16.06.2022, 18:41
Danke euch für eure Antworten!
Ich mag an der Anwaltstätigkeit die Vielseitigkeit. In meinem Bereich habe ich oft mit verschiedenen Rechtsgebieten zu tun. Außerdem sind auch die Arbeitsprodukte vielseitig, d.h. mal schreibe ich eine Klage, mal einen Vermerk oder ein simples Forderungsscheiben oder ich schreibe nichts und verwerte meine Ergebnisse in Besprechungen und Telefonaten. Ich habe nie das Gefühl, immer das gleiche zu machen.
Ich kann mir schon vorstellen, die Tätigkeit ein weiteres Jahr in Teilzeit auszuüben. Allerdings sehe ich mich in Zukunft nicht als Anwalt. Wesentlicher Grund ist, dass ich meine Arbeit nicht als besonders bedeutungsvoll empfinde; es erfüllt mich nicht, Interessenvertreter von Wirtschaftsunternehmen zu sein. Außerdem habe ich keine Lust auf Mandantenakquise. An sich finde ich Marketing & Co. nicht schlimm, allerdings läuft das in der Regel parallel zur Mandatsarbeit, was sich nicht gerade positiv auf die Arbeitsbelastung auswirkt. Außerdem netzwerke ich nicht besonders gerne; besonders nicht bei (Abend-)Veranstaltungen, die dem Zweck des Netzwerkens dienen. Das ist m.E. für einen Anwalt auf Dauer keine gute Eigenschaft. Aber auch andere Dinge stören mich, insbes. die Fremdbestimmtheit (zeitlich, fachlich etc.; das wird man wohl aber nur als Richter oder Selbständiger weitgehend los).
Ich würde das Problem "berufliche Neuausrichtung" durch die Teilzeit nur verschieben. Andererseits könnte ich so Zeit gewinnen, um herauszufinden, was ich eigentlich will. Ich könnte das bei meinem Chef auf jeden Fall ansprechen; ich weiß nur nicht, ob er zustimmen würde bzw. ob es allein seine Entscheidung ist. Ich werde darüber aber auf jeden Fall noch einmal intensiver nachdenken, danke. Ich denke aber, dass es für den Fall, dass ich offenlege, dass ich ohne Teilzeit eine Kündigung erwäge, gut wäre, wenn ich schon wüsste, was ich statt meines derzeitigen Jobs machen würde. Ein "Weiter-so" gibt es für mich nicht; das habe ich für mich bereits entschieden.
Danke auch für den Vorschlag einer Tätigkeit als Verbandsjurist. Das schaue ich mir mal genauer an. Ich weiß, dass ich bei jedem anderem Job nicht so viel verdienen werde, wie es jetzt der Fall ist. Das wird zwar vllt. schmerzen, aber offenbar macht mich das Geld (allein) nicht glücklich. Daher hoffe ich, dem nicht allzu sehr nachzutrauern.
Vielleicht gebe ich auch den mittelständischen Unternehmen eine Chance. Kann es mir momentan einfach nicht vorstellen, für ein einziges Unternehmen zu arbeiten. Darüber denke ich aber auch noch einmal nach. Versicherungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften reizen mich leider gar nicht.
Mich würden noch ein paar Stimmen zum öD interessieren. Schafft ihr es, eure Arbeitszeiten einzuhalten oder habt ihr wenigstens ohne großes Theater die Möglichkeit, Überstunden auszugleichen? Ich weiß, dass es stark von der jeweiligen Behörde und dem Aufgabenfeld abhängt. Wie seht ihr die Möglichkeiten, in andere Behörden oder Bereiche zu wechseln, wenn ihr eure momentane Arbeit satt habt? Habt ihr einen solchen Wechsel vielleicht schon einmal gemacht?
Ansonsten interessieren mich natürlich auch im Übrigen eure Gedanken, Tipps und Werdegänge.
Ich mag an der Anwaltstätigkeit die Vielseitigkeit. In meinem Bereich habe ich oft mit verschiedenen Rechtsgebieten zu tun. Außerdem sind auch die Arbeitsprodukte vielseitig, d.h. mal schreibe ich eine Klage, mal einen Vermerk oder ein simples Forderungsscheiben oder ich schreibe nichts und verwerte meine Ergebnisse in Besprechungen und Telefonaten. Ich habe nie das Gefühl, immer das gleiche zu machen.
Ich kann mir schon vorstellen, die Tätigkeit ein weiteres Jahr in Teilzeit auszuüben. Allerdings sehe ich mich in Zukunft nicht als Anwalt. Wesentlicher Grund ist, dass ich meine Arbeit nicht als besonders bedeutungsvoll empfinde; es erfüllt mich nicht, Interessenvertreter von Wirtschaftsunternehmen zu sein. Außerdem habe ich keine Lust auf Mandantenakquise. An sich finde ich Marketing & Co. nicht schlimm, allerdings läuft das in der Regel parallel zur Mandatsarbeit, was sich nicht gerade positiv auf die Arbeitsbelastung auswirkt. Außerdem netzwerke ich nicht besonders gerne; besonders nicht bei (Abend-)Veranstaltungen, die dem Zweck des Netzwerkens dienen. Das ist m.E. für einen Anwalt auf Dauer keine gute Eigenschaft. Aber auch andere Dinge stören mich, insbes. die Fremdbestimmtheit (zeitlich, fachlich etc.; das wird man wohl aber nur als Richter oder Selbständiger weitgehend los).
Ich würde das Problem "berufliche Neuausrichtung" durch die Teilzeit nur verschieben. Andererseits könnte ich so Zeit gewinnen, um herauszufinden, was ich eigentlich will. Ich könnte das bei meinem Chef auf jeden Fall ansprechen; ich weiß nur nicht, ob er zustimmen würde bzw. ob es allein seine Entscheidung ist. Ich werde darüber aber auf jeden Fall noch einmal intensiver nachdenken, danke. Ich denke aber, dass es für den Fall, dass ich offenlege, dass ich ohne Teilzeit eine Kündigung erwäge, gut wäre, wenn ich schon wüsste, was ich statt meines derzeitigen Jobs machen würde. Ein "Weiter-so" gibt es für mich nicht; das habe ich für mich bereits entschieden.
Danke auch für den Vorschlag einer Tätigkeit als Verbandsjurist. Das schaue ich mir mal genauer an. Ich weiß, dass ich bei jedem anderem Job nicht so viel verdienen werde, wie es jetzt der Fall ist. Das wird zwar vllt. schmerzen, aber offenbar macht mich das Geld (allein) nicht glücklich. Daher hoffe ich, dem nicht allzu sehr nachzutrauern.
Vielleicht gebe ich auch den mittelständischen Unternehmen eine Chance. Kann es mir momentan einfach nicht vorstellen, für ein einziges Unternehmen zu arbeiten. Darüber denke ich aber auch noch einmal nach. Versicherungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften reizen mich leider gar nicht.
Mich würden noch ein paar Stimmen zum öD interessieren. Schafft ihr es, eure Arbeitszeiten einzuhalten oder habt ihr wenigstens ohne großes Theater die Möglichkeit, Überstunden auszugleichen? Ich weiß, dass es stark von der jeweiligen Behörde und dem Aufgabenfeld abhängt. Wie seht ihr die Möglichkeiten, in andere Behörden oder Bereiche zu wechseln, wenn ihr eure momentane Arbeit satt habt? Habt ihr einen solchen Wechsel vielleicht schon einmal gemacht?
Ansonsten interessieren mich natürlich auch im Übrigen eure Gedanken, Tipps und Werdegänge.
16.06.2022, 19:41
Warum machst du dich nicht selbständig?
16.06.2022, 21:14
Würde dir das Richteramt empfehlen. Meines Erachtens kriegt man es (nach 1-2 Jahren) gut hin, die Arbeit in 40 Stunden oder weniger zu erledigen. Da sollte auch deine gesammelte Arbeitserfahrung als Anwalt helfen. Hinzukommt, dass du dir die Zeit selber einteilen kannst, was (für mich) auch das Gefühl von „weniger“ Arbeit vermittelt.
16.06.2022, 21:44
Ich habe in den letzten zwei Jahren als Richter am Amtsgericht sehr selten mehr als 40 Stunden die Woche gearbeitet. War davor am LG, dort waren es teilweise um die 45 Stunden pro Woche. Wer am AG dauerhaft deutlich über 40 Stunden arbeitet, macht meiner Meinung nach etwas falsch. Man muss sich selbst eben gut organisieren und im Dezernat ankommen. Allerdings kann ich das auch nur für mein Bundesland sagen. Denke aber mal, dass es in den anderen Bundesländern - außer vielleicht in den Stadtstaaten nicht - nicht allzu anders sein wird.
16.06.2022, 21:45
Ich berichte mal aus der Verwaltung. Vielleicht hilft dir das weiter Ich bin seit fast 10 Jahren Verwaltungsjurist und bin total zufrieden. Angefangen hab ich in der Finanzverwaltung mit dem einjährigen Traineeprogramm, bei dem man Steuerrecht lernt, Einblicke in die Finanzämter bekommt und erste Führungsefahrungen machen kann, dann konnte ich ins Ministerium wechseln. Dort war ich als Referent (nicht im Steuerrecht, sondern komplett anderer Bereich) u.a. für ein Landesgesetz und dessen Auslegung zuständig. Das hat mir total gefallen. Ich habe Anfragen beantwortet, Stellungnahmen zu Petitionen o.Ä. erstellt und Gesetzentwürfe geschrieben. Vor allem Letzteres fand ich sehr spannend, weil ich den gesamten Gesetzgebungsprozess begleiten konnte. Bei uns ist es üblich, dass man nach 2-3 Jahren nochmal die Stelle innerhalb des Ministeriums wechselt, um einen größeren Einblick zu erhalten. Nach 5 Jahren hab ich dann das Ministerium verlassen (auch das ist so vorgesehen) und bin in eine nachgeordnete Behörde gewechselt. Vor 3 Jahren konnte ich zurück ins Ministerium wechseln und bin seitdem Referatsleiter und habe 8 Mitarbeiter.
Im Ministerium hängen die Arbeitszeiten stark von deiner Stelle ab. Bist du für ein Thema zuständig, dass stark im politischen Fokus steht, arbeitest du oft auch mal länger. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich fange in der Regel um 8.30 Uhr an und gehe zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr. Wenn doch mal etwas eilig ist, bleibe ich mal länger bzw. wähle mich im Homeoffice nochmal ein. Im Homeoffice bin ich in der Regel 2 Tage die Woche.
Je nachdem, für welchen Bereich du dich entscheidest, hast du als Verwaltungsjurist oft schon von Anfang an Führungsverantwortung (z.B. beim Landratsamt oder Finanzamt), im Ministerium bist du am Anfang Sachbearbeiter. Wechsel werden bei uns vor allem am Anfang von den Juristen erwartet.
Überstunden kann ich durch Gleittage abbauen.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Manchmal muss man z.B. Dinge umsetzen, die politisch gewollt sind, einem aber nicht sonderlich sinnvoll erscheinen. Oft kann ich aber auch Dinge anstoßen, um Verbesserungen zu erzielen. Insgesamt passt für mich das Gesamtpaket. Ich würde mich nochmal für die Verwaltung entscheiden. Viele meiner Kollegen sind übrigens ehemalige GK-Anwälte.
Im Ministerium hängen die Arbeitszeiten stark von deiner Stelle ab. Bist du für ein Thema zuständig, dass stark im politischen Fokus steht, arbeitest du oft auch mal länger. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich fange in der Regel um 8.30 Uhr an und gehe zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr. Wenn doch mal etwas eilig ist, bleibe ich mal länger bzw. wähle mich im Homeoffice nochmal ein. Im Homeoffice bin ich in der Regel 2 Tage die Woche.
Je nachdem, für welchen Bereich du dich entscheidest, hast du als Verwaltungsjurist oft schon von Anfang an Führungsverantwortung (z.B. beim Landratsamt oder Finanzamt), im Ministerium bist du am Anfang Sachbearbeiter. Wechsel werden bei uns vor allem am Anfang von den Juristen erwartet.
Überstunden kann ich durch Gleittage abbauen.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Manchmal muss man z.B. Dinge umsetzen, die politisch gewollt sind, einem aber nicht sonderlich sinnvoll erscheinen. Oft kann ich aber auch Dinge anstoßen, um Verbesserungen zu erzielen. Insgesamt passt für mich das Gesamtpaket. Ich würde mich nochmal für die Verwaltung entscheiden. Viele meiner Kollegen sind übrigens ehemalige GK-Anwälte.
16.06.2022, 22:19
Geh auf keinen Fall in die Justiz. Bei mir war es der blanke Horror.
16.06.2022, 23:12
17.06.2022, 09:32
(16.06.2022, 21:45)Gast ÖD schrieb: Ich berichte mal aus der Verwaltung. Vielleicht hilft dir das weiter Ich bin seit fast 10 Jahren Verwaltungsjurist und bin total zufrieden. Angefangen hab ich in der Finanzverwaltung mit dem einjährigen Traineeprogramm, bei dem man Steuerrecht lernt, Einblicke in die Finanzämter bekommt und erste Führungsefahrungen machen kann, dann konnte ich ins Ministerium wechseln. Dort war ich als Referent (nicht im Steuerrecht, sondern komplett anderer Bereich) u.a. für ein Landesgesetz und dessen Auslegung zuständig. Das hat mir total gefallen. Ich habe Anfragen beantwortet, Stellungnahmen zu Petitionen o.Ä. erstellt und Gesetzentwürfe geschrieben. Vor allem Letzteres fand ich sehr spannend, weil ich den gesamten Gesetzgebungsprozess begleiten konnte. Bei uns ist es üblich, dass man nach 2-3 Jahren nochmal die Stelle innerhalb des Ministeriums wechselt, um einen größeren Einblick zu erhalten. Nach 5 Jahren hab ich dann das Ministerium verlassen (auch das ist so vorgesehen) und bin in eine nachgeordnete Behörde gewechselt. Vor 3 Jahren konnte ich zurück ins Ministerium wechseln und bin seitdem Referatsleiter und habe 8 Mitarbeiter.
Im Ministerium hängen die Arbeitszeiten stark von deiner Stelle ab. Bist du für ein Thema zuständig, dass stark im politischen Fokus steht, arbeitest du oft auch mal länger. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich fange in der Regel um 8.30 Uhr an und gehe zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr. Wenn doch mal etwas eilig ist, bleibe ich mal länger bzw. wähle mich im Homeoffice nochmal ein. Im Homeoffice bin ich in der Regel 2 Tage die Woche.
Je nachdem, für welchen Bereich du dich entscheidest, hast du als Verwaltungsjurist oft schon von Anfang an Führungsverantwortung (z.B. beim Landratsamt oder Finanzamt), im Ministerium bist du am Anfang Sachbearbeiter. Wechsel werden bei uns vor allem am Anfang von den Juristen erwartet.
Überstunden kann ich durch Gleittage abbauen.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Manchmal muss man z.B. Dinge umsetzen, die politisch gewollt sind, einem aber nicht sonderlich sinnvoll erscheinen. Oft kann ich aber auch Dinge anstoßen, um Verbesserungen zu erzielen. Insgesamt passt für mich das Gesamtpaket. Ich würde mich nochmal für die Verwaltung entscheiden. Viele meiner Kollegen sind übrigens ehemalige GK-Anwälte.
Danke für deinen ausführlichen Bericht! Wie ist die Besoldung für deinen Weg? Ab wann hast du A14 bekommen?
17.06.2022, 10:19
17.06.2022, 10:58
Also deine Arbeitszeiten sind wie in der Justiz, da arbeitet man - zumindest in den ersten 4 Jahren auf jeden Fall WE und Feiertags. Und das bei einem mit Sicherheit schlechteren Gehalt. Und wenn Du noch das Pech hast auf eine "abgesoffene" Abteilung zu kommen, was oft vorkommt, dann arbeitest Du erstmal 7 Tage durch, um das aufzuräumen. Hast Du es dann aufgeräumt versetzt man dich. Selbst erlebt und kenne viele bei denen es auch so ist. Dies mal als Gedankenanstoß.









