21.03.2026, 16:04
Ich bin gerade als Referendar bei der Staatsanwaltschaft und einfach nur noch fertig mit allem.
Geschafft habe ich jetzt, gegen Ende der Station, sage und schreibe eins davon. Und das auch nur, weil ich immer bis tief in die Nacht dran gesessen habe.
Zum Schreiben von Übungsklausuren bin ich bis jetzt quasi gar nicht gekommen. Ich wollte eigentlich 2 pro Woche schreiben, wüsste aber nicht, wo ich diese 10 Stunden pro Woche hernehmen soll. Der menschliche Organismus braucht nunmal 8 Stunden Schlaf am Tag und ich bin da leider keine Ausnahme.
Ich beschäftige mich schon jetzt mehr mit Jura als meiner Meinung nach gut für mich ist. Ich würde gerne auch mal 2-3 Stunden abends zum Abschalten und Netflix schauen oder Lesen haben (von jeglicher Form von Sport habe ich mich eh verabschiedet, weil ich dafür keine Energie mehr habe) und am Wochenende mal einen freien Tag. Pustekuchen. Ich beschäftige mich quasi in jeder Sekunde, in der ich wach bin, mit dieser dämlichen Ausbildung. Ich habe auch das Gefühl, das mich das ziemlich mitnimmt. Ich ertappe mich dabei, dass ich anderen Menschen gar nicht mehr richtig zuhöre, sondern mental schon wieder dabei bin, was ich heute alles noch machen muss und kann in letzter Zeit ein erhöhtes Aufkommen von Flüchtigkeitsfehlern und Konzentrationsschwäche bei mir bemerken.
Wie um alles in der Welt soll man es bitte schaffen, diesen Workload zu stemmen und sich parallel auf das Examen vorzubereiten und ein halbwegs vernünftiges Ergebnis erzielen?
- In der Praxisausbildung bekommt man wöchentlich mehrere Akten mit teils mehreren hundert Blatt, dazu am besten noch Beiakten aus Insolvenzverfahren und Zivilprozessen, Bankunterlagen und was weiß ich nicht was mit der äußerst hilfreichen Handreichung „Hier, schauen Sie mal, was Sie draus machen“. Diese Akten muss man lesen, rechtlich durchdringen und einer praxistauglichen Lösung zuführen. Allein für das Lesen und Verstehen der Akten geht manchmal ein ganzer Arbeitstag drauf, für das Erarbeiten der Lösung ein weiterer. Und das ist schon relativ schnell.
- Man wird zum Sitzungsdienst eingeteilt, der meistens zwischen 3-8 Verfahren umfasst. Diese müssen vorbereitet werden: Man muss die Handakten lesen, sich rechtlich Gedanken über die Fälle machen, sich Strafmaße überlegen. Oft sind Aktendoppel mit ein paar Hundert Blatt dabei, die man dann auch gleich noch mit lesen darf. Das alles muss man mit seinem Ausbilder vorbesprechen, der natürlich vollständige Aktenkenntnis erwartet.
- Dann muss der Sitzungsdienst natürlich auch durchgeführt werden. Dafür darf man dann erstmal teils stundenlang durch das halbe Bundesland gurken. Die Sitzungen können sich je nach Verfahren ewig ziehen, wenn die Beweisaufnahme etwas anderes ergibt als zunächst aus den Akten ersichtlich ist oder wenn Angeklagte sich nicht bequemen zu erscheinen und erst polizeilich vorgeführt werden müssen. Regelmäßig ist man dann erst am späten Nachmittag zu Hause, ohne auch nur Gelegneheit zum Essen gehabt zu haben, da die Verhandlungen natürlich noch mit dem Ausbilder nachbesprochen werden müssen und bei mehreren Verfahren hintereinander ist man oft auch mental so durch, dass man nicht mehr zum Lernen zu gebrauchen ist.
- Hinzu kommt noch die AG, die vor- und nachbereitet werden muss. Wir bekommen regelmäßig Hausaufgaben, die ich meistens zwischen 22 und 23 Uhr am Vortag der AG mehr schlecht als recht erledige, weil ich es vorher schlicht nicht schaffe.
- Man muss sich zusätzlich auch noch auf die AG-Klausuren vorbereiten, die sehr streng und auf Examensniveau bewertet werden. Ein großer Teil der AG schafft regelmäßig die 4 Punkte nicht.
- Man kann deswegen Akten- oder Kurzvorträge halten, um diese schlechten Noten auszugleichen. Diese müssen natürlich zusätzlich noch vorbereitet werden und man muss sich schon anstrengen, um dort eine gute Note zu kriegen.
- Man muss sich natürlich auch noch den Stoff für das Examen an sich erarbeiten, allein die AG reicht da vorne und hinten nicht. Ich wollte in der Station folgende Materialien durcharbeiten und mir Karteikarten daraus erstellen:
- ein Skript zur Staatsanwaltsklausur
- Ein Skript zur Revisionsklausur
- Ein Skript für das materielle Recht
- ein Skript zur Staatsanwaltsklausur
Geschafft habe ich jetzt, gegen Ende der Station, sage und schreibe eins davon. Und das auch nur, weil ich immer bis tief in die Nacht dran gesessen habe.
Zum Schreiben von Übungsklausuren bin ich bis jetzt quasi gar nicht gekommen. Ich wollte eigentlich 2 pro Woche schreiben, wüsste aber nicht, wo ich diese 10 Stunden pro Woche hernehmen soll. Der menschliche Organismus braucht nunmal 8 Stunden Schlaf am Tag und ich bin da leider keine Ausnahme.
Ich beschäftige mich schon jetzt mehr mit Jura als meiner Meinung nach gut für mich ist. Ich würde gerne auch mal 2-3 Stunden abends zum Abschalten und Netflix schauen oder Lesen haben (von jeglicher Form von Sport habe ich mich eh verabschiedet, weil ich dafür keine Energie mehr habe) und am Wochenende mal einen freien Tag. Pustekuchen. Ich beschäftige mich quasi in jeder Sekunde, in der ich wach bin, mit dieser dämlichen Ausbildung. Ich habe auch das Gefühl, das mich das ziemlich mitnimmt. Ich ertappe mich dabei, dass ich anderen Menschen gar nicht mehr richtig zuhöre, sondern mental schon wieder dabei bin, was ich heute alles noch machen muss und kann in letzter Zeit ein erhöhtes Aufkommen von Flüchtigkeitsfehlern und Konzentrationsschwäche bei mir bemerken.
Wie um alles in der Welt soll man es bitte schaffen, diesen Workload zu stemmen und sich parallel auf das Examen vorzubereiten und ein halbwegs vernünftiges Ergebnis erzielen?
Nachrichten in diesem Thema
Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von nasciturus - 21.03.2026, 16:04
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von Zappzarapp - 21.03.2026, 16:59
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von JuraBW2026 - 21.03.2026, 17:43
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von nasciturus - 21.03.2026, 17:51
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von Zappzarapp - 21.03.2026, 19:03
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von JuraBW2026 - 22.03.2026, 10:06
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von FreistaatsKnecht - 21.03.2026, 20:46
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von HAPPY - Gestern, 16:01
RE: Referendariat bringt mich an den Rand des Burnouts - von Sudoku - Vor 6 Stunden


