15.06.2022, 09:49
Ich habe gerade meine Anwaltsstation beendet und dort nun ein Angebot erhalten. Gehalt ist okay, Arbeit spannend, nicht mehr als 45 Stunden, teilweise erstaunlich große Mandanten, eigentlich alles super. Mich irritiert nur eine Sache: Die Kanzlei hat sechs Berufsträger, drei davon Partner. Die sind schon ein wenig älter als die angestellten Anwälte, der Altersunterschied ist aber nicht riesig. Trotzdem sind das quasi zwei unterschiedliche Welten. Die Angestellten und die Partner duzen sich nur untereinander, Mittagspausen sind immer getrennt und die Angestellten werden über nichts informiert. Ich wusste als Referendar, dass ein bestimmter, für die Kanzlei wichtiger Termin stattfindet - die Angestellten nicht. Dass der Umgangston mit dem einen Berufseinsteiger exakt wie mit mir als Referendar ist, finde ich etwas merkwürdig, wäre aber zu verschmerzen.
In einer Großkanzlei hätte ich das nicht anders erwartet, aber ist das in einer kleinen Kanzlei normal? Man muss dazu sagen, dass die Anwälte eigentlich nicht sehr konservativ sind.
In einer Großkanzlei hätte ich das nicht anders erwartet, aber ist das in einer kleinen Kanzlei normal? Man muss dazu sagen, dass die Anwälte eigentlich nicht sehr konservativ sind.
15.06.2022, 10:07
Das erinnert mich total an meine Anwaltsstation in einer mittelständischen Kanzlei. Leider typisch spießiger und verklemmter deutscher Mittelstand, vermute ich...
15.06.2022, 10:21
15.06.2022, 10:28
(15.06.2022, 10:21)guga schrieb:(15.06.2022, 10:07)Gast schrieb: Das erinnert mich total an meine Anwaltsstation in einer mittelständischen Kanzlei. Leider typisch spießiger und verklemmter deutscher Mittelstand, vermute ich...
This. Würde mir eine ...ähhh... "modernere" Kanzlei suchen.
Wo man sich dann Duzt und einen Obstkorb in der Kaffeeküche hat, dafür dann aber 55 Stunden arbeiten darf, weil der Partner noch eine eilige Bitte hat.
15.06.2022, 12:59
Finde es auch total modern, die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeitbegrenzungen einfach zu ignorieren. Der tägliche Vitaminboost aus dem Obstkorb senkt wirkt dem gesteigerten Burnoutrisiko ja auch etwas entgegen.
15.06.2022, 13:06
Gibt sicherlich auch Läden, in denen man sich nicht totarbeitet, aber trotzdem nicht alles getan wird, um strenge Hierarchien aufzuzeigen.
15.06.2022, 13:36
Ist doch völlig normal. War bei mir bisher immer so. Natürlich gingen auch mal die Partner mit "Ihrer Abteilung" essen, aber in der Regel nicht. Und ob Unternehmen in denen sich jeder duzt gleich automatisch die besseren Arbeitgeber sind?
15.06.2022, 15:56
Also ich war mal Wiss.Mit. in einer kleinen/mittelständischen Kanzlei Immobilienrechtskanzlei in einer Großstadt, in der die Associates jeden Tag zusammen mit den Partnern gegessen haben. Waren auch alle per Du.
Die Stimmung war trotzdem grottenschlecht, auch wenn die dortigen Partner das nicht bemerkt haben.
Das lag aber vor allem darum, dass ständig über grüne Selbstbeweihräucherungsthemen gesprochen wurde, weil die Partner das so toll fanden und niemand sonst da dann dem interolanten Impetus der Partner a la "Fliegen ist voll böse", "Toll, dass Fridays for Future heute wieder demonstriert" oder "Wer sich nicht impfen lässt, ist asozial" eine abweichende Meinung entgegenstellen wollte.
Da hilft das gemeinsame Mittagsessen und das per Du sein auch nicht für die Stimmung, wenn tagtäglich über die Welt gejammert wird und ein völliges Zerrbild der Realität gezeichnet wird, um sich an den eigenen Moralvorstellungen zu ergötzen .
Vielleicht erklärt das aber auch, dass dort eine beispiellose Fluktuation bei den Associates herrscht(e). Ich meine, da sind innerhalb eines Jahres fast zehn Associates gekommen und gegangen. Bei ca. 15 Anwälten ist das sportlich
Die Stimmung war trotzdem grottenschlecht, auch wenn die dortigen Partner das nicht bemerkt haben.
Das lag aber vor allem darum, dass ständig über grüne Selbstbeweihräucherungsthemen gesprochen wurde, weil die Partner das so toll fanden und niemand sonst da dann dem interolanten Impetus der Partner a la "Fliegen ist voll böse", "Toll, dass Fridays for Future heute wieder demonstriert" oder "Wer sich nicht impfen lässt, ist asozial" eine abweichende Meinung entgegenstellen wollte.
Da hilft das gemeinsame Mittagsessen und das per Du sein auch nicht für die Stimmung, wenn tagtäglich über die Welt gejammert wird und ein völliges Zerrbild der Realität gezeichnet wird, um sich an den eigenen Moralvorstellungen zu ergötzen .
Vielleicht erklärt das aber auch, dass dort eine beispiellose Fluktuation bei den Associates herrscht(e). Ich meine, da sind innerhalb eines Jahres fast zehn Associates gekommen und gegangen. Bei ca. 15 Anwälten ist das sportlich
15.06.2022, 16:50
Man muss sich nicht duzen, nur um sich gut zu verstehen und Mittagspause nur unter den Angestellten ist häufig sogar besser, weil dann offener und ehrlicher geredet wird.










