24.03.2021, 14:22
Hallo,
ich habe vor Kurzem das 2. StEx mit 8 Punkten bestanden. Leider reicht es zur Zeit nicht für die Justiz. Ich bin am überlegen, ob ich als Überbrückung promovieren oder als Anwalt den Berufseinstieg wagen sollte. Ich weiß, dass die Promotion gehaltstechnich bei der Justiz nichts nützt.
Denkt ihr, dass es trotzdem positiv aufgenommen wird, wenn ich mich nach einigen Jahren dort bewerbe? Oder ist der Justiz die Berufserfahrung als Anwalt wichtiger? Habt ihr dazu vielleicht Infos?
ich habe vor Kurzem das 2. StEx mit 8 Punkten bestanden. Leider reicht es zur Zeit nicht für die Justiz. Ich bin am überlegen, ob ich als Überbrückung promovieren oder als Anwalt den Berufseinstieg wagen sollte. Ich weiß, dass die Promotion gehaltstechnich bei der Justiz nichts nützt.
Denkt ihr, dass es trotzdem positiv aufgenommen wird, wenn ich mich nach einigen Jahren dort bewerbe? Oder ist der Justiz die Berufserfahrung als Anwalt wichtiger? Habt ihr dazu vielleicht Infos?
24.03.2021, 14:40
Es gibt Länder, da steht auf der HP explizit, dass Berufserfahrung positiv ist, allerdings nicht ausreichende Noten nicht kompensieren kann. D.h. 1-2 Jahre Erfahrungen sorgen nicht dafür, dass 8 Punkte plötzlich reichen. Aber wenn es punktemäßig passt, wird die Erfahrung durchaus positiv gewertet. Andere Länder haben in der Kommission durchaus Leute, die es negativ auslegen, wenn jemand nicht direkt in die Justiz wollte. Einem Freund wurde der Wechsel GK-Justiz nach ein paar Jahren nicht ermöglicht, weil man den Weg 2-3 Jahre viel Geld und dann Justiz nicht gut fand. Da wurde im Gespräch sehr deutlich gemacht, dass man die Überzeugung für die Justiz anzweifelt, wenn man erstmal wegen der Kohle die GK wählt.
Wenn Du tatsächlich ca. 8,0 hast, wirst Du Dich ohnehin auf eine sehr lange Wartezeit einstellen müssen bzw. es bleibt abzuwarten, ob das nach Corona zeitnah tatsächlich wieder soweit runter geht. Das bleibt abzuwarten und ich bezweifle das ehrlich gesagt, zumindest für die nächsten 1-3 Jahre. Insoweit kommst Du um einen Job nicht drum herum. Du könntest natürlich Vollzeit promovieren, aber hast Du überhaupt schon eine entsprechende Zusage bzw. ist Dein erstes Examen so, dass es sicher klappt? Zweimal 8 Punkte ist möglich, aber auch eher schwierig und sollte nicht als selbstverständliche Option angenommen werden. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir allerdings zusätzliche Berufserfahrung nur ans Herz legen. Ich habe Vollzeit ohne Job an der Diss geschrieben und im Nachhinein die fehlende Berufserfahrung bedauert.
Wenn Du tatsächlich ca. 8,0 hast, wirst Du Dich ohnehin auf eine sehr lange Wartezeit einstellen müssen bzw. es bleibt abzuwarten, ob das nach Corona zeitnah tatsächlich wieder soweit runter geht. Das bleibt abzuwarten und ich bezweifle das ehrlich gesagt, zumindest für die nächsten 1-3 Jahre. Insoweit kommst Du um einen Job nicht drum herum. Du könntest natürlich Vollzeit promovieren, aber hast Du überhaupt schon eine entsprechende Zusage bzw. ist Dein erstes Examen so, dass es sicher klappt? Zweimal 8 Punkte ist möglich, aber auch eher schwierig und sollte nicht als selbstverständliche Option angenommen werden. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir allerdings zusätzliche Berufserfahrung nur ans Herz legen. Ich habe Vollzeit ohne Job an der Diss geschrieben und im Nachhinein die fehlende Berufserfahrung bedauert.
24.03.2021, 15:45
Vielen Dank für deine Antwort!
Ohne Job promovieren kann ich mir nicht leisten. Entweder würde eine Stelle am Lehrstuhl des DV oder nebenbei eine WisMitStelle in einer Kanzlei in Betracht kommen. Im 1. StEx habe ich VB.
Ich will es unbedingt zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei der Justiz probieren. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Notenanforderungen nicht angehoben werden.
Ohne Job promovieren kann ich mir nicht leisten. Entweder würde eine Stelle am Lehrstuhl des DV oder nebenbei eine WisMitStelle in einer Kanzlei in Betracht kommen. Im 1. StEx habe ich VB.
Ich will es unbedingt zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei der Justiz probieren. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Notenanforderungen nicht angehoben werden.
24.03.2021, 15:48
Wenn du dir die Frage bereits stellst, würde ich zur Arbeit als Anwalt raten. Promovieren lohnt sich rein rechnerisch eigentlich nie, sondern man macht es, weil man Bock auf die Dissertation hat (oder von mir aus den Titel). Wäre ich damals zwei Jahre früher eingestiegen, hätte sich das finanziell mehr ausgezahlt als der Dr. Trotzdem wollte ich es machen und bereue es nicht.
24.03.2021, 16:11
(24.03.2021, 15:45)Gast schrieb: Vielen Dank für deine Antwort!
Ohne Job promovieren kann ich mir nicht leisten. Entweder würde eine Stelle am Lehrstuhl des DV oder nebenbei eine WisMitStelle in einer Kanzlei in Betracht kommen. Im 1. StEx habe ich VB.
Ich will es unbedingt zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei der Justiz probieren. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Notenanforderungen nicht angehoben werden.
Das klingt doch schon mal vielversprechend, sodass Du jedenfalls die Chance hast zu promovieren. Dann daneben zu arbeiten ist, wie gesagt, auch ohne Geldnot sinnvoll.
Die Notenanforderungen werden sicher nicht offiziell angehoben und das wurden sie auch 2020 nicht. Nur hilft das Erreichen von 8, 3 Punkten nicht, selbst wenn die Grenze bei 7,76 NRW oder 8 liegt, wenn 80-90% der Bewerber zwischen 8,8-9,9 Punkten haben. Da ist eben so viel Auswahl an den eigentlich gewünschten Prädikatlern oder solchen, die es nur knapp verfehlt haben, dass man die anderen nicht mehr berücksichtigen muss. Auch wenn sie die auf dem Papier festgelegte Grenze überschritten haben. Da hilft nur warten, auch wenn es im Zweifel ein paar Jahre dauert. Aber eine Glaskugel hat keiner, vielleicht geht es ja nächstes Jahr schon wieder abwärts.
Viel Erfolg!
24.03.2021, 16:18
Also wenn es um das "rauskommen" und nicht nur im Bürü rumgammeln geht, ist Anwalt in ner kleinen Kanzlei wohl der abwechslungsreichste Job. AUch hier kann man juristisch hochwertig arbeiten (muss es aber nicht um Geld zu verdienen). Dadurch dass man neue Mandanten ranholen muss, kommt man zwangsläufig mit Menschen in Berührung. Am Anfang ist das erstmal nicht so häufig, später dafür dann häufiger.
Klar wird man am Anfang erstmal nicht das große Gehalt an Land ziehen, aber wenn man gut verhandelt kann man auch in kleinen Einheiten ein solides Gehalt (50 - 60 K sind sicherlich möglich) erzielen. Arbeitszeiten hängen primär von einem selbst ab, je nach dem wie man seine Sachen bearbeitet, braucht man eben mehr oder weniger Zeit. Das Gehalt steigert sich mit den Jahren, sodass man früher oder später ein gutes Gehalt mit guten Arbeitszeiten hat.
Und ich kenne ehrlich gesagt keinen der in einer kleinen Kanzlei ist, der Arbeitszeiten wie in einer GK hat und erst Recht keinen der solche Arbeitszeiten hat und nicht gut verdient.
Letztlich ist Geld auch nicht alles...
Klar wird man am Anfang erstmal nicht das große Gehalt an Land ziehen, aber wenn man gut verhandelt kann man auch in kleinen Einheiten ein solides Gehalt (50 - 60 K sind sicherlich möglich) erzielen. Arbeitszeiten hängen primär von einem selbst ab, je nach dem wie man seine Sachen bearbeitet, braucht man eben mehr oder weniger Zeit. Das Gehalt steigert sich mit den Jahren, sodass man früher oder später ein gutes Gehalt mit guten Arbeitszeiten hat.
Und ich kenne ehrlich gesagt keinen der in einer kleinen Kanzlei ist, der Arbeitszeiten wie in einer GK hat und erst Recht keinen der solche Arbeitszeiten hat und nicht gut verdient.
Letztlich ist Geld auch nicht alles...
24.03.2021, 17:09
(24.03.2021, 15:48)Gasto schrieb: Wenn du dir die Frage bereits stellst, würde ich zur Arbeit als Anwalt raten. Promovieren lohnt sich rein rechnerisch eigentlich nie, sondern man macht es, weil man Bock auf die Dissertation hat (oder von mir aus den Titel). Wäre ich damals zwei Jahre früher eingestiegen, hätte sich das finanziell mehr ausgezahlt als der Dr. Trotzdem wollte ich es machen und bereue es nicht.
+1
Zudem bezweifle ich, dass eine Dissertation durchgezogen wird wenn von Anfang an der Wunsch besteht eigl. in die Justiz zu gehen. Die Motivation lässt während einer Promotion erschreckend schnell nach, würde bei der gegebenen Ausgangslage daher eher den Berufseinstieg als Anwalt vorziehen.
24.03.2021, 21:16
Haben wirklich so viele Bundesländer faktisch so hohe Anforderungen für den Einstieg in die Justiz? VB und 8 ist doch weit überdurchschnittlich... Oder ging es hier um ein spezielles Bundesland?
24.03.2021, 22:30
(24.03.2021, 21:16)Gast12345 schrieb: Haben wirklich so viele Bundesländer faktisch so hohe Anforderungen für den Einstieg in die Justiz? VB und 8 ist doch weit überdurchschnittlich... Oder ging es hier um ein spezielles Bundesland?
Kann mir vorstellen, dass die aktuelle Nachfrage wegen Corona noch immer sehr hoch ist; viele Absolventen setzen gerade mehr auf Arbeitsplatzsicherheit. Dies würde vielerorten die hohen Notenanforderungen erklären.









