30.10.2026, 09:32
(27.10.2026, 17:37)Freidenkender schrieb:(27.10.2026, 13:38)FelixFrankfurter schrieb:(27.10.2026, 10:12)Freidenkender schrieb: KI im Kanzleialltag sollte mit Bedacht genutzt werden. Dieses Urteil des BAG zeigt, wie sich Anwälte öffentlich zum Narren machen. Das erkläre mal deinem Mandanten....
2 AZN 339/26 - Das Bundesarbeitsgericht
schön kommentiert hier:
Vertretungszwang vor dem BAG: Ungeprüft signierter Schriftsatz mit „halluzinierten“ Urteilen* – ArbRB-Blog
Der Fall ist sicher ungewöhnlich, da der Kollege selten dämlich vorgegangen ist. Wenn die Nichtzulassungsbeschwerde schon äußerlich darauf schließen lässt, dass hier eher die KI den Schriftsatz erstellt hat als der RA. Dann die zitierten (Nicht-)Urteile. Die Folgerungen des BAG sind aber sehr weitgehend und die Instanzgerichte werden sich die Entscheidung genau ansehen. Sie eröffnet die Möglichkeit Verfahren formell abzuschießen. Das BAG hat den Fall sicher ganz bewusst gewählt, da er exemplarisch zeigt, wie sorglos Kollegen mit KI agieren. Solches Verhalten schädigt am Ende das Vertrauen in die Organe der Rechtspflege.
Mich würde interessieren, wie der Mandant reagiert hat, ob die Kammer den Fall aufgreift und was sagt wohl seine Versicherung?
Das eigentlich interessante an dem Fall ist mMn, dass die KI des Anwalts überhaupt noch Halluzinationen in nennenswertem Umfang produziert hat. Claude zumindest macht das aktuell eigentlich nicht mehr.
Claude würde ich persönlich aber auch nicht vertrauen. Meine Erfahrungen zum Arbeitsrecht sind da nicht gut. Open AI übrigens auch nicht
Von Claude bin ich ehrlicherweise ziemlich beeindruckt. Damit erziele ich teilweise sogar deutlich bessere Ergebnisse als mit Beck-Noxtua.
Für das Arbeitsrecht kann ich das aber nicht hinreichend beurteilen. Dadurch das das Arbeitsrecht sehr stark durchs Richterrecht geprägt ist, kann es natürlich sein, dass ihm relevante Quellen für juristisch präzise Entscheidungen fehlen. Betreffen deine Erfahrungen eher allgemein Rechtsfragen oder vertiefte arbeitsrechtliche Fragestellungen, bei denen Claude nicht so wirklich geholfen hat?
30.10.2026, 10:43
(30.10.2026, 09:32)advocatus diaboli schrieb:(27.10.2026, 17:37)Freidenkender schrieb:(27.10.2026, 13:38)FelixFrankfurter schrieb:(27.10.2026, 10:12)Freidenkender schrieb: KI im Kanzleialltag sollte mit Bedacht genutzt werden. Dieses Urteil des BAG zeigt, wie sich Anwälte öffentlich zum Narren machen. Das erkläre mal deinem Mandanten....
2 AZN 339/26 - Das Bundesarbeitsgericht
schön kommentiert hier:
Vertretungszwang vor dem BAG: Ungeprüft signierter Schriftsatz mit „halluzinierten“ Urteilen* – ArbRB-Blog
Der Fall ist sicher ungewöhnlich, da der Kollege selten dämlich vorgegangen ist. Wenn die Nichtzulassungsbeschwerde schon äußerlich darauf schließen lässt, dass hier eher die KI den Schriftsatz erstellt hat als der RA. Dann die zitierten (Nicht-)Urteile. Die Folgerungen des BAG sind aber sehr weitgehend und die Instanzgerichte werden sich die Entscheidung genau ansehen. Sie eröffnet die Möglichkeit Verfahren formell abzuschießen. Das BAG hat den Fall sicher ganz bewusst gewählt, da er exemplarisch zeigt, wie sorglos Kollegen mit KI agieren. Solches Verhalten schädigt am Ende das Vertrauen in die Organe der Rechtspflege.
Mich würde interessieren, wie der Mandant reagiert hat, ob die Kammer den Fall aufgreift und was sagt wohl seine Versicherung?
Das eigentlich interessante an dem Fall ist mMn, dass die KI des Anwalts überhaupt noch Halluzinationen in nennenswertem Umfang produziert hat. Claude zumindest macht das aktuell eigentlich nicht mehr.
Claude würde ich persönlich aber auch nicht vertrauen. Meine Erfahrungen zum Arbeitsrecht sind da nicht gut. Open AI übrigens auch nicht
Von Claude bin ich ehrlicherweise ziemlich beeindruckt. Damit erziele ich teilweise sogar deutlich bessere Ergebnisse als mit Beck-Noxtua.
Für das Arbeitsrecht kann ich das aber nicht hinreichend beurteilen. Dadurch das das Arbeitsrecht sehr stark durchs Richterrecht geprägt ist, kann es natürlich sein, dass ihm relevante Quellen für juristisch präzise Entscheidungen fehlen. Betreffen deine Erfahrungen eher allgemein Rechtsfragen oder vertiefte arbeitsrechtliche Fragestellungen, bei denen Claude nicht so wirklich geholfen hat?
allgemeine Rechtsfragen stelle ich da nicht. Dafür bin ich zu lange im Arbeitsrecht unterwegs. Wenn ich es nicht selbst ad hoc weiß, dann weiß ich aber wo ich es mit einem Griff finde. Da fange ich nicht an zu prompten. Wenn dann sind es vertiefte Frage im Bereich kollektivem Arbeitsrecht, die ich wirklich mal recherchiere. Da habe ich noch keine KI gefunden, die mir verlässlich hilft. Ich probiere viel aus. Aber nicht in dem ich einen kompletten Sachverhalt rein gebe, sondern sehr spitz juristische Themen suche. Das geht dann deutlich besser. Am Ende ist es dann kaum was anderes als eine Schlagwortsuche.
Daher nutze ich derzeit dann KI, um mein Gerüst, dass ich selbst recherchiert habe noch in Form zu bringen. Ggf. kann man sie noch nutzen um die eine oder andere Quellenangabe mit weiteren Fundstellen "aufzupolieren". Aber in einen Schriftsatz/Gutachten kommt nichts, was nicht noch mal gesichtet wurde. Das hat sich seit Juris nicht verändert. Wo man KI gut nutzen kann, dann sind es Massengeschichten bei Betriebsübergängen und so.
Ob jetzt Claude bei dem Fall des Kollegen am BAG besser gewesen wäre, kann niemand beurteilen. Die Sachverhaltsdarstellung zeigt ja schon, dass hier jedes Maß der Sorgfalt gefehlt hat. Wie dämlich kann man sein, wenn man schon mal ein Verfahren ans BAG bringt, so dumm und nachlässig zu sein.
30.10.2026, 14:40
(30.10.2026, 10:43)Freidenkender schrieb:(30.10.2026, 09:32)advocatus diaboli schrieb:(27.10.2026, 17:37)Freidenkender schrieb:(27.10.2026, 13:38)FelixFrankfurter schrieb:(27.10.2026, 10:12)Freidenkender schrieb: KI im Kanzleialltag sollte mit Bedacht genutzt werden. Dieses Urteil des BAG zeigt, wie sich Anwälte öffentlich zum Narren machen. Das erkläre mal deinem Mandanten....
2 AZN 339/26 - Das Bundesarbeitsgericht
schön kommentiert hier:
Vertretungszwang vor dem BAG: Ungeprüft signierter Schriftsatz mit „halluzinierten“ Urteilen* – ArbRB-Blog
Der Fall ist sicher ungewöhnlich, da der Kollege selten dämlich vorgegangen ist. Wenn die Nichtzulassungsbeschwerde schon äußerlich darauf schließen lässt, dass hier eher die KI den Schriftsatz erstellt hat als der RA. Dann die zitierten (Nicht-)Urteile. Die Folgerungen des BAG sind aber sehr weitgehend und die Instanzgerichte werden sich die Entscheidung genau ansehen. Sie eröffnet die Möglichkeit Verfahren formell abzuschießen. Das BAG hat den Fall sicher ganz bewusst gewählt, da er exemplarisch zeigt, wie sorglos Kollegen mit KI agieren. Solches Verhalten schädigt am Ende das Vertrauen in die Organe der Rechtspflege.
Mich würde interessieren, wie der Mandant reagiert hat, ob die Kammer den Fall aufgreift und was sagt wohl seine Versicherung?
Das eigentlich interessante an dem Fall ist mMn, dass die KI des Anwalts überhaupt noch Halluzinationen in nennenswertem Umfang produziert hat. Claude zumindest macht das aktuell eigentlich nicht mehr.
Claude würde ich persönlich aber auch nicht vertrauen. Meine Erfahrungen zum Arbeitsrecht sind da nicht gut. Open AI übrigens auch nicht
Von Claude bin ich ehrlicherweise ziemlich beeindruckt. Damit erziele ich teilweise sogar deutlich bessere Ergebnisse als mit Beck-Noxtua.
Für das Arbeitsrecht kann ich das aber nicht hinreichend beurteilen. Dadurch das das Arbeitsrecht sehr stark durchs Richterrecht geprägt ist, kann es natürlich sein, dass ihm relevante Quellen für juristisch präzise Entscheidungen fehlen. Betreffen deine Erfahrungen eher allgemein Rechtsfragen oder vertiefte arbeitsrechtliche Fragestellungen, bei denen Claude nicht so wirklich geholfen hat?
allgemeine Rechtsfragen stelle ich da nicht. Dafür bin ich zu lange im Arbeitsrecht unterwegs. Wenn ich es nicht selbst ad hoc weiß, dann weiß ich aber wo ich es mit einem Griff finde. Da fange ich nicht an zu prompten. Wenn dann sind es vertiefte Frage im Bereich kollektivem Arbeitsrecht, die ich wirklich mal recherchiere. Da habe ich noch keine KI gefunden, die mir verlässlich hilft. Ich probiere viel aus. Aber nicht in dem ich einen kompletten Sachverhalt rein gebe, sondern sehr spitz juristische Themen suche. Das geht dann deutlich besser. Am Ende ist es dann kaum was anderes als eine Schlagwortsuche.
Daher nutze ich derzeit dann KI, um mein Gerüst, dass ich selbst recherchiert habe noch in Form zu bringen. Ggf. kann man sie noch nutzen um die eine oder andere Quellenangabe mit weiteren Fundstellen "aufzupolieren". Aber in einen Schriftsatz/Gutachten kommt nichts, was nicht noch mal gesichtet wurde. Das hat sich seit Juris nicht verändert. Wo man KI gut nutzen kann, dann sind es Massengeschichten bei Betriebsübergängen und so.
Ob jetzt Claude bei dem Fall des Kollegen am BAG besser gewesen wäre, kann niemand beurteilen. Die Sachverhaltsdarstellung zeigt ja schon, dass hier jedes Maß der Sorgfalt gefehlt hat. Wie dämlich kann man sein, wenn man schon mal ein Verfahren ans BAG bringt, so dumm und nachlässig zu sein.
So ist es leider. Die verschiedenen KIs sind gut, aber juristisch arbeiten sie noch zu sehr an der Oberfläche. Für eine vertiefte und fundierte Recherche nutze ich sie daher nicht, da ich damit noch keine guten Erfahrungen gemacht habe. Aber sie helfen, um an der Oberfläche zu graben, um zu zeigen, wo man vertieft einsteigen muss.
Ich habe mich die letzten Tage durch ein Gesetzesvorhaben gewühlt. Dafür ist die KI super. Mir daraus einen super Schriftsatz auszuarbeiten klappt aber noch nicht so, wie ich es möchte.
Oder ich nutze sie für Anfragen von Kollegen, die schnell mal etwas kleineres haben wollen, wo ich aber nicht die Zeit habe, mich intensiv mit zu beschäftigen. Also ab in die KI, anschließend nochmal überprüft und Layout überarbeitet und dann zurück an den Kollegen gespielt.
Also diese Dinge, die viel Zeit kosten bei wenig Output. Die bekommt man damit schneller vom Tisch und kann sich somit den wichtigen Themen widmen.
30.10.2026, 17:09
Das Claude nur an der juristischen Oberfläche kratzen würde, kann ich jedenfalls nicht bestätigen. Da habe ich schon sehr beeindruckende Resultate gesehen, die einem erfahrenen Rechtsanwalt in nichts nachstanden.
Hängt sicherlich auch von der jeweiligen Implementierung im Unternehmen ab. Uns steht Opus 5.5 zur Verfügung und wir haben auch ein sehr großes Token-Limit. Darüber hinaus kann Claude über die entsprechenden Schnittstellen auf unsere Wissensdatenbank zugreifen. Dadurch richtet er seine Ausarbeitungen natürlich auch stark auf unsere bisherigen Unterlagen aus.
Es kommt aber natürlich auch vor, dass mir der Schreibstil oder generell die Ausarbeitung nicht gefällt. Aber selbst bei komplexen Ausarbeitungen werden teilweise sehr gute Ergebnisse in einem Bruchteil der Zeit erzeugt, die ein Mensch benötigen würde. Ich passe diese dann zwar häufig auch noch an, aber der gesamte Prozess erspart mir teilweise sehr viel Zeit.
Ich muss aber auch sagen, dass die Ergebnisse sehr stark vom Prompt abhängen. Viele meiner Kollegen haben sich nie damit beschäftigt, wie man für gute juristische Ausarbeitungen prompten muss. Da werden dann teilweise nur Fragestellungen ohne Kontext eingegeben. Da überzeugen die Ergebnisse dann natürlich auch häufig nicht. KI ist natürlich nur so gut, wie der Prompt und das Wissen, das ihm zur Verfügung steht.
Hängt sicherlich auch von der jeweiligen Implementierung im Unternehmen ab. Uns steht Opus 5.5 zur Verfügung und wir haben auch ein sehr großes Token-Limit. Darüber hinaus kann Claude über die entsprechenden Schnittstellen auf unsere Wissensdatenbank zugreifen. Dadurch richtet er seine Ausarbeitungen natürlich auch stark auf unsere bisherigen Unterlagen aus.
Es kommt aber natürlich auch vor, dass mir der Schreibstil oder generell die Ausarbeitung nicht gefällt. Aber selbst bei komplexen Ausarbeitungen werden teilweise sehr gute Ergebnisse in einem Bruchteil der Zeit erzeugt, die ein Mensch benötigen würde. Ich passe diese dann zwar häufig auch noch an, aber der gesamte Prozess erspart mir teilweise sehr viel Zeit.
Ich muss aber auch sagen, dass die Ergebnisse sehr stark vom Prompt abhängen. Viele meiner Kollegen haben sich nie damit beschäftigt, wie man für gute juristische Ausarbeitungen prompten muss. Da werden dann teilweise nur Fragestellungen ohne Kontext eingegeben. Da überzeugen die Ergebnisse dann natürlich auch häufig nicht. KI ist natürlich nur so gut, wie der Prompt und das Wissen, das ihm zur Verfügung steht.
30.10.2026, 17:49
Toolseitig haben wir da verschiedenste Alternativen in der jeweils höchsten Ausbaustufe. Aber das löst nicht meine Probleme. KI ist nicht der Gamechanger. Es unterstützt. Das ist völlig klar und macht Sachen auch schneller. Aber die juristische Qualität ist für die Fragestellungen, bei denen ich eine Kernbohrung brauche (noch) nicht ausreichend
30.10.2026, 21:41
(30.10.2026, 17:09)advocatus diaboli schrieb: Das Claude nur an der juristischen Oberfläche kratzen würde, kann ich jedenfalls nicht bestätigen. Da habe ich schon sehr beeindruckende Resultate gesehen, die einem erfahrenen Rechtsanwalt in nichts nachstanden.
Hängt sicherlich auch von der jeweiligen Implementierung im Unternehmen ab. Uns steht Opus 5.5 zur Verfügung und wir haben auch ein sehr großes Token-Limit. Darüber hinaus kann Claude über die entsprechenden Schnittstellen auf unsere Wissensdatenbank zugreifen. Dadurch richtet er seine Ausarbeitungen natürlich auch stark auf unsere bisherigen Unterlagen aus.
Es kommt aber natürlich auch vor, dass mir der Schreibstil oder generell die Ausarbeitung nicht gefällt. Aber selbst bei komplexen Ausarbeitungen werden teilweise sehr gute Ergebnisse in einem Bruchteil der Zeit erzeugt, die ein Mensch benötigen würde. Ich passe diese dann zwar häufig auch noch an, aber der gesamte Prozess erspart mir teilweise sehr viel Zeit.
Ich muss aber auch sagen, dass die Ergebnisse sehr stark vom Prompt abhängen. Viele meiner Kollegen haben sich nie damit beschäftigt, wie man für gute juristische Ausarbeitungen prompten muss. Da werden dann teilweise nur Fragestellungen ohne Kontext eingegeben. Da überzeugen die Ergebnisse dann natürlich auch häufig nicht. KI ist natürlich nur so gut, wie der Prompt und das Wissen, das ihm zur Verfügung steht.
Claude nutzen wir nicht. Wir haben Copilot in verschiedenen Unternehmensvarianten und eine unternehmenseigene Entwicklung ähnlich ChatGPT. Privat nutze ich zusätzlich Gemini.
Ist natürlich nicht spezifisch juristisch, was wahrscheinlich die juristische Limitierung erklärt. Trotzdem ist es vor Allem oft auch der Schreibstil, der mir nicht gefällt. Ich gehe aber auch davon aus, dass das noch besser wird. Wenn ich mich an unsere Unterhaltungen hier im Forum erinnere, waren wir im letzten Jahr alle noch sehr skeptisch, weil die Antworten der KI nicht gut oder sogar falsch waren und heute schreiben etliche User, dass sie die KI regelmäßig nutzen und sie die Arbeit erleichtert. Und ich gebe dir Recht, je besser der Prompt, umso besser die Antwort. Das mussten viele von uns auch erst verstehen. Bei uns im Konzern gibt es viele Schulungen zur KI, da werden die Anwendungsbeispiele im Arbeitsalltag erklärt und was einen guten Prompt ausmacht.









