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Justiz verlassen zu risikobehaftet?
augu_ja
Junior Member
**
Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2026
#1
02.09.2026, 07:23
Hallo zusammen, 

ich möchte euch einmal mein Leid klagen und nach eurer Meinung fragen. Ich bin nun seit knapp 2 Jahren Richter. Vorher war ich etwa 2 Jahre lang Rechtsanwalt in einer GK im öffentlichen Recht. Nun überlege ich aus diversen Gründen, die Justiz zu verlassen. Primär hängt es damit zusammen, dass mir die Entwicklungsmöglichkeiten fehlen und ich mein eigenes Proberichterdezernat wirklich toll finde, mich aber andere Dezernate sehr abschrecken. An sich macht mir die Arbeit aber Spaß. Wie ihr merkt: ich bin unsicher. Gleichzeitig habe ich auch Angst, dass ich die Justiz verlasse und die Anwaltschaft dann von AI überrollt wird und ich nicht mehr zurück in die Justiz komme. Hab ihr eine Idee, was ich tun könnte? Ich weiss, dass das Luxusprobleme sind und bin mir darüber auch sehr bewusst. Deshalb möchte ich die Entscheidung auch nicht leichtfertig treffen.
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Erste Infos zum Bewerbungsverfahren für den Justizdienst findest Du auf den Richter-Infoseiten von Juristenkoffer.de:
https://www.juristenkoffer.de/richter/

Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:

https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
 
Praktiker
Posting Freak
*****
Beiträge: 2.303
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#2
02.09.2026, 08:14
Wenn Du dein Dezernat toll findest, passt es momentan doch. Dass es andere gibt, ist ja eine eher abstrakte Gefahr, oder steht ein Wechsel unmittelbar bevor?
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Pontifex Maximus
Member
***
Beiträge: 225
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2023
#3
02.09.2026, 08:50
Was schreckt dich denn konkret an anderen Dezernaten ab? Die Materie? Die Dezernatsgröße? Die Kollegen?

So abstrakt, wie Du sie schilderst, finde ich Deine Bedenken ein wenig merkwürdig.
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Spencer
Senior Member
****
Beiträge: 428
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#4
02.09.2026, 11:27
(02.09.2026, 07:23)augu_ja schrieb:  Hallo zusammen, 

ich möchte euch einmal mein Leid klagen und nach eurer Meinung fragen. Ich bin nun seit knapp 2 Jahren Richter. Vorher war ich etwa 2 Jahre lang Rechtsanwalt in einer GK im öffentlichen Recht. Nun überlege ich aus diversen Gründen, die Justiz zu verlassen. Primär hängt es damit zusammen, dass mir die Entwicklungsmöglichkeiten fehlen und ich mein eigenes Proberichterdezernat wirklich toll finde, mich aber andere Dezernate sehr abschrecken. An sich macht mir die Arbeit aber Spaß. Wie ihr merkt: ich bin unsicher. Gleichzeitig habe ich auch Angst, dass ich die Justiz verlasse und die Anwaltschaft dann von AI überrollt wird und ich nicht mehr zurück in die Justiz komme. Hab ihr eine Idee, was ich tun könnte? Ich weiss, dass das Luxusprobleme sind und bin mir darüber auch sehr bewusst. Deshalb möchte ich die Entscheidung auch nicht leichtfertig treffen.
Ich kann deine Bedenken gut verstehen, auch wenn sie mE noch etwas zu früh kommen ;-)

Mir und mehreren Kollegen kamen dieselben Bedenken bzw. der Wechselwunsch erst nach ca 5-10 Jahren. Ein Wechsel innerhalb des öD ist in dieser Phase gar nicht so selten, wie man vielleicht denken könnte. Mit den für den Richterdienst erforderlichen Noten, vernünftigen Beurteilungen und v.a. der langjährigen Berufserfahrung hat man insbesondere ein für oberste Landes- bzw. Bundesbehörden attraktives Profil vorzuweisen. 

Daher würde ich dir raten, jetzt erst mal weiterzumachen, zumal du ja gerade zufrieden bist. Wechseln wirst du auch noch in einigen Jahren können.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.09.2026, 14:12 von Spencer.)
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augu_ja
Junior Member
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Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2026
#5
02.09.2026, 16:07
Danke für die Antworten. Zu der Frage des Dezernats: Ich muss es bald wechseln, da ich nur Proberichter bin. Das heißt also, dass ich definitiv nicht in diesem Dezernat bleibe. Bei den anderen Dezernaten höre ich teils, dass die sehr viel arbeiten oder aber das Rechtsgebiet interessiert mich überhaupt nicht. Ich kann mir aber vor allem auch nicht vorstellen, für immer nur ein Dezernat zu haben. Das fühlt sich einfach sehr eintönig an.

An Spencer: Danke für den Beitrag. Als was steigt man dann in der Regel dort ein? Als Referent? Denn der große Nachteil ist ja, dass man als Richter keinerlei Führungserfahrung hat.
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Pontifex Maximus
Member
***
Beiträge: 225
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2023
#6
02.09.2026, 16:30
(02.09.2026, 16:07)augu_ja schrieb:  Danke für die Antworten. Zu der Frage des Dezernats: Ich muss es bald wechseln, da ich nur Proberichter bin. Das heißt also, dass ich definitiv nicht in diesem Dezernat bleibe. Bei den anderen Dezernaten höre ich teils, dass die sehr viel arbeiten oder aber das Rechtsgebiet interessiert mich überhaupt nicht. Ich kann mir aber vor allem auch nicht vorstellen, für immer nur ein Dezernat zu haben. Das fühlt sich einfach sehr eintönig an.

An Spencer: Danke für den Beitrag. Als was steigt man dann in der Regel dort ein? Als Referent? Denn der große Nachteil ist ja, dass man als Richter keinerlei Führungserfahrung hat.

Das ist allerdings widersprüchlich. Du willst nicht wechseln, willst aber auch nicht immer das Gleiche machen?
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augu_ja
Junior Member
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Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2026
#7
02.09.2026, 17:29
Ne. Dann hab ich mich falsch ausgedrückt. Was ich meinte: Ich mag mein jetziges Dezernat. Das werde ich bald abgeben müssen und hab Sorge davor eins zu bekommen, was mir nicht zusagt. Gleichzeitig kann ich mir auch nicht vorstellen, noch 30 Jahre mein jetziges Dezernat zu machen. Aber würde es eher machen als ein anderes. Ich meine damit einfach, dass mir die Abwechslung fehlt. Ich hab jetzt ein angenehmes Dezernat, aber trotzdem hab ich ständig die 15 gleichen Rechtsfragen. Aktuell stört mich das noch nicht. In 5 Jahren wird‘s mich nerven. Keine Ahnung, ob es so klarer geworden ist.
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juranrw1234
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Beiträge: 11
Themen: 0
Registriert seit: Jan 2026
#8
02.09.2026, 18:48
Die Gefahr, dass du auch mal Verfahren bearbeiten musst, die dir persönlich nicht so zusagen bzw. die du nicht interessant findest, wirst du aber wohl in jedem juristischen Beruf haben, oder? Genauso, dass man phasenweise mal länger bleiben muss
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Pontifex Maximus
Member
***
Beiträge: 225
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2023
#9
02.09.2026, 19:46
(02.09.2026, 17:29)augu_ja schrieb:  Ne. Dann hab ich mich falsch ausgedrückt. Was ich meinte: Ich mag mein jetziges Dezernat. Das werde ich bald abgeben müssen und hab Sorge davor eins zu bekommen, was mir nicht zusagt. Gleichzeitig kann ich mir auch nicht vorstellen, noch 30 Jahre mein jetziges Dezernat zu machen. Aber würde es eher machen als ein anderes. Ich meine damit einfach, dass mir die Abwechslung fehlt. Ich hab jetzt ein angenehmes Dezernat, aber trotzdem hab ich ständig die 15 gleichen Rechtsfragen. Aktuell stört mich das noch nicht. In 5 Jahren wird‘s mich nerven. Keine Ahnung, ob es so klarer geworden ist.

Nicht wirklich. Ich sehe darin nicht einmal im Ansatz einen Grund, warum man die Justiz verlassen sollte. So ist es halt überall im Berufsleben.
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Praktiker
Posting Freak
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Beiträge: 2.303
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#10
02.09.2026, 21:28
Ich fürchte, das ist wirklich in den meisten Berufen so. Wenn es Dich in fünf Jahren nerven sollte, würde ich mir heute keine Gedanken machen, aber in drei bis vier Jahren mal die Fühler ausstrecken nach Sonderverwendungen wie wissenschaftlicher Mitarbeiter an Bundesgerichten oder Abordnung in Ministerien. Es tut nicht gut, zu lange das gleiche zu machen.
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