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Berufseinstieg Arbeitsrecht – ab Tag 1 allein verantwortlich?
lexstarter
Junior Member
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Beiträge: 6
Themen: 1
Registriert seit: Jan 2026
#1
08.01.2026, 09:58
Hallo zusammen,
ich habe als Berufseinsteiger ein Angebot als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht erhalten. Der bisherige Arbeitsrechtler ist ausgeschieden, sodass ich den Bereich ab Tag 1 allein verantworten würde. Es gibt Vorlagen und erfahrene ReFas, aber keine echte Einarbeitung und kein fachliches Sparring (learning by doing).
Fachlich traue ich mir die Einarbeitung zu, habe aber Respekt vor der alleinigen Verantwortung und möglichen Haftungsrisiken. Gleichzeitig sind passende Einstiegsstellen in meiner Region aktuell eher rar und ich habe oft gelesen, dass dieses "ins kalte Wasser geschmissen werden" gerade in kleineren Kanzleien normal ist. 
Mich würde interessieren:
Ist ein solcher Einstieg realistisch oder zu riskant?
Worauf sollte man besonders achten bzw. was vor Zusage klären?
Danke für eure Einschätzungen!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.01.2026, 10:01 von lexstarter.)
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nachdenklich
Senior Member
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Beiträge: 305
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2023
#2
08.01.2026, 10:49
Hallo,

es kommt natürlich auch darauf an, was deine Sozietät so macht. Viele Kündigungsschutzklagen bzw. Abgeltung o.ä. iRv Rechtsschutzversicherungen bei idR kleinen und Kleinstbetrieben? Dann kann man sich sicherlich relativ zügig und eigenständig einarbeiten. Aber auch hier dürfte das einige Monate dauernn. Und auch in diesem Fall halte ich es komplett ohne Rücksprache und Nachfragen für nicht einfach...aber machbar. Eine gute Portion Selbstbewusstsein sind jedenfalls nicht schädlich ;-)

Was ein ehemaliger Ref-Kollege gemacht hat: Einstieg nach Rücksprache um 2 Monate nach hinten geschoben, Literatur gekauft und dann intensiv 2 Monate materielles und prozessuales Arbeitsrecht gepaukt. Das hat ihm jedenfalls subjektiv etwas Sicherheit beim Einstieg gegeben.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.01.2026, 10:56 von nachdenklich.)
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Freidenkender
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Beiträge: 740
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Registriert seit: Mar 2022
#3
08.01.2026, 13:04
es kommt etwas darauf an, was du hier arbeitsrechtlich machen sollst. Nur Arbeitgeber oder Mitarbeier als Mandanten? Sind es rein individualrechtliche Verfahren auf AN-Seite, dann kann man sich da gut reinarbeiten. Aber selbst da gibt es spezielle Themen, die Tretminen haben können, wie z.B. bAV. Auf AG-Seite wird es schon gefährlicher, da kommt dann mal z.B. eine Umstrukturierung. Das sind dann eben nicht rein individuelle Themen wie hier 10 Versetzungen und da noch 10 Kündigungen. Da wird es dann schon schwieriger und das beste taktische Vorgehen in solchen Fällen findet man auch nicht in Lehrbüchern. Und gerade die Taktik erwartet der Arbeitgeber von dir. 

Wenn es dann noch komplex kollektivrechtlich wird, dann hast du weitere Hürden. Da hilft Erfahrung, da es hier ja z.B. Verhandlungen von Betriebsvereinbarungen oder Haustarifverträgen geht. Kann ich einem Berufseinsteiger nur davon abraten. 

Daher erkunde dein Terrain und dann kannst du es ggf. wagen
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lexstarter
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Beiträge: 6
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Registriert seit: Jan 2026
#4
08.01.2026, 13:13
(08.01.2026, 10:49)nachdenklich schrieb:  Hallo,

es kommt natürlich auch darauf an, was deine Sozietät so macht. Viele Kündigungsschutzklagen bzw. Abgeltung o.ä. iRv Rechtsschutzversicherungen bei idR kleinen und Kleinstbetrieben? Dann kann man sich sicherlich relativ zügig und eigenständig einarbeiten. Aber auch hier dürfte das einige Monate dauernn. Und auch in diesem Fall halte ich es  komplett ohne Rücksprache und Nachfragen für nicht einfach...aber machbar. Eine gute Portion Selbstbewusstsein sind jedenfalls nicht schädlich ;-)

Was ein ehemaliger Ref-Kollege gemacht hat: Einstieg nach Rücksprache um 2 Monate nach hinten geschoben, Literatur gekauft und dann intensiv 2 Monate materielles und prozessuales Arbeitsrecht gepaukt. Das hat ihm jedenfalls subjektiv etwas Sicherheit beim Einstieg gegeben.

Hallo,

vielen Dank für deine Einschätzung. Der Tipp mit einem ggfs. verzögerten Einstieg und gezielter Einarbeitung ist auf jeden Fall sehr hilfreich. :)
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lexstarter
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Beiträge: 6
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Registriert seit: Jan 2026
#5
08.01.2026, 13:14
(08.01.2026, 13:04)Freidenkender schrieb:  es kommt etwas darauf an, was du hier arbeitsrechtlich machen sollst. Nur Arbeitgeber oder Mitarbeier als Mandanten? Sind es rein individualrechtliche Verfahren auf AN-Seite, dann kann man sich da gut reinarbeiten. Aber selbst da gibt es spezielle Themen, die Tretminen haben können, wie z.B. bAV. Auf AG-Seite wird es schon gefährlicher, da kommt dann mal z.B. eine Umstrukturierung. Das sind dann eben nicht rein individuelle Themen wie hier 10 Versetzungen und da noch 10 Kündigungen. Da wird es dann schon schwieriger und das beste taktische Vorgehen in solchen Fällen findet man auch nicht in Lehrbüchern. Und gerade die Taktik erwartet der Arbeitgeber von dir. 

Wenn es dann noch komplex kollektivrechtlich wird, dann hast du weitere Hürden. Da hilft Erfahrung, da es hier ja z.B. Verhandlungen von Betriebsvereinbarungen oder Haustarifverträgen geht. Kann ich einem Berufseinsteiger nur davon abraten. 

Daher erkunde dein Terrain und dann kannst du es ggf. wagen

Vielen Dank für deine Antwort!
Nach meinem bisherigen Eindruck handelt es sich überwiegend um Arbeitgeberberatung für mittelständische Unternehmen, vor allem Individualarbeitsrecht (Kündigungen, Verträge, auch laufende Verfahren). Kollektivarbeitsrecht scheint eher die Ausnahme zu sein und nicht den Schwerpunkt zu bilden.
Gerade vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob ein Einstieg ohne Sparring zwar anspruchsvoll, aber ggf. noch vertretbar ist – oder ob auch im klassischen Individualarbeitsrecht auf AG-Seite die taktischen Risiken für Berufseinsteiger letztlich zu groß sind.
Mich würde interessieren, wo du in solchen Konstellationen die größten praktischen Fallstricke siehst (z. B. Kündigungstaktik, Vergleichsverhandlungen, Umgang mit laufenden Verfahren).
Danke dir!
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SRPass96
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Beiträge: 5
Themen: 1
Registriert seit: Dec 2025
#6
08.01.2026, 14:08
Ich stehe vor der selben Frage, allerdings für das Strafrecht. Wäre ebenfalls der einzige Strafrechtler und bin sehr unsicher, ob es sinnvoll ist...
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Freidenkender
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Beiträge: 740
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#7
08.01.2026, 17:20
(08.01.2026, 13:14)lexstarter schrieb:  
(08.01.2026, 13:04)Freidenkender schrieb:  es kommt etwas darauf an, was du hier arbeitsrechtlich machen sollst. Nur Arbeitgeber oder Mitarbeier als Mandanten? Sind es rein individualrechtliche Verfahren auf AN-Seite, dann kann man sich da gut reinarbeiten. Aber selbst da gibt es spezielle Themen, die Tretminen haben können, wie z.B. bAV. Auf AG-Seite wird es schon gefährlicher, da kommt dann mal z.B. eine Umstrukturierung. Das sind dann eben nicht rein individuelle Themen wie hier 10 Versetzungen und da noch 10 Kündigungen. Da wird es dann schon schwieriger und das beste taktische Vorgehen in solchen Fällen findet man auch nicht in Lehrbüchern. Und gerade die Taktik erwartet der Arbeitgeber von dir. 

Wenn es dann noch komplex kollektivrechtlich wird, dann hast du weitere Hürden. Da hilft Erfahrung, da es hier ja z.B. Verhandlungen von Betriebsvereinbarungen oder Haustarifverträgen geht. Kann ich einem Berufseinsteiger nur davon abraten. 

Daher erkunde dein Terrain und dann kannst du es ggf. wagen

Vielen Dank für deine Antwort!
Nach meinem bisherigen Eindruck handelt es sich überwiegend um Arbeitgeberberatung für mittelständische Unternehmen, vor allem Individualarbeitsrecht (Kündigungen, Verträge, auch laufende Verfahren). Kollektivarbeitsrecht scheint eher die Ausnahme zu sein und nicht den Schwerpunkt zu bilden.
Gerade vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob ein Einstieg ohne Sparring zwar anspruchsvoll, aber ggf. noch vertretbar ist – oder ob auch im klassischen Individualarbeitsrecht auf AG-Seite die taktischen Risiken für Berufseinsteiger letztlich zu groß sind.
Mich würde interessieren, wo du in solchen Konstellationen die größten praktischen Fallstricke siehst (z. B. Kündigungstaktik, Vergleichsverhandlungen, Umgang mit laufenden Verfahren).
Danke dir!

einen Kündigungsschutzprozess bekommt man in der Regel hin, da es in 95% der Fälle auf einen Vergleich hinausläuft. Die "Preisvorstellungen" der einzelnen Kammern bekommt man schnell raus. Vertragsgestaltung ist am Ende kein Hexenwerk. Dafür wirst du am Anfang halt zeit brauchen und dazu gute Recherchemöglichkeiten. Da hilft sicher Routine, da man dann einfach einen Überblick hat, wo in letzter Zeit mal wieder das BAG neue Baustellen aufgemacht hat. Da im Arbeitsrecht sehr viel durch die Rechtsprechung geprägt ist, kommt einen Erfahrung zu Gute. Am Anfang fühlt man sich im ArbR schon lost, da das Studium und Ref keine gute rechtliche Vorbereitung auf diese Themen gibt. Aber das kann man Fleiß ausgleichen.

Du musst halt aufpassen, wenn es um Umstrukturierungen geht. Das passiert in der heutigen Zeit öfters, da eigentlich alle Unternehmen im Wandel sind. Wenn dann noch ein BR im Spiel ist, dann wird es kniffelig. Da hätte ich mich als Frischling nicht rangetraut, insbesondere wenn du dann vielleicht noch mit dem BR so etwas wie Sozialplan und Co verhandeln sollst. 

Aber ich will dir keine Angst machen. Ich hätte fast am Anfang bei einer sehr ähnlichen Stelle meinen Start ins Berufsleben hingelegt Dass ich das Angebot nicht angenommen habe, lag an anderen Rahmenbedingungen
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lexstarter
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Registriert seit: Jan 2026
#8
08.01.2026, 19:54
(08.01.2026, 17:20)Freidenkender schrieb:  
(08.01.2026, 13:14)lexstarter schrieb:  
(08.01.2026, 13:04)Freidenkender schrieb:  es kommt etwas darauf an, was du hier arbeitsrechtlich machen sollst. Nur Arbeitgeber oder Mitarbeier als Mandanten? Sind es rein individualrechtliche Verfahren auf AN-Seite, dann kann man sich da gut reinarbeiten. Aber selbst da gibt es spezielle Themen, die Tretminen haben können, wie z.B. bAV. Auf AG-Seite wird es schon gefährlicher, da kommt dann mal z.B. eine Umstrukturierung. Das sind dann eben nicht rein individuelle Themen wie hier 10 Versetzungen und da noch 10 Kündigungen. Da wird es dann schon schwieriger und das beste taktische Vorgehen in solchen Fällen findet man auch nicht in Lehrbüchern. Und gerade die Taktik erwartet der Arbeitgeber von dir. 

Wenn es dann noch komplex kollektivrechtlich wird, dann hast du weitere Hürden. Da hilft Erfahrung, da es hier ja z.B. Verhandlungen von Betriebsvereinbarungen oder Haustarifverträgen geht. Kann ich einem Berufseinsteiger nur davon abraten. 

Daher erkunde dein Terrain und dann kannst du es ggf. wagen

Vielen Dank für deine Antwort!
Nach meinem bisherigen Eindruck handelt es sich überwiegend um Arbeitgeberberatung für mittelständische Unternehmen, vor allem Individualarbeitsrecht (Kündigungen, Verträge, auch laufende Verfahren). Kollektivarbeitsrecht scheint eher die Ausnahme zu sein und nicht den Schwerpunkt zu bilden.
Gerade vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob ein Einstieg ohne Sparring zwar anspruchsvoll, aber ggf. noch vertretbar ist – oder ob auch im klassischen Individualarbeitsrecht auf AG-Seite die taktischen Risiken für Berufseinsteiger letztlich zu groß sind.
Mich würde interessieren, wo du in solchen Konstellationen die größten praktischen Fallstricke siehst (z. B. Kündigungstaktik, Vergleichsverhandlungen, Umgang mit laufenden Verfahren).
Danke dir!

einen Kündigungsschutzprozess bekommt man in der Regel hin, da es in 95% der Fälle auf einen Vergleich hinausläuft. Die "Preisvorstellungen" der einzelnen Kammern bekommt man schnell raus. Vertragsgestaltung ist am Ende kein Hexenwerk. Dafür wirst du am Anfang halt zeit brauchen und dazu gute Recherchemöglichkeiten. Da hilft sicher Routine, da man dann einfach einen Überblick hat, wo in letzter Zeit mal wieder das BAG neue Baustellen aufgemacht hat. Da im Arbeitsrecht sehr viel durch die Rechtsprechung geprägt ist, kommt einen Erfahrung zu Gute. Am Anfang fühlt man sich im ArbR schon lost, da das Studium und Ref keine gute rechtliche Vorbereitung auf diese Themen gibt. Aber das kann man Fleiß ausgleichen.

Du musst halt aufpassen, wenn es um Umstrukturierungen geht. Das passiert in der heutigen Zeit öfters, da eigentlich alle Unternehmen im Wandel sind. Wenn dann noch ein BR im Spiel ist, dann wird es kniffelig. Da hätte ich mich als Frischling nicht rangetraut, insbesondere wenn du dann vielleicht noch mit dem BR so etwas wie Sozialplan und Co verhandeln sollst. 

Aber ich will dir keine Angst machen. Ich hätte fast am Anfang bei einer sehr ähnlichen Stelle meinen Start ins Berufsleben hingelegt Dass ich das Angebot nicht angenommen habe, lag an anderen Rahmenbedingungen

Vielen Dank für die ausführliche Einschätzung, das hilft mir sehr bei der Einordnung.
Mir ist bewusst, dass gerade Umstrukturierungen und kollektivrechtliche Themen für Berufseinsteiger besonders anspruchsvoll sind. Nach meinem aktuellen Eindruck liegt der Schwerpunkt wie gesagt hier aber überwiegend im Individualarbeitsrecht, was den Einstieg für mich realistischer erscheinen lässt.
Dass man sich im Arbeitsrecht am Anfang oft unsicher fühlt und vieles über Rechtsprechung und Routine kommt, ist natürlich gerade am Anfang eine zusätzliche Belastung aber andererseits ist das wie du sagst mit Fleiß dann vermutlich ausgleichbar.
Was mich aktuell noch umtreibt, ist weniger der Arbeitsaufwand als die Verantwortung und das Haftungsrisiko bei einem unmittelbaren Einstieg ohne Rücksprachemöglichkeiten... :/
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Noname1211
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#9
09.01.2026, 00:23
Bist du der einzige Arbeitsrechtler in der Kanzlei? Wichtig sind m.E. in dem Fall gute Rechercheskills und eine gute Portion Selbstvertrauen. Wenn du noch überhaupt keine arbeitsrechtliche Erfahrung hast, solltest du dir tatsächlich die Grundlagen mit entsprechender Literatur verschaffen. Erst Individualrecht, dann über die kollektive Bezüge des Individualrechts (BR-Anhörung usw.) hin zum echten Kollktivrecht. Dann mal einen Blick in das Gesellschaftsrecht werden und versuchen, Zusammenhänge zu verstehen. Stichwort Betriebsänderung/ Betriebsübergang usw. Zuletzt dann Tarifvertragsrecht, Streik usw, kann mal relevant werden, muss es aber nicht. Nur wenn es relevant wird: Solltest du mal öD oder kirchliche Institutionen beraten, gelten da natürlich auch noch eigene Regelungen. Im Finanzbereich gibt es auch Bezüge zum Aufsichtsrecht. 

Ich habe ähnlich angefangen und viel kaltes Wasser zu Beginn. Arbeitsrecht muss man mögen und wollen, insb. die Zusammenarbeit mit Personalabteilungen, harte Verhandlungen und der „Böse“ zu sein. Es kann aber richtig Spaß machen.

Und bezüglich der Haftung: Lerne die harten Fristen (Ausschluss- und Präklusionsfristen) und Fallstricke (z.B. BR-Anhörung bei Kündigung) vor deinem ersten Fall. Echte Haftungsfälle sind eher selten. Und als Angestellter bist du über deine Kanzlei versichert, ein Rückgriff ist quasi nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit zu erwarten.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.01.2026, 00:28 von Noname1211.)
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lexstarter
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#10
09.01.2026, 12:24
(09.01.2026, 00:23)Noname1211 schrieb:  Bist du der einzige Arbeitsrechtler in der Kanzlei? Wichtig sind m.E. in dem Fall gute Rechercheskills und eine gute Portion Selbstvertrauen. Wenn du noch überhaupt keine arbeitsrechtliche Erfahrung hast, solltest du dir tatsächlich die Grundlagen mit entsprechender Literatur verschaffen. Erst Individualrecht, dann über die kollektive Bezüge des Individualrechts (BR-Anhörung usw.) hin zum echten Kollktivrecht. Dann mal einen Blick in das Gesellschaftsrecht werden und versuchen, Zusammenhänge zu verstehen. Stichwort Betriebsänderung/ Betriebsübergang usw. Zuletzt dann Tarifvertragsrecht, Streik usw, kann mal relevant werden, muss es aber nicht. Nur wenn es relevant wird: Solltest du mal öD oder kirchliche Institutionen beraten, gelten da natürlich auch noch eigene Regelungen. Im Finanzbereich gibt es auch Bezüge zum Aufsichtsrecht. 

Ich habe ähnlich angefangen und viel kaltes Wasser zu Beginn. Arbeitsrecht muss man mögen und wollen, insb. die Zusammenarbeit mit Personalabteilungen, harte Verhandlungen und der „Böse“ zu sein. Es kann aber richtig Spaß machen.

Und bezüglich der Haftung: Lerne die harten Fristen (Ausschluss- und Präklusionsfristen) und Fallstricke (z.B. BR-Anhörung bei Kündigung) vor deinem ersten Fall. Echte Haftungsfälle sind eher selten. Und als Angestellter bist du über deine Kanzlei versichert, ein Rückgriff ist quasi nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit zu erwarten.

Ja ich wäre dann der einzige Arbeitsrechtler, genau das macht mir eben Sorgen, da ich mich kaum fachlich austauschen kann. Im Gesellschaftsrecht hätte ich aber zumindest jemanden, der mir dort weiterhelfen könnte. 

Ich habe Arbeitsrecht nur im Referendariat gemacht, da hat es mir sehr viel Spaß gemacht, aber ich müsste mich auf jeden Fall noch einmal mehr einarbeiten. Hast du eine Empfehlung für eine praxisnahes Lehrbuch / Praxishandbuch? 

Dass du ähnlich angefangen hast und es dennoch geschafft hast, gibt mir auf jeden Fall Mut :) 

Der Hinweis bzgl. der Fristen ist ein sehr hilfreicher Tipp, vielen Dank!
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