23.02.2026, 20:33
Hallo zusammen,
vor ein paar Monaten hab ich mein zweites Examen gemacht und bin gerade dabei mich etwas zu orientieren. Möchte auf jeden Fall in die Anwaltschaft. Im Ref. war ich bei einer mittelgroßen Kanzlei (80 Anwälte, 3 Standorte). War eigentlich ganz schön dort, was ich aber schade fand war, dass mein Ausbilder quasi nie vor Gericht war. Immer nur Vertragsentwürfe und Beratung von Mandanten. Das ist natürlich auch interessant, aber irgendwie sehe ich mich da nicht. Zumindest nicht 100% , ich möchte definitiv auch vor Gericht stehen. Gegen einen Mix aus Beratung, Vertragsentwürfen und Gericht hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden. Was ich dagegen richtig cool fand, war die Mischung von Rechtsgebieten dort mal Mietrecht, mal Gesellschaftsrecht, mal Deliktsrecht mal Insolvenzrecht. Natürlich gab es einen Schwerpunkt, aber immer auch etwas Abwechslung.
Meine erste Idee war daher Litigation bzw. Dispute Resolution(ist das eigentlich das gleiche?) als Fachbereich. Das gibt es aber ja nur in den etwas größeren Kanzleien, oder? Oder haben das auch mittelständische? Da ist natürlich wieder das Problem die Arbeitszeit. Habe etwas Angst aufgrund von Horrorgeschichten aus Großkanzleien. Mehr als regelmäßig 50h pro Woche würde ich ungern arbeiten (natürlich gibt es ab und zu mal Arbeitsspitzen, das ist mir bewusst). Man will ja auch noch ein Privatleben haben. In dem Bereich dürfte man auch einen interessanten Mix von Rechtsgebieten haben, oder?
Zweite Idee ist Insolvenzrecht, das war auch mein Schwerpunkt im Studium. An einer betriebswirtschaftlichen Tätigkeit als Insolvenzverwalter habe ich aber kein Interesse, aber es gibt ja auch dort Anwälte. Und Prozesse (z.B. Insolvenzanfechtung) für den Insolvenzverwalter zu führen stelle ich mir auch interessant vor. Dabei dürfte auch ein gesunder Mix zusammenkommen und Insolvenzanfechtung ist ja ein interessantes Thema, wo es um ordentlich Kohle geht.
Gesellschaftsrecht habe ich in meinen Ref.-Stationen auch viel gemacht und ich finde es auch grundsätzlich interessant, also Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern z.B.. Aber bei M&A und Satzungen schreiben sehe ich mich auch nicht so wirklich. V.a. M&A erscheint mir sehr uninteressant.
Was denkt ihr würde zu meinen Vorstellungen passen? Welche Gehaltsvorstellungen sind bei 40-50h durchschnittlich und meinen Noten realistisch?
Noten: 1.Ex knappes Gut 2. Examen VB
Vielen Dank für eure Antworten
vor ein paar Monaten hab ich mein zweites Examen gemacht und bin gerade dabei mich etwas zu orientieren. Möchte auf jeden Fall in die Anwaltschaft. Im Ref. war ich bei einer mittelgroßen Kanzlei (80 Anwälte, 3 Standorte). War eigentlich ganz schön dort, was ich aber schade fand war, dass mein Ausbilder quasi nie vor Gericht war. Immer nur Vertragsentwürfe und Beratung von Mandanten. Das ist natürlich auch interessant, aber irgendwie sehe ich mich da nicht. Zumindest nicht 100% , ich möchte definitiv auch vor Gericht stehen. Gegen einen Mix aus Beratung, Vertragsentwürfen und Gericht hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden. Was ich dagegen richtig cool fand, war die Mischung von Rechtsgebieten dort mal Mietrecht, mal Gesellschaftsrecht, mal Deliktsrecht mal Insolvenzrecht. Natürlich gab es einen Schwerpunkt, aber immer auch etwas Abwechslung.
Meine erste Idee war daher Litigation bzw. Dispute Resolution(ist das eigentlich das gleiche?) als Fachbereich. Das gibt es aber ja nur in den etwas größeren Kanzleien, oder? Oder haben das auch mittelständische? Da ist natürlich wieder das Problem die Arbeitszeit. Habe etwas Angst aufgrund von Horrorgeschichten aus Großkanzleien. Mehr als regelmäßig 50h pro Woche würde ich ungern arbeiten (natürlich gibt es ab und zu mal Arbeitsspitzen, das ist mir bewusst). Man will ja auch noch ein Privatleben haben. In dem Bereich dürfte man auch einen interessanten Mix von Rechtsgebieten haben, oder?
Zweite Idee ist Insolvenzrecht, das war auch mein Schwerpunkt im Studium. An einer betriebswirtschaftlichen Tätigkeit als Insolvenzverwalter habe ich aber kein Interesse, aber es gibt ja auch dort Anwälte. Und Prozesse (z.B. Insolvenzanfechtung) für den Insolvenzverwalter zu führen stelle ich mir auch interessant vor. Dabei dürfte auch ein gesunder Mix zusammenkommen und Insolvenzanfechtung ist ja ein interessantes Thema, wo es um ordentlich Kohle geht.
Gesellschaftsrecht habe ich in meinen Ref.-Stationen auch viel gemacht und ich finde es auch grundsätzlich interessant, also Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern z.B.. Aber bei M&A und Satzungen schreiben sehe ich mich auch nicht so wirklich. V.a. M&A erscheint mir sehr uninteressant.
Was denkt ihr würde zu meinen Vorstellungen passen? Welche Gehaltsvorstellungen sind bei 40-50h durchschnittlich und meinen Noten realistisch?
Noten: 1.Ex knappes Gut 2. Examen VB
Vielen Dank für eure Antworten
23.02.2026, 22:33
Dispute Resolution ist Streitbeilegung.
Das untergliedert sich in Litigation (Verfahren vor staatlichen Gerichten) und Arbitration (Schiedsverfahren).
Wenn du einen Mix willst, sollte die Kanzlei nicht zu groß sein, da die ganz großen Kanzleien stark spezialisierte Teams haben.
Ansonsten sind die Sachen die du beschreibst schon sehr unterschiedlich. Insolvenzrecht/Restrukturierung ist nach meinen Eindruck zumindest nicht typischerweise sehr prozesslastig.
Das untergliedert sich in Litigation (Verfahren vor staatlichen Gerichten) und Arbitration (Schiedsverfahren).
Wenn du einen Mix willst, sollte die Kanzlei nicht zu groß sein, da die ganz großen Kanzleien stark spezialisierte Teams haben.
Ansonsten sind die Sachen die du beschreibst schon sehr unterschiedlich. Insolvenzrecht/Restrukturierung ist nach meinen Eindruck zumindest nicht typischerweise sehr prozesslastig.
23.02.2026, 22:52
Ich habe in den vergangenen Jahren einige Insolvenzen und Insolvenzanfechtungen begleitet/mitbekommen, aber einen Gerichtstermin hatten wir in diesen Verfahren nie. Ein einziges Mal hatte der Insolvenzverwalter versucht, für die Gläubiger Geld in einem Gerichtsverfahren zu erstreiten, aber das hat ja primär nichts mit dem Insolvenzrecht zu tun, sondern war normales Zivilrecht. Es soll nicht abwertend klingen, aber die Sachbearbeiterstellen im Insolvenzrecht sind darüber hinaus dafür bekannt, dass keine Top-Noten verlangt werden. Ein Kumpel von mit ist InsV mit 2x vb, aber das schließt du ja für dich aus.
Ich denke daher nicht, dass es das ist, was du willst, außer du brennst förmlich für das Insolvenzrecht.
Ich denke daher nicht, dass es das ist, was du willst, außer du brennst förmlich für das Insolvenzrecht.
24.02.2026, 11:18
(23.02.2026, 22:33)Paul Klee schrieb: Dispute Resolution ist Streitbeilegung.
Das untergliedert sich in Litigation (Verfahren vor staatlichen Gerichten) und Arbitration (Schiedsverfahren).
Wenn du einen Mix willst, sollte die Kanzlei nicht zu groß sein, da die ganz großen Kanzleien stark spezialisierte Teams haben.
Ansonsten sind die Sachen die du beschreibst schon sehr unterschiedlich. Insolvenzrecht/Restrukturierung ist nach meinen Eindruck zumindest nicht typischerweise sehr prozesslastig.
Also selbst die Litigation Abteilung hat dann bei großen Kanzleien stark spezialisierte Teams? Okay, das ist gut zu wissen. Also eher so mittelgroß suchen, weil kleine Kanzleien haben ja in der Regel keine Dispute Resolution Abteilung oder?
Schade das Insolvenzrecht wenig prozesslastig ist, das hatte ich befürchtet. Naja ich bin jetzt auch mit dem Rechtsgebiet nicht verheiratet, obwohl ich es eigentlich immer interessant fand.
24.02.2026, 11:22
(23.02.2026, 22:52)Egal_ schrieb: Ich habe in den vergangenen Jahren einige Insolvenzen und Insolvenzanfechtungen begleitet/mitbekommen, aber einen Gerichtstermin hatten wir in diesen Verfahren nie. Ein einziges Mal hatte der Insolvenzverwalter versucht, für die Gläubiger Geld in einem Gerichtsverfahren zu erstreiten, aber das hat ja primär nichts mit dem Insolvenzrecht zu tun, sondern war normales Zivilrecht. Es soll nicht abwertend klingen, aber die Sachbearbeiterstellen im Insolvenzrecht sind darüber hinaus dafür bekannt, dass keine Top-Noten verlangt werden. Ein Kumpel von mit ist InsV mit 2x vb, aber das schließt du ja für dich aus.Schade, aber das dachte ich mir eigentlich schon. Wahrscheinlich wird dort meist versucht ein Verfahren zu vermeiden. Dass im Insolvenzrecht aber keine guten Noten verlangt werden wusste ich nicht, merkwürdig weil es eigentlich kein einfaches Rechtsgebiet ist (würde ich mal behaupten).
Ich denke daher nicht, dass es das ist, was du willst, außer du brennst förmlich für das Insolvenzrecht.
Insolvenzrecht ist schon interessant, aber brennend bin ich jetzt nicht unbedingt.
24.02.2026, 23:32
(24.02.2026, 11:18)DM21 schrieb:(23.02.2026, 22:33)Paul Klee schrieb: Dispute Resolution ist Streitbeilegung.
Das untergliedert sich in Litigation (Verfahren vor staatlichen Gerichten) und Arbitration (Schiedsverfahren).
Wenn du einen Mix willst, sollte die Kanzlei nicht zu groß sein, da die ganz großen Kanzleien stark spezialisierte Teams haben.
Ansonsten sind die Sachen die du beschreibst schon sehr unterschiedlich. Insolvenzrecht/Restrukturierung ist nach meinen Eindruck zumindest nicht typischerweise sehr prozesslastig.
Also selbst die Litigation Abteilung hat dann bei großen Kanzleien stark spezialisierte Teams? Okay, das ist gut zu wissen. Also eher so mittelgroß suchen, weil kleine Kanzleien haben ja in der Regel keine Dispute Resolution Abteilung oder?
Schade das Insolvenzrecht wenig prozesslastig ist, das hatte ich befürchtet. Naja ich bin jetzt auch mit dem Rechtsgebiet nicht verheiratet, obwohl ich es eigentlich immer interessant fand.
Nicht unbedingt spezialisiert, aber die machen oft große komplexe Verfahren - das ist dann auch recht speziell und eben kein Mix verschiedener Themen.
Da Litigation nichts anderes als Prozessführung ist, machen das natürlich auch kleine Kanzleien. Die Streitwerte und Themen sind dann naturgemäß anders als in großen Kanzleie.


