Umzug ist, dass ich erst dieses Jahr mit meinem Freund Eigentum in meiner Stadt gekauft habe, er beruflich örtlich gebunden ist und wir die Betreuung von seiner Mama übernommen haben, die hier im Pflegeheim wohnt. Durch die Wohnung und ihn bin ich einfach hier gebunden. Und mehr als 1,5h pendeln pro Strecke möchte ich eigentlich nicht. Ich war halt so vollkommen sicher, dass das mit der Justiz in meinem Bundesland was wird. Ich war einfach so vollkommen überzeugt, dass ich eine Stelle bekommen werde. Ich zweifel jetzt komplett an meiner Selbstwahrnehmung.

Und Nachbar Bundesland geht nicht von der Pendelstrecke? Versuchs einfach bei der nächsten Bewerberphase nochmal. Denke nicht dass du bei der Begründung nun ein Leben lang gesperrt bist da das Dinge sind die man änder kann. Ich halte die Begründung aber auch absurd. Ohne solche Fähigkeiten schafft man keine solchen Examina

Du kannst natürlich auch vors VG ziehen, dann müssen sie genauer sagen, woraus sie den Eignungsmangel schließen. Ob das zu etwas führt, ist aber von außen nicht abzuschätzen, wir waren ja nicht dabei.
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wroxbalker
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Beiträge: 44
Themen: 0
Registriert seit: Nov 2025
#12
15.07.2026, 10:01
"Das Gespräch war in SH"

wundert mich keine Sekunde und trifft genau den Eindruck der Justiz aus SH wieder den ich habe.

Lieber in ein Bundesland gehen in dem man willkommen ist...
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JurisRef
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Beiträge: 356
Themen: 7
Registriert seit: Dec 2023
#13
15.07.2026, 11:40
(15.07.2026, 10:01)wroxbalker schrieb:  "Das Gespräch war in SH"

wundert mich keine Sekunde und trifft genau den Eindruck der Justiz aus SH wieder den ich habe.

Lieber in ein Bundesland gehen in dem man willkommen ist...

Ist die Justiz in der SH so schlimm?
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Silverywintersweet
Unregistered
 
#14
15.07.2026, 12:11
.
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Silverywintersweet
Unregistered
 
#15
15.07.2026, 12:14
.
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Silverywintersweet
Unregistered
 
#16
15.07.2026, 12:17
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Philosophenchiller
Junior Member
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Beiträge: 43
Themen: 3
Registriert seit: Jan 2025
#17
15.07.2026, 13:04
Wenn alle fertiggemacht werden - und man am Ende als Richter ggf. sowieso auf sich alleine gestellt ist - könnte es nicht auch eine bewusste Strategie sein, um zu testen, wie die Kandidaten mit Druck umgehen können, ob sie ruhig und sachlich bleiben oder sich provozieren lassen? Was ich als Referendar an schwierigen Anwälten erlebt habe, wer da nicht gefestigt in der Persönlichkeitsstruktur ist und mit unsachlicher Kritik nicht umgehen kann, der geht in solchen Verfahren unter.

Nur als Anregung, nicht als Beurteilung der konkret stattgefundenen Situation.
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NRW556
Member
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Beiträge: 112
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2024
#18
15.07.2026, 13:28
(15.07.2026, 13:04)Philosophenchiller schrieb:  Wenn alle fertiggemacht werden - und man am Ende als Richter ggf. sowieso auf sich alleine gestellt ist - könnte es nicht auch eine bewusste Strategie sein, um zu testen, wie die Kandidaten mit Druck umgehen können, ob sie ruhig und sachlich bleiben oder sich provozieren lassen? Was ich als Referendar an schwierigen Anwälten erlebt habe, wer da nicht gefestigt in der Persönlichkeitsstruktur ist und mit unsachlicher Kritik nicht umgehen kann, der geht in solchen Verfahren unter.

Nur als Anregung, nicht als Beurteilung der konkret stattgefundenen Situation.
Ja, das ist so eine Boomer - Mentalität.

Man sollte schon Resilient gegen sowas sein, das ist keine Frage. Aber das in eine Prüfungssituation- und Bewerbungssituation einzubauen ist noch eine andere Hausnummer finde ich, zumal das absolut unerwartet kommt.
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wroxbalker
Junior Member
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Beiträge: 44
Themen: 0
Registriert seit: Nov 2025
#19
15.07.2026, 16:00
(15.07.2026, 12:17)Silverywintersweet schrieb:  
(15.07.2026, 10:01)wroxbalker schrieb:  "Das Gespräch war in SH"

wundert mich keine Sekunde und trifft genau den Eindruck der Justiz aus SH wieder den ich habe.

Lieber in ein Bundesland gehen in dem man willkommen ist...
Das Ding ist, hinterher hört man auf einmal, dass andere ebenfalls richtig fertig gemacht wurden bei Bewerbungsgesprächen bei der StA oder für das Richteramt. Hab jetzt von drei anderen gehört, dass sie das Bewerbungsgespräch in SH wirklich schlimm fanden und jetzt bei Gericht oder bei der StA in Bremen, Hamburg oder MeckPomm untergekommen sind und es da viel freundlicher und viel mehr auf Augenhöhe war. Vor allem hab ich auf dem Papier wirklich eine top Qualifikation. Es gibt 6 Monate eine Gegenzeichnungsphase und 3 Jahre Probezeit. Wenn ich so schlimm wäre, wie ich den Eindruck im Gespräch gemacht habe (was ja im Widerspruch zu meinen Examen und meinen Zeugnissen steht), könnte man mich ja immer noch rausschmeißen innerhalb der 3 Jahre

Genau das habe ich von unterschiedlichen Personen aus SH auch gehört, die ich alle für sozial kompetent halte die dann wegen "charakterlicher Mängel" abgelehnt wurden. SH hat für eine kleine Justiz eine relativ große Uni und viele aus HH die auch in den Speckgürtel von SH wollen. Daher diese Arroganz.
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Silverywintersweet
Unregistered
 
#20
16.07.2026, 12:05
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