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Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt?
T1000
Junior Member
**
Beiträge: 17
Themen: 3
Registriert seit: Mar 2020
#15
26.09.2020, 19:05
(26.09.2020, 18:00)Rechtsanwalt schrieb:  
(26.09.2020, 14:48)T1000 schrieb:  Ich  persönlich finde es schwierig, dass überhaupt Rechtsanwälte korrigieren dürfen. Vor allem weil der Großteil eben dieser Korrektoren keine zwei zweistelligen Examina haben wird (welcher Anwalt mit Topnoten korrigiert bitte im Examen? Eben.) 


Na, haben wir heute wieder einen Hubwagen gebraucht, im auf unser hohes Roß zu kommen...?!

Möglicherweise ist das auch ein Grund, weshalb viele (qualifizierte) Kollegen dankend ablehnen, Prüfer zu werden oder schnell wieder aussteigen. Man hat es einfach nicht nötig, sich an Referendaren "abzuarbeiten", die sich für etwas besseres halten, weil sie Referendare sind und die andere Person "nur" Anwalt ist.

Es gibt durchaus Anwälte, die mehr als 20 Punkte aus beiden Examen vorweisen können. Und Richter, die weniger haben... Dürfen die dann korrigieren?

Ich habe einmal einer Referendarin, die diese Einstellung (Naja, Sie sind ja nur Anwalt...) sehr offensiv zur Schau gestellt hat, Kopien meiner Examenszeugnisse vorgelegt. Da war dann plötzlich Ruhe. Meines Wissens (ok, ich weiß es genau...) ist sie dann im Examen (leider) hinter ihrem minderqualifizierten Ausbilder zurückgeblieben. Zu schade...

Ich habe meinen Post bewusst so pauschal und überspitzt formuliert. Und natürlich fällt das in der Anonymität des Internets leicht. Entschuldigung also, wenn mein Beitrag als herablassend empfunden wurde.

Aber genauso ist es doch umgekehrt: Hier wird einfach mal pauschal in den Raum gestellt, dass Referendare sich keine Gedanken darüber machen, wie sie ihre Ergebnisse präsentieren und die einfachsten Dinge (ein Bisschen Auslegung und Arbeit am Sachverhalt) nicht hinbekommen. Dinge die man doch im ersten Semester lernt. Mit anderen Worten: die Referendare sind nach 7 Jahren Ausbildung eigentlich zu blöd um ihre eigenen Schnürsenkel zu binden. Verzogene Schulkinder. Hier wird die Eindringtiefe von LösungsSKIZZEN von Forumsmitgliedern bemängelt, obwohl man die Lösung weder gelesen, noch Kenntnis von der Bewertung hat. „Der erfahrene Prüfer sieht das sofort“. Aha.

Aber wehe es wird andersherum Kritik am Prüfer geübt. Entweder ist man ein arroganter Referendar oder einfach nicht qualifiziert genug. Man ist dem Prüfer ausgesetzt und es gibt kaum Transparenz was die Bewertung oder die Qualifikation von Prüfern angeht. Von Rechtsschutzmöglichkeiten gegen die Korrektur will ich gar nicht erst anfangen. Eine 8 Punkte Bewertung ist doch praktisch kaum angreifbar. Natürlich betrifft die Frage nach der Qualifikation (besser: der besonderen Fähigkeit praxisferne Klausuren innerhalb von 5 Stunden zu lösen) nicht nur Anwälte. Aber rein statistisch ist es doch unwahrscheinlich, dass ein Rechtsanwalt mit zwei zweistelligen Examina im Examen korrigiert. Wann soll dieser denn die Zeit dafür finden? Es geht auch gar nicht darum, dass ein Anwalt mit einem ausreichend im Examen nicht qualifiziert genug ist, Klausuren zu korrigieren. Jeder Anwalt mit zwei Jahren Berufserfahrung steckt - was die praktische Arbeit angeht -wahrscheinlich die meisten noch so guten Referendare in die Tasche. Aber selbst bei kommerziellen Klausurenkursen ist mir aufgefallen, dass bei Klausuren, die von Anwälten korrigiert wurden, einfach bei 10 Punkten Schluss war, während Richter und Staatsanwälte häufig hoch zweistellig vergeben haben. Was ist also der Grund für diese besondere Strenge? Für mich ist das ein normaler psychologischer Effekt. Jemand der 8 Punkte hatte, ist eher zurückhaltend, wenn es darum geht, die doppelte Punktzahl drunter zu schreiben, selbst wenn alles perfekt ist. Ich lasse mich da gerne von Gegenteil überzeugen.

Was mich aber doch brennend interessiert: Wie haben Sie denn die Noten von der Kollegin herausgefunden? Nachdem das Ausbildungsverhältnis für beide Parteien offenbar durch kleine Reibungen und Machtkämpfe geprägt war, wird die Dame Ihnen doch kaum selbst ihre Examensergebnisse mitgeteilt haben.
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Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt? - von Gast - 26.09.2020, 11:14
RE: Argumentation, Sprache und Stil unterschätzt? - von NRW - 26.09.2020, 11:29
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