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  5. "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv?
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"Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv?
Ref0815
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Themen: 1
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#38
24.09.2026, 21:16
(15.09.2026, 19:28)Egal_ schrieb:  
(15.09.2026, 14:10)Freidenkender schrieb:  
(15.09.2026, 13:29)Patenter Gast schrieb:  
(15.09.2026, 13:17)Träumchen schrieb:  
(15.09.2026, 13:00)NRW556 schrieb:  Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.


Wenn ich Jura anfange  und meinen Erwartungshorizont auf 

A. GK Anwalt mit 120k + als First year 

B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit

verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass

 1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.

ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.

Das kann man natürlich so sehen, aber wer hat Jura (in den letzten 20 Jahren) bewusst mit dem Risiko studiert, dass er keinen Job finden oder nur (bald durch KI-ersetzter und ums Überleben kämpfender) FWW-Anwalt wird? Es  sind ja nicht nur die Stellen an der Spitze enger geworden, sondern das zieht sich immer weiter runter. Teilweise fordert der öD teils für e12/13 Stellen mindestens ein VB, FWW Kanzleien mindestens zwei B. 

Es geht ja auch garnicht darum, dass alle zu Freshfields oder zur Berliner Justiz wollten und nichts anderes in Betracht käme. Es sind in kurzer Zeit viele "mittelgute" Stellen weggefallen, die früher von den "mittelguten" Absolventen besetzt wurden (Syndikusanwälte/MK/gehobene FWW/Verbände/hD). Auf die verbleibenden Junior-Stellen bewerben sich jetzt diejenigen, die früher in der GK/Justiz oder den Ministerien eingestiegen wären. Gerade die typischen 2x7-8 Kandidaten müssen jetzt kämpfen und nehmen, was sie kriegen können. Die 2x7 Kandidaten müssen wirklich schauen, dass sie unterkommen. Wenn denen dann ihr ganzes Studium gesagt wurde, dass sie "super Aussichten" hätten (was man als Anfang 20-jähriger glaubt, wenn Herr Prof. das sagt), sind die frustriert.

Im Arbeitsmarkt gibt es einen Schweinezyklus. Vor 20 Jahren hieß es auch schon, dass es das war mit den goldenen Zeiten der Juristen und man unter doppel-vb direkt Taxi fahren darf. Hier ein Text aus 2006! 

"Leugnen ist daher zwecklos: Die Lage für junge Juristen ist ernst. Viele Berufseinsteiger haben es schwer." und auch "Besonders heftig beutelt die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen Berufseinsteiger am unteren Ende der Skala: Sie erhalten keine Festeinstellung, sondern freie Mitarbeit und müssen dann für die soziale Absicherung selbst aufkommen. Hohe Arbeitsbelastung bei niedriger Vergütung - mitunter müssen gleich zwei Jobs für das Auskommen sorgen."

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo...12423.html

Euch steht weiterhin eine Vielfalt an Jobmöglichkeiten offen, man muss sich dafür aber auch entsprechend breit bewerben und suchen. 

Und Profs erzählen natürlich gerne, dass alles wunderbar ist. Das tun sie in den MINT-Berufen auch. Aber als Jurastudent sollte man sich schon klar sein, dass man als leicht überdurchschnittlicher Absolvent eines Massenstudiengangs nun nicht händeringend gesucht wird. Da bringt es auch wenig, auf ein kurzes Zeitfenster nach Corona zu schauen und zu sagen, da war es viel besser. 

Außerdem, wie ich hier immer wieder schreibe, wir sind eine Tier 1/2 Spezialkanzlei und bekommen ca. eine Bewerbung pro Monat (oder weniger). Und da rede ich nicht von doppel-vb, sondern wirklich eine Bewerbung pro Monat. Es kann mir keiner erzählen, dass man sich überall bewirbt und alles abklappert, wenn ich das praktische Gegenbeispiel bei mir im Alltag sehe. Über 100.000 zum Einstieg zahlen wir auch...

Danke! Ich unterschreibe jedes Wort!

Es gab wirklich schon immer das Auf und Ab. Als ich bei der Studienberatung war, hat man mir damals explizit wegen der schlechten Berufsaussichten von Jura abgeraten. Der Studienberater hat original gesagt: "noch so einer der Pflasterstein studieren möchte. Juristen haben nur gute Berufsaussichten mit absoluten Top-Noten und damit meine ich die oberen 5%. Da liegt ihr Abi auch nicht, also warum wollen sie sich das antun?" Als ich fertig war, war der Arbeitsmarkt wirklich noch Mist und der Staatsdienst war sehr attraktiv mit entsprechender Notengrenze. Meine Noten waren nicht gut, dazu noch die falsche Staatsbürgerschaft, so dass ich meinen Weg gehen musste. Daher: die Situation heute ist nicht neu. Viele Juristen im Berufsleben kennen sie. Es ist aber gerade dieser Hype vorbei, den wir vor einiger Zeit hatten

Es gibt aber weiterhin Jobs. Ich selbst habe vor ein paar Wochen gesucht und die Bewerbungslage war recht dünn. Offenbar war die Stelle als Syndikus nicht so interessant. Konnten trotzdem gut besetzen. Es ist eine Berufseinsteigerin mit einem guten Schwerpunkt im Lebenslauf

Auf die Stelle, auf der Anfang September bei uns die neue Kollegin angefangen hat, hatten wir ebenfalls nicht viele Bewerbungen. Ja, die Stelle ist befristet, da bewerben sich nicht unbedingt die Top-Leute, aber ein paar mehr Bewerbungen hatte unsere AL wohl doch erwartet. Wie ich in einem anderen Thread schrieb, ist der Job nicht schlecht und die Perspektive ist insgesamt noch offen. War dann aber offenbar nicht interessant genug für viele Leute. Achja, und die Stelle ist nicht direkt in Hamburg, sondern im Speckgürtel, das scheint für einige offenbar auch ein Ausschlusskriterium zu sein. Viele haben kein Auto, wenn sie in der Großstadt wohnen. Das verstehe ich, aber als ich vor vier Jahren ins Unternehmen eintrat, habe ich mir innerhalb von zwei Wochen einen günstigen Gebrauchtwagen geholt. So richtig verstehen, warum kaum jemand die Stelle wollte, obwohl der Markt so schlecht sein soll, kann ich nicht. Wie ich im anderen Thread schrieb, hat eine Berufseinsteigerin den Job bekommen. Fehlende Berufserfahrung war daher kein Ausschlusskriterium.

Wie du ja schon passenderweise festgestellt hast, haben die wenigsten Bock auf eine befristete Stelle. Und einen "günstigen" Gebrauchtwagen sucht man auf dem aktuellen Markt auch vergeblich. Wer hat schon Lust 10k+ auf einen Schlag für ein Auto rauszuhauen wenn man noch in der Probzeit ist...?
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"Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von HLLM - 13.09.2026, 10:23
RE: "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von Praktiker - 13.09.2026, 10:46
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