08.01.2023, 18:59
(08.01.2023, 18:18)Chill3r schrieb: Was erwartet ihr von eurer Arbeit?
Eigentlich eine sehr einfache Frage, an der ich aktuell etwas verzweifel.
Hab bereits mehrere Stationen hinter mir, GK, Justiz und aktuell in der Verwaltung.
Beste Work Life Balance im Sinne von Verhältnis Arbeitszeit zu Freizeit:
1. Verwaltung
2. Justiz
3. GK
Höchste Lebenszufriedenheit:
1. GK
Lange nichts
2. Verwaltung
3. Justiz
Hatte als Anwalt einfach das Gefühl selbstbestimmt zu arbeiten und für mein berufliches Schicksal selbst verantwortlich zu sein. Der Beruf als Anwalt hat mir inhaltlich viel Spaß gemacht, habe mich als Macher gefühlt, dazu viel Geld, große Chance auf noch mehr Geld, gefühlt steht einem die Welt offen. Der Beruf und das drum herum hat mir einfach Selbstbewusstsein und Zufriedenheit gegeben.
Dann Justiz, Geld immernoch ordentlich, wennauch im Vergleich merklich schlechter. Aber immer schlechte Laune wenn ich zur Arbeit bin, schlechte Ausstattung, im Sommer keine Klimaanlage, kleines Büro in welchem man kein Bild aufhängen darf und Toiletten wo der ganze Gang mitmachen darf. Dazu Akte, nach Akte nach Akte... WLB mal so mal so, aber deutlich besser als als Anwalt. Zudem zeitlich selbstbestimmter, da keine Notfälle von Mandanten, die man einfach sofort bearbeiten muss.
Dann Verwaltung, gleich schlechte Ausstatuung, aber Personalführung und n laues Leben, viel Kaffee, quatschen und sitzen, Zeiten sehr selbstbestimmt, da gefühlt nichts eilig ist. Aber Anerkennung gleich 0,0, insbesondere vor mir selbst. Kollegen rechnen dauernd aus, wie lange sie noch arbeiten müssen, bis sie es endlich geschafft haben... und ob ich im HO Call of Duty zocke oder irgendwas anderes mache juckt niemanden.
Aufstiegschancen sind zwar sehr gut, aber halt nur innerhalb des bestehenden Systems, d.h. ich weiß wie groß der Sprung noch maximal wird, irgendwie ist der "Zauber" und Ehrgeiz absolut weg, weil ganz ehrlich, ob ich jetzt 3700 € oder 4300 € verdiene ändert mein Leben nicht wirklich (ja klingt arrogant sorry dafür).
Man hat einfach dauerhaft das Gefühl auf der Seite der Jammerer, Kranken und Eltern zu arbeiten, deren Priorität einfach ganz weit weg vom Arbeiten ist.
Nicht falsch verstehen, habe auch ein Leben neben der Arbeit, weswegen ich aus der GK raus bin, aber das ich 8 Stunden am Tag was mache, was am Ende mehr oder weniger fürn Arsch ist ist irgendwie noch schlimmer als lange zu arbeiten.
Also zusammenfassend habe ich die komische Situation, dass ich einen verhältnismäßig gut bezahlten Job mit absoluter Sicherheit habe und der mit maximal viel persönliche Freiheit lässt. Trotzdem nervt bzw langweilt der Job mich zu Tode...
Also sollte ich einfach meine Ambitionen aufgeben und einfach öfter mein Ding machen und nur noch den Wert auf Freizeit legen? Oder einfach schnell raus aus dem Beamtentum?
Meine Erwartungen an den Job sind auch eher hoch. Ich will ein spannendes Feld, Verantwortung, mag Arbeiten auf hohem Niveau, Teamwork, allerdings auch WLB, zeitliche Flexibilität.
Hab derzeit einen super Job als Syndikusanwältin und bin ebenfalls nebenbei selbstständig. Der Job erfüllt fast alle Kriterien, nimmt aber zunehmend meine Lebenszeit über ein Maß ein, das ich nicht mehr tragen will. Für mich kommt im Staatsdienst allerdings nur ein Job als Richterin am FG in Frage (auf Grund er o.g. Kriterien).
Vielleicht hilft dir ja eine Abordnung? Das bringt ja manchmal etwas Spannung rein und dürfte auch in der Verwaltung gehen (?). Hast du Spaß an Vorlesungen?
Ich rette mich übrigens mit diversen anderen Dingen neben dem Job - Ehrenämtern, Hobbys. Da erlebe ich Freude und zum Teil die Anerkennung, die mir im Job manchmal fehlt.
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Erwartungen an die Arbeit - von Chill3r - 08.01.2023, 18:18
RE: Erwartungen an die Arbeit - von ius2022 - 08.01.2023, 18:26
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