23.01.2025, 11:43
Also danke für die Antworten. Natürlich kann niemand es wissen wie es wird. Der Input hat mir aber weiter geholfen. Ich denke es ist auch einfach viel Angst dabei bzgl des Berufsstartes. Ich denke probieren sollte man es mal und wenn es zu viel ist dann schaut man sich halt wieder um.
23.01.2025, 11:49
(23.01.2025, 11:39)kumpelanton schrieb: ganz naiv gefragt: die kanzlei macht doch bereits gewinn, wenn ich das doppelte meines gehalts reinhole - der faktor 3 bis 4 dient dann also dafür, dass die partner sich darüber hinaus bereichern?
Das kommt ganz auf die Kostenquote an, beim doppelten kann es aber knapp werden. Auf dein Gehalt fallen ja bereits knapp 22% Lohnkosten an. Und um 500 Euro mehr im Monat zu verdienen, wird sicherlich kein neuer Anwalt eingestellt.
23.01.2025, 11:50
(23.01.2025, 11:43)mh24 schrieb: Also danke für die Antworten. Natürlich kann niemand es wissen wie es wird. Der Input hat mir aber weiter geholfen. Ich denke es ist auch einfach viel Angst dabei bzgl des Berufsstartes. Ich denke probieren sollte man es mal und wenn es zu viel ist dann schaut man sich halt wieder um.
Eben und dafür ist das Forum ja auch da. :)
24.01.2025, 11:50
(23.01.2025, 11:39)kumpelanton schrieb: ganz naiv gefragt: die kanzlei macht doch bereits gewinn, wenn ich das doppelte meines gehalts reinhole - der faktor 3 bis 4 dient dann also dafür, dass die partner sich darüber hinaus bereichern?Bereichern klingt schon ziemlich vorwurfsvoll 😉 Die Partner der Kanzlei tragen auch das wirtschaftliche Risiko - müssen Mandate beschaffen, Mitarbeiter bezahlen…Dafür dürfen sie sich mE auch an den Mitarbeitern „bereichern“ wie du es ausdrückst.
Es bleibt ja jedem unbelassen selbst in die Selbständigkeit zu gehen. Als Angestellter hat man in der Regel weniger, dann aber auch keinen Stress, wenn man mal selbst krank ist oder die Hälfte der Belegschaft erkrankt oder schwanger wird
15.04.2026, 13:43
Wie war dein Berufsstart? Wie viele Arbeitsstunden hast du jetzt gearbeitet? Glaub, so ganz ohne Zeitangabe sind die meisten Leute verunsichert. Meistens ergibt sich die Arbeitszeit durch die Arbeit, die anfällt und gemacht werden muss
15.04.2026, 14:56
(23.01.2025, 11:39)kumpelanton schrieb: ganz naiv gefragt: die kanzlei macht doch bereits gewinn, wenn ich das doppelte meines gehalts reinhole - der faktor 3 bis 4 dient dann also dafür, dass die partner sich darüber hinaus bereichern?
Naivität trifft es kaum, das grenzt schon an Frechheit oder Dummheit. Ich weiß, der Beitrag ist schon etwas älter, aber habe schon lange nicht mehr so einen Mist gelesen.
Der Kostenfaktor ist nicht lediglich dein Gehalt.
Da kommen zunächst mal Sozialabgaben drauf. Dann brauchst du wahrscheinlich ein Büro (anteilige Mietkosten) und eine gewisse Ausstattung an Hardware (Anschaffungskosten, aber im Regelfall zu vernachlässigen). Nicht zu vernachlässigen sind Software-Lizenzen. Beck-Online kostet bspw. mehrere hundert Euro pro Nutzer im Monat (je nach Modulen).
Gegebenenfalls hast du ein Sekretariat/ReFas, die dich (mit)betreuen und ein Gehalt bekommen (inkl. Sozialabgaben). Gleiches gilt für die Reinigungskräfte, die hinter dir aufräumen. Den Kaffee den du trinkst (zu vernachlässigen) oder den Parkplatz den man für dich anmietet bzw. das Jobticket, das du bekommst.
Plus Kosten für die Kammer, die Haftpflichtversicherung, den Anwaltverein, beA, Reisekosten für Termine, den Betriebsausflug, die Weihnachtsfeier, gemeinsame Mittagessen etc...
Das mag jetzt nicht alles auf jede Kanzlei zutreffen, verdeutlicht aber, dass da noch ein bisschen mehr dahinter steht als das bloße Gehalt.
Falls die Kanzlei keine Mandate rein bekommt, hast du keine Arbeit und kostet nur Geld. Jemand muss also die Mandate akquirieren, die du bearbeitest. Das Risiko der Auslastung trägst sicherlich nicht du, denn du willst dein Gehalt brav ausgezahlt bekommen. Und dich mal einfach kündigen ist arbeitsrechtlich auch nicht drin.
Warum sollte irgendwer das Risiko auf sich nehmen, um am Ende des Jahres 10.000€ mehr Gewinn zu haben, von dem er dann 5.000€ an Steuern wieder abdrücken kann...
15.04.2026, 16:17
ganz genau, selbst wenn der angestellte das zehnfache seines gehalts an umsatz macht, soll er sich dafür bedanken, dass er arbeiten darf. 100.000 € gehalt gibts ab 1.000.000 € umsatz, alles andere ist frech
15.04.2026, 16:33
(15.04.2026, 16:17)kumpelanton schrieb: ganz genau, selbst wenn der angestellte das zehnfache seines gehalts an umsatz macht, soll er sich dafür bedanken, dass er arbeiten darf. 100.000 € gehalt gibts ab 1.000.000 € umsatz, alles andere ist frech
Naja, du hast geschrieben, dass sich die Partner darüber hinaus "bereichern" würden. Das hat schon einen negativen Touch. Als ob es die Aufgabe des Arbeitgebers wäre, Angestellte zum Selbstkostenpreis zu beschäftigen.
Daher, um es mal etwas neutraler zu formulieren: Wenn du nicht den doppelten Umsatz deines Gehalts machst, lohnt sich deine Beschäftigung nicht. Alles was über den doppelten Umsatz hinaus geht, wird zum Gewinn des Partners und ist der eigentliche Grund deiner Beschäftigung - denn man stellt Angestellte an, damit diese Gewinn erwirtschaften. Niemand stellt Leute an, nur damit diese Plus-Minus Null gehen.
15.04.2026, 22:43
(15.04.2026, 16:17)kumpelanton schrieb: ganz genau, selbst wenn der angestellte das zehnfache seines gehalts an umsatz macht, soll er sich dafür bedanken, dass er arbeiten darf. 100.000 € gehalt gibts ab 1.000.000 € umsatz, alles andere ist frech
Gibt ja eine ganz einfache Lösung deines Dilemmas: mach dich selbständig und steck dir die Mio Umsatz in die Tasche..,
Aber bitte bloß nicht auf die Idee kommen, jemanden anzustellen und auszubeuten.
15.04.2026, 23:29
(15.04.2026, 16:17)kumpelanton schrieb: ganz genau, selbst wenn der angestellte das zehnfache seines gehalts an umsatz macht, soll er sich dafür bedanken, dass er arbeiten darf. 100.000 € gehalt gibts ab 1.000.000 € umsatz, alles andere ist frech
Du musst halt mal richtig rechnen. Wenn wir einen Vollzeitanwalt einstellen, dann verdient der wahrscheinlich um die 60k. Das sind dann rund 6k Arbeitgeberbrutto monatlich. Dazu brauchen wir dann eine weitere Refa (bei noch einem weiteren Anwalt dazu würden wir allerdings keine weitere brauchen, dafür ein größeres Büro). Die Refa kostet uns monatlich auch 4-4,5k. Wir sind also alleine wegen der Gehälter bei zusätzlichen Kosten von +10k/Monat. Schreibtische, Stühle, EDV nochmal Einmalkosten von ein paar K. Dazu kommen dann Lizenzen für die RA-Software, beA, Beck, Kammerbeiträge, Fortbildungskosten, etc. Rechne also meinetwegen nur mit 11k zusätzlich pro Monat. Das sind 132k/Jahr, nur damit wir bei 0 rauskommen. Wenn er dann 140k Nettoumsatz direkt in den ersten 12 Monaten garantieren könnte und auch gleichzeitig, dass unsere Umsätze mindestens gleich bleiben - dann wären wir wahrscheinlich sogar mit der Relation von Gehalt zu Umsatz zufrieden.
Das kann aber keiner garantieren. Wir gehen also auch ein finanzielles Risiko ein mit der Anstellung. Dazu haben wir das Akquiserisiko. Und auch das Risiko den Kollegen bei Krankheit weiterhin bezahlen zu müssen. Oder dass wir ihn einarbeiten und er aus Gründen, die nichts mit uns zu tun haben, kurzfristig kündigt und wir auf einmal noch überlasteter sind, als jetzt schon und noch die Refa zusätzlich haben, die wir aus menschlichen Gründen auch nicht einfach wieder kündigen wollen. Und wir stellen den Anwalt in unserem Fall auch nicht ein, um ihm alle unsere guten Mandate zu geben, sondern eher um uns zu entlasten, indem er uns die weniger lukrativen Mandate abnimmt.
Daher ist zumindest in unserem Fall ein Umsatz vom dreifachen Gehalt ein guter Richtwert dafür, dass sich eine Einstellung lohnt bzw. für uns überhaupt Sinn macht.
Und zum Bedanken: Zumindest für einen Berufseinsteiger ist es sehr wichtig, vernünftige Berufserfahrung zu bekommen. Ich habe jedenfalls seinerzeit enorm viel gelernt und bin dadurch überhaupt erst bereit für die Selbstständigkeit geworden. Auch der Fachanwalt (nicht der Kurs, sondern die notwendigen Fälle) war sehr wichtig und der wäre alleine sehr schwer zu erreichen gewesen. Es gibt also neben dem Gehalt sehr viel Nutzen, den man aus einer Anstellung zieht. Und dafür darf man auch ein bisschen dankbar sein. Denn der Arbeitgeber könnte auch einfach sagen, er hat keine Lust auf den Stress mit einem Angestellten und bietet keine Stelle an.










