18.01.2025, 12:10
Ich kann mich in wesentlichen Punkten Praktiker anschliessen.
Auch ich war längere Zeit in der Justiz und habe dort selbstständiges und strukturiertes Arbeiten und Konzentration auf das Wesentliche ebenso gelernt bzw verbessert wie Entscheidungsfreude und selbstsicheres Auftreten. Als eher introvertierte Persönlichkeit habe ich sogar zunehmend Gefallen daran gefunden, nicht nur im Hintergrund zu werkeln.
Irgendwann hatte ich allerdings das sichere Gefühl, mich in der Justiz weder beruflich noch persönlich weiterentwickeln zu können. An diesem Punkt stehen dort irgendwann viele und müssen sich dann entscheiden, ob ihnen das Erreichte genügt oder ob sie nochmal etwas anderes, meist im Abordnungswege versuchen wollen.
Ich habe mich für eine Abordnung zu einer obersten Bundesbehörde entschieden, die übrigens nicht zwingend in Berlin liegen muss, da gibts ja noch diese andere Stadt im Westen mit Hauptstadtvergangenheit ;-) Was ich dort bislang als absolut wohltuend empfinde, ist die hohe Selbstbestimmtheit in meinem Bereich. Die Richtertätigkeit habe ich dagegen zunehmend als fremdbestimmte Fliessbandarbeit empfunden. Alles was beklagt wird, jeder Mist landet auf meinem Tisch und ich muss es abarbeiten. Wenn man dazu auch noch jeden Tag mit den Folgen eines dysfunktionalen Asylsystems konfrontiert wird, schmälert das ebenfalls die Freude an der eigenen Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Auch ist nach dem Wechsel der Dauerdruck weg, die Gewissheit, dass der Schreibtisch nie leer ist und ältere Verfahren drücken. Und ich kann mir meine Fortbildungen weitestgehende frei aussuchen statt mich bei der chronisch unterfinanzierten Justiz idR erfolglos darum zu bewerben.
Und Wertschätzung? Habe ich in wenigen Wochen in der Verwaltung mehr erfahren als in fast 10 Jahren Justiz. Von den dort eigentlich nicht vorhandenen Entwicklungsperspektiven (R2 ist für mich keine Karriere und selbst die ist nicht sicher und bedeutet auch keine wesentlich andere Tätigkeit) ganz zu schweigen.
Insgesamt habe ich daher meinen Wechsel bislang keine Sekunde bereut, aber fragt mich das gerne noch mal in 1 Jahr ;-)
Auch ich war längere Zeit in der Justiz und habe dort selbstständiges und strukturiertes Arbeiten und Konzentration auf das Wesentliche ebenso gelernt bzw verbessert wie Entscheidungsfreude und selbstsicheres Auftreten. Als eher introvertierte Persönlichkeit habe ich sogar zunehmend Gefallen daran gefunden, nicht nur im Hintergrund zu werkeln.
Irgendwann hatte ich allerdings das sichere Gefühl, mich in der Justiz weder beruflich noch persönlich weiterentwickeln zu können. An diesem Punkt stehen dort irgendwann viele und müssen sich dann entscheiden, ob ihnen das Erreichte genügt oder ob sie nochmal etwas anderes, meist im Abordnungswege versuchen wollen.
Ich habe mich für eine Abordnung zu einer obersten Bundesbehörde entschieden, die übrigens nicht zwingend in Berlin liegen muss, da gibts ja noch diese andere Stadt im Westen mit Hauptstadtvergangenheit ;-) Was ich dort bislang als absolut wohltuend empfinde, ist die hohe Selbstbestimmtheit in meinem Bereich. Die Richtertätigkeit habe ich dagegen zunehmend als fremdbestimmte Fliessbandarbeit empfunden. Alles was beklagt wird, jeder Mist landet auf meinem Tisch und ich muss es abarbeiten. Wenn man dazu auch noch jeden Tag mit den Folgen eines dysfunktionalen Asylsystems konfrontiert wird, schmälert das ebenfalls die Freude an der eigenen Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Auch ist nach dem Wechsel der Dauerdruck weg, die Gewissheit, dass der Schreibtisch nie leer ist und ältere Verfahren drücken. Und ich kann mir meine Fortbildungen weitestgehende frei aussuchen statt mich bei der chronisch unterfinanzierten Justiz idR erfolglos darum zu bewerben.
Und Wertschätzung? Habe ich in wenigen Wochen in der Verwaltung mehr erfahren als in fast 10 Jahren Justiz. Von den dort eigentlich nicht vorhandenen Entwicklungsperspektiven (R2 ist für mich keine Karriere und selbst die ist nicht sicher und bedeutet auch keine wesentlich andere Tätigkeit) ganz zu schweigen.
Insgesamt habe ich daher meinen Wechsel bislang keine Sekunde bereut, aber fragt mich das gerne noch mal in 1 Jahr ;-)
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