17.12.2025, 16:23
Liebe alle,
die gegenwärtige angespannte Lage des (norddeutschen) Arbeitsmarkts macht es mir trotz guter Noten und weiterer Qualifikationen schwierig, den geplanten Berufseinstieg bei einer Großkanzlei zeitnah umzusetzen. Da ich es mir buchstäblich nicht leisten kann, noch länger gar nicht zu arbeiten oder nur zu jobben, erwäge ich, mich auch bei den Legal-Ablegern der Big Four und bei mittelständischen Kanzleien jeweils als Rechtsanwalt zu bewerben.
Aus diesem Anlass interessiert mich, ob an dem mitunter zu vernehmenden Gerücht etwas dran ist, aus solchen Positionen sei der Wechsel in eine GK praktisch nicht mehr möglich. Habt Ihr selbst einen solchen Wechsel erfolgreich unternommen, seid daran gescheitert oder kennt Ihr jemanden, der diesen Sprung (nicht) geschafft hat?
Besten Dank und Grüße!
die gegenwärtige angespannte Lage des (norddeutschen) Arbeitsmarkts macht es mir trotz guter Noten und weiterer Qualifikationen schwierig, den geplanten Berufseinstieg bei einer Großkanzlei zeitnah umzusetzen. Da ich es mir buchstäblich nicht leisten kann, noch länger gar nicht zu arbeiten oder nur zu jobben, erwäge ich, mich auch bei den Legal-Ablegern der Big Four und bei mittelständischen Kanzleien jeweils als Rechtsanwalt zu bewerben.
Aus diesem Anlass interessiert mich, ob an dem mitunter zu vernehmenden Gerücht etwas dran ist, aus solchen Positionen sei der Wechsel in eine GK praktisch nicht mehr möglich. Habt Ihr selbst einen solchen Wechsel erfolgreich unternommen, seid daran gescheitert oder kennt Ihr jemanden, der diesen Sprung (nicht) geschafft hat?
Besten Dank und Grüße!
17.12.2025, 17:30
Hallo,
die Vorstellung bei den Big4 Law-Ablegern einfach reinrutschen zu können, trifft nach meiner Erfahrung nicht zu.
Ich habe mich in ffm mehrfach bei pwc legal und deloitte beworben und habe mehrere Absagen kassiert.
Dagegen hatte ich bei mehreren Großkanzleien unproblematisch eingeladen worden.
Auch dies ganze Vorstellung mit Tier XYZ hat überhaupt nicht zugetroffen.
Schick einfach möglichst viele Bewerbungen raus und eventuell klappt es ja bei deiner Wunschkanzlei.
In meiner Anwaltsstation gab es aber zwei Anwälte, die aus kleineren Einheiten nach oben gewechselt sind.
die Vorstellung bei den Big4 Law-Ablegern einfach reinrutschen zu können, trifft nach meiner Erfahrung nicht zu.
Ich habe mich in ffm mehrfach bei pwc legal und deloitte beworben und habe mehrere Absagen kassiert.
Dagegen hatte ich bei mehreren Großkanzleien unproblematisch eingeladen worden.
Auch dies ganze Vorstellung mit Tier XYZ hat überhaupt nicht zugetroffen.
Schick einfach möglichst viele Bewerbungen raus und eventuell klappt es ja bei deiner Wunschkanzlei.
In meiner Anwaltsstation gab es aber zwei Anwälte, die aus kleineren Einheiten nach oben gewechselt sind.
17.12.2025, 18:15
Nach meiner Erfahrung trifft das Gerücht nicht zu.
Ich selbst hatte meinen Berufseinstieg bei Big4 ähnlichen Gesellschaft im Bereich Legal und ich konnte nach einem Dreiviertel Jahr ohne Probleme in eine Großkanzlei (Tier 2) wechseln. Was nach meiner Einschätzung jedoch wichtig ist, ist, dass man seinem Rechtsgebiet treu bleibt. Die Partner sind quasi froh schon jemandem mit etwas Berufserfahrung zu bekommen, bei dem die Einarbeitungszeit verkürzt ist. Das solltest du auch entsprechend so verkaufen.
Ich selbst hatte meinen Berufseinstieg bei Big4 ähnlichen Gesellschaft im Bereich Legal und ich konnte nach einem Dreiviertel Jahr ohne Probleme in eine Großkanzlei (Tier 2) wechseln. Was nach meiner Einschätzung jedoch wichtig ist, ist, dass man seinem Rechtsgebiet treu bleibt. Die Partner sind quasi froh schon jemandem mit etwas Berufserfahrung zu bekommen, bei dem die Einarbeitungszeit verkürzt ist. Das solltest du auch entsprechend so verkaufen.
18.12.2025, 10:46
Ich habe mich mit dem Thema selber beschäftigt, da ich einen Wechsel von GK zu Big4 erwäge bzw. erwägt habe. Also quasi den umgekehrten Weg wie Du, jedoch mit der Prämisse, dass ich mich einen Wechsel zurück in die GK offen halten will.
Ich habe mal Lebensläufe etc. angeschaut. Es ist sicherlich kein Selbstläufer, aber möglich. Ich habe CVs gesehen, wo Big4ler in T2/T3 gewechselt sind, in wenigen Fällen sogar auf Counsel/Partner-Ebene. Aber, und ich denke, das ist wichtig, es ist nicht die Regel. Die Regel ist eher, dass jemand 2-3 Jahre in einer GK ist und dann zu den Big4-Legal-Ablegern wechselt.
Im Ergebnis ist der Wechsel von Big4 zu GK möglich, aber nicht garantiert möglich (im Vergleich zu einem Wechsel GK zu GK). Der Regelfall ist eher, dass jemand aus einer GK zu einem Big4-Ableger wechselt. Ich persönlich denke, dass das auf das jew. Renomee des Big4-Teams ankommt, bei dem man anfängt.
Ich persönlich habe mich gegen einen Wechsel zu Big4 entschieden - aus anderen Gründen - und suche nun eher In-House Stellen.
Ich habe mal Lebensläufe etc. angeschaut. Es ist sicherlich kein Selbstläufer, aber möglich. Ich habe CVs gesehen, wo Big4ler in T2/T3 gewechselt sind, in wenigen Fällen sogar auf Counsel/Partner-Ebene. Aber, und ich denke, das ist wichtig, es ist nicht die Regel. Die Regel ist eher, dass jemand 2-3 Jahre in einer GK ist und dann zu den Big4-Legal-Ablegern wechselt.
Im Ergebnis ist der Wechsel von Big4 zu GK möglich, aber nicht garantiert möglich (im Vergleich zu einem Wechsel GK zu GK). Der Regelfall ist eher, dass jemand aus einer GK zu einem Big4-Ableger wechselt. Ich persönlich denke, dass das auf das jew. Renomee des Big4-Teams ankommt, bei dem man anfängt.
Ich persönlich habe mich gegen einen Wechsel zu Big4 entschieden - aus anderen Gründen - und suche nun eher In-House Stellen.
18.12.2025, 11:31
Ich schließe mich meinen Vorrednern insoweit an, als dass ein Wechsel "nach unten" immer leichter ist als ein Wechsel "nach oben".
Aber der Wechsel nach oben ist definitiv nicht ausgeschlossen, gerade die angesprochene Einarbeitungszeit, welche sich die Kanzlei so sparen kann, ist für diese ein großer Vorteil. Und auch Wechsel in die Partnerschaft (zwar auch aus der Partnerschaft) sind möglich, so ist bspw. der Leiter der PE Praxisgruppe von Hogan Lovells zuvor Partner bei EY Law gewesen.
Und jetzt mal ganz ehrlich: Was ist denn die Alternative? Ein Einstieg in die GK ist nach einem Jahr Berufserfahrung in einer MK oder Big4 definitiv leichter als nach einem Jahr Arbeitslosigkeit.
Aber der Wechsel nach oben ist definitiv nicht ausgeschlossen, gerade die angesprochene Einarbeitungszeit, welche sich die Kanzlei so sparen kann, ist für diese ein großer Vorteil. Und auch Wechsel in die Partnerschaft (zwar auch aus der Partnerschaft) sind möglich, so ist bspw. der Leiter der PE Praxisgruppe von Hogan Lovells zuvor Partner bei EY Law gewesen.
Und jetzt mal ganz ehrlich: Was ist denn die Alternative? Ein Einstieg in die GK ist nach einem Jahr Berufserfahrung in einer MK oder Big4 definitiv leichter als nach einem Jahr Arbeitslosigkeit.
18.12.2025, 16:17
Ich gebe meinem Vorredner recht. Man muss sich nicht nur allgemein die Frage stellen, was abstrakt der beste Einstieg ist, sondern was konkret-individuell gerade möglich ist.
Der Markt ist sehr schwierig. Ich selber habe hier damals berichtet, wie ich mit 2xVB und Zusatzqualis fast nur Absagen bekommen habe. Ich bin auch nicht bei Freshfields/Hengeler eingestiegen und wurde dort ohne Interview abgelehnt, obwohl ich meine Ref-Stationen dort hatte + gute Stationszeugnisse.
Was ich damit sagen will: Ein Einstieg bei den Big4-Ablegern ist wrsl. ab 15P in der Summe nicht das abstrakt beste Angebot, da es vor wenigen Jahren so noch GK-Angebote gab. Zur Zeit ist ein Einstieg dort aber wohl wirklich gut vor dem Hintergrund des Arbeitsmarktes. 1-2 Jahre dort zu sein, idealerweise in einem guten Team, ist besser, als jetzt noch 5-6 Monate zu suchen. Gleichzeitig kann ich jeden verstehen, der lieber noch etwas sucht, statt direkt bei einer Big4 anzufangen. EY z.B. ist mit dem Wirecard-Prozess ja auch risky.
Der Markt ist sehr schwierig. Ich selber habe hier damals berichtet, wie ich mit 2xVB und Zusatzqualis fast nur Absagen bekommen habe. Ich bin auch nicht bei Freshfields/Hengeler eingestiegen und wurde dort ohne Interview abgelehnt, obwohl ich meine Ref-Stationen dort hatte + gute Stationszeugnisse.
Was ich damit sagen will: Ein Einstieg bei den Big4-Ablegern ist wrsl. ab 15P in der Summe nicht das abstrakt beste Angebot, da es vor wenigen Jahren so noch GK-Angebote gab. Zur Zeit ist ein Einstieg dort aber wohl wirklich gut vor dem Hintergrund des Arbeitsmarktes. 1-2 Jahre dort zu sein, idealerweise in einem guten Team, ist besser, als jetzt noch 5-6 Monate zu suchen. Gleichzeitig kann ich jeden verstehen, der lieber noch etwas sucht, statt direkt bei einer Big4 anzufangen. EY z.B. ist mit dem Wirecard-Prozess ja auch risky.
18.12.2025, 16:44
(18.12.2025, 16:17)Bln2024 schrieb: Ich gebe meinem Vorredner recht. Man muss sich nicht nur allgemein die Frage stellen, was abstrakt der beste Einstieg ist, sondern was konkret-individuell gerade möglich ist.Welches Risiko droht denn mit Bezug auf Wirecard ganz tatsächlich? Im Zweifel gründet EY einfach eine neue Gesellschaft und macht weiter wie bisher, oder nicht?
Der Markt ist sehr schwierig. Ich selber habe hier damals berichtet, wie ich mit 2xVB und Zusatzqualis fast nur Absagen bekommen habe. Ich bin auch nicht bei Freshfields/Hengeler eingestiegen und wurde dort ohne Interview abgelehnt, obwohl ich meine Ref-Stationen dort hatte + gute Stationszeugnisse.
Was ich damit sagen will: Ein Einstieg bei den Big4-Ablegern ist wrsl. ab 15P in der Summe nicht das abstrakt beste Angebot, da es vor wenigen Jahren so noch GK-Angebote gab. Zur Zeit ist ein Einstieg dort aber wohl wirklich gut vor dem Hintergrund des Arbeitsmarktes. 1-2 Jahre dort zu sein, idealerweise in einem guten Team, ist besser, als jetzt noch 5-6 Monate zu suchen. Gleichzeitig kann ich jeden verstehen, der lieber noch etwas sucht, statt direkt bei einer Big4 anzufangen. EY z.B. ist mit dem Wirecard-Prozess ja auch risky.
Zum Thema: Ich würde mich einfach mal bewerben und mir die Konditionen im Vorstellungsgespräch anzuhören. Mir hätte es zugesagt, zumal mir die fachliche Spezialisierung nicht weniger ausgeprägt erschien als in einer MC-Kanzlei.
19.12.2025, 11:04
Ich habe zumindest in meinen Bereich oft wahrgenommen, dass der Wechsel möglich war und ist. Von meinem damaligem Team sind allein 4 Leute in eine GK gewechselt. Einer davon ist dort sogar Partner geworden. Und sicher hängt es davon ab, welchen Ruf die jeweilige Gesellschaft hat und in welchem Spezialgebiet man unterwegs ist. Auch mir wurde damals die Stelle in einer der GK's angeboten, weil man von unserem Team ohnehin schon einige gute Leute abgeworben hatte. Ob das heute noch so wäre, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass auch hier Vernetzung enorm wichtig ist.
19.12.2025, 12:44
Danke schon einmal an alle für die Einschätzungen und Erfahrungsberichte! Für mich lautet das vorsichtige Zwischenfazit, dass ich mir über eine vermeintliche Glasdecke nicht zu viele Sorgen machen sollte.



