21.04.2026, 14:23
Hi an alle,
ich quäle mich seit 2,25 Jahren an einer Promotion. Bin 30 J. alt und habe zwei gute Examina, also kein Drama.
Ich glaube zunehmend, dass ich die Promotion nicht fertig bekomme. Ich habe zwar einigen Text und meine Betreuerin spricht mir immer Mut zu und glaubt daran, dass es etwas wird. Ich verheddere mich aber – eigentlich schon von Anfang an und die ganze Zeit – viel zu sehr. Ich sehe keinen Wald vor lauter Bäumen und es wird mit der Zeit nicht besser, sondern eher schlechter. Bin einfach kein Wissenschaftler, passt.
Ich überlege deshalb, wie man sowas möglichst sauber abwickelt, d. h. so, dass man etwa bei den Bewerbungsgesprächen möglichst geringen Schaden usw. hat.
Ich überlege namentlich deshalb abzubrechen, weil es mir zunehmend schlecht damit geht, dass ich es nicht auf die Reihe bekomme; ich bekomme Angst, dass sich diese Unfähigkeit im Beruf fortsetzen könnte. Noch bin ich aber in der Lage, objektiv auf die Sache zu blicken, d. h. mir klar zu machen, dass ich mit zwei zweistelligen Examina sicherlich irgendwo werde nutzbringend arbeiten können. Mit der Zeit wird dieses Selbstvertrauen immer geringer.
Habt ihr Tipps oder Anregungen?
ich quäle mich seit 2,25 Jahren an einer Promotion. Bin 30 J. alt und habe zwei gute Examina, also kein Drama.
Ich glaube zunehmend, dass ich die Promotion nicht fertig bekomme. Ich habe zwar einigen Text und meine Betreuerin spricht mir immer Mut zu und glaubt daran, dass es etwas wird. Ich verheddere mich aber – eigentlich schon von Anfang an und die ganze Zeit – viel zu sehr. Ich sehe keinen Wald vor lauter Bäumen und es wird mit der Zeit nicht besser, sondern eher schlechter. Bin einfach kein Wissenschaftler, passt.
Ich überlege deshalb, wie man sowas möglichst sauber abwickelt, d. h. so, dass man etwa bei den Bewerbungsgesprächen möglichst geringen Schaden usw. hat.
Ich überlege namentlich deshalb abzubrechen, weil es mir zunehmend schlecht damit geht, dass ich es nicht auf die Reihe bekomme; ich bekomme Angst, dass sich diese Unfähigkeit im Beruf fortsetzen könnte. Noch bin ich aber in der Lage, objektiv auf die Sache zu blicken, d. h. mir klar zu machen, dass ich mit zwei zweistelligen Examina sicherlich irgendwo werde nutzbringend arbeiten können. Mit der Zeit wird dieses Selbstvertrauen immer geringer.
Habt ihr Tipps oder Anregungen?
21.04.2026, 14:40
Glaub mir, wenn du zwei gute Examina hast, bisr du mehr als geeignet. Du musst einfach diese Selbstzweifel ablegen. Es ist klingt super stumpf, aber zieh einfach den Rest durch, egal wie. Mir ging es auch sehr lange so und rückblickend bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Ich kenne dich zwar nicht, aber das wäre für mich immer eine persönliche Niederlage, die mich nie ganz loslassen würde
21.04.2026, 14:45
(21.04.2026, 14:23)blabla3 schrieb: Hi an alle,
ich quäle mich seit 2,25 Jahren an einer Promotion. Bin 30 J. alt und habe zwei gute Examina, also kein Drama.
Ich glaube zunehmend, dass ich die Promotion nicht fertig bekomme. Ich habe zwar einigen Text und meine Betreuerin spricht mir immer Mut zu und glaubt daran, dass es etwas wird. Ich verheddere mich aber – eigentlich schon von Anfang an und die ganze Zeit – viel zu sehr. Ich sehe keinen Wald vor lauter Bäumen und es wird mit der Zeit nicht besser, sondern eher schlechter. Bin einfach kein Wissenschaftler, passt.
Ich überlege deshalb, wie man sowas möglichst sauber abwickelt, d. h. so, dass man etwa bei den Bewerbungsgesprächen möglichst geringen Schaden usw. hat.
Ich überlege namentlich deshalb abzubrechen, weil es mir zunehmend schlecht damit geht, dass ich es nicht auf die Reihe bekomme; ich bekomme Angst, dass sich diese Unfähigkeit im Beruf fortsetzen könnte. Noch bin ich aber in der Lage, objektiv auf die Sache zu blicken, d. h. mir klar zu machen, dass ich mit zwei zweistelligen Examina sicherlich irgendwo werde nutzbringend arbeiten können. Mit der Zeit wird dieses Selbstvertrauen immer geringer.
Habt ihr Tipps oder Anregungen?
So ganz verstehe ich nicht, was du meinst/was du dir für Tipps erhoffst. Wenn du abbrichst, brichst du halt ab. Das ist ein Gespräch mit deinem Betreuer, ggf. noch eine Exmatrikulation bei der Uni, sofern du dort eingeschrieben bist, und fertig. Dann bewirbst du dich und erzählst auf Nachfrage, woran es gelegen hat. Wie dein Gegenüber es wahrnimmt, dass du die Diss abgebrochen hast, kannst mE kaum beeinflussen.
21.04.2026, 14:58
(21.04.2026, 14:40)Gast69 schrieb: Glaub mir, wenn du zwei gute Examina hast, bisr du mehr als geeignet. Du musst einfach diese Selbstzweifel ablegen. Es ist klingt super stumpf, aber zieh einfach den Rest durch, egal wie. Mir ging es auch sehr lange so und rückblickend bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Ich kenne dich zwar nicht, aber das wäre für mich immer eine persönliche Niederlage, die mich nie ganz loslassen würde
Vielen Dank für den Mutzuspruch!
Ich entnehme aber der Geschichte deiner Beiträge, dass du schließlich bei Mohr veröffentlicht hast. Leider ist es bei mir völlig ausgeschlossen, ich wäre froh, irgendwas fertig zu schreiben, was ich bei Dr. Kovac oder gar einfach beim Open Access der Uni veröffentlichen würde, was niemand jemals liest und ein „rite“ bekommt. Aber auch das ist bei meinem Thema einfach zu 99,9 % ausgeschlossen nach meinem jetzigen Gefühl.
Ich bin nach 2 Jahren der Beschäftigung mit meiner Thematik wirklich deutlich weniger klug als vorher. Und ich weiß, viele sagen an der Stelle: „So ist es normal, das zeigt, dass du ein interessantes und schwieriges Problem gefunden hast.“ usw., aber ich fühle mich leider zunehmend wie ein Kleinkind, das Quantenphysik verstehen soll. Ich habe mir schon viele, viele Male vorgesetzt, einfach fertig zu werden, „irgendwie“, aber das klappt einfach nicht, ich verheddere mich jedes Mal in meinen eigenen Gedanken.
***
@Greif: Ich erhoffe mir Tipps, wie man mit dieser „Niederlage“ souverän umgehen soll, also v. a. in Bewerbungsgesprächen. Es geht mir darum, nicht super labil und unsicher rüberzukommen, wie ich mich in letzter Zeit eben leider fühle, weil ich mich mit etwas beschäftige, was mir gar nicht liegt. Oder auch einfach Erfahrungsberichte von Menschen, die in einer ähnlichen Lage waren und wie es ihnen danach erging.
21.04.2026, 15:02
(21.04.2026, 14:58)blabla3 schrieb:(21.04.2026, 14:40)Gast69 schrieb: Glaub mir, wenn du zwei gute Examina hast, bisr du mehr als geeignet. Du musst einfach diese Selbstzweifel ablegen. Es ist klingt super stumpf, aber zieh einfach den Rest durch, egal wie. Mir ging es auch sehr lange so und rückblickend bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Ich kenne dich zwar nicht, aber das wäre für mich immer eine persönliche Niederlage, die mich nie ganz loslassen würde
Vielen Dank für den Mutzuspruch!
Ich entnehme aber der Geschichte deiner Beiträge, dass du schließlich bei Mohr veröffentlicht hast. Leider ist es bei mir völlig ausgeschlossen, ich wäre froh, irgendwas fertig zu schreiben, was ich bei Dr. Kovac oder gar einfach beim Open Access der Uni veröffentlichen würde, was niemand jemals liest und ein „rite“ bekommt. Aber auch das ist bei meinem Thema einfach zu 99,9 % ausgeschlossen nach meinem jetzigen Gefühl.
Ich bin nach 2 Jahren der Beschäftigung mit meiner Thematik wirklich deutlich weniger klug als vorher. Und ich weiß, viele sagen an der Stelle: „So ist es normal, das zeigt, dass du ein interessantes und schwieriges Problem gefunden hast.“ usw., aber ich fühle mich leider zunehmend wie ein Kleinkind, das Quantenphysik verstehen soll. Ich habe mir schon viele, viele Male vorgesetzt, einfach fertig zu werden, „irgendwie“, aber das klappt einfach nicht, ich verheddere mich jedes Mal in meinen eigenen Gedanken.
***
@Greif: Ich erhoffe mir Tipps, wie man mit dieser „Niederlage“ souverän umgehen soll, also v. a. in Bewerbungsgesprächen. Es geht mir darum, nicht super labil und unsicher rüberzukommen, wie ich mich in letzter Zeit eben leider fühle, weil ich mich mit etwas beschäftige, was mir gar nicht liegt. Oder auch einfach Erfahrungsberichte von Menschen, die in einer ähnlichen Lage waren und wie es ihnen danach erging.
Du machst das zu einer größeren Sache, als sie ist. Wenn du zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wirst, zeigt der AG dadurch ja schon, dass er grds. kein Problem mit dem Abbruch hat. Dann erzählst du halt gerade heraus, woran es lag. Du musst ja nicht jedem auf die Nase binden, dass dich nun Selbstzweifel plagen und dir das sehr nachhängt (was hoffentlich nicht so sein wird).
21.04.2026, 15:04
Aber ich würde im Lebenslauf nicht explizit dazuschreiben, dass ich die Diss. abgebrochen habe, oder? Einfach nur X Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter usw. angeben, und das ist schon selbsterklärend, oder?
21.04.2026, 15:28
(21.04.2026, 15:04)blabla3 schrieb: Aber ich würde im Lebenslauf nicht explizit dazuschreiben, dass ich die Diss. abgebrochen habe, oder? Einfach nur X Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter usw. angeben, und das ist schon selbsterklärend, oder?
Doch, das würde ich machen. Wenn du das versteckst und erst im Gespräch erwähnst, kommt das schon weird. Es ist ja passiert. Einfach dazu stehen.
21.04.2026, 16:09
Glaub mir, wenn du zwei gute Examina hast, bisr du mehr als geeignet. Du musst einfach diese Selbstzweifel ablegen. Es ist klingt super stumpf, aber zieh einfach den Rest durch, egal wie. Mir ging es auch sehr lange so und rückblickend bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Ich kenne dich zwar nicht, aber das wäre für mich immer eine persönliche Niederlage, die mich nie ganz loslassen würde
21.04.2026, 16:17
was ebenso geht: sagen, dass du das Projekt aktuell pausierst. Und das würde ich dir auch empfehlen. Bewirb dich, fang an zu arbeiten. Vielleicht kommt ja doch die Lust zurück.
Gestern, 10:01
(21.04.2026, 14:58)blabla3 schrieb:(21.04.2026, 14:40)Gast69 schrieb: Glaub mir, wenn du zwei gute Examina hast, bisr du mehr als geeignet. Du musst einfach diese Selbstzweifel ablegen. Es ist klingt super stumpf, aber zieh einfach den Rest durch, egal wie. Mir ging es auch sehr lange so und rückblickend bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Ich kenne dich zwar nicht, aber das wäre für mich immer eine persönliche Niederlage, die mich nie ganz loslassen würde
Vielen Dank für den Mutzuspruch!
Ich entnehme aber der Geschichte deiner Beiträge, dass du schließlich bei Mohr veröffentlicht hast. Leider ist es bei mir völlig ausgeschlossen, ich wäre froh, irgendwas fertig zu schreiben, was ich bei Dr. Kovac oder gar einfach beim Open Access der Uni veröffentlichen würde, was niemand jemals liest und ein „rite“ bekommt. Aber auch das ist bei meinem Thema einfach zu 99,9 % ausgeschlossen nach meinem jetzigen Gefühl.
Ich bin nach 2 Jahren der Beschäftigung mit meiner Thematik wirklich deutlich weniger klug als vorher. Und ich weiß, viele sagen an der Stelle: „So ist es normal, das zeigt, dass du ein interessantes und schwieriges Problem gefunden hast.“ usw., aber ich fühle mich leider zunehmend wie ein Kleinkind, das Quantenphysik verstehen soll. Ich habe mir schon viele, viele Male vorgesetzt, einfach fertig zu werden, „irgendwie“, aber das klappt einfach nicht, ich verheddere mich jedes Mal in meinen eigenen Gedanken.
***
@Greif: Ich erhoffe mir Tipps, wie man mit dieser „Niederlage“ souverän umgehen soll, also v. a. in Bewerbungsgesprächen. Es geht mir darum, nicht super labil und unsicher rüberzukommen, wie ich mich in letzter Zeit eben leider fühle, weil ich mich mit etwas beschäftige, was mir gar nicht liegt. Oder auch einfach Erfahrungsberichte von Menschen, die in einer ähnlichen Lage waren und wie es ihnen danach erging.
Habe selbst auch promoviert und beide von dir beschriebenen Phasen ebenfalls durchgemacht. Alles was man schreibt kommt einem trivial, selbstverständlich und n bisschen dumm vor. Dazu hätte man auch doch nochmal auf Thema XY näher eingehen sollen. Das ist vollkommen normal und war bei allen Kollegen mit denen ich mich während des Projekts ausgetauscht habe ebenfalls der Fall. Auch das man sich mal verheddert und ein bisschen den Überblick verliert ist normal. Es gilt viele verschiedene Gedanken sinnvoll zusammenzuführen, das ist nicht leicht. Und falls sich das Ergebnis simpel anhören sollte, ist das keine Niederlage, sondern ein Erfolg.
Die Noten und der Verlag interessieren in 99% nur dein Ego. No offense: Lesen werden die Diss ohnehin nur ganz wenige Leute - und die tun das unabhängig von der Note. Etwa weil sie ebenfalls zum Thema promovieren, interessierte Wissenschaftler oder sonst im Thema sind. Dazu wird die Note ja nicht veröffentlicht, es gibt renommierte Professoren, die bei Peter Lang veröffentlicht haben. Deren Arbeit war mit Sicherheit ganz gut (allein schon weil die Schwelle für Univ. Profs. bei magna liegt). Finde der Gedanke für umsonst bei Peter Lang/Kovac/Springer zu veröffentlichen hat mehr für sich, als bei Mohr 10k für ein Buch zu investieren, das den Rest des Lebens im Schrank verschwindet. Außerhalb einer Mini-Bubble weiß ohnehin niemand, welche Anforderungen sich hinter welchen Verlagen verstecken.
Zu guter Letzt: Die Quote der Wissmits von meinem ehemaligen Lehrstuhl, die ihre Diss auch abgeschlossen haben liegt bei circa 60 %. Alle haben gute Jobs und es war bei keinem ein großes Thema. Warst dann halt 2 Jahre Wissmit. Probleme bekommst du keine. Würde aber ggf. erstmal etwas Abstand gewinnen, mal komplett abschalten und dann mal schauen. Mir hat bei der größten Blockade geholfen zwei Wochen Urlaub zu machen und mich danach zu zwingen weiterzuschreiben. Selbst wenn es "scheise" war. Aber das nachher umformulieren, wenn der Rohbau steht ist verhältnismäßig wenig Arbeit. Es haben schon Dümmere geschafft!
Edit: Glaube niemand von denen hat die Diss "offiziell" abgebrochen. Vielmehr läuft es so wie es oben schon beschrieben wurde. Bewirbst dich halt und promovierst offiziell weiter, irgendwann verliert sich das dann. Dann gibt es eine Menge gute Begründungen, "neben einer Vollzeitstelle war es doch zu viel" "wollte mich mehr auf meinen eigentlichen Job konzentrieren" "gab eine Bedeutende Gesetzesänderung..." "wurde überholt..." etc...



