27.01.2025, 14:28
(27.01.2025, 12:39)JuraHassLiebe schrieb:(27.01.2025, 11:18)Freidenkender schrieb:(27.01.2025, 09:31)JuraHassLiebe schrieb:(25.01.2025, 22:17)AvaNika schrieb: Ich bin Richterin und finde einen ganz wesentlichen Unterschied den, dass ich nach meiner Überzeugung arbeiten kann.
Dass ich also nicht eine Seite vertreten muss, die ich nicht überzeugend finde bzw die meiner Ansicht nicht Recht bekommen sollte.
Außerdem macht mir das verhandeln Spaß.
Aber auch das ist Typsache… manche mögen diesen sozialen Aspekt nicht so, sondern wollen einfach juristisch arbeiten. Ich finde das zwischenmenschliche/ psychologische gerade spannend.
Viele andere Aspekte wurden schon genannt…
Ich finde, dass aber genau dies den Reiz an der Anwaltschaft darstellt; Interessenvertreter zu sein. Eine Seite zu haben für die man sich einsetzt, für die man sich bemüht nach besten Willen und Gewissen die Interesse zu wahren.
das kann reizvoll sein, aber man sollte sich die Freiheit lassen und es sich wirtschaftlich leisten können, Mandate auch abzulehnen.
Ich habe als angestellter RA gearbeitet und kann mich an Situationen erinnern, da wollte ich bestimmte Mandate nicht vertreten bzw. manche Strategien vor Gericht fahren, die ich so nicht vertreten konnten. Dem Druck meiner damaligen Chefin habe ich widerstanden und mir dann nach 2 Jahren lieber einen anderen Job gesucht. Als Partner oder selbständiger RA kann man da noch freier sein, aber um jeden Preis wollte ich nicht für die Mandanten kämpfen. Auch ein Grund warum ich z.B. kein Strafrecht gemacht habe.
Ja da hast du Recht und i.d.R. wird man als angestellter Anwalt diese Freiheit nicht haben. Aber das ist der Dienstleistungsbranche im weitesten Sinne inhärent. Ich habe einen Freund der arbeitet bei einer Marketingagentur in Berlin und muss dort Werbung für eine Partei (nicht die AfD) machen, mit dessen Werten er grds. nicht übereinstimmt und es hängt im ebenfalls zum Hals raus, interessiert aber keinen, da die eben Umsatz machen.
Bezüglich Strafverteidigung sehe ich das ganze ein wenig kritisch. Natürlich ist es jedem frei überlassen, aber auch ein Straftäter hat das Recht auf einen fairen Prozess und irgendwer muss sich dem ganzen nunmal annehmen. Überdies gibt es auch in Deutschland nicht allzu oft falsche Anschuldigungen die zu nicht gerechtfertigten Ermittlungsverfahren und möglicherweise sogar einem Prozess führen können. Ich kriege bei dem Thema immer einen Flashback an eine Folge des Irgendwas mit Recht Podcasts, in der ein Partner einer deutschen GK derartig abwertend über das Strafrecht sprach, von wegen "mit diesem Schlag Mensch möchte er gar nichts zu tun haben", dass ich Ihm fast (!) schon wünschte selber mal Opfer einer unbegründeten Anschuldigung zu werden...
Strafverteidiger sind für das Rechtssystem extrem wichtig. Ich ziehe auch vor jedem den Hut der das macht. Ich für meine Person könnte es aber nicht. Ich möchte keinen Sexualstraftäter vertreten, der dann mir vielleicht noch erzählt, dass das Opfer doch selbst schuld ist, ich möchte keinen rechten Schläger vertreten etc. Die Unschuldigen, die durch die Tür kommen sind leider in der Unterzahl, wenn es mal zur Anklage kommt. Strafverteidigerin/Strafverteidiger haben meinen höchsten Respekt, aber es ist eben nicht der Job, den ich machen möchte. Ich wäre auf Grund meiner persönlichen Einstellung zu manchen Sachen auch nicht gut darin
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