24.11.2020, 14:06
(24.11.2020, 12:45)furor schrieb: Dann haben wir eine Korrelation zwischen Geschlecht und Abschneiden in der Prüfung (oder Gehalt, oder Partnerernennung, etc.), aber noch lange keine Kausalität und schon gar keine Singularkausalität. Sprich, wir wüssten dann, dass bspw. Frauen in Punkt X schlechter abschneiden, als Männer. Was wir nicht wissen ist, ob das daran liegt, dass sie systematisch benachteiligt werden. Es könnte in dem Beispiel mit der mündlichen Prüfung etwa auch daran liegen, dass Männer sich besser verkaufen. Oder an zig anderen Gründen.
Die genannte Studie leidet schon daran, dass ihr keine statistischen Zwillinge zur Verfügung standen. Um diese hat man sich aber nicht ernsthaft bemüht, da es sich nie um eine wissenschaftliche Studie handeln sollte, sondern nur um die statistische Auswertung der Examensergebnisse der vergangenen Jahre. Diese Studie kann (und will) nichts darüber aussagen, dass man aufgrund des eigenen Geschlechts oder dem der Prüfer bessere oder schlechtere Chancen hätte.
Dazu hätte man zunächst dieselbe Frau von einer rein-männlichen, einer rein-weiblichen und dann von einer Vergleichskommission prüfen lassen müssen (und all das dann auch noch mit einem Mann), was aber nicht gemacht wurde. Und dabei hätten diese Frau und dieser Mann auch immer dieselbe "Show" abliefern müssen, was auch nicht sichergestellt war. Dann hätte man anhand der Ergebnisse Indizen (aber immer noch keine Nachweise und schon gar keine Erklärungen) dafür erhalten können, dass die Geschlechterkonstellation innerhalb der Kommission und/oder der Bezug zu meinem eigenen Geschlecht einen Einfluss auf mein Ergebnis haben kann. Wie gesagt, war das aber nicht der Fall.
Will man konkret die Benachteiligung von Frauen überprüfen, müsste man ferner zwei wirklich gleichstarke (und wie bemisst man das nun?) Kandiaten verschiedenen Geschlechts die gleiche Show vor den unterschiedlich besetzten Kommissionen abliefern lassen müssen. Wurde natürlich auch nicht gemacht. Im Übrigen: siehe oben.
Hinzu kommen weitere Faktoren, über die jeweils eine Vergleichbarkeit und ein Ausschluss von Störfaktoren hätte sichergestellt werden müssen, von deren Beschreibung ich jetzt hier absehe. Das Fehlen kann man dieser Studie nicht vorwerfen. Nur beschränkt es ihre Aussagekraft. Sie weist nichtmals belastbar irgendwelche Auffälligkeiten nach. Und selbst wenn sie das tun würde, würde sie noch immer keine Erklärung für diese Auffälligkeiten liefern. Diese Studie kann also aus methodischen Gründen keinen Beweis für irgendwas liefern. Wer sie dennoch als Beleg anführen möchte, der gibt damit zu verstehen, dass er sich um Methodik und damit um die Belastbarkeit von Behauptungen über Fakten nicht wirklich schert. Eine Kapitulationserklärung in einer (dann leider nicht mehr) konstruktiven Diskussion.
Wer hier bei Spiegel Online den unprofessionellen Bericht über diese Studie liest und sofort einen wissenschaftlichen Beleg für die benachteiligung von Frauen in Examensprüfungen glaub erkannt zu haben, dem ist nicht mehr zu helfen.
Ein Erklärungsansatz für (noch nicht nachgewiesene) Auffälligkeiten bei der Bewertung von Frauen in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der Kommission wurde damals tatsächlich geliefert. Sogar von einem der Studienautoren selber diskutiert. Man hielt es für plausibel, dass Frauen tatsächlich schlechter performen, sobald eine Kommission rein-männlich ist. Das sollte mit irgendwelchen psychologischen Reflexen erklärt werden. Würden die Erklärungen am Ende tatsächlich in der Person der Kandidatinnen zu finden sein, wären das schlechtere Abschneiden von Frauen vor Männergruppen aber tatsächlich nicht mit "konservativen Strukturen" zu erklären, sondern mit diesen Frauen selbst. Das wäre eine bedeutungsvolle Erkenntnis, denn man müsste doch befürchten, dass sich dieses psychologische Phänomen der Schlechtperformance wiederholen wird, sobald mal ein Gericht durchgehend männlich besetzt ist oder ähnliches.
Wer so besorgt ist um geschlechtsbezogene Diskriminierung in dem Examen, der müsste eine ernsthafte Studie im Übrigen auch auf die schriftliche Prüfung ausweiten. Anhand der Handschrift kann man, wie jeder mit Korrekturerfahrung weiß, in 95% der Fälle genau sagen, ob Kandidat XY nun männlich oder weiblich ist. Die Fans dieser Studie gehen von der erschreckenden Fehlannahme aus, dass die schriftlichen Prüfungen geschlechtsneutral seien und den eigentlichen Leistungsstand der (gleichstarken) Männer und Frauen wiedergeben würden, bis die Frauen dann gegenüber den (gleichstarken) Männern in der Mündlichen (wo vermeintlich erstmals das Geschlecht zu Tage tritt) zu Unrecht runterbewertet werden. Genau so gut könnte man aber postulieren wollen, dass die Mündliche den eigentlichen Leistungsstand wiedergibt und unter den dort gleich gut abschneidenden Kandidaten die Frauen nur deshalb mehr Punkte im Schriftlichen hatten, weil deren Handschrift schöner war, während die Männer im Schriftlichen von der ultra-feministischen Staatsanwälti nich nur für ihre Sauklaue, sondern auch für ihr Y-Chromosom abgestraft werden sollten.
Mit dieser Beliebigkeit lassen sich ganz verschiedene Ergebnisse herbeizaubern. Statistisch belastbar sind diese Ergebnisse alle nicht. Nur manche davon passen ebenhalt besser in den Zeitgeist oder auch nur in eine bestimmte Diskussion, andere ebenhalt nicht...
Ganz nebenbei: Selbst wenn eine solche Benachteiligung in der Examensprüfung nachgewiesen wäre, wäre damit noch immer nichts über die Partnerernennung, eine in keinster Weise vergleichbare Situation, gesagt. Daher verstehe ich auch nicht so wirklich, warum hier diese Examensstudie ins Spiel gebracht wurde.
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