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Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt?
Niedersachsen
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#17
26.09.2020, 19:16
(26.09.2020, 14:48)j T1000 schrieb:  
(26.09.2020, 14:08)Gast schrieb:  Sehe es anders als die meisten hier. Das Problem sind nicht miese Korrektoren oder mangelndes Glück. Das Problem ist, dass die meisten Prüflinge überhaupt nicht sauber argumentieren können. Sofern das Problem überhaupt erkannt wird, beschränkt sich die "Leistung" der meisten schlicht darauf, einen Lösungsweg zu nennen. Argumente fehlen meist völlig. Man lernt aber schon im 1. Semester die juristischen Auslegubgsmethoden. Es kann nicht zu viel verlangt sein, Argumente selbst anhand Sinn und Zweck, Wortlaut und Systematik zu finden. Wer sich abheben will bringt dabei nicht nur Argumente, die für die eigene Lösung sprechen, sondern auch die dagegen und warum diese nicht greifen. Das ist etwas, das, so mein Eindruck aus langjähriger Korrektorentätigkeit, nur bei den wenigsten Prüflingen anzutreffen ist. Und das sind dann auch die, die es in die zweistelligen Punkteränge schaffen. 

Man sieht es auch hier im Forum, dass der RPFlocki hier seine Lösungen wörtlich reingeschrieben hat und alle waren begeistert, was für eine tolle Lösung, liest sich wie vom Bundesverfassungsgericht etc...
Wer aber Erfahrung hat, konnte sofort sehen. Viel zu kurze Lösung, in dem Umfang die relevanten Probleme in der nötigen Ausführlichkeit und Tiefe zu erörtern unmöglich. Und das führt mich am Rande noch zu einem andern Punkt. Das Examen ist dazu da, wie unter Stress eine brauchbare und fundierte Lösung erstellt werden kann. Es geht also vor allem um die Zeit. W


Also beim besten Willen. Dass der Flocki hier seine vollständige Lösung 1zu1 gepostet hat, ist einfach deine Vermutung, zumal Du nicht einmal weißt, wie die jeweilige Klausur bewertet worden ist. 

Ich habe die Klausuren im selben Durchgang zum Teil ähnlich gelöst und bin schriftlich im VB Bereich gelandet und im Zivilrecht nicht gerade knapp zweistellig. Für mich war es der Verbesserungsversuch und in meinem ersten Versuch ist es sehr bescheiden gelaufen. Wirklich etwas anders gemacht habe ich aber nicht. Ich  persönlich finde es schwierig, dass überhaupt Rechtsanwälte korrigieren dürfen. Vor allem weil der Großteil eben dieser Korrektoren keine zwei zweistelligen Examina haben wird (welcher Anwalt mit Topnoten korrigiert bitte im Examen? Eben.) Es ist einfach so. Ein Korrektor mit 2x7 wird bei einer hervorragenden Klausur 9 bis 12 Punkte vergeben, während jemand mit 2x11 oder mehr bei einer richtig guten Klausur auch mal 16 Punkte vergibt. Es sollte Mindestnoten für Korrektoren geben, damit auch das volle Notenspektrum ausgeschöpft wird. Ich bin mir zu 100% sicher, dass in diesem Durchgang meine Klausuren überwiegend von Richtern korrigiert wurden, die eben viel großzügiger bei der Bewertung sind (So meine Erfahrung aus erstem und zweiten Examen mit z.T. 3 Punkten Differenz zwischen den Bewertungen).Dazu kommt noch die Willkür der Gewichtung bei den Formalia etc. Es ist viel zu kurz gegriffen, einfach zu behaupten, der Großteil der Prüflinge könne nicht vernünftig auslegen oder kein ordentliches Deutsch. Ich kenne so viele Leute in Hamburg, die richtig gut sind (VB oder weit zweistellig im ersten Examen) und trotzdem im ausreichenden oder befriedigenden Bereich gelandet sind. Das lag ganz sicher nicht daran, dass die nicht das juristische Handwerkszeug beherrschen oder fürs Erste „gut auswendig gelernt haben“ (die wohl beliebteste Aussage über Leute die im ersten Examen gerockt haben, aber im zweiten auf die Nase gefallen sind).

Deine Aussage ist zwar in der Art und Weise kaum noch an Arroganz zu überbieten, inhaltlich muss ich dir aber (leider) in größerem Umfang Recht geben. Hatte eine Anwältin, als AG Leiterin, die geprüft und korrigiert hat. Menschlich und fachlich war da eigentlich keine Luft mehr nach unten. So jemand hat im Prüfungsbetrieb absolut nichts verloren und ist wohl leider kein Einzelfall. Ob man die Grenze nun bei 2*10 + ziehen muss kann man sicher diskutieren. Ich habe im zweiten Examen auch ein „nur“ einstelliges VB und traue mir schon zu, dass angemessen zu korrigieren, mal abgesehen davon, dass ich mit der Praxis abgeschlossen habe und ich glaube, dass es nicht unbedingt an der Note liegt, sondern eher am Charakter des Korrektors und der hängt nicht unbedingt mit der Note zusammen...
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Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt? - von Gast - 26.09.2020, 11:14
RE: Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt? - von NRW - 26.09.2020, 11:29
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RE: Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt? - von Gast - 26.09.2020, 19:08
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