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Queen Bee Syndrom unter Anwältinnen
gh97ych
Junior Member
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Beiträge: 9
Themen: 5
Registriert seit: Sep 2024
#1
25.04.2025, 19:46
Je mehr ich im Berufsleben stehe, desto mehr fällt mir auf, dass das Queen-Bee-Syndrom real ist. Als Frau begnet man immer wieder Frauen in höheren Positionen, die es gerade anderen Frauen besonders schwer machen: ständige Kritik, egal wie sehr man sich bemüht, subtile Abwertungen, gezielte Ausgrenzung, das Gefühl, nie gut genug zu sein. Und irgendwann stellt man fest: Es geht gar nicht darum, es ihnen recht zu machen. Es geht um Macht, um Kontrolle und um das eigene gekränkte Ego. Als wäre nur Platz für eine Frau im Raum Wütend
Mich interessiert, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben und wie ihr damit umgeht. 
Die Erinnerung, dass die Betroffenen genug gestraft sind, hilft in der Realität nur bedingt weiter.
Bin gespannt auf eure Perspektiven.
Mi
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Praktiker
Posting Freak
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Beiträge: 2.213
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#2
25.04.2025, 21:29
Mir als Mann ist schon mehrmals aufgefallen, dass vermeintlich besonders emanzipierte Frauen ihre Position nicht zur Frauenförderung genutzt haben, sondern ihren weiblichen Untergebenen das Leben schwer gemacht haben mit dem Argument "ich hatte es damals auch nicht leicht".

Jetzt müssen Frauen natürlich keine besseren Menschen sein als Männer (obwohl sie es im Schnitt durchaus sind). Die Diskrepanz zwischen Vorkämpferin für Frauenrechte im Selbstverständnis und der gelebten Praxis fand ich dann aber schon skurril.
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Egal_
Posting Freak
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Beiträge: 1.467
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#3
26.04.2025, 14:05
Interessant. Ich kannte den Begriff bisher nicht und musste erstmal googeln. Unter Kolleginnen habe ich (w) bisher stets gegenseitige Unterstützung, Hilfsbereitschaft, fast Freundschaft kennengelernt, also das Gegenteil. Eine weibliche Chefin hatte ich bisher erst einmal und das ging bekanntlich schief (ich habe hier im Forum berichtet). Ich weiß nicht genau, woran es gelegen hat. Ein nicht-juristischer Kollege sagte mir in einem Gespräch mal, dass es daran liegen könne, dass wir beide Frauen sind, aber ob es so war, kann ich nicht sagen. Mit anderen Meinungen als ihrer konnte sie nicht umgehen, aber das war nicht nur bei mir so. Da wir allerdings die einzigen Juristen in der Abteilung waren, hatten wir besonders viele Themen gemeinsam.
Mit männlichen Kollegen und Chefs hatte ich noch nie Probleme und ich bin tatsächlich  froh, dass ich jetzt wieder einen Mann als Chef habe. Männer erlebe ich als unkomplizierter und weniger hinterlistig. Wobei ich das richtig schlimme Lästern nur aus meinem früheren Nebenjob in einem Discounter kenne. Zwei Kolleginnen, die das ganze Team gespaltet haben. DAS war übel. Allerdings waren wir dort ein frauendominiertes Team.

Bei meiner früheren Chefin mag es an ihrer Persönlichkeit gelegen haben. Ein generelles Abwerten von Frauen habe ich zumindest bei ihr nicht erlebt.
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Anonym01
Junior Member
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Beiträge: 46
Themen: 2
Registriert seit: Jul 2023
#4
26.04.2025, 17:00
Ich würde es unter beidseitiger internalisierter Mysogynie verorten. Nur, weil man eine Frau ist, heißt das nicht, dass man die Werte und Rollenvorstellungen des Patriachats nicht selbst unterbewusst auch mitträgt.
D.h. einerseits, dass Frauen sowohl den beruflichen Erfolg anderer Frauen herabsetzen können und ihnen ggü "strenger" sind als männlichen Kollegen ggü. (wie der hier beschriebene Sachverhalt). Andererseits heißt es auch, dass man selbst strenger mit Frauen (insbesondere in Führungspositionen) ist und die fehlende Förderung von Frauen durch Männer (die ja statistisch belegt ist) als normal, die fehlende Förderung von Frauen durch Frauen hingegen als Stutenbissigkeit wahrnimmt.

Ich habe einige Freundinnen, die laut ihren eigenen Aussagen "mit Männern grundsätzlich besser klarkommen", "grundsätzlich lieber männliche Chefs haben" etc -> sorry, aber das "grundsätzlich" spricht eindeutig für internalisierten Sexismus. Da halt dem eigenen Geschlecht gegenüber.

Ist auch absolut verständlich - wir sind in dem System aufgewachsen. Muss man sich nur bewusst machen, dass es auch (nicht nur, aber eben auch) an einem selbst liegen könnte. Natürlich kann es im Einzelfall (oder eben auch in mehr Fällen) auch am jeweiligen Individuum liegen. Wenn es aber an Verallgemeinerungen geht, würde ich mal drüber nachdenken, ob ich selbst nicht auch einen Beitrag zu meinem Empfinden leiste.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.04.2025, 17:32 von Anonym01.)
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Anonym01
Junior Member
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Beiträge: 46
Themen: 2
Registriert seit: Jul 2023
#5
26.04.2025, 17:30
Vielleicht ergänzend, weil Du noch nach unseren eigenen Erfahrungen gefragt hattest und wie wir damit umgehen:
Ich habe viele (sehr) gute und auch ein paar schlechte Erfahrungen gemacht, Letztere teilweise ähnlich dem, was du beschrieben hast. Ich habe ähnliche Situationen allerdings auch mit Männern erlebt. Glücklicherweise sind die schlechten Erfahrungen insgesamt wirklich in der deutlichen Minderheit.
Falls es aber doch einmal dazu kommt, dann frage ich mich zuerst, inwiefern ich tatsächlich einen Anlass dazu gegeben haben könnte, dass die Situation jetzt so ist, wie sie ist, d.h. ob ich einen Anteil dran trage. Wenn ich dann feststelle, dass ich mir selbst wirklich nichts vorzuwerfen habe und es wirklich keinen sachlichen Anlass für die Kritik / Ablehnung etc gab, dann versuche ich ehrlich gesagt das Ganze abzuhaken und keine Gedanken mehr dran zu verschwenden. Getreu dem Motto "don't give considerate thought to inconsiderate people". Wenn es eine Person ist, mit der man viel Zeit verbringen muss, versuche ich selbst die Beziehung zu verbessern (deutlich machen, dass ich kompetent bin, aber von mir keine Gefahr ausgeht und ich Kollaboration prima finde) bzw. es anzusprechen (eigene Ansicht erläutern). Wenn weder Ignorieren noch Verbessern klappt, dann würde ich wenn möglich meine Position so verändern, dass ich mit der Person zukünftig weniger Zeit verbringen muss.
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Burchard von Worms
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Registriert seit: Apr 2025
#6
26.04.2025, 17:49
Meine persönliche Beobachtung, insbesondere als Wismit im Großkanzleiumfeld, ist die, dass man meistens mit Vorgesetzten des jeweils anderen Geschlechts besser fährt. Entgegen dem Klischee fühlen sich die älteren Männer/Partner nicht von den jungen Frauen in ihrer Stellung bedroht, sondern von den nachdrängenden jungen Männern. Umgekehrt verhalten die Partnerinnen sich oft deutlich entspannter ggü. männlichen Associates als gegenüber jüngeren - am Ende auch noch attraktiven - Nachwuchsanwältinnen. Ist letztlich nur meine Nahbereichsempirie, passt aber schon dazu, dass die menschlichen Status- und Hierarchiekämpfe überwiegend geschlechtsintern und nicht -übergreifend stattfinden. Das ist ja schon der Schule so. Selbst beim Moot Court im Studium war es auffällig, dass man ggü. Richtern des eigenen Geschlechts deutlich stärker aufpassen musste, nicht "zu selbstbewusst" oder gar konfrontativ aufzutreten, es in der umgekehrten Konstellation dagegen meistens gut ankam und honoriert wurde, solange man dabei halbwegs charmant blieb. Ähnliche Dynamiken habe ich im Ref auch in Gerichtssälen erlebt.
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Praktiker
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Beiträge: 2.213
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Registriert seit: Apr 2021
#7
26.04.2025, 21:26
(26.04.2025, 17:00)Anonym01 schrieb:  Ist auch absolut verständlich - wir sind in dem System aufgewachsen.

Schlimmer - Ihr haltet es am Leben. Patriarchat ist bekanntlich das System, in dem die jungen Männer von ihren Müttern erzogen werden  Prost
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Anonym01
Junior Member
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Beiträge: 46
Themen: 2
Registriert seit: Jul 2023
#8
26.04.2025, 22:43
(26.04.2025, 21:26)Praktiker schrieb:  
(26.04.2025, 17:00)Anonym01 schrieb:  Ist auch absolut verständlich - wir sind in dem System aufgewachsen.

Schlimmer - Ihr haltet es am Leben. Patriarchat ist bekanntlich das System, in dem die jungen Männer von ihren Müttern erzogen werden  Prost

:D :D
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Sesselpupser
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Beiträge: 160
Themen: 2
Registriert seit: Mar 2024
#9
27.04.2025, 07:14
(26.04.2025, 22:43)Anonym01 schrieb:  
(26.04.2025, 21:26)Praktiker schrieb:  
(26.04.2025, 17:00)Anonym01 schrieb:  Ist auch absolut verständlich - wir sind in dem System aufgewachsen.

Schlimmer - Ihr haltet es am Leben. Patriarchat ist bekanntlich das System, in dem die jungen Männer von ihren Müttern erzogen werden  Prost

:D :D
Vielleicht liegt es auch daran wenn hier Klischees wie das vom „Patriarchat“ immer noch weiter hochgehalten werden. Sicherlich gibt es hier und da mal ne Benachteiligung wegen Geschlechts, aber der Gedanke hinter dem Begriff an sich, dass es in modernen westlichen Zivilisationen noch eine Herrschaft der Männer über die Frauen gäbe, ist schon eine Verschwörungstheorie. Einfach nicht hinter allem ein System vermuten, wir leben nicht im Orient. Und wenn man mal empirisch nachforscht, merkt man schnell, dass Mobbing, Konflikte und Benachteiligung am Arbeitsplatz vom Geschlecht unabhängig zwischen und innerhalb beiderlei Geschlechtern gleichmäßig vorkommen werden.
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NRW556
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Beiträge: 101
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2024
#10
27.04.2025, 07:17
(26.04.2025, 17:00)Anonym01 schrieb:  Ich würde es unter beidseitiger internalisierter Mysogynie verorten. Nur, weil man eine Frau ist, heißt das nicht, dass man die Werte und Rollenvorstellungen des Patriachats nicht selbst unterbewusst auch mitträgt.
D.h. einerseits, dass Frauen sowohl den beruflichen Erfolg anderer Frauen herabsetzen können und ihnen ggü "strenger" sind als männlichen Kollegen ggü. (wie der hier beschriebene Sachverhalt). Andererseits heißt es auch, dass man selbst strenger mit Frauen (insbesondere in Führungspositionen) ist und die fehlende Förderung von Frauen durch Männer (die ja statistisch belegt ist) als normal, die fehlende Förderung von Frauen durch Frauen hingegen als Stutenbissigkeit wahrnimmt.

Ich habe einige Freundinnen, die laut ihren eigenen Aussagen "mit Männern grundsätzlich besser klarkommen", "grundsätzlich lieber männliche Chefs haben" etc -> sorry, aber das "grundsätzlich" spricht eindeutig für internalisierten Sexismus. Da halt dem eigenen Geschlecht gegenüber.

Ist auch absolut verständlich - wir sind in dem System aufgewachsen. Muss man sich nur bewusst machen, dass es auch (nicht nur, aber eben auch) an einem selbst liegen könnte. Natürlich kann es im Einzelfall (oder eben auch in mehr Fällen) auch am jeweiligen Individuum liegen. Wenn es aber an Verallgemeinerungen geht, würde ich mal drüber nachdenken, ob ich selbst nicht auch einen Beitrag zu meinem Empfinden leiste.

Was sind die Rollenvorstellungen des Patriarchats?
Und verhält sich dieses Patriarchat zu der Tatsache, dass es berufstätige Frauen, gerade noch als Anwältin gibt. Als junger Mann bin ich im Berufsleben eigentlich ständig in der Unterzahl gewesen. Das einzige mal, wo kein Frauenanteil über 60% herrschte, war eine Strafrechtslanzlei.

Und auch die zur Verfügung stehenden Zahlen deuten auf einen Frauenüberschuss in Verwaltung und Justiz hin
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.04.2025, 10:47 von NRW556.)
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