20.02.2026, 12:39
Hallo zusammen, ich würde gerne eure Einschätzung zu folgender Situation hören:
Ich habe das 1. Examen in NRW im vergangenen Jahr mit insgesamt 8,99 Punkten (what are the odds?!) bestanden; 7,4 im staatlichen Teil und 12,7 im Schwerpunkt (Strafrecht). Die aktuelle Suche nach einer WiMi-Stelle bis zum Ref gestaltet sich bislang eher schwierig, was vermutlich auch daran liegt, dass der staatliche Teil etwas nach unten zieht und der Schwerpunkt – außer vielleicht im Wirtschaftsstrafrecht – keinen ganz klaren roten Faden hergeben kann.
Daher überlege ich zunehmend, ob ich nicht doch noch einen Verbesserungsversuch unternehmen soll, um idealerweise die 9 vor dem Komma zu knacken. Mich beschäftigt dabei vor allem die Frage, ob sich dieser Schritt mit Blick auf das Referendariat tatsächlich lohnt: Also konkret, ob ein leicht besseres Ergebnis (z.B. 9,x statt 8,99) in der Praxis spürbar bessere Chancen auf attraktivere Stationen eröffnet – oder ob dieser Unterschied letztlich zu Vernachlässigen ist und in Bewerbungsverfahren kaum ins Gewicht fällt, auch wenn in vielen Ausschreibungen für Ref-Stellen ein vollbefriedigendes erstes Examen gefordert wird.
Vielleicht gibt es hier ja Leute mit ähnlicher Ausgangslage oder Erfahrungen aus dem Ref, die berichten können, wie stark solche „Grenzfälle“ tatsächlich bewertet werden.
Vielen Dank euch!
Ich habe das 1. Examen in NRW im vergangenen Jahr mit insgesamt 8,99 Punkten (what are the odds?!) bestanden; 7,4 im staatlichen Teil und 12,7 im Schwerpunkt (Strafrecht). Die aktuelle Suche nach einer WiMi-Stelle bis zum Ref gestaltet sich bislang eher schwierig, was vermutlich auch daran liegt, dass der staatliche Teil etwas nach unten zieht und der Schwerpunkt – außer vielleicht im Wirtschaftsstrafrecht – keinen ganz klaren roten Faden hergeben kann.
Daher überlege ich zunehmend, ob ich nicht doch noch einen Verbesserungsversuch unternehmen soll, um idealerweise die 9 vor dem Komma zu knacken. Mich beschäftigt dabei vor allem die Frage, ob sich dieser Schritt mit Blick auf das Referendariat tatsächlich lohnt: Also konkret, ob ein leicht besseres Ergebnis (z.B. 9,x statt 8,99) in der Praxis spürbar bessere Chancen auf attraktivere Stationen eröffnet – oder ob dieser Unterschied letztlich zu Vernachlässigen ist und in Bewerbungsverfahren kaum ins Gewicht fällt, auch wenn in vielen Ausschreibungen für Ref-Stellen ein vollbefriedigendes erstes Examen gefordert wird.
Vielleicht gibt es hier ja Leute mit ähnlicher Ausgangslage oder Erfahrungen aus dem Ref, die berichten können, wie stark solche „Grenzfälle“ tatsächlich bewertet werden.
Vielen Dank euch!
20.02.2026, 12:47
Im Grundsatz: natürlich ist VB im 1. besser - aber das 2. wichtiger.
bei VB im 2. wird dir 0,01 vermutlich nicht das Genick brechen.
Finde es aber eine totale Schweinerei jemandem eine Note von 8,99 zu geben! Völlig Gaga. In welchem Bundesland hast du Examen gemacht wenn ich fragen darf?
EDIT: Ganz vergessen: Hatte auch den Verbesserer geschrieben, Ausgangslage war etwas unter VB, Ergebnis knapp über VB, würde es immer wieder machen. Man hat einfach ein besseres Standing wenn man das in der Jurawelt raushauen kann - wie idiotisch das bei 8,99 pkt auch sein mag.
bei VB im 2. wird dir 0,01 vermutlich nicht das Genick brechen.
Finde es aber eine totale Schweinerei jemandem eine Note von 8,99 zu geben! Völlig Gaga. In welchem Bundesland hast du Examen gemacht wenn ich fragen darf?
EDIT: Ganz vergessen: Hatte auch den Verbesserer geschrieben, Ausgangslage war etwas unter VB, Ergebnis knapp über VB, würde es immer wieder machen. Man hat einfach ein besseres Standing wenn man das in der Jurawelt raushauen kann - wie idiotisch das bei 8,99 pkt auch sein mag.
20.02.2026, 13:15
Ich kann deine Frustration sehr gut nachvollziehen, dass ist ja wirklich hauchdünn am VB vorbei. Trotzdem ein außerordentlich gutes Ergebnis, da kannst du stolz auf dich sein
Ich habe gerade den Verbesserungsversuch hinter mich gebracht, weil ich zwar das VB erreicht habe, allerdings mit meinem staatlichen Teil nicht zufrieden war. Deshalb vielleicht ein paar Gedanken dazu:
Du müsstest dir den Examensstress nochmal antun. Je nachdem wie du mit Stress umgehst und wie ehrgeizig und motiviert du bist, kann das ganz schön schlauchen. Die Kraft brauchst du eigentlich für das Referendariat. Mit Pech hast du deine Mündliche dann erst während des Refs und die Doppelbelastung.
Es kommt darauf an, wie lange und intensiv du dich vorbereiten möchtest. Bist du quasi noch im Examensstoff drin, oder ist der Erstversuch schon länger her? Es gibt glaube ich ja eine Zeitgrenze, innerhalb du den Versuch neu schreiben kannst. Zudem kannst du auch nicht mehr abschichten. Musst du für den Verbesserungsversuch zahlen?
Am Ende habe ich mich 5 Wochen nochmal halbherzig auf den Verbesserungsversuch vorbereitet und war bei den Klausuren wesentlich entspannter. Schriftlich war ich nur minimal besser, aber die Mündliche verlief sehr wesentlich erfolgreicher, ich hatte aber auch eine wohlwollende Prüfungskommission. Vor der Mündlichen habe ich mir dann aber auch sehr viel Stress gemacht und mehrmals überlegt, ob ich mir das wirklich nochmal antun sollte. Das ganze Unternehmen hat mich dann doch mehr ausgelaugt als ich gedacht hätte. Jetzt starte ich etwas unerwartet doch schon früher ins Ref und hatte nicht mal Zeit für einen Urlaub. Ob ich es rückwirkend nochmal machen würde, weiß ich nicht.
Ich habe gerade den Verbesserungsversuch hinter mich gebracht, weil ich zwar das VB erreicht habe, allerdings mit meinem staatlichen Teil nicht zufrieden war. Deshalb vielleicht ein paar Gedanken dazu:
Du müsstest dir den Examensstress nochmal antun. Je nachdem wie du mit Stress umgehst und wie ehrgeizig und motiviert du bist, kann das ganz schön schlauchen. Die Kraft brauchst du eigentlich für das Referendariat. Mit Pech hast du deine Mündliche dann erst während des Refs und die Doppelbelastung.
Es kommt darauf an, wie lange und intensiv du dich vorbereiten möchtest. Bist du quasi noch im Examensstoff drin, oder ist der Erstversuch schon länger her? Es gibt glaube ich ja eine Zeitgrenze, innerhalb du den Versuch neu schreiben kannst. Zudem kannst du auch nicht mehr abschichten. Musst du für den Verbesserungsversuch zahlen?
Am Ende habe ich mich 5 Wochen nochmal halbherzig auf den Verbesserungsversuch vorbereitet und war bei den Klausuren wesentlich entspannter. Schriftlich war ich nur minimal besser, aber die Mündliche verlief sehr wesentlich erfolgreicher, ich hatte aber auch eine wohlwollende Prüfungskommission. Vor der Mündlichen habe ich mir dann aber auch sehr viel Stress gemacht und mehrmals überlegt, ob ich mir das wirklich nochmal antun sollte. Das ganze Unternehmen hat mich dann doch mehr ausgelaugt als ich gedacht hätte. Jetzt starte ich etwas unerwartet doch schon früher ins Ref und hatte nicht mal Zeit für einen Urlaub. Ob ich es rückwirkend nochmal machen würde, weiß ich nicht.
21.02.2026, 12:25
Hi, ich habe das gleiche Problem. 8,98 P im ersten Examen (NRW), bei einem befriedigenden Staatsteil und einem guten Schwerpunkt. Ich habe mich direkt zum nächsten Versuch gemeldet und schreibe jetzt im April die Klausuren nochmal. Ich mache das extra zügig, damit ich zum einen nicht so viel wieder vergessen kann und zum anderen ich dieses Jahr noch in das Referendariat einsteigen kann. Insgesamt finde ich das gar nicht so schlimm bisher. Ich bin viel entspannter als beim ersten Versuch und freue mich einfach auf ein paar freie Wochen im Sommer. Dass ich dann nach der mündlichen Prüfung keine Freizeit mehr habe, weil das Ref dann direkt losgeht, finde ich verkraftbar.
Ich hab mich auch mega über die Note geärgert, aber ich finde es jetzt eigentlich gar nicht so schlimm, da ich bei der Vorbereitung gerade merke was ich alles noch für unbewusste Wissens- und Verständnislücken hatte. Ich glaube ich werde im schlimmsten Fall viel neues Wissen mitnehmen und im besten Fall eine Note, die mich wirklich zufriedenstellt.
Ich hab mich auch mega über die Note geärgert, aber ich finde es jetzt eigentlich gar nicht so schlimm, da ich bei der Vorbereitung gerade merke was ich alles noch für unbewusste Wissens- und Verständnislücken hatte. Ich glaube ich werde im schlimmsten Fall viel neues Wissen mitnehmen und im besten Fall eine Note, die mich wirklich zufriedenstellt.
27.02.2026, 09:26
Ich würde definitiv nochmal schreiben! Allein schon, weil du dich sonst immer fragen wirst "was wäre gewesen, wenn...". Sobald man überlegt, ob man nochmal schreiben soll, sollte man es meiner Meinung nach machen, damit man sich am Ende nichts vorwerfen kann :)
27.02.2026, 23:32
Moin, bei mehr sehr gleiche Situation. Habe staatlich 8,6 und insgesamt 8,9. habe direkt nach der mündlichen nochmal geschrieben. Das ging auch war zwar anstrengend aber man ist einfach viel konzentrierter und ruhiger in den Prüfungen. Denke schon das eine Verbesserung nochmal drin ist. Würde es aber nur machen wenn es noch so in deinen „natürlichen“ Zeitplan passt. Die Noten wird sowieso immer irrelevanter. Nicht weil es einfacher wird sondern weil sich der Markt ändert. Für Gk bzw. die sogenannten Eliten da werden immer mehr nur noch die absoluten top Absolventen genommen und auch da immer mehr eingrenzt 10 Punkte Minimum staatlich (Ausnahmen natürlich immer möglich). Die Justiz dagegen muss weiter lockern und wird denke ich in Zukunft auch vom Gehalt etwas attraktiver. Sonst hält die sich nicht mehr langer. Und eines der profitablsten Bereiche ist und wird vielmehr wahrscheinlich wieder die kleine Kanzlei, weil diese einfach flexibler sind und durch KI etc deutlich mehr Workflow haben. Sollte keiner dieser Wege für die relevant sein (ja ist gibt noch ca 1mio andere Jobs für Juristen) dann ist deine Note komplett egal und mit 8,99 gehörst du zu den top Absolventen.
09.03.2026, 16:40
Das waren ja besonders nette Prüfer/innen in der Mündlichen.....
Für Jobs in der freien Wirtschaft würde ich mir keine Sorgen machen. Ob 8,99 oder 9,0, mit der Note findet man einen guten Job. Ärgerlich kann es sein, wenn diese Note für den Staat zählt oder für Stipendienbewerbungen bzw. es vergleichbar strikte Zugangsvoraussetzungen gibt (z.B. LL.M.). Das würde ich im Hinterkopf haben. Wenn das ohnehin keine Option für dich ist: Mach's abhängig davon, wie sehr dich ein Verbesserungsversuch unter Druck setzt. Ich habe ihn mitgenommen, aber gleich im Anschluss nach meinen Erstversuch. Hatte also nur einen Monat Lernzeit und habe dadurch kaum Zeit verloren. Nur Urlaubszeit.
Viel Erfolg und Glückwunsch schon jetzt zu deinem super Examen!
Für Jobs in der freien Wirtschaft würde ich mir keine Sorgen machen. Ob 8,99 oder 9,0, mit der Note findet man einen guten Job. Ärgerlich kann es sein, wenn diese Note für den Staat zählt oder für Stipendienbewerbungen bzw. es vergleichbar strikte Zugangsvoraussetzungen gibt (z.B. LL.M.). Das würde ich im Hinterkopf haben. Wenn das ohnehin keine Option für dich ist: Mach's abhängig davon, wie sehr dich ein Verbesserungsversuch unter Druck setzt. Ich habe ihn mitgenommen, aber gleich im Anschluss nach meinen Erstversuch. Hatte also nur einen Monat Lernzeit und habe dadurch kaum Zeit verloren. Nur Urlaubszeit.
Viel Erfolg und Glückwunsch schon jetzt zu deinem super Examen!
12.03.2026, 16:03
Die Note ist ja mal eine Aussage… 
Die 8,99 P. trennen mehr als 0,01 P. vom VB.
8,99 P. heissen übersetzt: Die Kommission wollte dir die 9 P. partout nicht geben.
Ob berechtigt oder nicht lässt sich für den zukünftigen Personaler zumindest nicht alleine aus der Note ablesen.
An deiner Stelle würde ich versuchen, diesen ärgerlichen Kratzer am Ende deiner universitären Ausbildung auszubessern. Dabei würde ich aber wegen der schon erwähnten zweiten Marathonstrecke alias Referendariat und 2. Stex sehr darauf achten, dass du beim Verbessern nicht zu viel Energie einsetzt, die dir am Ende hintenraus fehlt. Denn mehr als ein Kratzer ist es auch nicht.
Mein persönliches Fazit zur juristischen Ausbildung ist, dass neben Fleiss, Eignung, Glück und der richtigen Examensvorbereitung auch der richtige Einsatz von Kraft auf der Langzeitstrecke am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Gerade letzteres wird von vielen unterschätzt, was man auch daran erkennt, dass nach einem enttäuschenden 1. oder 2. Ex viele keinen Verbesserungsversuch mehr unternehmen, wo es doch „nur“ noch ein paar zusätzliche Klausuren und eine mündliche Prüfung bräuchte, einfach, weil der Tank nach den vielen Jahren komplett leer ist.
Dh mein Rat: Versuche mit minimalem Aufwand die 9 P. zu holen, nimm dir danach einige Monate
(nicht nur Wochen) ohne Jura und starte dann mit vollen Akkus in die Doppelbelastung aus Referendariat und Examensvorbereitung, die sich übrigens noch um einen weiteren Verbesserungsversuch verlängern kann.

Die 8,99 P. trennen mehr als 0,01 P. vom VB.
8,99 P. heissen übersetzt: Die Kommission wollte dir die 9 P. partout nicht geben.
Ob berechtigt oder nicht lässt sich für den zukünftigen Personaler zumindest nicht alleine aus der Note ablesen.
An deiner Stelle würde ich versuchen, diesen ärgerlichen Kratzer am Ende deiner universitären Ausbildung auszubessern. Dabei würde ich aber wegen der schon erwähnten zweiten Marathonstrecke alias Referendariat und 2. Stex sehr darauf achten, dass du beim Verbessern nicht zu viel Energie einsetzt, die dir am Ende hintenraus fehlt. Denn mehr als ein Kratzer ist es auch nicht.
Mein persönliches Fazit zur juristischen Ausbildung ist, dass neben Fleiss, Eignung, Glück und der richtigen Examensvorbereitung auch der richtige Einsatz von Kraft auf der Langzeitstrecke am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Gerade letzteres wird von vielen unterschätzt, was man auch daran erkennt, dass nach einem enttäuschenden 1. oder 2. Ex viele keinen Verbesserungsversuch mehr unternehmen, wo es doch „nur“ noch ein paar zusätzliche Klausuren und eine mündliche Prüfung bräuchte, einfach, weil der Tank nach den vielen Jahren komplett leer ist.
Dh mein Rat: Versuche mit minimalem Aufwand die 9 P. zu holen, nimm dir danach einige Monate
(nicht nur Wochen) ohne Jura und starte dann mit vollen Akkus in die Doppelbelastung aus Referendariat und Examensvorbereitung, die sich übrigens noch um einen weiteren Verbesserungsversuch verlängern kann.



