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  5. "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv?
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"Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv?
NRW556
Member
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Themen: 1
Registriert seit: Mar 2024
#28
15.09.2026, 13:00
(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb:  
(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb:  
(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:  
(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb:  Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.  Prost
Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.

Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?

Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann. 

Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche. 

Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.

Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.

Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.

Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.

Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).

Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.


Wenn ich Jura anfange  und meinen Erwartungshorizont auf 

A. GK Anwalt mit 120k + als First year 

B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit

verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass

 1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.

ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
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"Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von HLLM - 13.09.2026, 10:23
RE: "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von Praktiker - 13.09.2026, 10:46
RE: "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von Träumchen - 13.09.2026, 11:04
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RE: "Normale" Privatwirtschaft ggü Beamtentum noch kompetitiv? - von advocatus diaboli - 13.09.2026, 14:02
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