30.07.2022, 11:59
(29.07.2022, 13:03)Anon schrieb:(29.07.2022, 11:12)Gast schrieb:(28.07.2022, 09:56)DonJuansohn schrieb:(27.07.2022, 23:12)Gast schrieb:(27.07.2022, 19:06)Gast schrieb: Ist es realistisch, wenn man beide Examina mit 4 bis 5 Punkten abgeschlossen hat, dass man
nach etwa 5 Jahren Berufserfahrung 75 k brutto im Jahr verdient, wenn man
sich auf Steuerrecht spezialisiert?
Wie gehts das überhaupt? Was hast du im Schwerpunkt im 1. Examen und hast du im 2. verbessert?
Ich vermute, es fragt ein Studi, der merkt, dass er kein Ausnahmejurist ist und jetzt alles auf die Karte „Steuerrecht“ setzen will, um beruflich noch was reißen zu können.
Steuerrecht ist halt so speziell, dass man es dort auch mit 4-5 Punkten zu etwas bringen kann, wenn man es denn halbwegs beherrscht.
Nein. Ich bin schon im Ref. Aber ich habe im staatlichen Teil, auf den es ankommt, nur Ausreichend.
Es geht mir auch nicht darum möglichst viel zu verdienen. Aber wir leben nun mal im Kapitalismus. Ich bin ja dafür, dass
die soziale Marktwirtschaft eingeführt wird. Aber das ist mit der FDP nicht zu machen.
Jedenfalls wäre ich gerne privat versichert. Und das dürfen nur Personen mit einem Einkommen ab 65.000 Euro oder
Personen, die sonst privilegiert sind. Die Politiker wollen diese Grenze immer weiter anheben, um Leistungsträger zu belohnen.
Aber ich denke, dass auch Rechtsanwälte zu den Leistungsträgern gehören.
Du hast insofern Recht, dass wir uns von der sozialen Marktwirtschaft, die sich Erhard mal ausgedacht hat, längst wegbewegt haben. Aber nicht in Richtung "Kapitalismus" wie du meinst, sondern in Richtung "Sozialimus".
In einer sozialen Marktwirtschaft nach Erhard gäbe es VIEL weniger staatliche Eingriffe und Regularien; dafür mehr Subsidiatität, getreu seinem Motto "So wenig Staat wie möglich, so viel Soziales wie nötig".
Vom Ordoliberalismus, der den Konzepten Erhards im wesentlichen zugrunde liegt, könnten wir kaum weiter entfernt sein aktuell.
Inwieweit haben wir uns denn in Richtung "Sozialismus" bewegt? Ich bin grundsätzlich auch ein Befürworter des freien Marktes, da ich dieses Konzept für das demokratischste, effektivste und somit auch sozialste unter allen Wirtschaftssystem halte. Gleichwohl darf man nicht unterschlagen, dass das Konzept des freien Marktes nicht nur vom Staat korrumpiert werden kann. Diese Selbstverständlichkeit wurde m.E. innerhalb der letzten Jahrzehnte viel zu sehr vernachlässigt. Dadurch hat m.E. eine Umverteilung nach oben stattgefunden. Es wurde zB viel privatisiert, wobei die Akteure der Privatisierung, in Bereichen, in denen sich die Privatisierung nicht lohnte, mit staatlichen Subventionen unterstützt wurden. Ein gute Beispiel für den unfreien Markt ist m.E. auch die Aufstockung, mit der man Unternehmen billige Arbeitskräfte verschafft, die sie auf dem freien Markt nicht bekommen würden. Das Totschlagargument ist dann immer, lieber so, als keine Arbeit. Das ist natürlich auch ein Stück weit nachvollziehbar, man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, dass das Kapitalismus ist. Ohne dieses staatliche Lohndumping wären diese Unternehmen höchstwahrscheinlich unwirtschaftlich. Das gleiche gilt für die ganzen Rettungspakete des letzten Jahrzehnts, also zB. Immobilienkrise, Bankenkrise und aktuell die Gaskrise. Da haben sich Unternehmen auf dem "freien" Markt entwickelt bzw. wurden abgespalten, die "to big to fail" sind, was für solche Unternehmen natürlich wenig Anreize schafft, ordentlich zu wirtschaften.
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