14.07.2025, 08:19
(13.07.2025, 22:10)Numerius Negidius schrieb: Sachverhalt lesen, sich schnell für eine Lösung entscheiden und danach sofort los schreiben.
Ich habe irgendwann im Ref angefangen, mir die Lösungsskizze zu sparen. Höchstens mal eine Skizze bei Mehrpersonenverhältnissen. Ansonsten einfach loslegen. Angefangen habe ich oft mit dem Entwurf solcher Teile, die eine bestimmte Form brauchen, die man ohne auswendig kennt, wo sich aber nach 4:50 Stunden dumme Fehler einschleichen können (meint u.a.: Urteilsrubrum; Schriftsatzrubrum auch mit den Nebenanträgen wie § 331 III ZPO oder §§ 707, 719 ZPO; Grobgliederung von staatsanwaltlicher Verfügung und Anklageschrift, insb. Abstraktum; Unterschriften etc.)
Die Sachverhalte sind ich in aller Regel überschaubar und das Ergebnis lässt sich (insb. im Zivilrecht) oft klausurtaktisch herleiten oder ergibt sich dann auf dem Weg. Der Rest ist Begründung.
Im Übrigen habe ich trainiert, Klausuren nicht immer nur von vorne runter zu schreiben, sondern flexibel springen zu können, also auch mal zwischendurch den praktischen Entwurf (Verfügung und Anklageschrift oder Verwaltungsbescheid etc.) zu fertigen, die Zulässigkeit am Ende zu schreiben etc. Die einzelnen Teile meiner Klausuren wirkten so oft deutlich ausgeglichener. Dann habe ich halt zur Not mal im materiellrechtlichen Gutachten auf S. 15 einen Problemschwerpunkt nur noch oberflächlich hingerotzt, konnte mich aber darauf verlassen, dass die Teile danach wieder schick aussehen und ich nichts Wichtiges in der Hektik vergessen habe.
Ist aber sicherlich eine eher risikoreiche Vorgehensweise. Dafür hatte ich dicke Zeit, um die für mich leider notwendige tiefgehende Kommentararbeit zu leisten. Stichwort Kommentar: Man sollte ein Gefühl dafür bekommen, in welcher Situation einem welcher Kommentar nützt. Die beiden Strafrechtskommentare sind durch die Bank weg super. Die Kommentare im ÖR empfand ich oft als unnötig dogmatisch schwer beladen, sodass die einen in der Klausursituation eher schadeten als nützten. Beim Grüneberg besteht aufgrund der krassen inhaltlichen Verdichtung die Gefahr, dass man ihn in der Hektik falsch versteht oder falsch abbiegt, weil man meint, die passende Kommentarstelle gefunden zu haben, allerdings unter der falschen Überschrift gesucht hat o.ä. Oft musste ich auch dem Drang widerstehen, etwas im Kommentar nachzuschauen, nur weil ich dachte, dort noch mehr Information zu finden, obwohl ich das Ergebnis mit ziemlich großer Sicherheit wusste. Oft war das dann reine Zeitverschwendung oder hat mich sogar davon abgehalten, mein Ergebnis stärker im Für und Wider zu begründen, anstatt nur das Ergebnis aus dem Kommentar abzuschreiben.
+1, toller Kommentar
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Geschwindigkeit beim Klausuren schreiben verbessern - von Refo - 12.07.2025, 15:40
RE: Geschwindigkeit beim Klausuren schreiben verbessern - von Negatives Tatbestandsmerkmal - 12.07.2025, 15:45
RE: Geschwindigkeit beim Klausuren schreiben verbessern - von ranger - 13.07.2025, 21:44
RE: Geschwindigkeit beim Klausuren schreiben verbessern - von Numerius Negidius - 13.07.2025, 22:10
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RE: Geschwindigkeit beim Klausuren schreiben verbessern - von Refo - 14.07.2025, 09:35