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1 2 »
Antworten

 
Kennt ihr jemanden, der das Referendariat abgebrochen hat?
GastNW
Unregistered
 
#1
21.11.2021, 14:59
Hallo zusammen,
Ich habe im September mein Ref in NRW begonnen und spiele immer öfter mit dem Gedanken, es abzubrechen.
Das Studium fand ich mittelmäßig interessant und schon okay, am Ende habe ich auch knapp das VB geschafft. Schon währenddessen dachte ich mir aber, dass Jura wahrscheinlich nicht das richtige für mich ist. Aus Mangel an Alternativen und weil ich schauen wollte, ob mir das Referendariat bzw. die Arbeitsweise im 2. Stex mehr zusagt, habe ich trotzdem das Ref begonnen.
Mir ist klar, dass man nach nicht mal drei Monaten noch längst nicht alles gesehen hat. In dieser Zeit hat sich aber mein Gedanke verstärkt, dass ich wahrscheinlich nicht in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten möchte. Die Arbeitsweise und Lerninhalte sagen mir jetzt noch viel viel weniger zu als im Studium, ich hatte mehr Spaß am theoretischen bzw. wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ein Teil von mir denkt sich, dass ich mich die zwei Jahre auch durchquälen könnte um am Ende wenigstens mit zwei Examina dazustehen und Volljurist zu sein. Ein anderer Teil von mir ist einfach völlig ausgelaugt, mir raubt es viel Kraft mich jeden Tag zwingen zu müssen für etwas das mich nicht wirklich interessiert. Falls ich mich fachlich umorientieren würde denke ich mir auch, dass ich dadurch nur zwei weitere Jahre verlieren würde und schlussendlich wahrscheinlich nicht zwei Examina bräuchte.

Daher die Eingangsfrage, ich würde mich freuen über Rat oder wenn jemand persönlich Erfahrung hat.
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Ich kann Dir empfehlen, zur Vorbereitung auf das Referendariat das Buch "99 Tipps & Hinweise für ein erfolgreiches Rechtsreferendariat" zu lesen. Das Buch gibt es als Print-Ausgabe und E-Book. Infos hierzu findest Du auf folgender Seite:

https://www.juristenkoffer.de/rechtsreferendariat/99-tipps-hinweise.php

Neben Tipps zur Planung des Referendariats beinhaltet das Buch auch viele hilfreiche Hinweise zur optimalen Examensvorbereitung sowie viele konkrete Tipps für das Schreiben der Klausuren.
 
omnimodo
Senior Member
****
Beiträge: 725
Themen: 6
Registriert seit: Apr 2021
#2
21.11.2021, 15:08
(21.11.2021, 14:59)GastNW schrieb:  Hallo zusammen,
Ich habe im September mein Ref in NRW begonnen und spiele immer öfter mit dem Gedanken, es abzubrechen.
Das Studium fand ich mittelmäßig interessant und schon okay, am Ende habe ich auch knapp das VB geschafft. Schon währenddessen dachte ich mir aber, dass Jura wahrscheinlich nicht das richtige für mich ist. Aus Mangel an Alternativen und weil ich schauen wollte, ob mir das Referendariat bzw. die Arbeitsweise im 2. Stex mehr zusagt, habe ich trotzdem das Ref begonnen.
Mir ist klar, dass man nach nicht mal drei Monaten noch längst nicht alles gesehen hat. In dieser Zeit hat sich aber mein Gedanke verstärkt, dass ich wahrscheinlich nicht in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten möchte. Die Arbeitsweise und Lerninhalte sagen mir jetzt noch viel viel weniger zu als im Studium, ich hatte mehr Spaß am theoretischen bzw. wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ein Teil von mir denkt sich, dass ich mich die zwei Jahre auch durchquälen könnte um am Ende wenigstens mit zwei Examina dazustehen und Volljurist zu sein. Ein anderer Teil von mir ist einfach völlig ausgelaugt, mir raubt es viel Kraft mich jeden Tag zwingen zu müssen für etwas das mich nicht wirklich interessiert. Falls ich mich fachlich umorientieren würde denke ich mir auch, dass ich dadurch nur zwei weitere Jahre verlieren würde und schlussendlich wahrscheinlich nicht zwei Examina bräuchte.

Daher die Eingangsfrage, ich würde mich freuen über Rat oder wenn jemand persönlich Erfahrung hat.


Die Einblicke im Ref sind oft nur sehr begrenzt und teils verzerrt. In der Zivilstation sieht man Verhandlungen und schreibt Urteile. Die Dezernatsarbeit bekommt man kaum mit und selbst wenn dann ist es auch wieder nur ein kleiner Einblick.

Ich würde an deiner Stelle probieren durch die Wahlstation nochmal etwas anderes zu sehen.

Wenn du dir hier und jetzt natürlich sicher bist, dass du nie in einem juristischen Beruf arbeiten willst, für den das Zweite jedenfalls sehr förderlich wäre, bringt es ja nichts das Ref jetzt zu machen.

Nachholen könntest du es im Zweifel immer noch, auch wenn man da bedenken muss, dass Auszeiten es nicht einfacher machen wieder reinzukommen und man viel vergisst.
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der_david
Junior Member
Beiträge: 155
Themen: 3
Registriert seit: Oct 2020
#3
21.11.2021, 15:11
(21.11.2021, 14:59)GastNW schrieb:  Hallo zusammen,
Ich habe im September mein Ref in NRW begonnen und spiele immer öfter mit dem Gedanken, es abzubrechen.
Das Studium fand ich mittelmäßig interessant und schon okay, am Ende habe ich auch knapp das VB geschafft. Schon währenddessen dachte ich mir aber, dass Jura wahrscheinlich nicht das richtige für mich ist. Aus Mangel an Alternativen und weil ich schauen wollte, ob mir das Referendariat bzw. die Arbeitsweise im 2. Stex mehr zusagt, habe ich trotzdem das Ref begonnen.
Mir ist klar, dass man nach nicht mal drei Monaten noch längst nicht alles gesehen hat. In dieser Zeit hat sich aber mein Gedanke verstärkt, dass ich wahrscheinlich nicht in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten möchte. Die Arbeitsweise und Lerninhalte sagen mir jetzt noch viel viel weniger zu als im Studium, ich hatte mehr Spaß am theoretischen bzw. wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ein Teil von mir denkt sich, dass ich mich die zwei Jahre auch durchquälen könnte um am Ende wenigstens mit zwei Examina dazustehen und Volljurist zu sein. Ein anderer Teil von mir ist einfach völlig ausgelaugt, mir raubt es viel Kraft mich jeden Tag zwingen zu müssen für etwas das mich nicht wirklich interessiert. Falls ich mich fachlich umorientieren würde denke ich mir auch, dass ich dadurch nur zwei weitere Jahre verlieren würde und schlussendlich wahrscheinlich nicht zwei Examina bräuchte.

Daher die Eingangsfrage, ich würde mich freuen über Rat oder wenn jemand persönlich Erfahrung hat.

Als Volljurist kannst du in vielen Feldern arbeiten, aber wenn du abbrichst hast du mit dem ersten Examen nur einen wenig anerkannten Abschluss (Bachelor-Niveau). Ich würde dazu raten, zu probieren es durchzuziehen. Kommt aber ganz drauf an, was du machen möchtest. Wenn es Schreiner ist, dann hilft dir das zweite Examen nichts. Wenn es in Richtung Wirtschaft, Finanzen oder öD gehen soll, dann schon eher.
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guga
Unregistered
 
#4
21.11.2021, 15:29
im Ref arbeitest du doch nur 1-3 Tage die Woche. Mach einen schlanken Fuß mit gut gewählten Stationen, Urlauben und ggfs Krankheiten. Man überarbeitet sich da wirklich nicht. Chilligste Zeit meines Lebens. Stressig ist nur deie Examensvorbereitung. Wenn du 4 gewinnt machst, hälst sich der Aufwand aber auch sehr in Grenzen.
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Gast
Unregistered
 
#5
21.11.2021, 17:13
Ich überlege gefühlt jeden Tag, habe mich aber mittlerweile bis zur Anwaltsstation durchgekämpft und muss nun nur noch ein Jahr inkl. Wahlstation und mündlicher Prüfung durchhalten.
Ich hasse es jeden Tag, empfinde es als nicht annähernd so entspannt wie guga, bin aber froh, dass ich es durchziehe. 
Der Unterschied ist aber, ich will definitiv in einem juristischen Beruf arbeiten. Trotzdem glaube ich, dass es sich auch lohnt, wenn man das nicht möchte. Als Volljurist stehen dir ziemlich viele Türen offen, als Jurist mit einem Examen quasi keine.
Ich hätte an deiner Stelle zu große Sorgen, das zu bereuen.
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Gast
Unregistered
 
#6
21.11.2021, 18:13
(21.11.2021, 14:59)GastNW schrieb:  Hallo zusammen,
Ich habe im September mein Ref in NRW begonnen und spiele immer öfter mit dem Gedanken, es abzubrechen.
Das Studium fand ich mittelmäßig interessant und schon okay, am Ende habe ich auch knapp das VB geschafft. Schon währenddessen dachte ich mir aber, dass Jura wahrscheinlich nicht das richtige für mich ist. Aus Mangel an Alternativen und weil ich schauen wollte, ob mir das Referendariat bzw. die Arbeitsweise im 2. Stex mehr zusagt, habe ich trotzdem das Ref begonnen.
Mir ist klar, dass man nach nicht mal drei Monaten noch längst nicht alles gesehen hat. In dieser Zeit hat sich aber mein Gedanke verstärkt, dass ich wahrscheinlich nicht in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten möchte. Die Arbeitsweise und Lerninhalte sagen mir jetzt noch viel viel weniger zu als im Studium, ich hatte mehr Spaß am theoretischen bzw. wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ein Teil von mir denkt sich, dass ich mich die zwei Jahre auch durchquälen könnte um am Ende wenigstens mit zwei Examina dazustehen und Volljurist zu sein. Ein anderer Teil von mir ist einfach völlig ausgelaugt, mir raubt es viel Kraft mich jeden Tag zwingen zu müssen für etwas das mich nicht wirklich interessiert. Falls ich mich fachlich umorientieren würde denke ich mir auch, dass ich dadurch nur zwei weitere Jahre verlieren würde und schlussendlich wahrscheinlich nicht zwei Examina bräuchte.

Daher die Eingangsfrage, ich würde mich freuen über Rat oder wenn jemand persönlich Erfahrung hat.


Ich kann dir nur sagen, dass du damit nicht alleine bist. Trifft zwar nicht auf mich zu, aber in meiner AG waren mindestens 25%, die völlig die Lust auf einen juristischen Beruf verloren hatten. U.a. waren da auch promovierte dabei. Abgesprungen ist aber nur einer, der hat sich parallel wegbeworben und ein halbes Jahr vor dem Examen eine Stelle beim Staat bekommen.
Kann dir allerdings auch nicht sagen, wie es den anderen jetzt geht, da besteht kein Kontakt. Wie sieht's denn in deiner AG aus? Geht's da auch mehreren so?
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GastNW
Unregistered
 
#7
21.11.2021, 18:42
(21.11.2021, 15:11)der_david schrieb:  Als Volljurist kannst du in vielen Feldern arbeiten, aber wenn du abbrichst hast du mit dem ersten Examen nur einen wenig anerkannten Abschluss (Bachelor-Niveau). Ich würde dazu raten, zu probieren es durchzuziehen. Kommt aber ganz drauf an, was du machen möchtest. Wenn es Schreiner ist, dann hilft dir das zweite Examen nichts. Wenn es in Richtung Wirtschaft, Finanzen oder öD gehen soll, dann schon eher.

Die von dir genannten Bereiche kann ich mir durchaus vorstellen. Ich glaube ein weiteres Problem von mir ist, dass ich aktuell keine sichere Alternative im Blick habe, sodass ich nicht weiß wie ich mich auszurichten habe.

(21.11.2021, 18:13)Gast schrieb:  Ich kann dir nur sagen, dass du damit nicht alleine bist. Trifft zwar nicht auf mich zu, aber in meiner AG waren mindestens 25%, die völlig die Lust auf einen juristischen Beruf verloren hatten. U.a. waren da auch promovierte dabei. Abgesprungen ist aber nur einer, der hat sich parallel wegbeworben und ein halbes Jahr vor dem Examen eine Stelle beim Staat bekommen.
Kann dir allerdings auch nicht sagen, wie es den anderen jetzt geht, da besteht kein Kontakt. Wie sieht's denn in deiner AG aus? Geht's da auch mehreren so?

Das beruhigt mich ehrlich gesagt zu hören. Die meisten Leute in meiner AG sind super, allerdings habe ich den Eindruck dass so ziemlich jeder motivierter, klüger und fleißiger ist als ich. Mag sein dass das nur mein Eindruck ist, ich beneide jedenfalls diejenigen die mit Leidenschaft dabei sind. Dass jemand derartige Zweifel hat wie ich ist mir nicht zu Ohren gekommen.


Vielen Dank auf jeden Fall an alle für die freundlichen Antworten.  Smile
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Gast
Unregistered
 
#8
21.11.2021, 19:01
Am Anfang jeder neuen Station wollte ich hinschmeißen, wirklich bei jeder. Ich war genervt, gelangweilt, manchmal gestresst, fühlte mich nicht erstgenommen oder verarscht. Einzig die StA Station hat viel Spaß gemacht. 

Ich hab dann immer gedacht, es ist eine absolut überschaubare Zeit, da die längste Station bei uns neun Monate dauert, von denen mindestens vier getaucht werden.


Tatsächlich sind die zwei Jahre dann doch super schnell vergangen und am Ende hatte ich das Examen mit anständigem Ergebnis in der Tasche. 

Kurzem: Zieh es durch, als Volljurist sind deine Auswahlmöglichkeiten einfach größer. Ich bin jetzt als Richter auf Probe abgeordnet ans Ministerium und habe mit Jura derzeit gar nichts zu tun.
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Gast
Unregistered
 
#9
21.11.2021, 20:22
Also ich kenne eine, die bei uns das ref abgebrochen hat. Bei der war es aber so, dass sie nur gerade so das 1. Examen schon ganz knapp nur bestanden hatte und auch in den ref Klausuren meistens durchgefallen ist. Die hatte auch einfach keine Hoffnung dass sie das 2.examen besteht.
Hat danach nur noch irgendwelche Sekretärinnen Jobs bekommen. Also finanziell  und auch insgesamt würde es sicher besser sein, du ziehst es durch. Natürlich aber spricht nichts dagegen sich mal jetzt schon irgendwo zu bewerben. Vielleicht hast du ja Glück und findest trotzdem jetzt schon einen guten Job. Drauf verlassen würde ich mich aber nicht. Grundsätzlich sind nunmal die Möglichkeiten mit 2.examen deutlich besser. Ich habe aber gehört, dass wohl Unternehmensberatung auch welche mit 1.examen nehmen. Vielleicht da mal versuchen. Da steigst eventuell ähnlich ein wie ein bwler.
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Gast
Unregistered
 
#10
21.11.2021, 21:55
Bei uns in der AG hat eine nach dem Einführungslehrgang aufgehört. Ich weiß aber nicht, was die jetzt macht.

Wenn du dir Verwaltung bzw. ÖD in irgendeiner Form vorstellen kannst, zieh es durch. Die Jobs, die man da macht sind sehr vielfältig und oftmals nicht besonders juristisch. Google einfach mal was es alles so für Behörden und staatliche Stellen gibt. Die suchen eigentlich alle Juristen als Führungskräfte oder Referenten. Hartes Einstellungskriterium ist aber trotzdem oft das zweite Staatsexamen oder wenn auch Absolventen anderer Fachrichtungen genommen werden ein Master. Da die Behörde nach dem Prinzip der Bestenauslese auswählen muss kommt man da dann auch nicht drum rum.
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