26.03.2023, 17:36
(26.03.2023, 13:12)Gast ST schrieb: Hallo,
ich arbeite jetzt seit zwei Jahren als Rechtsanwalt im Steuerrecht und bin mir hinsichtlich des weiteren Berufswegs unsicher. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir diesbezüglich ein paar Einschätzungen geben könnt.
Zunächst kurz zu mir, ich habe beide Examen im befriedigenden Bereich (7,8 P und 7,08 P) absolviert, der Schwerpunkt lag jeweils im Steuerrecht. Zudem hatte ich zuvor noch einen Bachelor in VWL und einen LLM im Inland absolviert, auch jeweils mit Schwerpunkt Steuern.
Ich arbeite in einer mittelständischen Kanzlei. Das erste Jahr lief eigentlich ganz gut, im zweiten Jahr konnte ich das Umsatzziel allerdings nicht erreichen (meine Umsätze lagen ca. bei € 150 T und 140 T). Im Wesentlichen ist es so, dass ich die Fälle qualitativ zwar oft ordentlich bearbeite, aber zu viel Zeit benötige. Vermutlich resultiert es teilweise auch aus einer inneren Unsicherheit. Zum einen, weil ich allgemein oft Zeitprobleme habe, zum anderen aber auch aus der Komplexität der Materie. Manche Probleme fallen mir erst nach längerer Recherche auf, sodass ich immer denke, noch etwas übersehen zu haben und die Bearbeitung deswegen erst zu einem späten Zeitpunkt abschließe. Relativierend kann man ergänzen, dass teilweise auch andere Anwälte in unserem Bereich ähnliche Probleme hatten und dass meine Chefs kaum überhaupt passende Leute für den Bereich finden. Seitdem ich dort arbeite, gab es im Steuerbereich bei den Anwälten keine Neuanstellungen.
Eigentlich ist für diesen Sommer vorgesehen, dass ich in die StB-Prüfungsvorbereitung (15-Wochenkurs) gehe. Grundsätzlich hatte ich dies auch immer vor. Auch die Chefs möchten dies, sodass ich die entsprechende Freistellung bekommen habe.
Allerdings bin ich mir aufgrund der geschilderten Situation inzwischen hinsichtlich des StB-Examens nicht mehr ganz so sicher. Auch die Durchfallquoten sind ja bekanntlich erheblich. Ich könnte mir also durchaus eine andere berufliche Tätigkeit vorstellen. Eine Alternative, über die ich in letzter Zeit oft nachgedacht habe, wäre die Arbeit bei einem Landesrechnungshof. Ansonsten kämen sicher auch Stellen in Unternehmen in Betracht. Die Finanzverwaltung würde wahrscheinlich nicht so zu mir passen, da ich lieber selbst fachlich arbeite. Mir fällt es allerdings allgemein schwer zu erkennen, wo ich meine Stärken bestmöglich einsetzen kann.
Andererseits spricht sicher auch vieles dafür, weiterhin im Steuerrecht tätig zu sein. Ich denke, dass mir die Materie (abgesehen von dem "Zeitproblem") durchaus liegt und dass ich mich fachlich während der zwei Jahre sicher auch schon weiterentwickelt habe. Die Arbeit macht mir grundsätzlich auch Spaß, ich beschäftige mich gerne mit dem Steuerrecht (insb. Ertragsteuern, Steuerplanung, Unternehmensnachfolge, Internationales Steuerrecht, weniger Umsatzsteuerrecht). Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, jedenfalls mittelfristig in die Steuerabteilung eines Unternehmens zu wechseln. Laut den Stellenbeschreibungen scheint die Arbeit dort etwas "zahlenlastiger" zu sein, was mir entgegen kommen könnte, da ich mich selbst als zahlen- und matheaffin beschreiben würde.
Im Wesentlichen sehe ich also drei Optionen:
1.) Ich bleibe erstmal weiterhin in der Kanzlei und versuche mich an der StB-Prüfung. Notfalls müsste ich nächstes Jahr in den Zweitversuch, wenn es dieses Jahr nicht klappt.
2.) Ich wechsle den Arbeitgeber innerhalb des Steuerrechts, ggf. auch schon kurzfristig vor Beginn des StB-Kurses. Die StB-Prüfung würde ich dann ggf. erst nächstes Jahr in Angriff nehmen. Auch hier bestünde natürlich das Risiko, dass ich (endgültig) durch das StB-Examen falle.
3.) Ich kehre dem Steuerbereich komplett den Rücken und bewerbe mich bspw. bei einem Landesrechnungshof.
Vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Ich sehe nicht so ganz das Problem. Klar, wenn Du hinter den Umsatzerwartungen zurückbleibst, ist das natürlich nicht toll. Sind die realistisch bei Deinen Mandanten und Projekten?
Im Übrigen: Steuerrecht ist komplex, Deine Bereiche nicht trivial. Wenn Du einen Fehler machst, wird es im Zweifel richtig teuer.
Aber vieles kommt wieder, nach dem Berater hat man nochmal einen guten Rund-Ausblick, da dürfte es schneller gehen. Ich würde optimistisch bleiben. Und klar ist auch: Noch spezialisierter, und man ist noch schneller. Das muss man abwägen.
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Zweifel bzgl. des weiteren Berufswegs (Steuerrecht) - von Gast ST - 26.03.2023, 13:12
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