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  5. Eigentlich sollte ich doch glücklich sein, oder? - Boutique vs. GK
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Eigentlich sollte ich doch glücklich sein, oder? - Boutique vs. GK
Dagobert
Member
***
Beiträge: 56
Themen: 7
Registriert seit: Jun 2021
#11
14.01.2026, 16:17
Ich war 2,5 J. in einer Boutique, Gehalt 140k. All die Jahre hatte ich von so einem Job geträumt, junges Team, leben in der Großstadt, you name it. Ich wollte wirklich immer ganz große Karriere machen.

Doch bereits nach einem Jahr fing ich schon wieder damit an, mir andere Stellen anzuschauen. Ich war derart genervt davon, jeden Tag bis mindestens 22 Uhr zu arbeiten, das glaubst du garnicht. Dazu oft sehr schlecht geschlafen, weil ich einen sehr pingeligen Chef hatte. Man war aber in der Bubble, jeder hat durchgezogen, obwohl viel gejammert wurde. Wenn du mich damals gefragt hättest: Im Ref. war ich glücklicher, obwohl wir kaum Geld hatten. 

Jetzt bin ich Syndikus, Gehalt immer noch sechsstellig, aber deutlich weniger. Jeden Tag um 17 Uhr nach Hause. Ich habe Zeit für die Familie und kann abends abschalten. Aber: es ist eigentlich zu wenig Geld. Ich bin aktuell Alleinverdiener (2 Kinder), es ist schon sehr auf Kante genäht bei uns. Das ist schon belastend. Oft denke ich daran zurück wie es war, als wir so viel Geld hatten. Schöne Familienhotels, nie Angst vor der nächsten großen Rechnung.

Objektiv wird niemals alles passen. Es hilft nur nach innen zu schauen und herauszufinden, wer du bist, was deine Werte sind und was dir im Leben wirklich wichtig ist. Bei mir ist es nunmal die Familie, das Geld kommt danach. Auch wenn es aktuell schwierig ist.
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JurMUC
Member
***
Beiträge: 127
Themen: 1
Registriert seit: May 2022
#12
14.01.2026, 19:59
(14.01.2026, 15:00)Patenter Gast schrieb:  
(14.01.2026, 14:47)Nuwesi schrieb:  Das drückt es wirklich sehr gut aus, danke. Das hilft durchaus, denn ich kann zumindest nicht bestreiten, dass wenn der Fall eintritt in der GK, dass ich bis 22 Uhr sitze, den Laptop im Urlaub dabei habe, ich dann wieder wehmütig zurückdenke an die Boutique. 

Natürlich traue ich mir einiges zu, aber ganz abstreiten kann ich das nicht.

Vermutlich muss ich einfach mehr Wertschätzung aufbringen, für das, was ich habe und weniger scheinbaren Idealen nacheifern.

Du kannst doch demnächst einfach mal spontan Abends ein Treffen mit Freunden absagen und stattdessen am Laptop um 21 Uhr zu irgendwelchen obskuren Verjährungsregeln recherchieren. Dann schreibst du dazu bis 23 Uhr ein Memo, druckst es aus und wirfst es in den Müll. Wenn du danach sagst "Mensch, das hat sich gut angefühlt", dann ab zur GK  Cheese

👌🏼😂
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Nuwesi
Junior Member
**
Beiträge: 4
Themen: 1
Registriert seit: Jan 2026
#13
14.01.2026, 21:39
Es hilft, von euren Erfahrungen zu lesen. Man lernt eben nie aus, in Lebenserfahrung wohl erst recht nicht. 
Prioritätensetzung ist ein gutes Stichwort und dabei auch wirklich in sich Selbst zu gehen.

Zur Verjährungsproblematik, die im Müll landet, muss ich mir vorher aber noch „urgent“ und „immediately” dazu schreiben fũrs volle GK-Erlebnis. 😂
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Egal_
Posting Freak
*****
Beiträge: 1.527
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#14
15.01.2026, 14:50
Ich denke, das geht anfangs vielen so wie dir. Ich bin schon ein paar Jahre länger im Berufsleben und gehöre der Generation Y an, aber auch bei uns war es nicht anders. Schon während des Studiums hatten wir über den Fachschaftsrat und ELSA die Möglichkeit, über Infoabende in Großkanzleien reinzuschnuppern und da waren wir noch nicht einmal sehr weit im Studium. Bereits da wird also Werbung für die GK gemacht. Gefühlt hatte jeder von uns das Ziel, bei einem der großen Namen einzusteigen und wer die Chance trotz guter Noten nicht nutzt, hat sein Potential nicht ausgereizt (so unsere Denkweise damals).
Der Hype um die GK flachte erst ab, je älter wir wurden. Dann ändern sich nämlich die Prioritäten, wie hier schon beschrieben.

Ich weiß nicht, wie alt du bist, aber wenn die GK-Welt dich interessiert, dann nimm die Gelegenheit doch noch wahr. 
Großkanzleien haben viele Nachteile und wirklich grüner ist das Gras dort auch nicht, aber bevor du dich dein Leben lang fragst "was wäre wenn", probiere es doch aus. Zu verlieren hast du nicht viel, denn im Leben wird sich immer wieder eine gute Gelegenheit für dich ergeben.
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JuraHassLiebe
Fullmember
****
Beiträge: 352
Themen: 1
Registriert seit: Jan 2023
#15
15.01.2026, 15:17
(15.01.2026, 14:50)Egal_ schrieb:  Ich denke, das geht anfangs vielen so wie dir. Ich bin schon ein paar Jahre länger im Berufsleben und gehöre der Generation Y an, aber auch bei uns war es nicht anders. Schon während des Studiums hatten wir über den Fachschaftsrat und ELSA die Möglichkeit, über Infoabende in Großkanzleien reinzuschnuppern und da waren wir noch nicht einmal sehr weit im Studium. Bereits da wird also Werbung für die GK gemacht. Gefühlt hatte jeder von uns das Ziel, bei einem der großen Namen einzusteigen und wer die Chance trotz guter Noten nicht nutzt, hat sein Potential nicht ausgereizt (so unsere Denkweise damals).
Der Hype um die GK flachte erst ab, je älter wir wurden. Dann ändern sich nämlich die Prioritäten, wie hier schon beschrieben.

Ich weiß nicht, wie alt du bist, aber wenn die GK-Welt dich interessiert, dann nimm die Gelegenheit doch noch wahr. 
Großkanzleien haben viele Nachteile und wirklich grüner ist das Gras dort auch nicht, aber bevor du dich dein Leben lang fragst "was wäre wenn", probiere es doch aus. Zu verlieren hast du nicht viel, denn im Leben wird sich immer wieder eine gute Gelegenheit für dich ergeben.

+1!
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Bln2024
Member
***
Beiträge: 105
Themen: 4
Registriert seit: Jun 2024
#16
15.01.2026, 16:14
(14.01.2026, 21:39)Nuwesi schrieb:  Es hilft, von euren Erfahrungen zu lesen. Man lernt eben nie aus, in Lebenserfahrung wohl erst recht nicht. 
Prioritätensetzung ist ein gutes Stichwort und dabei auch wirklich in sich Selbst zu gehen.

Zur Verjährungsproblematik, die im Müll landet, muss ich mir vorher aber noch „urgent“ und „immediately” dazu schreiben fũrs volle GK-Erlebnis. 😂
 +, dass dein Ergebnis zu der Arbeit, die um 22:50 Uhr "urgent" und "immediately" war in 50% der Fälle nie wieder angesprochen wird vom jew. Partner...
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Lawliet
Member
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Beiträge: 136
Themen: 2
Registriert seit: Jun 2021
#17
15.01.2026, 17:42
Ich habe damals aus familiären Gründen die Entscheidung getroffen - trotz Angeboten aus den Ref Stationen - nicht in der GK einzusteigen. Und habe in den ersten Jahren immer mal wieder gedacht "hätte ich doch" oder "soll ich noch?", bis ich irgendwann festgestellt habe, dass ich eine romantisierte Vorstellung der Großkanzlei im Kopf hatte. 

Vielleicht war das durch die Stationen geprägt, aber ich dachte, dass ich das gleiche (wie aktuell in der MK) auch weiter machen würde, nur mit mehr Geld, längeren Arbeitszeiten und prestigeträchtigeren Mandaten. Ignoriert habe ich dabei, dass nicht nur die Arbeitszeiten tatsächlich viel länger sind als bisher, sondern man in den ersten Jahren auch nie die wirklich spannende Arbeit macht, sondern immer nur zuarbeitet. Auch habe ich den Druck und die Billingvorgaben ignoriert. 

Die eigentliche Wahrheit: ich war im Studium und im Ref bei sehr guten GK für Praktika und Stationen. Mein Ego hat lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass meine aktuelle Kanzlei nicht das Renommee von Hengeler oder Freshfields hat. Zu oft hat eine Stimme in meinem Kopf gesagt "was denken andere, wenn sie deinen Lebenslauf sehen?"

Für mich klingt es so, als ob du einen sehr guten Job erwischt hast, aber auch dir ein kleines Teufelchen ins Ohr flüstert.
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Ex-GK
Senior Member
****
Beiträge: 340
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#18
16.01.2026, 12:00
Ebenfalls Zustimmung es im Zweifel einfach auszuprobieren, gerade wenn die Lebenssituation es zulässt (später könnte es immer schwieriger werden). Manche sind der Typ für ein langfristiges GK-Leben, andere nicht. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum man in eine GK will, für einige ist es das Interesse am Fach und das in diesem bestimmten Umfeld zu machen, anderen ist das Fachgebiet nicht super wichtig, aber sie mögen das Geld oder finden auch einfach das gefühlte "Prestige" geil. Warum genau Du von immer in eine GK wolltest, weiß ich nicht, aber vielleicht solltest Du Dir diese Frage stellen. Bspw. wollte ich im Studium nie in eine GK, habe es dann im Ref ausprobiert und bin dann zum Berufseinstieg in eine GK gegangen, weil mir der Fachbereich gut gefallen hat (das mache ich bis heute, nur inzwischen Inhouse).

Nur ein Hinweis: die GK-Welt ist eine Bubble. Generell wird im Job wenig über die Schattenseiten gesprochen, in der GK aber noch sehr viel weniger und insbesondere Berufseinsteiger erleben noch nicht die volle Breitseite dessen, was Arbeit in einer GK bedeuten kann. Es hat Gründe, weshalb GKen verhältnismäßig zu anderen Senioritätsstufen viele Abgänge ab Senior Associate-Ebene haben. Gerade die dauernde Erreichbarkeit nehmen einige lediglich in Kauf, weil andere Dinge im Job wichtig sind, daher wirst Du Dich mE fragen müssen, was konkret Du möchtest bzw. warum Dich das mit der GK umtreibt und ob eine GK Dir tatsächlich das geben würde.
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JurMUC
Member
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Beiträge: 127
Themen: 1
Registriert seit: May 2022
#19
16.01.2026, 15:15
(15.01.2026, 16:14)Bln2024 schrieb:  
(14.01.2026, 21:39)Nuwesi schrieb:  Es hilft, von euren Erfahrungen zu lesen. Man lernt eben nie aus, in Lebenserfahrung wohl erst recht nicht. 
Prioritätensetzung ist ein gutes Stichwort und dabei auch wirklich in sich Selbst zu gehen.

Zur Verjährungsproblematik, die im Müll landet, muss ich mir vorher aber noch „urgent“ und „immediately” dazu schreiben fũrs volle GK-Erlebnis. 😂
 +, dass dein Ergebnis zu der Arbeit, die um 22:50 Uhr "urgent" und "immediately" war in 50% der Fälle nie wieder angesprochen wird vom jew. Partner...
ASAP!! Und die Rückfragen des Mandanten kommen 1,5 Wochen später..

Aber hey, für diesen Service zahlen die Mandanten und die Associates bekommen genug Schmerzensgeld.
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medoLAW
Member
***
Beiträge: 70
Themen: 5
Registriert seit: Sep 2023
#20
18.01.2026, 15:48
(14.01.2026, 16:17)Dagobert schrieb:  Ich war 2,5 J. in einer Boutique, Gehalt 140k. All die Jahre hatte ich von so einem Job geträumt, junges Team, leben in der Großstadt, you name it. Ich wollte wirklich immer ganz große Karriere machen.

Doch bereits nach einem Jahr fing ich schon wieder damit an, mir andere Stellen anzuschauen. Ich war derart genervt davon, jeden Tag bis mindestens 22 Uhr zu arbeiten, das glaubst du garnicht. Dazu oft sehr schlecht geschlafen, weil ich einen sehr pingeligen Chef hatte. Man war aber in der Bubble, jeder hat durchgezogen, obwohl viel gejammert wurde. Wenn du mich damals gefragt hättest: Im Ref. war ich glücklicher, obwohl wir kaum Geld hatten. 

Jetzt bin ich Syndikus, Gehalt immer noch sechsstellig, aber deutlich weniger. Jeden Tag um 17 Uhr nach Hause. Ich habe Zeit für die Familie und kann abends abschalten. Aber: es ist eigentlich zu wenig Geld. Ich bin aktuell Alleinverdiener (2 Kinder), es ist schon sehr auf Kante genäht bei uns. Das ist schon belastend. Oft denke ich daran zurück wie es war, als wir so viel Geld hatten. Schöne Familienhotels, nie Angst vor der nächsten großen Rechnung.

Objektiv wird niemals alles passen. Es hilft nur nach innen zu schauen und herauszufinden, wer du bist, was deine Werte sind und was dir im Leben wirklich wichtig ist. Bei mir ist es nunmal die Familie, das Geld kommt danach. Auch wenn es aktuell schwierig ist.

Mich würde da wirklich mal eine Kostenaufstellung bei dir interessieren. Klar Alleinverdiener und zwei Kinder, aber mit 6 stellig Angst vor einer Rechnung zu haben finde ich krass. Ich will das einfach nur nachvollziehen können und nicht absprechen. 

Ich denke da an Ehegattensplitting, Kindergeld, gesetzliche Familienversicherung. Vielleicht lebt man dann bei so viele Köpfen nicht in Saus und Braus, aber Angst ? Oder finanzierst du noch nebenbei Grundeigentum / andere große Anschaffungen ? 🤔
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