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Psychisch am Ende - Abbrechen?
Gast
Unregistered
 
#11
26.01.2022, 00:59
Zitat:Psychotherapie wird immer noch als Makel gesehen, was total bescheuert ist. Wenn man körperlich krank ist, geht man zum Arzt. Genau so normal sollte es auch mit der Psychotherapie sein.

Da körperliche Leiden einer Verbeamtung entgegenstehen können, ist es nur konsequent, wenn dies auch für psychologische Leiden gilt. Beides kann dich dienstunfähig machen. Und beides muss das nicht zwingend tun.

Zitat:Du könntest es aber - je nach finanzieller Lage - selbst zahlen.

Und musst es bei der Verbeamtung dann genau so angeben wie eine Therpaie auf Kosten der Krankenkasse...

Zitat:eine Verbeamtung ist nicht das wichtigste. Kümmer dich um deine mentale Gesundheit.


Da stimme ich zu. Deine mentale Gesundheit kann als nächstes noch ganz anderes Lebensbereiche in Mitleidenschaft ziehen. Komme dem besser zuvor. Lieber ein Mail zu oft ein ganz unverbindliches Erstgespräch in Anspruch nehmen als ein Mal zu wenig. In einem ersten Schritt sollst du ja nur genau das machen: ein Erstgespräch wahrnehmen.


Zitat:Kann das für die Zukunft negative Folgen haben (zB bzgl. einer Verbeamtung), wenn man psychologische Hilfe in Anspruch nimmt?

Da bin ich kein Experte für. Hier im Forum findet man dazu einige Infos (keine Ahnung, wie belastbar die sind). Was ich so aufgeschnappt habe und auch für plausibel halte: Es kommt sehr darauf an, WIESO du die Hilfe in Anspruch genommen hast und wie es danach weitergegangen ist.

Etwas makaber: Was sich ganz sicher schlecht auf eine Verbeamtung (im höheren Dienst) auswirkt ist ein fehlendes zweites Examen.

In einem Jahr kannst du es schon hinter dir haben. Mit therapeutischem Rat und einem VB im ersten Examen dürfte dir das alles gut gelingen. Der therapeute Rat hilft dann aber auch über das Examen hinaus und berhindert Entwicklungen, die ebenfalls weit über das Examen hinaus reichen könnten.

Ich wünsche dir auch alles Gute.
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Gast9872
Unregistered
 
#12
26.01.2022, 13:20
Danke für den ganzen Zuspruch und die hilfreichen Tipps!  Smile Ich habe soeben einen Termin für ein Erstberatungsgespräch ausgemacht.
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Gast
Unregistered
 
#13
27.01.2022, 00:34
Hey, mir geht es da sehr ähnlich wie dir. Studium war in Ordnung, bin am Ende knapp an den 9 Pkt. gescheitert. 
Das Ref finde ich wirklich mit jeder Woche ätzender und denke mehrmals am Tag daran, es hinzuschmeißen. Wie du bin ich mir mittlerweile sicher, dass ich keinen klassisch juristischen Beruf möchte. Ich wäre mit einer einfachen, nicht anspruchsvollen Stelle mit regulären Arbeitszeiten und durchschnittlicher Bezahlung zufrieden. 

Ich mache mir Sorgen dass ich einen Abbruch bereuen würde, weswegen ich mich durchquäle. Auch viele der nicht klassisch juristischen Jobs in Behörden oder Unternehmen verlangen ein zweites Staatsexamen, leider scheint das erste allein nicht wirklich viel zu bringen. Rein vernünftig gesehen wäre es wohl schlauer sich das restliche Jahr einfach noch zu quälen. Auch ein mittelmäßiges zweites Staatsexamen öffnet einige mehr Türen als nur das erste.

An deiner Stelle würde ich mich psychologisch beraten lassen, eventuell auch schauen was für dich als Jobs mit dem 1. Stex in Frage käme wenn du dich nicht komplett umorientieren willst. Ich wünsche dir sehr dass du den Endspurt noch schaffst. Sollte es deine Psyche allerdings zu stark belasten ist es das auch nicht wert, sodass ich einen Abbruch oder zumindest einen Unterbrechung in Betracht ziehen würde.
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Gast
Unregistered
 
#14
27.01.2022, 09:05
Auch mit dem ersten gibt es wirklich jede Menge Jobs. Man muss nur außerhalb der Kanzleilandschaft schauen.
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Gast_27.01
Unregistered
 
#15
27.01.2022, 21:25
Hallo!

Ich kann Dich total verstehen und finde es gut, dass Du Dir auch Hilfe holen wirst.

Von meiner Seite mal eine andere Perspektive: Ich hatte im 1. Examen auch eine zweistellige Punktzahl, war allerdings nach der Examensvorbereitung total erschöpft und mich hat das ganze "Jurauniversum" total angenervt und angewidert. Ich wollte schlicht einfach raus. Deshalb habe ich mich nach Jobs umgeschaut, die man mit einem Examen machen kann. Schlussendlich habe ich 1,5 Jahre für eine NGO gearbeitet, danach bin ich in den öffentlichen Dienst in die Landesverwaltung und habe dort ein paar Jahre auf verschiedenen Stellen gearbeitet.

Die Zeit war wirklich nicht schlecht, man hat geregelte Arbeitszeiten, kann um 15:30 Uhr nach Hause und die Verantwortung war auch nicht so super hoch. Ich hätte dort auch eine Beamtenstelle im gehobenen Dienst haben können. Ich habe mich immer mal wieder nach Jobs umgeschaut und hätte auch verschiedene Stellen haben können, die ich dann abgelehnt habe, z.B. eine Stelle bei einem juristischen Verlag, eine Stelle in der Personalabteilung einer Großkanzlei oder eine Stelle im Justiziariat einer Uni. Natürlich sind das dann Stellen, die geringer vergütet werden als solche, die ein 2. Examen erfordern.

Nach einer gewissen Zeit hatte ich zunehmend das Gefühl, dass noch "mehr drin" ist. Man wird halt täglich damit konfrontiert, dass Leute auf besser bezahlten Posten sitzen und die spannenderen Tätigkeiten machen, schlicht weil sie die zwei Jahre noch durchgezogen haben. Mit einem Examen sind die Entwicklungsmöglichkeiten halt doch begrenzt und man wird bei jeder Bewerbung nach dem "Warum kein 2. Examen?" gefragt. Und die Gefahr ist natürlich, dass man es irgendwann bereut und nach zig Jahren macht man dann wohl auch kein Ref mehr .. nach einigem Überlegen habe ich mich schließlich dazu entschlossen, das Ref doch noch zu machen und nun stehe ich vor dem 2. Examen und bereue es auch nicht.

Ich hoffe, Dir damit ein bisschen geholfen zu haben. Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute!
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Gast
Unregistered
 
#16
28.01.2022, 23:11
Ich habe mit dem ersten eine Stelle im höheren Dienst bekommen und dann mit dem Ref aufgehört. Ist die Standardeinstufung, die man auch als Volljurist bekommt. Solche Stellen für Diplomjuristen gibt es gar nicht mal so selten. Ansonsten bleibt natürlich noch Wirtschaft. Banken und Versicherungen nehmen dich gerne. Gut sind z.B. Traineestellen, um ein bisschen außerjuristische Praxiserfahrung zu bekommen. Arbeitsagentur, Post oder Unternehmensberatungen sind auch häufige Arbeitgeber. Du musst dir halt was suchen wo du nicht in direkter Konkurrenz zu (Voll-)Juristen stehst und am besten auch nicht direkt in einer Rechtsabteilung. Dann ist (finanziell) oft mehr drin als bei dem durchschnittlichen angestellten Anwalt.
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