17.08.2021, 10:32
Liebe Anonyma,
mein, diese Erkrankung wird mit ziemlicher Sicherheit nicht verhindern, dass du den Vorbereitungsdienst machen kannst. Das wäre meiner Ansicht nach nicht mit Art. 12 GG vereinbar, da das Referendariat eine notwendige Hürde ist, um zB Anwältin zu werden und damit kann man eine Vielzahl von Tätigkeiten ausführen, die dir sonst alle verwehrt blieben. Anders kann es aussehen, wenn es um die Verbeamtung auf Lebenszeit geht, also wenn man dann doch Richterin werden möchte oder zur Staatsanwaltschaft will.
Ich mache mein Ref übrigens in Hessen und da werden wir zur Zeit ja auch (auf Widerruf) verbeamtet. Und uns hat auch keiner zum Amtsarzt geschickt, wir mussten auch nichts nachweisen. Im Grunde hatten wir auch nur den selben Fragebogen, wie ihr. Und ich würde da im Zweifel auch nichts angeben.
Probleme kann es bei der Wahl einer privaten Krankenversicherung geben. Da gilt: Je länger deine Therapie her ist und du wieder ein "normales" Leben, ohne Symptome oder Arztbesuche führst, umso weniger wird das berücksichtigt. Sollte es noch aktuell sein, bekommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit teure Zuschläge oder wirst (zB bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung) abgelehnt. Die KV kann dich hingegen nicht ablehnen und in der gesetzlichen ist es sowieso unproblematisch.
Ich habe mich übrigens selbst mit einer psychischen Erkrankung durch das Examen gekämpft und kann dir nur empfehlen: Geh unbedingt gestärkt da rein und mach dieses Fass nur auf, wenn du körperlich und seelisch wirklich fit bist. Es wäre während meiner akuten Phase definitiv nicht zu schaffen gewesen, daher pflege deinen Körper und deine Seele, bevor du das anfängst. Das Studium ist gut machbar, aber die Examensvorbereitung wird dir alles abverlangen, was du hast. Diese Prüfung ist nicht nur sehr schwer, sondern vor allem auch eine massive Erprobung deiner Belastbarkeit. Die Psyche leidet in dieser Zeit definitiv mit, weil man 12-18 Monate auf einem hohen Niveau lernen muss, um sich überhaupt auf ein halbwegs adäquates Examens-Niveau zu bringen. Im Hintergrund wächst dann ständig die Angst, weil man sich naturgemäß aufgrund der Fülle des Stoffen nie wirklich vorbereitet fühlt. Beziehungen und Freundschaften können in der Zeit zerstört werden, weil man einfach auch kaum noch Zeit hat oder weil sich das eigene Wesen verändert. Nicht zuletzt haben manche der Kandidaten schließlich auch körperlich mehr oder weniger stark ausgeprägte Symptome, wie nächtliche Wadenkrämpfe, Sehnenscheidenentzündungen, Karpaltunnelsydrom, Magen-Darm-Probleme, Haarausfall etc. Ich kenne niemanden, an dem das spurlos vorbei gegangen wäre und ich persönlich saß auch des Öfteren einfach heulend in meinem Büro, wenn mir mal wieder alles zu viel wurde (und ich bin eine starke Persönlichkeit mit dickem Fell). Und es ist auch nicht, wie ich damals bei Studienbeginn naiv dachte, "einfach nur viel zu lernen" und "ich bin gut organisiert, bei mir wird alles anders" - nein, diese Zeit wird dich sehr wahrscheinlich psychisch und körperlich mitnehmen, daher ist es ungemein wichtig fit da rein zu gehen.
Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe das Fach, es ist unglaublich vielfältig und interessant, aber das Prüfungssystem ist einfach scheiße
Vermutlich würde ich mich heute aufgrund dieses Abschnitts, der leider allein über die beruflichen Möglichkeiten entscheidet, nicht nochmal für Jura entscheiden, da mir persönlich ein Bachelor/Masterstudium rückblickend wohl eher zugesagt hätte. Damit kann man zwar nicht Anwältin sein, aber es stehen einem ansonsten auch sehr viele Türen offen. Und es fällt einem deutlich leichter,da mein größtes Problem eig massive Existenzängste waren,weil man, wenn man endgültig durchgefallen ist, gar keinen Abschluss hat. Bei mir hat es am Ende zwar ganz gut geklappt und mit dem Ergebnis recht zufrieden, aber rückblickend habe ich irgendwo einen hohen Preis dafür bezahlt. Ein Studium ist ein so toller Lebensabschnitt und trägt zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung bei, da finde ich es unglaublich schade, dass ich nur angsterfüllt auf die Endphase zurückblicke und mir das tatsächlich schon wieder - der Wahnsinn geht weiter - im Rahmen des zweiten Examens zumute
Diesmal jedoch mit etwas weniger Existenzängsten, da man wenigstens nen Abschluss hat und im Ref. Ein paar Taler verdient.
mein, diese Erkrankung wird mit ziemlicher Sicherheit nicht verhindern, dass du den Vorbereitungsdienst machen kannst. Das wäre meiner Ansicht nach nicht mit Art. 12 GG vereinbar, da das Referendariat eine notwendige Hürde ist, um zB Anwältin zu werden und damit kann man eine Vielzahl von Tätigkeiten ausführen, die dir sonst alle verwehrt blieben. Anders kann es aussehen, wenn es um die Verbeamtung auf Lebenszeit geht, also wenn man dann doch Richterin werden möchte oder zur Staatsanwaltschaft will.
Ich mache mein Ref übrigens in Hessen und da werden wir zur Zeit ja auch (auf Widerruf) verbeamtet. Und uns hat auch keiner zum Amtsarzt geschickt, wir mussten auch nichts nachweisen. Im Grunde hatten wir auch nur den selben Fragebogen, wie ihr. Und ich würde da im Zweifel auch nichts angeben.
Probleme kann es bei der Wahl einer privaten Krankenversicherung geben. Da gilt: Je länger deine Therapie her ist und du wieder ein "normales" Leben, ohne Symptome oder Arztbesuche führst, umso weniger wird das berücksichtigt. Sollte es noch aktuell sein, bekommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit teure Zuschläge oder wirst (zB bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung) abgelehnt. Die KV kann dich hingegen nicht ablehnen und in der gesetzlichen ist es sowieso unproblematisch.
Ich habe mich übrigens selbst mit einer psychischen Erkrankung durch das Examen gekämpft und kann dir nur empfehlen: Geh unbedingt gestärkt da rein und mach dieses Fass nur auf, wenn du körperlich und seelisch wirklich fit bist. Es wäre während meiner akuten Phase definitiv nicht zu schaffen gewesen, daher pflege deinen Körper und deine Seele, bevor du das anfängst. Das Studium ist gut machbar, aber die Examensvorbereitung wird dir alles abverlangen, was du hast. Diese Prüfung ist nicht nur sehr schwer, sondern vor allem auch eine massive Erprobung deiner Belastbarkeit. Die Psyche leidet in dieser Zeit definitiv mit, weil man 12-18 Monate auf einem hohen Niveau lernen muss, um sich überhaupt auf ein halbwegs adäquates Examens-Niveau zu bringen. Im Hintergrund wächst dann ständig die Angst, weil man sich naturgemäß aufgrund der Fülle des Stoffen nie wirklich vorbereitet fühlt. Beziehungen und Freundschaften können in der Zeit zerstört werden, weil man einfach auch kaum noch Zeit hat oder weil sich das eigene Wesen verändert. Nicht zuletzt haben manche der Kandidaten schließlich auch körperlich mehr oder weniger stark ausgeprägte Symptome, wie nächtliche Wadenkrämpfe, Sehnenscheidenentzündungen, Karpaltunnelsydrom, Magen-Darm-Probleme, Haarausfall etc. Ich kenne niemanden, an dem das spurlos vorbei gegangen wäre und ich persönlich saß auch des Öfteren einfach heulend in meinem Büro, wenn mir mal wieder alles zu viel wurde (und ich bin eine starke Persönlichkeit mit dickem Fell). Und es ist auch nicht, wie ich damals bei Studienbeginn naiv dachte, "einfach nur viel zu lernen" und "ich bin gut organisiert, bei mir wird alles anders" - nein, diese Zeit wird dich sehr wahrscheinlich psychisch und körperlich mitnehmen, daher ist es ungemein wichtig fit da rein zu gehen.
Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe das Fach, es ist unglaublich vielfältig und interessant, aber das Prüfungssystem ist einfach scheiße

Vermutlich würde ich mich heute aufgrund dieses Abschnitts, der leider allein über die beruflichen Möglichkeiten entscheidet, nicht nochmal für Jura entscheiden, da mir persönlich ein Bachelor/Masterstudium rückblickend wohl eher zugesagt hätte. Damit kann man zwar nicht Anwältin sein, aber es stehen einem ansonsten auch sehr viele Türen offen. Und es fällt einem deutlich leichter,da mein größtes Problem eig massive Existenzängste waren,weil man, wenn man endgültig durchgefallen ist, gar keinen Abschluss hat. Bei mir hat es am Ende zwar ganz gut geklappt und mit dem Ergebnis recht zufrieden, aber rückblickend habe ich irgendwo einen hohen Preis dafür bezahlt. Ein Studium ist ein so toller Lebensabschnitt und trägt zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung bei, da finde ich es unglaublich schade, dass ich nur angsterfüllt auf die Endphase zurückblicke und mir das tatsächlich schon wieder - der Wahnsinn geht weiter - im Rahmen des zweiten Examens zumute
Diesmal jedoch mit etwas weniger Existenzängsten, da man wenigstens nen Abschluss hat und im Ref. Ein paar Taler verdient.
Nachrichten in diesem Thema
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