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Das zweite Examen ist Quatsch
Gast
Unregistered
 
#25
10.11.2020, 19:36
(10.11.2020, 18:47)furor schrieb:  
(10.11.2020, 15:53)Gast schrieb:  
(09.11.2020, 15:05)Gast schrieb:  Ganz einfach: BEIDE Examen sind absoluter QUATSCH!!

AMEN! 

Ich hab mein Examen und fühle mich null vorbereitet für meine Arbeit als Anwältin. Außerdem wäre es auch mal nötig zum Beispiel Anti-Rassismus Trainings und auch Qualifikationen zu vermitteln als das unsinnige Auswendiglernen von Dingen, die man im Berufsleben nicht braucht oder nicht auswendig können muss

Und inwiefern würden Anti-Rassismus Trainings zu besserer juristischer Qualifikation oder Vorbereitung auf den Anwaltsberuf beitragen? Wenn du auswendig gelernt hast, hast du halt falsch gelernt oder es fehlte an Grundverständnis. 
Es ist schon richtig, es ließe sich an Studium, Referendariat und Examina vieles verbessern, insbesondere mit Blick auf die Praxis. Aber das ist kein juraexklusives Problem. Jeder Berufsanfänger in jedem Bereich ist erstmal grün und muss eingearbeitet werden.
Also dass wer auswendig gelernt hat, falsch gelernt hat im Ersten Examen ist ja wohl Quatsch. Vieles MUSS man auswendig lernen, weil es sich eben nicht aus der Norm herleiten lässt. Ob man sich das dann während des Studiums einfach so merken kann oder am Ende stumpf auswendig lernt, ist eine Typfrage. Genauso wie manche sich im Zweiten Examen den Urteilsaufbau auf Karteikarten schreiben mussten, während andere nach dem 3. Urteil einfach drin hatten, wie es geht.
Und ein Anti-Rassismuss-Training oder generell Awareness-Trainings bereiten einen dahingehend auf die Anwaltstätigkeit vor, dass man sich der teilweise versteckten Benachteiligungen von PoC oder sonstigen marginalisierten Gruppen bewusst wird, um das in seine Arbeit aufzunehmen. Oder wenn Du was konkretes brauchst: Um nicht nach dem AGG verklagt zu werden.

Es gibt dennoch bessere Beispiele für das Versagen der Ausbildung: Von Klausuren mit der Hand schreiben müssen (jemand mal ne handschriftlich verfasste Klage eingereicht?), über ohne einmal vor Gruppen sprechen zu müssen bis ins Examen kommen (rhetorische Fähigkeiten dürften so ziemlich das wichtigste Soft-Skill eines Anwalts sein) bis zur völligen Unfähigkeiten, juristischen Laien rechtliche Zusammenhänge verständlich zu machen ("Das Problem ist, dass die Gegenseite für ihre Bösgläubigkeit hinreichend Beweis angeboten hat") läuft die juristische Ausbildung halt völlig am Leben vorbei. Da kann man sich noch so oft auf den Lorbeeren ausruhen, dass die deutsche Juristenausbildung weltweit führend sei (was sie war, als sie eingeführt wurde....1869(!)). Heute ist sie völlig aus der Zeit gefallen. 

Juristen "organisieren" die Gesellschaft, unser Berufszweig ist in allen drei öffentlichen Gewalten der mit Abstand am häufigsten vertretene. Trotzdem ist die Ausbildung von Anfang an nur darauf ausgelegt, möglichst gut Klausuren schreiben zu können, in denen der A dem B eine Hypothek bestellt, welcher dann unerkannt geisteskrank wird und die Hypothek öffentlich beglaubigt an C abtritt, der sie dann an D verkauft. Sowas ist im realen Leben so ca. vier mal vorgekommen, das letzte Mal kurz nach dem Krieg. MUSS der zukünftige Jurist aber können, schließlich hat irgendwann mal irgendwo ein Professor einen schlauen Aufsatz zur forderungsentkleideten Hypothek geschrieben. Dafür zeigen in der Ref-AG vier Leute auf, als gefragt wird, wer für die Todesstrafe sei. Und ein noch wesentlich größerer Teil der Gruppe ist dafür, die Strafen für den Besitz von Kinderpornographie zu erhöhen, weil man damit Täter abschrecken könnte (obwohl die Strafrechtswissenschaft seit Jahrzehnten wei0ß, dass höhere Strafen keinerlei abschreckende Wirkung auf potentielle Täter haben).

Das Problem ist halt, dass am Ende Leute über die Gestaltung der Ausbildung entscheiden, die diese Ausbildung selber überdurchschnittlich gut benotet abgeschnitten haben. Und schon allein deswegen MUSS die Ausbildung so wie sie ist gut sein. Denn sonst wäre ja die Aussagekraft des eigenen Erfolges in Frage gestellt.

Und bevor das jetzt kommt: Ich habe die Ausbildung selber zwar nicht überragend, aber dennoch deutlich überdurchschnittlich abgeschlossen. Taugt trotzdem nicht viel.
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Das zweite Examen ist Quatsch - von Gast - 09.11.2020, 12:55
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