29.01.2022, 11:31
Liebes Forum,
ich bin seit kurzem im Referendariat. Aus diesem Forum und auch von einem Großteil der Kollegen oder Ausbilder bin ich inzwischen sehr verunsichert.
Ich bin mit meinem SPB auf etwas über 8 Pkt. gekommen, staatlich habe ich leider ein ausreichend mit 6 Pkt..
Von dem, was mir von außen gespielt wird ausgehend, habe ich das Gefühl, damit total minderwertig zu sein. Im Bekanntenkreis außerhalb der Juristen erntet man für diesen Abschluss natürlich viel Anerkennung und Respekt. Aber in Juristenkreisen bekommt man gespiegelt, mit solchen Noten - sollte man sie nicht im 2. Examen durch mindestens ein Befriedigend, besser ein VB ausgleichen - so gut wie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt oder es zumindest sehr schwer hat (und das, obwohl die Situation bzgl. Nachwuchsjuristen ja angeblich so gut ist, wie selten zuvor). Ein guter Jurist ist man natürlich sowieso nicht. Der SPB wird bei der Bewerbung abgezogen etcetcetc.
Das ist für einen „Normalo“ wie mich mit vielleicht auch nicht dem allergrößten Selbstbewusstsein einfach sehr verunsichernd. Ich frage mich, ob ich mich dahingehend einfach in einem schlechten Umfeld befinde und es irgendwo da draußen auch normale Menschen gibt, die mir dieses Gefühl etwas nehmen können. Das alles ist nämlich unglaublich demotivierend und ich frage mich manchmal, wofür ich all die Arbeit investiert habe bzw. immernoch investiere.
Also meine Frage: gibt es auch andere, etwas positivere Erfahrungen?
Liebe Grüße
ich bin seit kurzem im Referendariat. Aus diesem Forum und auch von einem Großteil der Kollegen oder Ausbilder bin ich inzwischen sehr verunsichert.
Ich bin mit meinem SPB auf etwas über 8 Pkt. gekommen, staatlich habe ich leider ein ausreichend mit 6 Pkt..
Von dem, was mir von außen gespielt wird ausgehend, habe ich das Gefühl, damit total minderwertig zu sein. Im Bekanntenkreis außerhalb der Juristen erntet man für diesen Abschluss natürlich viel Anerkennung und Respekt. Aber in Juristenkreisen bekommt man gespiegelt, mit solchen Noten - sollte man sie nicht im 2. Examen durch mindestens ein Befriedigend, besser ein VB ausgleichen - so gut wie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt oder es zumindest sehr schwer hat (und das, obwohl die Situation bzgl. Nachwuchsjuristen ja angeblich so gut ist, wie selten zuvor). Ein guter Jurist ist man natürlich sowieso nicht. Der SPB wird bei der Bewerbung abgezogen etcetcetc.
Das ist für einen „Normalo“ wie mich mit vielleicht auch nicht dem allergrößten Selbstbewusstsein einfach sehr verunsichernd. Ich frage mich, ob ich mich dahingehend einfach in einem schlechten Umfeld befinde und es irgendwo da draußen auch normale Menschen gibt, die mir dieses Gefühl etwas nehmen können. Das alles ist nämlich unglaublich demotivierend und ich frage mich manchmal, wofür ich all die Arbeit investiert habe bzw. immernoch investiere.
Also meine Frage: gibt es auch andere, etwas positivere Erfahrungen?
Liebe Grüße
29.01.2022, 11:43
Damit gehörst du zum Durchschnitt. Und ein 8P Staatsexamen ist super!
Ohne Bomben-VB im zweiten wird dir keine Karriere in der GK winken, aber ob das nun wirklich der heilige Gral ist sei mal dahin gestellt.
Alle fokussieren sich auf große Namen und Prädikat, aber die Mehrheit der Absolventen betrifft das nicht. Und das ist auch ok.
Ich hatte ähnliche Noten, habe im zweiten ein befriedigend gemacht und habe sehr viele sehr gute Jobangebote bekommen, auch öD.
Über eine gute Arbeit als Referendar kannst du dich auch bei einer mittelständischen Kanzlei empfehlen, dann sind die Noten oft zweitrangig.
Also Kopf hoch, da wird auch einfach viel Unsinn gelabert.
Ohne Bomben-VB im zweiten wird dir keine Karriere in der GK winken, aber ob das nun wirklich der heilige Gral ist sei mal dahin gestellt.
Alle fokussieren sich auf große Namen und Prädikat, aber die Mehrheit der Absolventen betrifft das nicht. Und das ist auch ok.
Ich hatte ähnliche Noten, habe im zweiten ein befriedigend gemacht und habe sehr viele sehr gute Jobangebote bekommen, auch öD.
Über eine gute Arbeit als Referendar kannst du dich auch bei einer mittelständischen Kanzlei empfehlen, dann sind die Noten oft zweitrangig.
Also Kopf hoch, da wird auch einfach viel Unsinn gelabert.
29.01.2022, 11:56
Kurzbericht:
Ich 5,9 und 5,5 verdiene 55.000 eur im zweiten Berufsjahr ohne eine Überstunde.
Kollegin verdient 65.000 ebenfalls im zweiten Berufsjahr als legalcounsel zusätzlich dem 13. Gehalt.
4,5 und 4,5
Ref Kollege, durchgefallen, verdient 60.000 zum Einstieg als Datenschutz bla bla
Also lass dir nichts erzählen
Ich 5,9 und 5,5 verdiene 55.000 eur im zweiten Berufsjahr ohne eine Überstunde.
Kollegin verdient 65.000 ebenfalls im zweiten Berufsjahr als legalcounsel zusätzlich dem 13. Gehalt.
4,5 und 4,5
Ref Kollege, durchgefallen, verdient 60.000 zum Einstieg als Datenschutz bla bla
Also lass dir nichts erzählen
29.01.2022, 12:09
Refkollege von mir mit 2x 4,x auch über 50k. Kommt eher auf die Gegend an als auf alles andere, kleine Kanzleien suchen wie irre.
29.01.2022, 12:21
Bin in der selben Situation. Hab im Staatsteil 6,7 und mit SP 7,8. Bin in meiner Ref AG der mit der schlechteste. Nur überflieger. Von 20 Mann 4 schon promoviert, 4 weitere haben den LLM, mind die Hälfte war/ist WiMi bei GKs bzw am Lehrstuhl.
Als man sich mit der AG zum Restaurantbesuch getroffen hatte, kamen iwie die Noten raus. Nur 4 Leute von 20 sind unter 9 Pkt (mit SP).
Fphl mich auch iwie verliren und hab Sorgen, da ich jetzt schon weiß, dass - falls ich bestehe - es nur ganz knapp mit dem 2. Examen laufen wird
Als man sich mit der AG zum Restaurantbesuch getroffen hatte, kamen iwie die Noten raus. Nur 4 Leute von 20 sind unter 9 Pkt (mit SP).
Fphl mich auch iwie verliren und hab Sorgen, da ich jetzt schon weiß, dass - falls ich bestehe - es nur ganz knapp mit dem 2. Examen laufen wird
29.01.2022, 12:24
Ganz ehrlich: das kommt auch sehr stark darauf an wie man sich positioniert und verkauft.
Klar hat man es mit 2xVB einfacher als mit 2x4p, aber das ist nur eine mittelgroße Hürde und keinesfalls ein unüberwindbares Hindernis.
Klar hat man es mit 2xVB einfacher als mit 2x4p, aber das ist nur eine mittelgroße Hürde und keinesfalls ein unüberwindbares Hindernis.
29.01.2022, 12:28
(29.01.2022, 12:21)Gast schrieb: Bin in der selben Situation. Hab im Staatsteil 6,7 und mit SP 7,8. Bin in meiner Ref AG der mit der schlechteste. Nur überflieger. Von 20 Mann 4 schon promoviert, 4 weitere haben den LLM, mind die Hälfte war/ist WiMi bei GKs bzw am Lehrstuhl.
Als man sich mit der AG zum Restaurantbesuch getroffen hatte, kamen iwie die Noten raus. Nur 4 Leute von 20 sind unter 9 Pkt (mit SP).
Fphl mich auch iwie verliren und hab Sorgen, da ich jetzt schon weiß, dass - falls ich bestehe - es nur ganz knapp mit dem 2. Examen laufen wird
Iim Übrigen zeigt sich daraus, dass - falls man die Leute rausrechnet welche leider das Examen (zumindest vorerst) nicht bestanden haben - der Durchschnitt der Besteher eher bei 7,5 + X anzusetzen wäre.
29.01.2022, 12:33
Nein, das ist normal. Zudem entspricht dieses Notenverständnis gar nicht der Realität bzw. den Bedürfnissen der freien Wirtschaft. Deshalb, lass dich davon nicht beunruhigen.
Klar, gute Note helfen beim Einstieg, aber kein Schwein braucht den "Einheitsjuristen" mit Top-Noten in der freien Wirtschaft. Ziemlich ernüchternd, wenn ich selbst noch 2x Stx (VB/B) machen musste und Kollegen ohne Stx viel effizienter und zielorientierter arbeiten. Wir brauchen Juristen die mehr als Wortlautanalyse können, praktikable Lösungen finden und sich mit anderen Disziplinen auseinandersetzen.
Ich kann mich meinen Vorrednern daher nur anschließen. Als Beispiel: Wir beschäftigen (in unserer Rechtsabteilung im Konzern - Gehälter zwischen 60k-80k) immer weniger Volljuristen, alldieweil zu teuer, zu unfähig oder sich zu Schade für einfachste Excel-Anwendungen. Bei uns sind sogar die tollsten GK-Kandidaten gescheitert, weil sie geglaubt haben, jetzt mach ich hier mal den faulen Lenz oder einfach total überfordert waren.
Klar, gute Note helfen beim Einstieg, aber kein Schwein braucht den "Einheitsjuristen" mit Top-Noten in der freien Wirtschaft. Ziemlich ernüchternd, wenn ich selbst noch 2x Stx (VB/B) machen musste und Kollegen ohne Stx viel effizienter und zielorientierter arbeiten. Wir brauchen Juristen die mehr als Wortlautanalyse können, praktikable Lösungen finden und sich mit anderen Disziplinen auseinandersetzen.
Ich kann mich meinen Vorrednern daher nur anschließen. Als Beispiel: Wir beschäftigen (in unserer Rechtsabteilung im Konzern - Gehälter zwischen 60k-80k) immer weniger Volljuristen, alldieweil zu teuer, zu unfähig oder sich zu Schade für einfachste Excel-Anwendungen. Bei uns sind sogar die tollsten GK-Kandidaten gescheitert, weil sie geglaubt haben, jetzt mach ich hier mal den faulen Lenz oder einfach total überfordert waren.
29.01.2022, 12:38
(29.01.2022, 12:33)Ahrens schrieb: Nein, das ist normal. Zudem entspricht dieses Notenverständnis gar nicht der Realität bzw. den Bedürfnissen der freien Wirtschaft. Deshalb, lass dich davon nicht beunruhigen.
Klar, gute Note helfen beim Einstieg, aber kein Schwein braucht den "Einheitsjuristen" mit Top-Noten in der freien Wirtschaft. Ziemlich ernüchternd, wenn ich selbst noch 2x Stx (VB/B) machen musste und Kollegen ohne Stx viel effizienter und zielorientierter arbeiten. Wir brauchen Juristen die mehr als Wortlautanalyse können, praktikable Lösungen finden und sich mit anderen Disziplinen auseinandersetzen.
Ich kann mich meinen Vorrednern daher nur anschließen. Als Beispiel: Wir beschäftigen (in unserer Rechtsabteilung im Konzern - Gehälter zwischen 60k-80k) immer weniger Volljuristen, alldieweil zu teuer, zu unfähig oder sich zu Schade für einfachste Excel-Anwendungen. Bei uns sind sogar die tollsten GK-Kandidaten gescheitert, weil sie geglaubt haben, jetzt mach ich hier mal den faulen Lenz oder einfach total überfordert waren.
Was nehmt ihr denn? Wirtschaftsjuristen oder wird Outsourcing betrieben? Weil im Unternehmen sind komplexe Fragestellungen ja dann doch relativ häufig an der Tagesordnung, sei es im Kartell-/Wettbewerbsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht oder im Vertriebsrecht
29.01.2022, 12:48
(29.01.2022, 12:38)Gast schrieb:(29.01.2022, 12:33)Ahrens schrieb: Nein, das ist normal. Zudem entspricht dieses Notenverständnis gar nicht der Realität bzw. den Bedürfnissen der freien Wirtschaft. Deshalb, lass dich davon nicht beunruhigen.
Klar, gute Note helfen beim Einstieg, aber kein Schwein braucht den "Einheitsjuristen" mit Top-Noten in der freien Wirtschaft. Ziemlich ernüchternd, wenn ich selbst noch 2x Stx (VB/B) machen musste und Kollegen ohne Stx viel effizienter und zielorientierter arbeiten. Wir brauchen Juristen die mehr als Wortlautanalyse können, praktikable Lösungen finden und sich mit anderen Disziplinen auseinandersetzen.
Ich kann mich meinen Vorrednern daher nur anschließen. Als Beispiel: Wir beschäftigen (in unserer Rechtsabteilung im Konzern - Gehälter zwischen 60k-80k) immer weniger Volljuristen, alldieweil zu teuer, zu unfähig oder sich zu Schade für einfachste Excel-Anwendungen. Bei uns sind sogar die tollsten GK-Kandidaten gescheitert, weil sie geglaubt haben, jetzt mach ich hier mal den faulen Lenz oder einfach total überfordert waren.
Was nehmt ihr denn? Wirtschaftsjuristen oder wird Outsourcing betrieben? Weil im Unternehmen sind komplexe Fragestellungen ja dann doch relativ häufig an der Tagesordnung, sei es im Kartell-/Wettbewerbsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht oder im Vertriebsrecht
Letztlich eine Mischung aus allem. Kartell/WettbewerbR machen tatsächlich noch hauptsächlich Volljuristen, like me. Als ich angefangen habe, waren es nur Volljuristen. Mittlerweile Pari/Pari. Viele Compliance Fragen (Datenschutz), aber auch VertragsR; insbesondere wenn es in die Umsetzung und der Erstellung von Konzepten geht, läuft an die InfoRechtler oder Wirtschaftsrechtler.











