17.03.2021, 20:38
Guten Abend zusammen,
ich bin nun seit etwa einem Dreivierteljahr als Proberichter in einer Zivilkammer an einem Landgericht.
Langsam bin ich von den ständigen Diesel- und Darlehenswiderrufsangelegenheiten nur noch genervt. Mein Einzelrichterdezernat besteht gefühlt (und vermutlich sogar tatsächlich) zu einem Drittel aus Darlehenswiderruf, einem Drittel Diesel und einem Drittel übrigen Streitigkeiten, wobei von dem letzten Drittel wohl 80 % wiederum Verkehrsunfälle sind. Allein letzte Woche habe ich etwa mehrere Urteile in Darlehensangelegenheiten "zusammengeschustert"... Ich finde meine Tätigkeit inzwischen einfach nur noch frustrierend. Mein Bild von der Justiz (sinnstiftende Tätigkeit) kann ich hier nicht mehr wirklich erkennen.
Da helfen die übrigen Kammersachen dann auch nicht wirklich drüber hinweg: das allermeiste Baurecht, wo die behaupteten Mängel kaum vernünftig vorgetragen werden. Da kann man dann in den Schriftsätzen und Anlagen zwischen Kraut und Rüben selber suchen, was die Parteien eventuell meinen könnten...
Wie gehen die hiesigen Kollegen damit um? Wie kommt ihr damit klar?
ich bin nun seit etwa einem Dreivierteljahr als Proberichter in einer Zivilkammer an einem Landgericht.
Langsam bin ich von den ständigen Diesel- und Darlehenswiderrufsangelegenheiten nur noch genervt. Mein Einzelrichterdezernat besteht gefühlt (und vermutlich sogar tatsächlich) zu einem Drittel aus Darlehenswiderruf, einem Drittel Diesel und einem Drittel übrigen Streitigkeiten, wobei von dem letzten Drittel wohl 80 % wiederum Verkehrsunfälle sind. Allein letzte Woche habe ich etwa mehrere Urteile in Darlehensangelegenheiten "zusammengeschustert"... Ich finde meine Tätigkeit inzwischen einfach nur noch frustrierend. Mein Bild von der Justiz (sinnstiftende Tätigkeit) kann ich hier nicht mehr wirklich erkennen.
Da helfen die übrigen Kammersachen dann auch nicht wirklich drüber hinweg: das allermeiste Baurecht, wo die behaupteten Mängel kaum vernünftig vorgetragen werden. Da kann man dann in den Schriftsätzen und Anlagen zwischen Kraut und Rüben selber suchen, was die Parteien eventuell meinen könnten...
Wie gehen die hiesigen Kollegen damit um? Wie kommt ihr damit klar?
Wer Richter auf Probe bzw. Staatsanwalt werden möchte, sollte sich mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Das Karriere-Dossier ist als Print-Buch sowie als E-Book für alle 16 Bundesländer erhältlich:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
Und zur Vorbereitung auf das alles entscheidende Vorstellungsgespräch sollte man auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben.
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Und zur Vorbereitung auf das alles entscheidende Vorstellungsgespräch sollte man auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben.
17.03.2021, 20:53
(17.03.2021, 20:38)Gast schrieb: Guten Abend zusammen,
ich bin nun seit etwa einem Dreivierteljahr als Proberichter in einer Zivilkammer an einem Landgericht.
Langsam bin ich von den ständigen Diesel- und Darlehenswiderrufsangelegenheiten nur noch genervt. Mein Einzelrichterdezernat besteht gefühlt (und vermutlich sogar tatsächlich) zu einem Drittel aus Darlehenswiderruf, einem Drittel Diesel und einem Drittel übrigen Streitigkeiten, wobei von dem letzten Drittel wohl 80 % wiederum Verkehrsunfälle sind. Allein letzte Woche habe ich etwa mehrere Urteile in Darlehensangelegenheiten "zusammengeschustert"... Ich finde meine Tätigkeit inzwischen einfach nur noch frustrierend. Mein Bild von der Justiz (sinnstiftende Tätigkeit) kann ich hier nicht mehr wirklich erkennen.
Da helfen die übrigen Kammersachen dann auch nicht wirklich drüber hinweg: das allermeiste Baurecht, wo die behaupteten Mängel kaum vernünftig vorgetragen werden. Da kann man dann in den Schriftsätzen und Anlagen zwischen Kraut und Rüben selber suchen, was die Parteien eventuell meinen könnten...
Wie gehen die hiesigen Kollegen damit um? Wie kommt ihr damit klar?
17.03.2021, 20:59
(17.03.2021, 20:38)Gast schrieb: Guten Abend zusammen,
ich bin nun seit etwa einem Dreivierteljahr als Proberichter in einer Zivilkammer an einem Landgericht.
Langsam bin ich von den ständigen Diesel- und Darlehenswiderrufsangelegenheiten nur noch genervt. Mein Einzelrichterdezernat besteht gefühlt (und vermutlich sogar tatsächlich) zu einem Drittel aus Darlehenswiderruf, einem Drittel Diesel und einem Drittel übrigen Streitigkeiten, wobei von dem letzten Drittel wohl 80 % wiederum Verkehrsunfälle sind. Allein letzte Woche habe ich etwa mehrere Urteile in Darlehensangelegenheiten "zusammengeschustert"... Ich finde meine Tätigkeit inzwischen einfach nur noch frustrierend. Mein Bild von der Justiz (sinnstiftende Tätigkeit) kann ich hier nicht mehr wirklich erkennen.
Da helfen die übrigen Kammersachen dann auch nicht wirklich drüber hinweg: das allermeiste Baurecht, wo die behaupteten Mängel kaum vernünftig vorgetragen werden. Da kann man dann in den Schriftsätzen und Anlagen zwischen Kraut und Rüben selber suchen, was die Parteien eventuell meinen könnten...
Wie gehen die hiesigen Kollegen damit um? Wie kommt ihr damit klar?
Geht mir ähnlich, sehe es aber anders. Habe auch ca. 2/3 Darlehen und Diesel. Sehen ich nicht so kritisch, sind schnelle erledigungen, zumal es ziemlich egal ist, was du da vertrittst, geht eh alles zum OLG. Also ruhig Mutig bei den Entscheidungen sein und dir ne klare Linie suchen, vor allem bei diesel, wie du bei welchem Motor mit und ohne Rückruf vorgehst
Ich mache es mittlerweile so, dass ich ein Tag den Monat nur diesel und Darlehen mache, also an dem Tag dann 15 Verhandlungen oder so im 15 Minuten takt. Da hat man dann schonmal 15 erledigungn im Monat und damit den soll schon so gut wie erfüllt.
An den restlichen 3 sitzungstagen im Monat dann jeweils 3 bis 4 normale Sachen. Also relativ entspannt.
Aber mal ne frage: bin auch in ner Kammer mit zuständigkeit für bausachen. Verhandelt ihr Bausachen als Kammer, oder hab ich das falsch verstanden?
17.03.2021, 21:05
Bausachen von irgendwelchen Provinzanwälten die hundert Seiten wahllos irgendwas schreiben und man dann 2 Tage braucht um überhaupt zu verstehen worum es geht sind die schlimmsten Fälle.
Diesel ist zwar monoton aber man kann es wenigsten relativ entspannt abnudeln ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.
Diesel ist zwar monoton aber man kann es wenigsten relativ entspannt abnudeln ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.
17.03.2021, 21:20
(17.03.2021, 21:05)Gast schrieb: Bausachen von irgendwelchen Provinzanwälten die hundert Seiten wahllos irgendwas schreiben und man dann 2 Tage braucht um überhaupt zu verstehen worum es geht sind die schlimmsten Fälle.
Diesel ist zwar monoton aber man kann es wenigsten relativ entspannt abnudeln ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.
Kommst Du echt mit so wenig Leidenschaft für Deine Arbeit zurecht?
17.03.2021, 21:26
Ja, die meisten Bausachen liegen bei uns auf der Kammer.
17.03.2021, 21:35
17.03.2021, 21:38
(17.03.2021, 21:20)Gast schrieb:(17.03.2021, 21:05)Gast schrieb: Bausachen von irgendwelchen Provinzanwälten die hundert Seiten wahllos irgendwas schreiben und man dann 2 Tage braucht um überhaupt zu verstehen worum es geht sind die schlimmsten Fälle.
Diesel ist zwar monoton aber man kann es wenigsten relativ entspannt abnudeln ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.
Kommst Du echt mit so wenig Leidenschaft für Deine Arbeit zurecht?
Mei ich spare mir die Leidenschaft für sinnvolle Verfahren auf. Diesel und wirre Baurechtssachen gehören da halt nicht dazu. Ich kenne aber generell niemanden der leidenschaftlich gerne Diesel macht.
17.03.2021, 21:38
Ich war am LG in einer Großstadt (über 500T Einwohner). Diesel hat allenfalls 10% meiner Verfahren ausgemacht, sicher nicht über 30%...
17.03.2021, 21:38
(17.03.2021, 21:35)Gast schrieb:(17.03.2021, 21:26)Gast schrieb: Ja, die meisten Bausachen liegen bei uns auf der Kammer.
Lol warum? Was bringt das? Bei uns läuft nur über die Kammer, was über die Kammer laufen muss, also arzthaftungsrecht
Wobei selbst Arzthaftungsrecht hier wegen Corona auf den Einzelrichter übertragen wird.










