29.06.2022, 21:54
(29.06.2022, 21:01)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:45)Gast schrieb:(29.06.2022, 17:37)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(29.06.2022, 17:00)Gast schrieb:(29.06.2022, 16:43)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb: Weil du das den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?1. Ich fürchte, du begrenzt die zu überwindende Hürde auf eine bewusste und unmittelbare Diskriminierung. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumal die Sorge, dass Frauen/Menschen mit Migrationshintergrund weniger gute Mandatsakquise betreiben können, wohl kaum rational belegbar ist.
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.
Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
2. Wie gesagt: Die Partnerwahl ist immer eine Prognose. Es gibt keine Rainmaker auf Associate-Ebene; dort gibt es nur potentielle Rainmaker.
3. Ein Anwalt wird bei der Partnerschaftswahl nicht abgelehnt, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Völlig richtig so weit. Er kann aber schlechtere Chancen haben, weil ihm bestimmte soziale Codes/Umgangsformen/Habitus fehlen. Der Threadersteller hat mit Kunst, Musik und Kleidung doch bereits konkrete Beispiele gegeben. Das waren wohlgemerkt Situationen, die von anderen sogar thematisiert wurden. Insofern dürfte das nur die Spitze des Eisbergs sein.
Wenn wir nur die Partnerernnenung ansprechen wollen:
Ohne den entsprechenden Habitus wird man nicht 6th- oder 7th-year-Associate und das Anliegen kommt nicht in die Partnersitzung/den Sozietätsrat.
Und der Weg bis dahin: Etikette ist nicht schwer. Wer diese schon nicht beherrscht kommt wohl kaum durch Vorstellungsgespräch.
Den Rest kann man sich durch Abgucken antrainieren.
Dass man durch Migrationshintergrund, Geschlecht oder gar sexuelle Orientierung Nachteile erleiden kann und wohl leider auch wird glaube ich ebenfalls, aber beim Bildungshintergrund halte ich das für Quatsch oder zumindest wenn Nachteile bestehen, dann sind diese nur marginal und zu vernachlässigen.
Weniger beim Bildungshintergrund, vielmehr beim sozialen Habitus. Das sind auch keine Nachteile, die man hier erleidet, es fehlen einem vielmehr die Vorteile. Du brauchst aber Vorteile, wenn du Karriere machen willst. Sei es beim Partner mit einem gemeinsamen Hobby ("Ach, auch ein Segler/Ruderer/Tennisspieler!"), den Urlaubsorten ("Wo gehst du gerne auf Sylt essen?") oder anderen Dingen. Die Lebenswirklichkeiten können sich sehr unterscheiden, es ist allerdings wissenschaftlich erforscht, dass Sympathie stark auf Ähnlichkeit aufbaut.
Gut, da stimme ich zu.
Das mag zutreffen, hat aber glaube ich nicht per se mit Arbeiterkind zu tun.
Das bin ich auch. Hätte ich Tennis spielen wollen, hätte ich Tennis spielen können. Hätte ich auf Sylt Urlaub machen wollen, hätte ich auf Sylt Urlaub machen können. Das wird gewiss nicht auf jedes Arbeiterkind zutreffen, das ist mir bewusst.
Da fehlt dieser "Vorteil" in diesen Fällen natürlich.
Aber das kann man auch als Associate wettmachen und seinen Habitus in Richtung Bildungsbürgertum bewegen.
Tennisstunden und der Sylt-Urlaub lassen sich als GK-Anwalt einfach bezahlen.
Habe als Arbeiterkind auch nicht wirklich verspürt, dass sich mein Habitus und meine Art von der meiner Chefs unterscheidet.
Auch dies mag für einige Arbeiterkinder nicht zutreffen, aber auch hier ist Korrelation ungleich Kausalität.
Ich muss dennoch klein beigeben und konstatieren, dass es einen Unterschied machen kann.
Muss es aber in meinen Augen immer noch nicht, @Threadersteller.
Naja, es gibt natürlich "Arbeiter", die viel Geld verdienen. Das Kind einer Hausfrau und eines Paketzustellers wird aber vermutlich weder Sylt noch Tennis aus eigener Anschauung kennen. Ausnahmen mögen vorkommen. Schaut man sich aber das Medianeinkommen unter Arbeitern an, scheinst Du eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Und ja, als Associate kann man sich das natürlich dann leisten. Nur werden sog. Arbeiterkinder schlicht seltener Associate. Dafür gibt es demographische Studien zu Studienabschlüssen. Und diese studieren dann statistisch gesehen häufiger soziale Arbeit und seltener Jura. Auch aus finanziellen Gründen. Selbst wenn man dann Associate geworden ist, legt sich ein Habitus und ein Lebenswandel nicht mal eben so ab, das kann nur ein Prozess sein. Und wenn dieser länger dauert, gibt es mehr Möglichkeiten, anzuecken.
Also:
Ja, Arbeiterkind zu sein ist in bestimmten Bereichen ein Malus. Man stelle sich einen Schmied mit lauwarmer Esse vor. Der muss halt fester schlagen.
Wie in der GK-Partner-Welt auf sog. Arbeiterkinder geschaut wird, weiß ich nicht. In einem Vorstellungsgespräch bei einer Boutique wurde mir positiv angerechnet, dass ich vermutlich einen etwas steinigeren Weg hatte. Ob es sich dabei um strukturelle Diskriminierung handelt, weiß ich nicht. Bei PoC u.Ä. handelt es sich aufgrund indirekt diskriminierender Faktoren sicherlich um strukturelle Diskriminierung, der begegnet werden sollte. Bei Arbeiterkindern mag das ggfl. ähnlich sein. Hier sollte jedoch schon der Staat dafür sorgen, dass mehr Chancengerechtigkeit besteht.
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"Arbeiterkind" in der Großkanzlei - von Genosse123 - 29.06.2022, 13:58
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