17.06.2022, 13:33
(17.06.2022, 12:16)Gast ÖD schrieb:(17.06.2022, 09:32)Diesdasananas schrieb:(16.06.2022, 21:45)Gast ÖD schrieb: Ich berichte mal aus der Verwaltung. Vielleicht hilft dir das weiter Ich bin seit fast 10 Jahren Verwaltungsjurist und bin total zufrieden. Angefangen hab ich in der Finanzverwaltung mit dem einjährigen Traineeprogramm, bei dem man Steuerrecht lernt, Einblicke in die Finanzämter bekommt und erste Führungsefahrungen machen kann, dann konnte ich ins Ministerium wechseln. Dort war ich als Referent (nicht im Steuerrecht, sondern komplett anderer Bereich) u.a. für ein Landesgesetz und dessen Auslegung zuständig. Das hat mir total gefallen. Ich habe Anfragen beantwortet, Stellungnahmen zu Petitionen o.Ä. erstellt und Gesetzentwürfe geschrieben. Vor allem Letzteres fand ich sehr spannend, weil ich den gesamten Gesetzgebungsprozess begleiten konnte. Bei uns ist es üblich, dass man nach 2-3 Jahren nochmal die Stelle innerhalb des Ministeriums wechselt, um einen größeren Einblick zu erhalten. Nach 5 Jahren hab ich dann das Ministerium verlassen (auch das ist so vorgesehen) und bin in eine nachgeordnete Behörde gewechselt. Vor 3 Jahren konnte ich zurück ins Ministerium wechseln und bin seitdem Referatsleiter und habe 8 Mitarbeiter.
Im Ministerium hängen die Arbeitszeiten stark von deiner Stelle ab. Bist du für ein Thema zuständig, dass stark im politischen Fokus steht, arbeitest du oft auch mal länger. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich fange in der Regel um 8.30 Uhr an und gehe zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr. Wenn doch mal etwas eilig ist, bleibe ich mal länger bzw. wähle mich im Homeoffice nochmal ein. Im Homeoffice bin ich in der Regel 2 Tage die Woche.
Je nachdem, für welchen Bereich du dich entscheidest, hast du als Verwaltungsjurist oft schon von Anfang an Führungsverantwortung (z.B. beim Landratsamt oder Finanzamt), im Ministerium bist du am Anfang Sachbearbeiter. Wechsel werden bei uns vor allem am Anfang von den Juristen erwartet.
Überstunden kann ich durch Gleittage abbauen.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Manchmal muss man z.B. Dinge umsetzen, die politisch gewollt sind, einem aber nicht sonderlich sinnvoll erscheinen. Oft kann ich aber auch Dinge anstoßen, um Verbesserungen zu erzielen. Insgesamt passt für mich das Gesamtpaket. Ich würde mich nochmal für die Verwaltung entscheiden. Viele meiner Kollegen sind übrigens ehemalige GK-Anwälte.
Danke für deinen ausführlichen Bericht! Wie ist die Besoldung für deinen Weg? Ab wann hast du A14 bekommen?
Ich bin als Beamter auf Probe in A13 gestartet. Nach 1 1/2 Jahren (wegen Probezeitverkürzung) wurde ich Regierungsrat auf Lebenszeit. Dann hat es nochmal 2 1/2 Jahre bis A 14 gedauert. Also von Einstellung bis A14 insgesamt 4 Jahre. A15 bin ich 3 1/2 Jahre nach A14 geworden.
A15 ist in der Regel bei jedem möglich (Ausnahmen gibt es natürlich). Man muss halt irgendwann auf einen entsprechend bewerteten Dienstposten wechseln und je nachdem wann dann die A15 Stelle frei wird, wird man befördert. Bei mir hat das recht schnell geklappt. Ich hatte das Glück, dass einige Kollegen in Pension gegangen sind und die Stellen dann frei wurden.
Im Ministerium kann man bei uns als Referatsleiter bis B3 kommen. Im nachgeordneten Bereich wird das schon schwieriger. In der B-Besoldung gibt es sehr wenige Posten. A 16 werden bei uns in der Regel die Amtsleiter. Für alles über A15 braucht man m.E. auch Glück, weil die Posten rar sind. Aber es lässt sich auch in A15 gut leben, finde ich.
Vielen Dank!!!!!
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